Investmentgesellschaft

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Eine Investmentgesellschaft ist eine Gesellschaft, die liquide Mittel von Anlegern sammelt, um diese nach vorgegebenen Grundsätzen in diverse Anlageklassen (zum Beispiel Wertpapiere, Immobilien oder Rohstoffe) zu investieren.[1]

Grundsätzliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich kann eine Investmentgesellschaft eine beliebige Rechtsform aufweisen. In den meisten Ländern sieht das Gesetz Rechtsformen vor, die auf Investmentgesellschaften zugeschnitten sind. Ein Beispiel hierfür ist die in Europa verbreitete Investmentgesellschaft mit variablem Kapital (französisch société d'investissement à capital variable, abgekürzt SICAV).

Ein Beispiel für freiere Rechtsformen ist der Investmentclub: Es handelt sich um eine Investmentgesellschaft, die oft die Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts in Deutschland bzw. einer einfachen Gesellschaft in der Schweiz hat.

Während geschlossene Fonds ein vorgegebenes Investitionsvolumen haben, können Investmentgesellschaften mit variablem Kapital durch Ausgabe neuer Anteile beliebig wachsen. Der Wert des einzelnen Anteils entspricht stets dem aktuellen Fondsvermögen geteilt durch die Zahl der ausgegebenen Anteile. Das durch die Ausgabe von Anteilen aufgenommene Geld wird zum Kauf eines Portfolios aus Wertpapieren (z. B. Aktien und Anleihen), Immobilien, Geldmarktpapieren oder anderen Vermögensgegenständen verwendet. Steigt der Wert des Portfolios, so profitiert der Anleger, denn auch sein Anteil wird mehr wert. Sinkt der Wert, so trägt er die Verluste. Je nach Rechtsform gehört das Fondsvermögen direkt dem Anleger (zum Beispiel im Fall des Investmentclubs), oder aber der Fondsgesellschaft (zum Beispiel im Fall einer Aktiengesellschaft), an welcher der Anleger seinen Anteil hält. Bei einer nach dem Transparenzprinzip besteuerten Investmentgesellschaft wird das Fondsvermögen steuerlich aber in jedem Fall wie eine Direktanlage des Anlegers behandelt.

Besitzt der Anleger das Anlagevermögen nur indirekt, trägt er zusätzlich zum Anlagerisiko noch das Emittentenrisiko:[2] Das Anlagerisiko besteht darin, dass der Wert der Anlage sinkt; das Emittentenrisiko besteht darin, dass die Investmentgesellschaft zahlungsunfähig wird. Dieses Risiko besteht insbesondere dann, wenn eine Investmentgesellschaft mehrere Fonds verwaltet, weitere Geschäftstätigkeiten verfolgt, oder sonstige Verbindlichkeiten eingeht. Im Fall von Kapitalanlagegesellschaften (KAG) (eine im deutschen Recht speziell geregelte GmbH oder AG, die Anteile an von ihr gegründeten Fonds an Anleger gegen Geld ausgibt), wird der Anleger durch das rechtliche Konzept des Sondervermögens geschützt, welche das separate Betrachten der verschiedenen emittierten Anlageinstrumente vorschreibt und damit das Emittentenrisiko minimiert.

In Deutschland, wie in vielen anderen Ländern auch, bedürfen Investmentgesellschaften oft staatlicher Genehmigungen, ehe sie ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen dürfen, und werden von der jeweiligen Finanzaufsichtsbehörde überwacht. Bei Neuauflage eines Fonds muss auch dieser genehmigt werden, außerdem müssen die aktuellen Preise der Anteile regelmäßig veröffentlicht werden.

Investmentgesellschaften mit Sitz in verschiedenen Ländern sind häufig in einer Unternehmensgruppe zusammengefasst. Europäische Gruppen bestehen oft aus einer Investmentgesellschaft im Heimatland des Mutterunternehmens und einer weiteren in Luxemburg und/oder Irland. In solchen Gruppen können auch Gesellschaften vorhanden sein, die selbst keine Fonds auflegen, aber damit zusammenhängende Tätigkeiten erbringen (siehe unten „Geschäftsabläufe einer Investmentgesellschaft“). Manchmal wird die ganze Unternehmensgruppe als Investmentgesellschaft bezeichnet. Auch die Holding-Gesellschaft, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und selbst kein operatives Geschäft betreibt, wird manchmal als Investmentgesellschaft bezeichnet.

Aufsichtsbehörden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Land Deutschland Österreich Schweiz Liechtenstein
Aufsichtsbehörde Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) FMA Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA)
Gesetzestext Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) – bis 22. Juni 2013: Investmentgesetz (InvG)

Gesetz über die integrierte Finanzdienstleistungsaufsicht (FinDAG; PDF; 122 kB)

Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz (FMABG) Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG; PDF; 235 kB) Finanzmarktaufsichtsgesetz (FMAG) Gesetz

Gesetz über Investmentunternehmen (IUG) Gesetz

Verordnung über Investmentunternehmen (IUV) Verordnung

Interessenvertretung BVI Bundesverband Investment und Asset Management e. V. Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA) Liechtensteinischer Anlagefondsverband (LAFV)
Anzahl Kapitalanlagegesellschaften 76[3] 23[4] 44[5] 27[6]
Gesamtanzahl/-volumen Fonds ~1.329 Mrd. €[7] 2.061 Fonds / 137.463,46 Mio € 350+ Fonds / 25+ Mrd. CHF

Ausländische Investmentverbände weltweit sind beim deutschen Fondsverband BVI abrufbar.[8] Eine Auflistung von staatlichen Aufsichtsinstitutionen findet sich unter Liste von Finanzaufsichtsbehörden.

Staatliche Kontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die staatliche Kontrolle einer Investmentgesellschaft richtet sich nach dem Land, in dem die Gesellschaft ansässig ist. Denn sie muss die in dem jeweiligen Land gültigen gesetzlichen Bestimmungen erfüllen. Die Auflagen z. B. der Securities and Exchange Commission (SEC) in den USA sind in vieler Hinsicht lockerer im Vergleich zu den Auflagen des Investmentgesetzes in Deutschland. So war es z. B. bis 2004 in Deutschland unzulässig, Hedgefonds aufzulegen. In den USA war dieser Fondstyp schon viel früher erlaubt. Noch weniger oder überhaupt keine Auflagen hat eine Investmentgesellschaft zu erfüllen, die ihren Sitz in einem sogenannten Offshore-Finanzplatz hat, z. B. auf den Kaimaninseln. Hier unterliegt eine Investmentgesellschaft überhaupt keiner externen Kontrolle, wie sie das Geld ihrer Anleger verwaltet.

In Europa sind Mindestanforderungen an die staatliche Überwachung von Investmentgesellschaften in der Richtlinie 85/611/EWG festgelegt. Allerdings erfasst diese Richtlinie nicht alle Arten von Investmentgesellschaften und Fonds.

Geschäftsabläufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kapitalanlagegesellschaft arbeitet oft mit diversen Finanzdienstleistern zusammen. Die Fondsbuchhaltung wird häufig von einer Servicegesellschaft ausgeführt. Eine Depotbank übernimmt die Verwahrung des Fondsvermögens. Zusätzlich überwacht die Depotbank die Geschäftstätigkeit der Investmentgesellschaft. Dazu ist sie in Deutschland gemäß Investmentgesetz §§ 20 ff. verpflichtet. Die von der Depotbank durchzuführenden Kontrollen beziehen sich unter anderem auf die Rechtmäßigkeit der Geschäfte, den korrekt ermittelten Anteilspreis, das Collateral Management, die Anlagegrenzprüfung und die Marktgerechtigkeit.[9] Die Verwaltung der Anteilkonten der einzelnen Anleger und der Zahlungsverkehr wird meist von verschiedenen Kreditinstituten ausgeführt. Einige Fonds haben einen externen Advisor, der die Investmentgesellschaft bei einzelnen Käufen oder Verkäufen für die Fonds berät. Die Verwaltung des Fondsportfolios kann auch ganz an einen geeigneten Dritten ausgelagert werden. Ein Broker führt den Handel der Wertpapiere an der Börse aus. Der Verkauf der Investmentfonds-Anteile an die Kunden wird meistens von mehreren Vertriebspartnern ausgeführt.

Sondervermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sondervermögen sind nach § 1 KAGB die Investmentvermögen von Anlegern, die getrennt von den Geldern der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) verwahrt werden müssen. Dadurch sind die Kundengelder im Falle einer Insolvenz der KVG kein Teil der Insolvenzmasse und bleiben erhalten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. FAZ Börsenlexikon
  2. Finanzwiki Emittentenrisiko
  3. BaFin; Stand: 15. Nov. 2013 (Memento des Originals vom 13. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bafin.de
  4. VÖIG/OeKB; Stand: 05/2005
  5. EBK; Stand: 3. Jun. 2005
  6. FMA; Stand: 12/2006
  7. BVI, Stand: 31. Sep. 2008
  8. Ausländische Investmentverbände weltweit (Memento des Originals vom 3. Februar 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bvi.de
  9. Depotbankrundschreiben 06/2010 (Memento des Originals vom 7. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.anadeo.com (PDF; 80 kB)