Intraoperative Wachheit

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Intraoperative Wachheit (engl. Awareness) liegt vor, wenn ein Patient während einer Allgemeinanästhesie (Narkose) seine Umwelt teilweise oder vollständig wahrnimmt oder Aufforderungen aktiv befolgt. Es werden intraoperative Zustände von Wachheit ohne Erinnerung von solchen mit unbewusster (impliziter) und bewusster (expliziter) Erinnerung im Nachhinein unterschieden, wobei die meisten Betroffenen zur ersten Gruppe gehören.

Wenn keine besonderen Risiken vorliegen, treten Wachphänomene mit einer Häufigkeit von ein bis zwei Fällen pro 1.000 Narkosen (0,1 bis 0,2 %) auf. Bei Kindern ist das Risiko für ein solches Ereignis jedoch um das 8- bis 10-fache erhöht.[1] Eine neuere Studie aus Großbritannien kommt auf eine Häufigkeit von 1:15.000, sofern die Patienten nicht befragt werden, sondern die Awareness selbstständig mitteilen.[2] Ein erhöhtes Risiko besteht bei Notfalleingriffen, Schnittentbindungen, herzchirurgischen Eingriffen, Eingriffen in der Nacht, schwerkranken Patienten mit eingeschränkter kardiovaskulärer Reserve (ASA-Status IV, V), Drogenabhängigkeit, Patienten mit chronischen Schmerzen, zuvor stattgehabte Episoden von intraoperativer Wachheit, dem Einsatz vom Muskelrelaxanzien, bei total intravenöser Anästhesie und fehlender Prämedikation mit einem Benzodiazepin.

Monitoring-System zur EEG-Überwachung (BIS)

Das Erleben von Awareness ist sehr variabel und kann Hör- und Sehwahrnehmungen und die Empfindung von Schmerz, Lähmung, Hilflosigkeit und Angst umfassen. Die Rekonvaleszenz nach dem Eingriff kann deutlich beeinträchtigt sein (akute Belastungsreaktion), in der Regel ist ein Erleben von intraoperativer Wachheit aber nicht mit längerfristigen Folgen assoziiert. In Einzelfällen kann es zu Ausbildung einer behandlungsbedürftigen Posttraumatischen Belastungsstörung kommen. Dies kann auch durch Wachheitszustände ohne bewusste Erinnerung verursacht werden.

Maßnahmen zur Vermeidung von Awareness umfassen die Identifizierung von Risikofaktoren vor einem Eingriff, eine standardisierte Prüfung der Ausrüstung, die klinische Überwachung des Patienten (Herzfrequenz, Blutdruck, Pupillenweite, Schwitzen, Bewegungen des Patienten). Die Tiefe der Narkose kann mittels Monitoren, die auf der Ableitung eines Elektroenzephalogramms (EEG) beruhen, überprüft werden. Der Einsatz dieser Geräte wird kontrovers diskutiert, da keine überzeugenden Daten vorliegen, dass die Häufigkeit von Awareness signifikant reduziert werden kann. Die American Society of Anesthesiologists empfiehlt aus diesem Grund den regelhaften Einsatz nicht. Eine weitere Möglichkeit ist die regelmäßige Nachfrage eine nicht von der Narkose betroffene Hand zu bewegen („isolierter Unterarm-Technik”[3]).

Literatur[Bearbeiten]

  • I. Rundshagen: Intraoperative Wachheit. In: Anästh Intensivmed. 2009; 50, S. 296–308. Review.
  • U. Linstedt, H. Wulf: EEG-Messung zur Awareness-Vermeidung - Nutzen oder Luxus? In: Anasthesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther. 2008 May;43(5), S. 384–391. PMID 18464217
  • American Society of Anesthesiologists Task Force on Intraoperative Awareness: Practice advisory for intraoperative awareness and brain function monitoring: a report by the american society of anesthesiologists task force on intraoperative awareness. Anesthesiology. 2006 Apr;104(4), S. 847–864. Review. PMID 16571982 (PDF, 535 kB)
  • B. A. Orser, C. D. Mazer, A. J. Baker: Awareness during anesthesia. In: CMAJ. 2008 Jan 15;178(2), S. 185–188. Review. PMID 18073268

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unerwünschte Wachheit während der Narkose. In: Dtsch Arztebl Int. 2011; 108(1-2), S. 1–7. doi:10.3238/arztebl.2011.0001
  2. J. J. Pandit u. a.: A national survey of anaesthetists (NAP5 Baseline) to estimate an annual incidence of accidental awareness during general anaesthesia in the UK. In: Anaesthesia. Volume 68,, S. 343–353, April 2013. doi:10.1111/anae.12190
  3. Marieke Degen: Psychologie - Wach in Vollnarkose (Archiv). In: deutschlandfunk.de. 5. Dezember 2013, abgerufen am 12. April 2015.
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