Interventionistische Linke

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Die Interventionistische Linke (IL) ist ein zum Jahreswechsel 2005 gegründetes linksradikales, außerparlamentarisches Bündnis aus rund 30 deutschen und österreichischen Ortsgruppen, sowie Einzelpersonen. [1] Die IL bezeichnet sich als post-autonomer "bundesweiter Zusammenhang", der eine handlungsfähige "radikal gesellschaftliche Linke" erst noch "herausbilden" will. [2] Mit der Partei die Linke ist sie nicht verbunden. Die IL beschreibt sich als "multizentrische postautonome Organisation“, die „überregionale und transnationale Handlungs- und Interventionsfähigkeit" gewinnen will." [3] Ihre Ziele sind Feminismus, Klimaschutz, Selbstbestimmung und schließlich die "Abschaffung aller Verhältnisse in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist (Karl Marx)" [4] Die IL wendet sich gegen Rassismus, Faschismus, Antisemitismus und Sexismus. [5]

Gründungsphasen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1999 fanden erste Kooperationen der späteren Bündnispartner statt, mit dem Ziel, „nach der misslungenen linksradikalen Mobilisierung gegen den G8-Gipfel in Köln“ den „Tiefpunkt“ der radikalen Linken in Deutschland zu überwinden.[6] Diese erste Phase der Gründung dauerte bis 2004, eine zweite Phase dauerte von 2004 bis zum ersten Großereignis, den Protesten gegen den G-8 Gipfel in Heiligendamm 2007, als die IL „erstmals in der Praxis erleb- und wahrnehmbar wurde.“[7]

Nachdem bundesweit schon einige IL-Gruppen existierten, wurde spätestens mit Auflösung der Antifaschistischen Linken Berlin[8] und Transformation von Avanti – Projekt undogmatische Linke[9] im September 2014 die IL von einem Bündnisprojekt zu einem prägenden Akteur der radikalen Linken.[10]

Am 21. Mai 2015 gab auch die Gruppe Für eine linke Strömung (FelS) ihr Aufgehen in der nun zur Organisation gewordenen Interventionistischen Linken bekannt.[11][12]

Theoretische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem mehrjährigen Diskussionsprozess veröffentlichte die IL 2014 das sogenannte „Zwischenstandspapier“, in dem ihre Ziele genauer theoretisch bestimmt wurden. Demnach möchte die IL eine Linke sein, die „selbstbewusst und sprechfähig in politische Kämpfe eingreift und fähig ist, auch außerhalb ihrer Subkulturen, Kieze und Freiräume zu agieren.“ Dem voraus ging eine längere Selbstkritik der sogenannte autonomen Linken, mit dem resultierenden Appell für eine „post-autonome“ Linke, die sich für breitere gesellschaftliche Bündnisse öffnen sollte statt in politischen Nischen zu verharren, wie es in den 1990er Jahren der Fall war.[13] Das Zwischenstandspapier erklärt zu Gegner der IL „Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus insgesamt“. Diese wolle man bekämpfen und „immer wieder neue Allianzen“ suchen und „lieber Fehler mach(en) und aus ihnen lern(en), anstatt sich im Zynismus der reinen Kritik zu verlieren.“ Diese Position bezeichnet eine Abgrenzung zu verschiedenen linksradikalen Strömungen, die hauptsächlich Texte verfassen, ohne gesellschaftspolitisch aktiv zu werden und meist eine resignierende Haltung einnehmen, beispielsweise Teile der sogenannten Antideutschen Linken. Im Gegensatz zu Gruppen wie Marx21 betätigt sich die IL nicht in der Linkspartei, sondern versteht sich als außerparlamentarische Opposition. In der Wahl ihrer Mittel dazu steht die IL in der Tradition von Karl Marx und setzt auf „den revolutionären Bruch“ um „alle Formen von Unterdrückung, Entrechtung und Diskriminierung“ zu überwinden.[14] Gleichwohl wurde ihr wiederholt, zum Beispiel von der Zeitschrift Interim vorgeworfen, sozialdemokratisch reformistisch und nicht revolutionär genug zu sein.

Hauptprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bundesweiten Hauptprojekten der IL gehörten bzw. gehören der G8 Gipfel in Heiligendamm, Castor Schottern, Stopp Nato, Ende Gelände und Dresden Nazifrei. Die IL war Mitglied im Bündnis No Pasarán gegen den Dresdner Naziaufmarsch. Die IL ist Mitglied im Bündnis Aufstehen gegen Rassismus, das sich gegen die AfD und Pegida wendet[15] und im Bündnis „What the Fuck“ gegen den jährlichen Marsch der Abtreibungsgegner.[16] Die IL hat den ersten Welcome-to-stay Kongress initiiert und ist Mitglied im gleichnamigen Bündnis.[17]

Seit 2015 und dem Aufstieg von Pegida und vermehrten Anschlägen auf Flüchtlingsheime und Geflüchtete widmen sich die Ortsgruppen vermehrt antirassistischer Arbeit. So hat die IL Leipzig/Prisma die zweijährigen wöchentlichen Gegendemonstrationen gegen Legida mitorganisiert.[18] Die Ortsgruppe Berlin ist Mitglied in Bündnissen zur Aufklärung der Verbrechen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds NSU.[19]

Neben den bundesweiten Kampagnen verfolgen die Ortsgruppen eigene Vorhaben. In den größeren Ortsgruppen gibt es Arbeitsschwerpunkte zu verschiedenen Themen, unter anderem: Queer/Feminismus, Recht auf Stadt/Stadt für alle, Soziale Kämpfe, Antifaschismus und Antirassismus, Klimawandel und Umwelt, Rojava/Kurdistan-Solidarität und welcome-to-stay (praktische Hilfe für Geflüchtete).

Inlandsgeheimdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr 2015 wird die IL auf Platz 1 von 19 "linksextremistischen" Gruppen geführt. [20] Die Interventionistische Linke ihrerseits beobachtet den Verfassungsschutz und wirft diesem und den weiteren Inlandsgeheimdiensten vor, "scheinbar kein Interesse an einer Aufarbeitung" der Verbrechen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds zu haben und eine Aufklärung vielmehr absichtlich zu verschleppen. [21]

Beteiligung bei den Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Mitwirkung der IL nahm laut der Zeitung „die Zeit“ bei dem G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 – unter anderem – ein Schwarzer Block unter dem Motto „Make capitalism history“ auf der Großdemonstration am 2. Juni 2007 in Rostock teil, von dem laut Zeitungsbericht die Ausschreitungen ausgingen.[22] Die IL bestritt das: „Die Polizei hat von sich aus geprügelt und dadurch die Situation bewusst eskalieren lassen.“ [23] Laut Berliner Verfassungsschutz hatte die IL explizit „das Ziel, die Proteste anlässlich des G 8-Gipfels zu radikalisieren. Dies sei ein notwendiger Schritt zur Überwindung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“. Allerdings formuliert die IL in eigenen Worten nicht das Ziel, die „freiheitlich demokratische Grundordnung“ zu überwinden, sondern „Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus“.[24] Zum G8 Gipfel schrieb die IL: „In der Radikalisierung und Ausweitung all dieser Initiativen wird sich letztendlich auch die Frage nach einem Bruch mit dem klassenherrschaftlichen, patriarchalen, rassistischen und imperial(istisch)en System und die Eigentumsfrage neu stellen.“ … „Für eine Linke, die in den offenen wie untergründigen sozialen Konflikten und in all ihren widersprüchlichen Verlaufsformen den Ansatzpunkt wie das Potenzial für jede Form revolutionärer Gesellschaftsveränderung sieht, wird es jedoch darauf ankommen, diesen Konflikten in und um Heiligendamm zum Ausdruck zu verhelfen. […] Ob und inwieweit der G8-Gipfel zum Bezugs- oder gar zum Kristallisationspunkt der Klassenauseinandersetzungen hier zu Lande gemacht werden kann, ist auch ein Maßstab für die momentane tatsächliche sozialrevolutionäre Bedeutung der radikalen Linken.“[25]

Die IL war laut Verfassungsschutzbericht „bestrebt, ein möglichst breites Bündnis unter Einschluss von Gewerkschaften und kirchlichen Gruppierungen zu organisieren, um ein großes Protestpotenzial mobilisieren zu können“.[25]

Beteiligung an den Protesten gegen Atomkraft - „Castor? schottern!“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des Castor-Transportes aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in das Atommülllager Gorleben im November 2010 organisierte die Interventionistische Linke mit anderen Gruppen aus dem autonomen Spektrum die Kampagne „Castor? schottern!“.

Beteiligung bei den Protesten gegen den Braunkohletagebau - Ende Gelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IL beteiligt sich am Bündnis Ende Gelände. Der IL gelang es dabei, wie der Verfassungsschutz attestiert, "mithilfe von Aktionsbündnissen tagespolitische Themen aufzugreifen und [sich] in der Szene als Agitationsschwerpunkt zu etablieren." Sie war "maßgeblich an der Organisation und Mobilisierung zu den Aktionstagen beteiligt" und erwies "sich als zuverlässiger und aktiver Partner" im Bündnis. "So wertete auch die IL die Protestaktion als großen Erfolg und sieht Anknüpfungspunkte für weitere Aktionen." [26]

Mitgliedergruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Interventionistische Linke hat derzeit Ortsgruppen in folgenden Städten und Regionen: Aschaffenburg, Berlin, Bielefeld, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Freiburg, Göttingen, Graz, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe, Kassel, Kiel, Köln, Leipzig, Lübeck, Mannheim, Marburg, München, Münster, Norderstedt, Nürnberg, Rhein-Neckar, Rostock, Ruhrgebiet, Tübingen, Wien und Worms.[27] Auch die Redaktion der Zeitung analyse&kritik ist Mitglied der IL.

Regionale Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zwischenstandspapier der Interventionistische Linken wird das Ziel formuliert, sämtliche Ortsgruppen in Interventionistische Linke Stadt umbenennen und, falls vorhanden, mehrere Ortsgruppen einer Stadt zu vereinen.[28] Dies ist noch nicht in allen Städten geschehen: In Freiburg tritt die IL als Antifaschistische Linke Freiburg, in Marburg als Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t., in Göttingen als Antifaschistische Linke International sowie als Basisdemokratische Linke, in Düsseldorf als I Furiosi und see red! auf.

in der IL aufgegangene Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verfassungsschutzbericht 2015, S. 124
  2. IL im Aufbruch – ein Zwischenstandspapier | Interventionistische Linke. In: interventionistische-linke.org. www.interventionistische-linke.org, abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  3. Homepage der IL am 28. April 2015, zitiert nach: Verfassungsschutzbericht 2015, S. 110
  4. IL im Aufbruch – ein Zwischenstandspapier | Interventionistische Linke. In: interventionistische-linke.org. www.interventionistische-linke.org, abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  5. http://www.interventionistische-linke.org/kategorie/positionen
  6. die mobilisierung des gemeinsamen – Prager Frühling. 21. Juni 2008 (prager-fruehling-magazin.de).
  7. IL im Aufbruch – ein Zwischenstandspapier | Interventionistische Linke. In: interventionistische-linke.org. www.interventionistische-linke.org, abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  8. http://www.antifa.de/cms/content/view/2383/1/
  9. 25 Jahre Avanti – ab jetzt sind wir Interventionistische Linke | Avanti – Projekt undogmatische Linke. Abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  10. Erik Peter: Linksradikale Zusammenschlüsse: Kuscheln im Bündnis. In: die tageszeitung. (taz.de).
  11. [1]
  12. Felix Langhammer, Axel Gebauer; WARENFORM http://www.warenform.net: FelS macht sich auf zu neuen Ufern (neues deutschland). (neues-deutschland.de [abgerufen am 4. Februar 2017]).
  13. Notwendigkeit einer neuen linken Organisierung. Abgerufen am 4. Februar 2017.
  14. IL im Aufbruch – ein Zwischenstandspapier | Interventionistische Linke. Abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  15. #Aufstehen-Netzwerk – Aufstehen gegen Rassismus! In: Aufstehen gegen Rassismus! (aufstehen-gegen-rassismus.de [abgerufen am 4. Februar 2017]).
  16. Marsch für das Leben? What the fuck! Abgerufen am 4. Februar 2017.
  17. Welcome2stay. Abgerufen am 4. Februar 2017.
  18. Legida – Läuft nicht! « Prisma. Abgerufen am 4. Februar 2017.
  19. Das System NSU | Interventionistische Linke. Abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  20. Verfassungsschutzbericht 2015, S. 8
  21. http://interventionistische-linke.org/termin/das-system-nsu Das System NSU
  22. Karin Geil: Nach G8-Demonstration: "Das sind Verbrecher!" In: zeit.de. 4. Juni 2007, abgerufen am 31. Januar 2015.
  23. Karin Geil: Nach G8-Demonstration: "Das sind Verbrecher!" In: zeit.de. 4. Juni 2007, abgerufen am 31. Januar 2015.
  24. IL im Aufbruch – ein Zwischenstandspapier | Interventionistische Linke. Abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  25. a b Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz über „Linksextremistische Protestvorbereitungen gegen den G 8-Gipfel 2007“, S. 2ff.
  26. Verfassungsschutzbericht 2015, Bundesministerium des Innern, S.120f.
  27. IL vor Ort | Interventionistische Linke. In: interventionistische-linke.org. Abgerufen am 17. November 2016.
  28. Dritte Phase – Organisierung und Organisation | Interventionistische Linke. In: interventionistische-linke.org. Abgerufen am 17. November 2016.
  29. Felix Langhammer, Axel Gebauer; WARENFORM http://www.warenform.net: Antifa in der Krise? (neues deutschland). (neues-deutschland.de [abgerufen am 4. Februar 2017]).
  30. 25 Jahre Avanti – ab jetzt sind wir Interventionistische Linke | Avanti – Projekt undogmatische Linke. Abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  31. Aufhören, um weiterzumachen! | FelS. Abgerufen am 4. Februar 2017.
  32. Alles hat seine Zeit | Libertad! online. In: libertad.de. Abgerufen am 17. November 2016.
  33. Salto nach vorn | Avanti – Projekt undogmatische Linke. Abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).