Internationales Institut für geistige Zusammenarbeit

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Das Internationale Institut für geistige Zusammenarbeit (IIGZ) (fr. Institut international de coopération intellectuelle, engl. International Institute for Intellectual Cooperation) war eine internationale Organisation zur Förderung des wissenschaftlichen und intellektuellen Austauschs, die von 1926 bis 1946 bestand und seinen Sitz in Paris hatte. Das IIGZ gilt als Vorgängerinstitution der UNESCO und war dem Völkerbund angegliedert.

Gründung und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das IIGZ war ins Leben gerufen worden, weil sich die 1922 gegründete „Kommission für internationale geistige Zusammenarbeit“ (KIGZ), der vierzehn Mitglieder, unter anderem Albert Einstein, Henri Bergson, Marie Curie und Gonzague de Reynold angehörten, als wenig schlagkräftig erwiesen hatte.

Das IIGZ wurde deshalb als ständiges Exekutivorgan der weiterhin bestehenden KIGZ gegründet und wurde vor allem von Frankreich unterstützt, das auch den überwiegenden Teil des Personals stellte und 80 Prozent der Kosten des Instituts trug. Auch die ersten beiden Generaldirektoren des Instituts, Julien Luchaire (bis 1930) und Henri Bonnet (ab 1930) waren Franzosen. Wie die UNESCO auch hatte das IIGZ bzw. die KIGZ nationale Kommissionen, die die Zusammenarbeit mit der Zentrale organisierten.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptaufgaben waren Fragen des Urheberrechts und geistigen Eigentums sowie von Übersetzungen, der Statistik im Kulturbereich und der "moralischen Abrüstung", d.h. das IIGZ sollte komplementär zum Völkerbund wirken, dessen Hauptaufgabe die Friedenssicherung durch politische Maßnahmen, wie etwa Abrüstung und Streitschlichtung war, indem es die Friedensbereitschaft der Völker durch erzieherische und kulturelle Maßnahmen stärkte. Dies sollte vor allem dadurch geschehen, dass der Unterrichtsstoff in Schulbüchern weniger chauvinistisch und im Geiste der Völkerverständigung geschrieben werden sollten.[1] Auch strebte das IIGZ die friedliche Nutzung von Radio und Kino an, organisierte Sommerkurse für Jugendliche beim Völkerbund in Genf und andere Bildungsmaßnahmen zum besseren Verständnis des Völkerbunds.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie der Völkerbund selbst scheiterte das Institut für geistige Zusammenarbeit letztlich in seiner Hauptaufgabe, der Sicherung des Friedens. Anderseits legte es wichtige Grundlagen für die Entstehung der Vereinten Nationen und deren angegliederten Organisationen und die europäische Verständigung nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Grund für die wenig erfolgreiche Arbeit des Instituts war das von nationalen Rivalitäten geprägte internationale Klima. Außerdem wurde die internationale Kooperation in der Zwischenkriegszeit keine Massenbewegung, sondern wurde nur von einem Teil der intellektuellen Eliten getragen. Im Bereich der kulturellen Zusammenarbeit, in dem sich Frankreich besonders engagierte, äußerten besonders England, aber auch Länder wie Schweden und das Deutsche Reich den Verdacht des Kulturimperialismus und vermuteten hinter dem französischen Engagement vor allem politische Hintergedanken zur Durchsetzung französischer Ziele.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christine Manigand: Elites et coopération culturelle internationale dans le cadre de la Société des Nations. In: Marta Petricioli, Donatella Cherubini (Hg.): Pour la paix en Europe. Institutions et société civil dans l'entre-deux-guerres (= L'Europe et les Europes – 19e et 20e siècles, Bd. 7). P.I.E. Peter Lang, Brüssel u.a. 2007, ISBN 978-90-5201-364-0, S. 57–71.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Jacques Renoliet: L'UNESCO oubliée. La SDN et la coopération intellectuelle 1919–1946. Publications de la Sorbonne, Paris, 1999.
  • Phan Ti Tu: La coopération intellectuelle sous la Société des Nations. Droz, Genf, 1962.
  • Isabella Löhr: Der Völkerbund und die Globalisierung geistiger Eigentumsrechte in der Zwischenkriegszeit. In: UFITA 2008/I, S. 67–90.
  • Corinne A. Pernet: Twists, Turns and Dead Alleys. The League of Nations and Intellectual Cooperation in Times of War. In: Journal of Modern European History, Jg. 12 (2004), Heft 3, S. 342–358 (online).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Corinne A. Pernet: „In the Spirit of Harmony“? The Politics of (Latin American) History at the League of Nations. In: Alan McPherson, Yannick Wehrli (Hg.): Beyond Geopolitics. New Histories of Latin America at the League of Nations. University of New Mexico Press, Albuquerque 2015, ISBN 978-0-8263-5165-4, S. 135–153 (online)