Interrex

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Der Interrex (wörtlich: „Zwischenkönig“) war in der Römischen Republik ein vom Senat ernannter Patrizier, der ausschließlich für die Durchführung der Konsulwahlen zuständig war, wenn dies die bisherigen Konsuln nicht mehr selbst tun konnten. Dieser Fall trat in der Regel nur ein, wenn beide Konsuln tot waren.

Ursprünge[Bearbeiten]

Auf Grund des Titels, der fehlenden Kollegialität und der Überlieferung kann davon ausgegangen werden, dass das Amt seinen Ursprung in der Königszeit hat.[1] Vermutlich stand es dem König zu, seinen Nachfolger zu ernennen. Dieses Recht wurde aber entweder grundsätzlich oder doch wenigstens im Fall einer unklaren Nachfolge von einem Interrex wahrgenommen.[2] Nach dem Tod des Königs trat der Senat zusammen und teilte sich in zehn Dekurien in denen wohl eine Reihenfolge der Senatoren ausgelost wurde. Es regierten dann zuerst die an erster Stelle stehenden Senatoren jeder Dekurie für je bis zu fünf Tage.[3] Anschließend regierten die an zweiter Stelle stehenden, wenn bis dahin keine Wahl eines Königs zustande gekommen war. Dabei war es dem ersten Interrex nicht gestattet, eine Wahl durchzuführen.

In der Republik wurde ein Interrex ernannt, wenn ein Obermagistrat zur Leitung der Wahlen zum Konsulat nicht zur Verfügung stand. Nach römischem Rechtsverständnis durfte das konsularische auspicium aus sakralrechtlichen Gründen nur persönlich von einem Konsul zum nächsten weitergegeben werden. Wurde diese Kette unterbrochen, ging das auspicium übergangsweise an den Senat zurück (auspicia ad patres redeunt), dessen patrizische Mitglieder dann unter sich – erneut für jeweils fünftägige Perioden – Interreges ernannten, um sakralrechtlich einwandfreie Konsulwahlen durchzuführen.[4] Zum letzten Mal geschah dies 52 v. Chr.[5]

Bekannte Interreges[Bearbeiten]

Die Liste folgt in ihrer Zusammenstellung und den genannten Quellen der Darstellung von P. Willems.[6] Ihre Vollständigkeit kann keineswegs sicher vorausgesetzt werden, da im Gegensatz zum Konsulat für die Interreges eine einheitliche antike Aufstellung fehlt.

Liste der Interreges
Jahr Name
509 Sp. Lucretius[7]
483 A. Sempronius Atratinus[8]
Sp. Larcius
462 P. Valerius Publicola[9]
444 T. Quinctius Barbatus[10]
420 L. Papirius Mugilanus[11]
413 Q. Fabius Vibulanus[12]
396 L. Valerius Potitus[13]
Q. Servilius Fidenas
M. Furius Camillus
392-391 M. Furius Camillus[14]
P. Cornelius Scipio
L. Valerius Potitus
389 P. Cornelius Scipio[15]
M. Furius Camillus
387 M. Manilus Capitolinus[16]
Ser. Sulpicius Camerinus
L. Valerius Potitus
355 Q. Servilius Ahala[17]
M. Fabius Ambustus
Cn. Manlius Imperiosus
C. Fabius Ambustus
C. Sulpicius
L. Aemilius
Q. Servilius Ahala
M. Fabius Ambustus
352 L. Cornelius Scipio[18]
351 C. Sulpicius[19]
M. Fabius Ambustus
340 M. Valerius Corvus[20]
M. Fabius Ambustus
333-332 M. Valerius Corvus[21]
326 L. Aemilius Mamercinus Privernas[22]
320 Q. Fabius Maximus Rullianus[23]
M. Valerius Corvus
298 Ap. Claudius[24]
P. Sulpicius
291 L. Postumius Megellus[25]
Q. Fabius Maximus[26]
216 C. Claudius Centho[27]
P. Cornelius Asina
162 L. Aemilius Paulus[28]
82 L. Valerius Flaccus[29]
77 Ap. Claudius[30]
M. Valerius Messala[31]
52 M. Aemilius Lepidus
Ser. Sulpicius[32]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen Bleicken: Die Verfassung der Römischen Republik. 7., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. UTB Schöningh, Paderborn 1995.
  • Wilhelm Liebenam: Interregnum. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IX, 2, Stuttgart 1893ff., Sp. 1713–1720.
  • Ernst Meyer: Römischer Staat und Staatsgedanke. Lizenzausgabe, 2. durchgesehene und ergänzte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1961.
  • Hermann Schiller, Moritz Voigt: Die römischen Staats-, Kriegs- und Privataltertümer. Beck, Nördlingen 1887 (Handbuch der klassischen Altertums-Wissenschaft in systematischer Darstellung. Bd. 4, Abt. 2).
  • Pierre Willems: Le Sénat de la République Romaine, sa composition et ses attributions. Band 2: Les attributions du Sénat. Peeters u. a., Louvain u. a. 1883 (Nachdruck. Scientia Verlag, Aalen 1968).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meyer, S. 21
  2. Schiller, S. 525; Eingeschränkter S. 529
  3. Liv. 1,17,6
  4. Bleicken, S. 115
  5. Schiller, S. 529
  6. Willems, S. 10-12
  7. Dionys. 4, 76, 82, 84
  8. Dionys. 8, 90
  9. Liv. 3,8
  10. Liv. 4,7,7
  11. Liv. 4,43
  12. Liv. 4,51
  13. Liv. 5,17,7
  14. Liv. 5,31,8
  15. Liv. 6,1,8
  16. Liv. 6,5,6
  17. Liv 7,17
  18. Liv. 7,21
  19. Liv. 7,22
  20. Liv. 8,3
  21. Liv. 8,17
  22. Liv. 8,23
  23. Liv. 9,7
  24. Liv. 10,11
  25. Liv. 27,6
  26. CIL I Elog. Nr. 29
  27. Liv. 22,34
  28. CIL I,289
  29. App. Bell. Civ. 1,98
  30. Sall. hist. 1,67,22
  31. CIL VI Nr. 3826
  32. Plut. Pump. 54