Investitionsruine

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Die Soda-Brücke in Castrop-Rauxel-Merklinde

Als Investitionsruine bezeichnet man ein Bauwerk, das nach Fertigstellung oder vorzeitigem Abbruch des Projektes entweder niemals seinem ursprünglich geplanten Zweck diente, oder nicht den erwarteten Ertrag oder Nutzen brachte[1]. Speziell bei nicht fertiggestellten Bauwerken spricht man auch von Bauruinen[2].

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung gibt anschaulich den Sachverhalt wieder, dass Investitionen in die Finanzierung einer Ruine geflossen sind. Die Ursachen für ein derartiges Scheitern eines Projektes können eine mangelhafte Ausstattung mit Kapital oder wirtschaftliche, politische und auch militärische Umstände sein. Auch technische Gründe können vorkommen, wenn beispielsweise eine neue Technologie noch nicht ausgereift ist und sich beim Bau einer diese nutzenden Anlage herausstellt (Beispiel: Kernkraftwerk THTR-300), dass sie nicht wie vorgesehen funktioniert.

Im Lauf der Geschichte gab es immer wieder die Erscheinung der Investitionsruine, so wurde die barocke Festung Mont Royal an der Mosel nie fertiggestellt und nach Beendigung der Bauarbeiten umgehend geschleift. Prominent sind allerdings Investitionsruinen der letzten beiden Jahrhunderte im Bereich des Verkehrswesens, wie sie beispielsweise mit den sogenannten Soda-Brücken zu finden sind.

Vielfach anzutreffen sind Investitionsruinen im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs. Allein in Berlin gibt es mehrere U- und S-Bahnhöfe bzw. Fragmente von solchen, die nie an das Schienennetz angeschlossen wurden.

Dass eine nutzlose Investitionsruine, deren Fertigstellung nicht mehr zu erwarten ist, über einen längeren Zeitraum erhalten bleibt, kann verschiedene Gründe haben. Häufig fehlen die finanziellen Mittel zu ihrer Beseitigung oder der hierfür Verantwortliche ist juristisch nicht zu ermitteln. Manchmal ist die Beseitigung aber auch technisch nicht möglich (z. B. bei massiven Betonkonstruktionen in der Nähe anderer Gebäude, die eine Sprengung unmöglich machen).

In seltenen Fällen kommt es allerdings auch vor, dass Investitionsruinen noch nach Jahrzehnten fertiggestellt werden: Ein Beispiel ist die Autobahnbrücke bei Pirk, deren Bau 1938 begonnen, aber 1940 kriegsbedingt eingestellt wurde. Nach dem Krieg war aufgrund der deutschen Teilung an einen Weiterbau nicht zu denken, so dass die Brücke erst ab 1990 fertiggestellt wurde wobei man sogar das seit Jahrzehnten in der Nähe gelagerte Baumaterial verwendete.

Manche Investitionsruinen gelten mittlerweile auch als historisch bedeutsam und stehen deshalb unter Denkmalschutz, z. B. Teile des strategischen Bahndamms.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kanäle
Der Masurische Kanal (russisch Канал Мазурский, Kanal Masurski, polnisch Kanał Mazurski) ist eine 50,4 Kilometer lange, nicht fertiggestellte künstliche Wasserstraße, die im historischen Ostpreußen eine schiffbare Verbindung zwischen der Masurischen Seenplatte und der Ostsee bei Königsberg (russ. Калининград, Kaliningrad) herstellen sollte.
  • Eisenbahnen
Der Strategische Bahndamm ist eine niemals fertiggestellte Eisenbahnstrecke zwischen dem Ruhrgebiet und der Südwestgrenze Deutschlands.
  • Straßen
Strecke 46 bezeichnet ein knapp 70 km langes unvollendetes Autobahnteilstück, das zwischen Fulda und Würzburg parallel zur heutigen A 7 verläuft. Der Bau dieser geplanten Reichsautobahn wurde 1937 begonnen und 1939 eingestellt. Auch die Reichsautobahn Wien–Breslau (Strecke 88) wurde niemals fertiggestellt.
  • Hochhäuser und Türme
Als Fernsehturm Jekaterinburg wird die weltweit höchste Investitionsruine, ein unvollendeter Fernsehturm im russischen Jekaterinburg bezeichnet. Beim Ryugyŏng Hot’el in Nordkorea, das bislang als höchste Investitionsruine galt, ist die Fertigstellung und Nutzung weiterhin nicht absehbar.[3]
  • Industriegebäude
Als bekannteste Investitionsruine Österreichs gilt das Kernkraftwerk Zwentendorf, das, obwohl fertiggestellt, wegen einer negativen Volksabstimmung nie in Betrieb ging.
  • Sonstige Bauwerke
Der McCaig’s Tower oberhalb der schottischen Stadt Oban ist der nicht fertiggestellte Nachbau des Kolosseums in Rom. Der ortsansässige Bankier John Stuart McCaig ließ das Monument 1897 bauen, um die einheimischen Arbeiter während der arbeitsarmen Wintermonate zu beschäftigen und seiner Familie ein Denkmal zu setzen. Weder der geplante Turm im Inneren des Bauwerks noch die Statuen der Familie McCaig wurden jemals fertiggestellt, da alle Mitglieder der Familie bis 1904 starben oder verarmten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Investitionsruine. Duden, abgerufen am 11. Juni 2015.
  2. Bauruine. Duden, abgerufen am 11. Juni 2015.
  3. Hotel Ryugyong in Pjöngjang: Kim hat die protzigste Bauruine der Welt, blick.ch, 16. Februar 2016

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]