Interseroh

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Interzero Circular Solutions Germany GmbH

Rechtsform GmbH
Gründung 1991
Sitz Köln, Deutschland
Leitung Melanie Freytag, Sebastiaan Krol, Alexander Maak[1]
Mitarbeiterzahl 2000 (2019)[2]
Umsatz 723 Mio. Euro (2019)[2]
Branche Recycling, Entsorgung, Umwelt, Facility Management
Website interzero.de

Die Interzero Circular Solutions Germany GmbH (vormals Interseroh Dienstleistungs GmbH) ist ein Anbieter von Umweltdienstleistungen mit Sitz in Köln. Das Unternehmen trat bis 2021 als Duales System in Deutschland auf und gehört neben der börsennotierten Alba SE (vormals Interseroh SE) zur Alba Group.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Logo

Eine Gruppe von Entsorgungsunternehmen gründete die Interseroh AG 1991 in Köln.[3] Unternehmensziel war die Verwertung von Sekundärrohstoffen als Garantiegeber für das Duale System Deutschland sowie die Konzeption von Branchenlösungen, um die Rückführung und Verwertung von Transportverpackungen in den Materialkreislauf zu gewährleisten.

Hintergrund des Geschäftsmodells war der Erlass der Verpackungsverordnung vom 12. Juni 1991. Der Gesetzgeber verlangte mit dieser Verordnung von den Herstellern und Vertreibern von Verpackungen die Rücknahme, Verwertung und Entsorgung ihrer Produkte nach Gebrauchsende. Für die praktische Umsetzung der Verordnung war 1990 das Duale System Deutschland in der Bundesrepublik Deutschland zunächst als Monopol eingeführt worden.[4]

1993 lagerte die Interseroh AG das operative Geschäft aus in die Interseroh Dienstleistungs GmbH. Ab 1994 erweiterte Interseroh sein Geschäftsmodell und stieg ins Metall- und Stahlrecycling ein, das sich zum zweiten Standbein des Unternehmens entwickelte. Dieser Bereich wurde in den darauffolgenden Jahren massiv ausgebaut. Durch die Übernahme der Hansa Recycling GmbH, Dortmund im Jahr 2001, rückte Interseroh vom fünften auf den dritten Platz der größten Stahlrecycling-Firmen in Deutschland vor.[5]

1997 expandierte Interseroh außerhalb Deutschlands mit der Gründung der österreichischen Tochtergesellschaft EVA Erfassen und Verwerten von Altstoffen GmbH als Systembetreiberin für Österreich.[6] Heute firmiert diese unter Interseroh Austria GmbH. Von Österreich aus expandierte Interseroh in den darauf folgenden Jahren nach Slowenien, Polen, Kroatien und Bosnien.

Die Gesellschaft ging am 22. Juni 1998 an die Börse: Fünf Millionen Aktien wurden im geregelten Markt der Börse Frankfurt und der Börse Düsseldorf emittiert. Von 2000 bis 2010 entwickelte sich die Interseroh-Aktie mit einem Kursanstieg von 458 % zu einem der erfolgreichsten Wertpapiere des Jahrzehnts.[7]

Im Jahr 2000 übernahm Interseroh das Rücknahmesystem „Die Grüne Umweltbox“ für die Sammlung leerer Tonerkartuschen und Mobiltelefone in Unternehmen, Schulen und Kindergärten. 2004 erhielt das Recycling-Unternehmen in Konkurrenz zum Dualen System Deutschland AG (DSD), zuerst in Hamburg, die Erlaubnis zur Rücknahme anfallender Verpackungen[8]. Dagegen hatte der bisherige Monopolist im Abfallgeschäft DSD, erfolglos Klage eingereicht.[9] Bereits zuvor hatte ein weiteres Entsorgungsunternehmen, die Landbell AG in Hessen, die Zulassung zur Abfallentsorgung für privaten Müll erhalten. Damit war die ursprüngliche Monopolstellung des DSD nicht mehr gegeben. Als 2006 Baden-Württemberg als letztes Bundesland die Zulassung den Zugang weiterer Unternehmen zum Entsorgungsmarkt öffnete, konnte die Interseroh GmbH bundesweit als Duales System aktiv werden.[10]

2005 hatte Interseroh mit Zustimmung des Bundeskartellamtes seinen Anteil an der Westpfand Clearing GmbH, dem ersten Pfandsystem für Einweggetränkeverpackungen auf dem deutschen Markt[11], auf 51 Prozent vergrößern können. Zusammen mit der Deutschen Pfand-Konzept GmbH war daraus die Interseroh Pfand-System GmbH entstanden.[12] Seitdem ist diese an der Abwicklung von Waren- und Geldströmen beim Einwegpfand beteiligt.[13]

2008 erfolgte die Umwandlung der Gesellschaft in eine europäischen Aktiengesellschaft (SE), die als Interseroh SE firmierte. Im selben Jahr ging diese eine Kooperation mit dem Entsorgungs- und Recycling-Unternehmen Alba ein. 2011 wurde die Metall- und Stahlsparte unter das Dach der Alba Group gestellt. Im selben Jahr stimmten die Interseroh-Aktionäre einem Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag zwischen der Alba Group plc & Co. KG und der Interseroh SE zu und beschlossen 2012 die Umfirmierung der Interseroh AG in die Alba SE. Diese fungiert als Zwischenholding der Alba Group, hat aber ihre Börsennotierung weiter behalten. Der Streubesitz lag Ende 2020 bei 6,9 %.[14]

Innerhalb der Alba Group verkörpert Interseroh das Segment Services, das auf Abfallvermeidung, Produktrecycling, Rücknahme von Verpackungen, Bereitstellung von Sekundärrohstoffen und von Mehrweglösungen spezialisiert ist. Diesen Bereich hat 2016 das chinesische Familienunternehmen Techcent zu 60 Prozent von der Alba Group übernommen[15]. Techcent musste dann Jahr 2021 Insolvenz anmelden und die Anteile wieder zurück an die Alba Group veräußern.

Im Jahr 2022 führte das Unternehmen sein Duales System unter einer neuen Firmierung Interseroh+ GmbH fort[16], während alle anderen Umweltdienstleistungen seit dem 14. Juni 2022 in einer neuen Firmengruppe Interzero GmbH & Co. KG unter der Leitung von Dr. Axel Schweitzer fortgesetzt wurden.[17]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Interseroh Dienstleistungs GmbH gehörte anfänglich über die börsennotierte Zwischenholding Alba SE (vormals Interseroh SE)[18], dann im Segment Services zur Alba Group und ist Anbieter von Umweltdienstleistungen. Der Geschäftsbereich umfasst: Abfallvermeidung durch Mehrwegsysteme und Pooling-Lösungen, die Verlängerung von Produktlebenszyklen durch Rücknahme, Sortierung und Wiederverwendung von Wertstoffen sowie Recycling (Kreislaufführung, Herstellung von Sekundärrohstoffen) sowie Beratung zur Prozessoptimierung mit dem Ziel der Abfallvermeidung.[19] Zu den Dienstleistungen des Unternehmens zählen beispielsweise die Rücknahme von Transportverpackungen, Papiersäcken, Energiesparlampen, leeren Druckerpatronen, Elektro-Altgeräte-Recycling und Herstellung von Sekundärrohstoffen wie etwa Procyclen und Recythen.

Seit der Gründung hat Interseroh für mehr als 10.000 Kunden aller Branchen Systemdienstleistungen erbracht. Das Unternehmen beschäftigt 1646 Mitarbeiter an insgesamt 31 Standorten in acht Ländern und erwirtschaftete 2016 rund 492 Mio. Euro Umsatz.

Innovationen und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Verfahren Recycled-Resource stellt Interseroh aus gebrauchten Kunststoffen neue maßgeschneiderte Sekundärrohstoffe für neue Verpackungen und Produkte her (z. B. procyclen®).

  • 2012 Kölner Unternehmerpreis[20]
  • 2013 Industriepreis der „Initiative Mittelstand“ in der Kategorie Service und Dienstleistungen[21]
  • 2017 Slowenischer Umweltpreis[22]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markus Timmermeister: Entstehung und Gestaltung eines neuen Politikfelds. Die Abfallpolitik in der Bundesrepublik Deutschland in den neunziger Jahren. (Dissertation), Münster 1998, pp. 37–46

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.northdata.de/INTERSEROH+Dienstleistungs+GmbH,+K%C3%B6ln/HRB+23522
  2. a b Kurz und bündig: Interseroh in Zahlen. In: interseroh.de. Abgerufen am 5. Juni 2020.
  3. Timmermeister, Markus: Entstehung und Gestaltung eines neuen Politikfelds. Die Abfallpolitik in der Bundesrepublik Deutschland in den neunziger Jahren. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Dissertation am Fachbereich Soziologie der Universität Bielefeld. November 1998, ehemals im Original; abgerufen am 15. Februar 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/pub.uni-bielefeld.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Verpackungsverordnung (VerpackV). In: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Abgerufen am 22. März 2018.
  5. Interseroh übernimmt Hansa. In: Handelsblatt, 9. April 2001
  6. Deutscher Müllsammler mischt mit EVA gegen ARA. Interseroh will mit der Österreich-Tochter EVA in den Verpackungsmarkt einsteigen. In: WirtschaftsBlatt, 7. Dezember 1996
  7. Das ganze Leben lang in Schrott investiert. In: Handelsblatt, 27. Februar 2010
  8. Grüner Punkt bekommt Konkurrenz durch den Interseroh-Konzern. Kölner kämpfen um Hamburgs Müll. In: Die Welt, 19. März 2004
  9. Interseroh wehrt sich gegen DSD-Klage. In: Handelsblatt, 9. April 2004
  10. Wettbewerber scharf auf Müll/Der Grüne Punkt bekommt jetzt auch in Baden-Württemberg Konkurrenz. In: Südkurier, 3. Januar 2006
  11. INTERSEROH übernimmt Mehrheit an Westpfand. In: finanzen.net. Abgerufen am 22. März 2018.
  12. Interseroh steigt bei Westpfand ein. In: Börsen-Zeitung, 22. Januar 2005
  13. Schlautmann, C.: Interseroh kämpft um Marktposition. In: Handelsblatt,. 8. September 2006, abgerufen am 15. Februar 2018.
  14. Alba SE: Investor relations, Abruf am 6. Mai 2021
  15. Chinesische Millionen für Recyclingfirma Alba. In: Handelsblatt. 3. Oktober 2016, abgerufen am 22. März 2018.
  16. Interseroh+ tritt im neuen Jahr bundesweit als duales System an. In: EUWID Ausgabe 51/2021. EUWID Recycling und Entsorgung, 21. Dezember 2021, abgerufen am 14. Juni 2022.
  17. Mathias Kreutzmann: Pressemitteilung - Interzero – mit konsequenter Kreislaufwirtschaft für eine Welt ohne Abfall. In: Interzero. Interzero GmbH & Co. KG, Berlin, 14. Juni 2022, abgerufen am 14. Juni 2022.
  18. Interseroh SE wird zur Alba SE umfirmiert. In: EUWID. EUWID, 8. Mai 2012, abgerufen am 14. Juni 2022.
  19. Nachhaltigkeitsmagazin. In: Website Interseroh. Abgerufen am 15. Februar 2018.
  20. Kölner Unternehmerpreis. In: Website Wirtschaftsclub Köln e.V. Wirtschaftsclub Köln e.V., 2012, abgerufen am 15. Februar 2018.
  21. Interseroh gewinnt Industriepreis 2013. In: Recyclingnews. ALBA Group plc & Co. KG, 4. April 2013, abgerufen am 15. Februar 2018.
  22. Interseroh: Slowenischer Umweltpreis für Kunststoff-Upcycling-Verfahren. In: Website plasticker.de. New Media publisher GmbH, 10. November 2017, abgerufen am 15. Februar 2018.