Intrastat

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Intrastat (kurz für Innergemeinschaftliche Handelsstatistik, auch ICTS) beruht auf der EG-Verordnung Nr. 638/2004 über die Gemeinschaftsstatistiken des Warenverkehrs zwischen Mitgliedstaaten, welche am 1. Januar 2005 die vormalige EWG-Verordnung Nr. 3330/91 ersetzte. Diese und die EG-Verordnungen Nr. 1901/2000 und Nr. 1917/2000 regeln unionsweite Mindeststandards der handelsstatistischen Erfassung.[1]

Intrastat-Meldungen dienen zur Erfassung des tatsächlichen Warenverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft. Unternehmen müssen Versendungen und Eingänge zentral melden, in Deutschland an das Statistische Bundesamt. Von der Meldepflicht sind in Deutschland umsatzsteuerpflichtige Unternehmen befreit, deren Versendungen in andere EU-Mitgliedstaaten bzw. Eingänge den Wert von 500.000 Euro (Versendung) und/oder 800.000 Euro (Eingang) im Vorjahr nicht überschritten haben. Wird diese Wertgrenze erst im laufenden Kalenderjahr überschritten, so beginnt die Meldepflicht mit dem Monat, in dem die Schwelle überschritten wurde. Die Abgabe dieser Meldungen ist in allen EU-Mitgliedstaaten verbindlich.

Zweck der Intrastat-Meldungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intrastat-Meldungen werden zusammengefasst in der sog. Intrahandelsstatistik. Aus ihr können aktuelle Daten über den innergemeinschaftlichen Handel Deutschlands bereitgestellt werden. Dies geschah vor dem vollendeten Europäischen Binnenmarkt aus den Daten der Zollabwicklung. Mit dem Wegfall einer solchen Abwicklung bei Versendung von Gemeinschaftsware vom einen in den anderen Mitgliedstaat wurde die Einführung der Intrastat-Meldungen notwendig. Angaben über den Warenverkehr sind dienlich zur Beantwortung von Fragen rund um Handelspolitik, Entwicklungspolitik u.a.

Meldepflichtiger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Versendungsfall ist generell derjenige zur Meldeabgabe verpflichtet, der eine innergemeinschaftliche Lieferung gemäß Umsatzsteuergesetz (UStG) ausführt. Umgekehrt ist grundsätzlich derjenige auskunftspflichtig, der einen innergemeinschaftlichen Erwerb im Sinne des UStG tätigt. Wer meldepflichtig ist, erfährt das Bundesamt über das zuständige Finanzamt durch die Umsatzsteuervoranmeldungen des Unternehmens. Anhand der Zahlen lassen sich beide Meldungen miteinander abstimmen.

Meldepflichtige Warenbewegungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht nur der klassische Warenhandel wird erfasst, sondern der gesamte Warenverkehr. So unterliegen grundsätzlich alle aus einem Mitgliedstaat in einen anderen Mitgliedstaat beförderten Waren der Intrastat-Statistik. Hierunter fallen auch Transaktionen ohne Eigentumsübertragung, z. B. Miete und Leasing. Bis 2006 waren in Deutschland ferner Reparaturen meldepflichtig. Ab Januar 2007 sind Reparaturen und Wartungsarbeiten von der Anmeldung zur Intrahandelsstatistik befreit.

Form der Anmeldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intrastat-Meldungen werden beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden bis zum 10. Arbeitstag nach Ablauf des Berichtsmonats abgegeben. Die Meldungen müssen elektronisch erfolgen und werden vom Statistischen Bundesamt stichprobenweise auf Genauigkeit überprüft. Hierbei werden die Ausfuhrberichte anderer Länder und die Umsatzsteuer- Voranmeldung der Unternehmen [2] herangezogen.

Ab einem Liefervolumen von 500.000 EUR durch Versendungen und/oder 800.000 EUR durch Bezüge entstanden, müssen Intrastat-Meldungen an das Statistische Bundesamt übermittelt werden.

Freistellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Meldepflicht befreit für die jeweilige Verkehrsrichtung sind in Deutschland Unternehmen, deren im Intrahandel getätigten jährlichen Versendungen oder Eingänge in andere Mitgliedstaaten 500.000 Euro (Versendung) bzw. 800.000 Euro (Eingang) im laufenden Jahr oder im Vorjahr nicht überschritten haben[3]. Wird die vorgenannte Wertgrenze im laufenden Jahr überschritten, sind ab dem folgenden Monat statistische Meldungen abzugeben. Die Meldungen sind auf elektronischem Wege zu übermitteln: als Mittel stehen dabei das IDEV-Meldesystem, in dem zwischen zwei verschiedenen Meldesystemen (Online-Formularmeldung oder Datei-Upload) gewählt werden kann und das Meldeverfahren eSTATISTIK.core zur Verfügung. Befreit sind außerdem Privatpersonen sowie Auskunftspflichtige, die von der Abgabe einer periodischen Steueranmeldung befreit sind.

In Österreich liegt die entsprechende Assimilationsschwelle für die Statistik des Warenverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten bei 500.000 Euro pro Jahr[4].

In Italien ist seit 2011 jede Geschäftsabwicklung mit dem Ausland Intrastat-Meldepflichtig (auch Kleinstbeträge). Jedes Unternehmen welches Einkäufe und/oder Verkäufe im Ausland tätigen will, muss zudem 30 Tage vor Ausführung eine Erklärung an die Agentur der Einnahmen abgeben.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhrüberschuss Exportquote Importabhängigkeitsquote Terms of Trade (2005 = 100)
2011 1 060 Mrd. Euro 902 Mrd. Euro 158 Mrd. Euro 41,2 % 37,4 % 94,7 %

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXII/I/I_00651/fnameorig_028338.html
  2. http://www.hk24.de/international/export/exportvorschriften/binnenmarkt_eu_vorschriften/367128/intrastat.html Punkt 7, Abs. 5
  3. § 30 Abs. 4 AHStatDV
  4. § 2 HStatVO 2009

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]