Internationaler Waldkunstpfad

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Der Internationale Waldkunstpfad ist eine Kunstausstellung, die seit 2002 zweijährlich im Darmstädter Forstrevier Böllenfalltor stattfindet und Kunstwerke hauptsächlich aus Naturmaterialien zeigt. Die ortsspezifischen Kunstwerke entstehen im jeweils unmittelbar vorausgehenden, dreiwöchigen Symposium, das der Verein für Internationale Waldkunst e.V. veranstaltet. Besucher - insbesondere Kinder und Familien - werden hierbei bewusst miteinbezogen, insofern als man die Künstler bei der Arbeit beobachten und mit ihnen ins Gespräch kommen kann. Da viele der Kunstwerke doch länger als eine Saison erhalten bleiben, lassen sich entlang des 3,3 km langen Erlebnispfads zwischen Waldparkplatz (ca. 150 m östlich des Polizeipräsidiums Darmstadt) und Ludwigshöhe inzwischen mehr als 35 Installationen und Skulpturen entdecken.

1. Internationaler Waldkunstpfad „Recherche“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Thema „Recherche“[1] startete im August 2002 das Künstler-Symposium. Die „Recherche“ bot lehrreiche Kunstentdeckungen und machte mit einem neuen Blick auf den Wald die hier gezeigten spannenden Verbindungen von Kunst und Natur erkennbar. 17 Künstler aus Italien, Korea, Peru, Schottland, USA (5 davon aus dem hessischen Partnerstaat Wisconsin) und Deutschland entwickelten während des Symposiums Installationen und Performances. Der Wald diente als Ursprung und Grundlage einer künstlerischen Feldforschung.

2. Internationaler Waldkunstpfad „Expeditionen“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2004 entstanden zum Thema „Expeditionen“[2] 15 Installationen und 5 Performances von 21 Künstlern aus Finnland, Großbritannien, Rumänien, Singapur, USA und Deutschland. „Expeditionen“ forderte die Künstler als Wanderer, Reisende, Forscher und Entdecker. Sie erkundeten die Themen: Geographien des Waldes, Lebensraum Forst und Mythen vom Wald. Hinzu kamen die Angebote „Kinder begegnen Künstlern“ und „Kinderexpeditionen mit Kunstwerkstatt“.

3. Internationaler Waldkunstpfad „Laboratorium“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Waldkunst „Laboratorium[3] konnte im August 2006 der Entstehungsprozess der Werke von 15 Künstlern aus Argentinien, Bulgarien, Ecuador, Finnland, Israel, Italien, Kanada, Schottland, Schweiz, USA und Deutschland während des Symposiums beobachtet werden. Erstmals fand eine Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Wissenschaftlern statt. Beim regelmäßigen Mittwochsforum haben die Künstler aus aller Welt über ihre Arbeit berichtet. Ebenfalls wurden wissenschaftliche Vorträge im Wald gehalten. Für die Kinder wurde ein Waldlaboratorium angeboten und ein gemeinsamer Videofilm erstellt. Der Internationale Waldkunstpfad und das natürliche Umfeld des Waldes wurden zur Laborsituation für die künstlerisch-wissenschaftliche Forschung und für Projekte, etwa in Biologie, Geologie, Architektur, Psychologie oder Forstwissenschaft.

4. Internationaler Waldkunstpfad „Kreisläufe und Systeme“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Waldkunstpfad 2008 „Kreisläufe und Systeme“ - „Cycles and Systems“[4] reflektierten 17 Künstler aus Argentinien, Großbritannien, Italien, Kanada, Niederlande, Portugal, USA und Deutschland, Wissenschaftler und Vortragende die Verbindungen und Veränderungsmechanismen in der Natur und im menschlichen Zusammenleben mit der Umwelt. Kreisläufe sind nur in Systemen vorstellbar und können durch Eingriffe von außen verändert werden. Im Kreislauf bestehen gegenseitige Abhängigkeiten, die gerade im Wald durch das Wechselspiel von Natur und Mensch geprägt sind. Es wurden aber nicht nur die ökologischen Einflüsse mit Mitteln der Kunst gedeutet und verarbeitet, sondern auch soziale und künstlerische Systeme einbezogen. Der Austausch zwischen Künstlern, Kuratoren, Umwelt- und Forstwissenschaftlern während der öffentlichen Konferenz im Jagdschloss Kranichstein bündelte die Energie und diente der Erweiterung des Wissens- und Erfahrungshorizontes.

5. Internationaler Waldkunstpfad „Freiheit und Wildnis“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Waldkunstpfad 2010 „Freiheit und Wildnis[5] folgt der Mythologie und den romantischen literarischen Bildern des Waldes - „Überleben in der Wildnis“, „Freiheit der Gedanken“, „Zurück zur Natur“. 16 Künstler aus China, Großbritannien, Italien, Kanada, Schweiz, USA und Deutschland spiegeln in ihren Werken die Idee von „Freiheit und Wildnis“ vor dem Hintergrund der ökologischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Entwicklungen im Wald und in der Natur. Führungen, Performances, Tanzprojekte, eine Kinderoper und der „Green Summit“ begleiten die Ausstellung.

6. Internationaler Waldkunstpfad „Realität und Romantik“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joan Backes „Forest House“, 2012
Anne Berlit „Luftschloss“, 2012

Realität und Romantik“ 2012[6] beschäftigt sich mit der Bedeutung des Waldes zwischen romantischen Vorstellungen und realen Bedingungen von Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit. Der Wald am Rande der Stadt, als Naherholungsgebiet und „grüne Lunge“ wird extensiv genutzt und bietet ein Refugium. Romantische Orte im Wald erwecken seit Jahrhunderten die Phantasie, wie bei den Dichtern der Romantik. Der „romantische Wald“ ist ein Ort zwischen Forstwirtschaft und Naherholungsanspruch, ein Ort des Übergangs und Innehaltens, eine historische Quelle und die Überlebensstrategie der Zukunft. Die 18 Kunstschaffenden kamen aus 8 Ländern: Italien, Japan, Korea, Polen, Rumänien, Ungarn, USA und Deutschland.

7. Internationaler Waldkunstpfad „Kunst Biotope“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ri Eung Woo „The Big Wheel“, 2014
Tim Norris „Habitat“, 2014

„Kunst-Biotope“ 2014[7] beschäftigt sich mit Biotopen als Lebensraum für Tiere, Pflanzen, Menschen und Künstler. Der Wald ist für die Waldkunst ein gemeinsamer Ort für Natur und Kunst. Lebenswelt, Umwelt und Naturschutz spielen dabei eine große Rolle. Biotope sind die kleinsten Einheiten der Biosphäre. Diese Idee aus dem Naturschutz soll auf die Kunst übertragen werden. Künstler werden im Wald „Kunst Biotope“ erstellen und künstlerische Feldforschung betreiben. Das Konzept der Nachhaltigkeit und nachhaltiger Kunst ist seit vielen Jahren eine Grundvoraussetzung für die künstlerische Arbeit im Wald. Dieses Mal kommen die 21 Kunstschaffenden aus 11 Ländern: Bulgarien, China, Elfenbeinküste, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Korea, Niederlande, Österreich, Schweden und Deutschland.

8. Internationaler Waldkunstpfad „Kunst Transformation“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim 8. Internationalen Waldkunstpfad „Kunst Transformation“ 2016[8] ging es um die Verwandlungen im Wald: wie verändern Künstler den Wald durch ihre Eingriffe, wie verändern die Besucher den Wald und wie wird der Besucher selbst durch Kunst und Natur verändert? Die Erforschung der kulturellen Bedeutung von Wald und auch künstlerische Feldforschungsprojekte im Wald loteten das Thema aus. In diesem Jahr kamen die 22 Kunstschaffenden aus 13 Ländern: Argentinien, Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Mexiko, Niederlande, Österreich, Russland, USA und Deutschland.

9. Internationaler Waldkunstpfad „Kunst Ökologie“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

23 internationale Künstler aus 9 Ländern (Belgien, England, Frankreich, Italien, Japan, Namibia, Südafrika, USA und Deutschland), u. a. Kevin Sullivan, Imke Rust und Emanuela Camacci waren 2018 eingeladen, sich mit ökologischen Veränderungen zu beschäftigen.[9]

10. Internationaler Waldkunstpfad „Kunst / Natur / Identität“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Internationalen Waldkunstpfad im Jahr 2020[10] nahmen 15 Künstler aus sieben Ländern - Bulgarien, Elfenbeinküste, Japan, Niederlande, Portugal, Türkei und Deutschland - teil. Die 14 entstandenen Installationen, Performances und BankART beziehen sich auf Erfahrungen und das Erleben im Wald und in der Natur, so beispielsweise das Wolkenkuckucksheim des Niederländers Fredie Beckmanns. Roger Rigorth konnte dank zahlreicher Spenden sein Wald-U-Boot, 2004 entstanden, das verwitterungsbedingt 2018 hatte abgebaut werden müssen, neu bauen.[11] Erstmals wurde zudem das Unesco Welterbe Grube Messel in die Biennale einbezogen. In dessen Besucherzentrum waren drei weitere Kunstwerke ausgestellt; Das Fossil von Roger Rigorth, das auf der Wiese davor zur Aufstellung kam, bleibt erhalten.[12]

Finanziell wurde die Veranstaltung unterstützt durch die Kulturstiftung Frankfurt/Rhein-Main, Stadt Darmstadt, Sparkasse Darmstadt, Kultursommer Südhessen, Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald und Merckschen Gesellschaft.[13]

Schwesterprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forest Art Wisconsin „Native/Invasive“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Schwesterprojekt fand 2007 unter dem Thema „Native/Invasive“ im Northern Highland American Legion State Forest bei Minocqua (Wisconsin, USA) statt.[14]

Forest Art China „Poetic Forest“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Schwesterprojekt fand 2010/2011 unter dem Thema „Poetic Forest“ im Geopark Lu Shan (Jiangxi, China) statt.[15][16]

Forest Art China „Flowing Inspiration“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses Schwesterprojekt fand 2015 unter dem Thema „Flowing Inspiration“ im Yu Lei Mountain (Chengdu, China) statt.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Website des Vereins für Internationale Waldkunst

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „1. Internationale Waldkunstpfad-Recherche“, Darmstadt 2002, ISBN 3-9808705-0-2 .
  2. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „2. Internationaler Waldkunstpfad Expeditionen“, Darmstadt 2004, ISBN 3-9808705-1-0.
  3. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „3. Internationaler Waldkunstpfad Laboratorium“, Darmstadt 2006, ISBN 3-9808705-2-9.
  4. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „4. Internationaler Waldkunstpfad Kreisläufe und Systeme“, Darmstadt 2008, ISBN 3-9808705-3-7.
  5. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „5. Internationaler Waldkunstpfad Freiheit und Wildnis“, Darmstadt 2010, ISBN 3-9808705-4-5.
  6. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „6. Internationaler Waldkunstpfad Realität und Romantik“, Darmstadt 2012, ISBN 3-9808705-6-1.
  7. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „7. Internationaler Waldkunstpfad Internationaler Kunst Biotope“, Darmstadt 2014, ISBN 3-9808705-8-8.
  8. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „8. Internationaler Waldkunstpfad Kunst Transformation“, Darmstadt 2016, ISBN 978-3-9808705-7-3.
  9. 9. Internationaler Waldkunstpfad, Verein für internationale Waldkunst e.V., 2018
  10. 10. Internationaler Waldkunstpfad - »Kunst/Natur/Identität«. Verein für internationale Waldkunst e.V., 2020
  11. Warum im Darmstädter Wald ein Holz-U-Boot steht. Von Annette Krämer-Alig, Darmstädter Echo, 6. August 2020
  12. 10. Internationaler Waldkunstpfad vom 15. August bis 4. Oktober im Forst am Böllenfalltor. Darmstädter Echo, 12. August 2020, S. 3
  13. Darmstädter Waldkunstpfad führt vorbei an 14 Werken. Von Annette Krämer-Alig, Darmstädter Echo, 23. Juli 2020
  14. Website Forest Art Wisconsin - Native/Invasive (engl.)
  15. Ausstellungskatalog: Ritschel, Ute (Hrsg.): „International Forest Art China, The Poetic Forest“, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-9808705-5-9.
  16. Website Forest Art China - Poetic Forest (engl./chin.)
  17. Website Forest Art China - Flowing Inspiration (engl./dt./chin.)

Koordinaten: 49° 51′ 2,3″ N, 8° 39′ 48,9″ O