Invalidenstraße (Berlin)

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Invalidenstraße
Wappen
Straße in Berlin
Invalidenstraße
Blick durch die Invalidenstraße vom Naturkundemuseum Richtung Chausseestraße
(Zustand im Jahr 2008 noch ohne Straßenbahngleise)
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte, Moabit
Angelegt Mitte des 18. Jahrhunderts
Hist. Namen Spandauer Heerweg
Anschluss­straßen
Veteranenstraße,
Alt-Moabit/Werftstraße
Querstraßen (Auswahl)
Brunnenstraße,
Ackerstraße,
Gartenstraße,
Chausseestraße,
Luisenstraße,
Heidestraße
Plätze Pappelplatz,
Platz vor dem Neuen Tor,
Europaplatz
Bauwerke Elisabethkirche,
Ackerhalle,
Hotel Baltic,
Museum für Gegenwart im ehemaligen Hamburger Bahnhof.
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 3000 Meter

Die Invalidenstraße ist eine rund drei Kilometer lange historisch gewachsene Durchgangsstraße in Berlin. An ihr stehen zahlreiche denkmalgeschützte Bauten, z. B. der Hamburger Bahnhof. Seit 2006 befindet sich der Hauptbahnhof an der Invalidenstraße. In Höhe der Hessischen Straße wird die Invalidenstraße von der Panke unterquert.

Lage und Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie verläuft in ost-westlicher Richtung durch die Ortsteile Mitte und Moabit. Im Abschnitt Mitte liegen die Parzellennummern 1–49 und 80–163. Die Zwischennummern (50–56 [Endpunkt, Wende] sowie 57–79) gehören zu Moabit. Die Hausnummern verlaufen in Hufeisenform von Osten ab der Brunnenstraße nach West zur Straße Alt-Moabit und zurück. Der Abschnitt im Ortsteil Mitte gehört zum historischen Stadtteil Oranienburger Vorstadt.

Bedeutende Querstraßen sind die Chausseestraße, die Scharnhorststraße und Alt-Moabit. Zwischen der Scharnhorststraße und der Heidestraße quert die Invalidenstraße auf der Sandkrugbrücke den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, an dessen östlichem Ufer der Berliner Mauerweg vor dem Gebäude des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie entlangführt. Weiter nach Osten tangiert die Straße den Invalidenpark, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, das Museum für Naturkunde und die Landwirtschaftlich-gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität. Südlich der Invalidenstraße beginnt der Campus der Charité mit zahlreichen Instituten und Einrichtungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straße wurde im 13. Jahrhundert als Spandauer Heerweg angelegt. Der aktuelle Name der Straße geht auf das Invalidenhaus zurück, das Friedrich II. 1748 zur Versorgung der Kriegsversehrten aus dem Ersten und Zweiten Schlesischen Krieg errichten ließ. (In diesem Gebäude befindet sich seit der deutschen Wiedervereinigung ein Teil des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.)

Der aktuell gültige Straßenname erschien um 1800 auf den Berliner Stadtplänen, in den Adressbüchern trug das Invalidenhaus noch bis zum Jahr 1828 die Adresse Vor dem Oranienburger Thore. Der Name Invalidenstraße findet sich erstmals 1830 mit diesen Details: „Invalidenhaus, vor dem Oranienburger Th., in der Invalidenstraße“.[1][2]

Im Jahr 1848 wurde am westlichen Ende der Invalidenstraße die nach Plänen Friedrich August Stülers im Burgenstil ausgeführte Ulanen­kaserne ihrer Bestimmung übergeben.[3] Ein Jahr später waren an der Einmündung der Lehrter Straße die Bauarbeiten an dem als „Preußisches Mustergefängnis Moabit“ konzipierten Zellengefängnis abgeschlossen. Beide Gebäude wurden in den 1950er Jahren abgerissen.

Westliche Hälfte der Invalidenstraße auf einem Stadtplan von 1875

Der südwestliche Abschnitt der Invalidenstraße begrenzte den Universum Landes-Ausstellungs-Park. Dieser wurde weitgehend zerstört, lediglich das in den Komplex integrierte Astronomische Theater der Volks-Sternwarte der Urania blieb erhalten und wurde als Vortragssaal in die heutige Polizeidienststelle integriert. Auch das Leichenschauhaus für West-Berlin wurde mehrere Jahrzehnte lang dort betrieben. Die Leiche des Naziführers und Hauptkriegsverbrechers Martin Bormann wurde 1972, 27 Jahre nach dessen Selbstmord, bei Bauarbeiten auf dem Gelände gefunden.

Sandkrugbrücke über den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und Grenzübergang, 1987
Grenzübergang Invalidenstraße am 10. November 1989

Im Jahr 1961 wurde die Invalidenstraße durch den Mauerbau in zwei Bereiche geteilt. Die DDR richtete in der Invalidenstraße in Höhe der Scharnhorststraße einen der wenigen Grenzübergänge zwischen Ost- und West-Berlin ein.[4] Nach dem Fall der Mauer entstand der in der Nachkriegszeit verwilderte Invalidenpark mit einem Brunnen von Neuem. Der Brunnen wurde von Christophe Girot nach einem öffentlichen Wettbewerb gestaltet und trägt den Namen Wasseranlage von Girot, auch Invaliden- oder Mauerbrunnen und wird von Stadtführern auch als Versunkene Mauer bezeichnet.

Historische Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang zur Ackerhalle

In der Invalidenstraße gibt es zahlreiche öffentliche Einrichtungen und Baudenkmäler,[5] unter anderem die nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel 1834 erbaute Elisabethkirche (Nr. 3), die 1888 von Hermann Blankenstein geplante Ackerhalle (Nr. 158) sowie das von Hans Bernoulli entworfene und 1910 eingeweihte Hotel Baltic (Nr. 120/121).

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden an der Invalidenstraße weitere für Berlin bedeutende Bauten: die Landwirtschaftliche Fakultät der Berliner Universität, das Naturkundemuseum (Nummer 43), daneben in einem Flügel die Geologische Sammlung der Universität. Letztere zog in den 1990er Jahren aus und wurde samt einem angebauten Neubau Hauptsitz des Bundesverkehrsministeriums (Nummer 44). An der Ecke zur Scharnhorststraße gab es den Invalidenpark, unter den Parzellennummern 47–50 folgte das namensgebende Invalidenhaus. Auf Grundstücken vor dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal befanden sich ein Waschhaus für die Charité (Nummer 50) und die Entbindungs-Anstalt der Charité (Nummer 51).[6]

Über den Kanal hinweg entstand der Hamburger Güterbahnhof, der um 1884 stillgelegt wurde. Im ehemaligen Bahnhofsgebäude ist seit den 1990er Jahren das Museum für Gegenwart eingerichtet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reko-Straßenbahnzug der Linie 22 kurz vor der Kreuzung mit der Chausseestraße, 1991
Ehemaliges Ende der Straßenbahnstrecke aus der Bernauer Straße an der Invalidenstraße

Durch einige Abschnitte der Invalidenstraße führten schon frühzeitig Straßenbahnstrecken, so die alte Linie 44 in West-Berlin und die Linien 1, 11, 46 und 70 im Ostteil zwischen Veteranen- und Chausseestraße.[7] Mit dem Bau der Mauer und der Schaffung des Kontrollpunktes in Höhe der Scharnhorststraße sind dort die in der Straßenmitte verlegten Schienenabschnitte erhalten geblieben und waren bis Herbst 2013 noch zu sehen.

Die Invalidenstraße wurde nach der Wiedervereinigung Berlins 1990 eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in der Stadt. Lange geplant und durch Anwohnerproteste verzögert, wurde ab Juni 2011 die Straßenbahn vom Nordbahnhof durch die Invalidenstraße bis zum Hauptbahnhof verlängert.[8] Gleichzeitig wurde dieser Abschnitt vierstreifig für den Autoverkehr ausgebaut und mit Fahrstreifen für den Radverkehr versehen. Die Straße wird Bestandteil des nördlichen Innenstadtringes, der damit durchgängig befahrbar wäre.[9][10]

Langfristig ist vorgesehen, eine neue U-Bahn-Linie (U11) unter der Invalidenstraße vom Hauptbahnhof in Richtung Osten zu bauen.

In der Invalidenstraße befindet sich seit 2015 westlich der Sandkrugbrücke eine von 17 in Berlin fest installierten automatischen Radzählstellen. Unter allen mit einer Zählstelle versehenen Plätzen der Stadt, ist die Straße der am neuntstärksten vom Radverkehr frequentierte Ort.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Karwelat: Zwei Ministerien in historischer Umgebung. Hrsg.: Berliner Geschichtswerkstatt e. V. in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Bezirk Berlin. Berlin 1999, ISBN 3-925702-18-0 (54 S.).
  • Markus Sebastian Braun (Hrsg.): Berlin – Der Architekturführer. Econ Ullstein List, München 2001, ISBN 3-88679-355-9.
  • Belletristik: In Theodor Fontanes Roman Stine wohnen zwei wichtige Protagonistinnen, Pauline Pittelkow und ihre Schwester Ernestine (Stine) Rehbein, in dieser Straße.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Invalidenstraße (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Invalidenhaus in der Invalidenstraße. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1830.
  2. Invalidenstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  3. Ulanenkaserne (Invalidenstraße/Seydlitzstraße) auf der Website „GeDenkMal Berlin“ des Bürgervereins Bürger für den Stephankiez e. V. (BürSte)
  4. Ehemaliger Grenzübergang Invalidenstraße (Memento des Originals vom 23. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berlin.de
  5. Suchergebnis in der Denkmaldatenbank des Landes Berlin@1@2Vorlage:Toter Link/www.stadtentwicklung.berlin.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Invalidenstraße. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1866, II, S. 80.
  7. Berliner Stadtplan von 1960 mit der Führung der Straßenbahnlinien durch die Invalidenstraße. Abgerufen am 9. Oktober 2019.
  8. Baubeginn: Berlin bekommt eine neue S-Bahnlinie. In: B.Z., 4. Juni 2011, Zugriff am 24. August 2011
  9. Neue Invalidenstraße – es wird geplant und geklagt. In: Berliner Zeitung, 12. Mai 2009
  10. Verkehrsverbindung Nordbahnhof – Hauptbahnhof • Das Vorhaben bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.
  11. Verkehrserhebung Radzähler für Berlin: Wie viele Radfahrer sind unterwegs? Abgerufen am 5. Februar 2019.

Koordinaten: 52° 31′ 43″ N, 13° 22′ 35″ O