Ippinghausen

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Ippinghausen
Stadt Wolfhagen
Koordinaten: 51° 16′ 51″ N, 9° 8′ 44″ O
Höhe: 319 m ü. NHN
Fläche: 12,87 km²[1]
Einwohner: 1036 (1. Jan. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 80 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34466
Vorwahl: 05692
Panorama Ippinghausen
Panorama Ippinghausen

Ippinghausen ist ein Stadtteil der Stadt Wolfhagen im nordhessischen Landkreis Kassel. Das noch heute ländlich geprägte Dorf ist staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hasenmühle im Langen Rod

Ippinghausen liegt im Westen des Naturparks Habichtswald am Fuß des Weidelsbergs (492,3 m ü. NN) mit der größten Burgruine Nordhessens, der Weidelsburg. Durch das etwa 320 m hoch gelegene Dorf fließt der Eder-Zufluss Elbe. Hindurch führt zwischen Freienhagen und Bründersen die Bundesstraße 251. Etwas westlich der Ortschaft befindet sich an dieser Straße das Schloss Höhnscheid, das allerdings zur Gemarkung des Bad Arolser Ortsteils Bühle gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Ippinghausen erfolgte unter dem Namen Ypponhuson um das Jahr 1120.[1] Allerdings gibt es Hinweise, dass die erste Besiedlung schon auf 600 bis 900 n. Chr. zu datieren ist. Ippinghausen gehörte in der ältesten Zeit den Edlen bzw. Vizegrafen von Naumburg.

1435 wird Ippinghausen als Wüstung erwähnt. In diesem Jahr belehnte Landgraf Ludwig I. von Hessen Reinhard von Dalwigk und dessen Neffen Friedrich IV. von Hertingshausen mit Gericht, Diensten und Gefällen in den beiden Wüstungen Ippinghausen und Zabenhausen (zwischen Ippinghausen und Leckringhausen). 1488 ging dieses Lehen auf die Herren von Bicken, 1522 auf die Wolff von Gudenberg über. Der Besitzstand der Stadt Wolfhagen, der die Gemarkung Ippinghausen gehörte, blieb hiervon unberührt.

Durch den Ort führten zwei Heerstraßen, die eine von Kassel über Korbach nach Westfalen, die andere von Süden, aus Fritzlar kommend, über Naumburg, Ippinghausen, die Wüstung Zabenhausen streifend, an Leckringhausen vorbei über Wolfhagen und Volkmarsen ebenfalls nach Westfalen.

Die Ippinghäuser Gemarkung lag im alten Grenzland zwischen Sachsen und Franken mit wesentlich sächsischem Einfluss. Auch später war die Gemarkung Grenzland. Eine Stelle im "Wiesental des Weidelsberges" ist durch alte Grenzsteine markiert; diese wird als "Dreifürsteneck" (Hessen, Kurmainz und Waldeck) bezeichnet. Die Grenzsteine tragen neben der Jahreszahl 1720 den hessischen Löwen, das Mainzer Rad und den Waldecker Stern.

Jacob Grimm hielt sich 1809 in Ippinghausen auf, um hier Volkslieder zu sammeln.[3]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ippinghausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Wolfhagen eingemeindet.[4] Für Ippinghausen wurde, wie für alle nach Wolfhagen eingegliederten Gemeinden, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[5]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Ippinghausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ippinghausen 1023 Einwohner. Darunter waren 21 (2,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 159 Einwohner unter 18 Jahren, 423 zwischen 18 und 49, 225 zwischen 50 und 64 und 216 Einwohner waren älter.[10] Die Einwohner lebten in 474 Haushalten. Davon waren 165 Singlehaushalte, 138 Paare ohne Kinder und 129 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 93 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 312 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[10]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

Ippinghausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2020
Jahr  Einwohner
1834
  
543
1840
  
571
1846
  
540
1852
  
565
1858
  
533
1864
  
550
1871
  
565
1875
  
555
1885
  
533
1895
  
552
1905
  
538
1910
  
610
1925
  
598
1939
  
607
1946
  
868
1950
  
868
1956
  
747
1961
  
765
1967
  
785
1970
  
836
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.023
2014
  
1.024
2020
  
1.036
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: bis 1970[1]; Stadt Wolfhagen[11][2]; Zensus 2011[10]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1834: 533 evangelische (= 100 %) Einwohner
• 1961: 649 evangelische (= 90,72 %), 65 katholische (= 8,50 %) Einwohner

Kirchengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits zur Zeit des Papsts Innozenz III. (1198–1216) ist in Ippinghausen eine Kapelle belegt. Mitte des 13. Jahrhunderts schenkte Volkwin von Naumburg die Kapelle dem Erzbistum Riga (es handelt sich nicht um Volkwin von Naumburg zu Winterstätten). 1445 trat das Erzbistum diese wiederum an den Landgrafen Ludwig von Hessen ab. Die heutige barocke Saalkirche wurde 1772 gebaut. Die Vorgängerkirche wurde vermutlich im 30-jährigen Krieg zerstört, einer Inschrift in der Kanzel zufolge am 18. März 1650 wieder aufgebaut, 1750 durch einen Brand wiederum zum Teil zerstört und 1772 wieder aufgebaut.

Lokale Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Belagerung der Weidelsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landgraf von Hessen belagerte einst die Weidelsburg, um den fehdefreudigen Ritter Reinhard von Dalwigk festnehmen zu können. Als der Ritter und seine Getreuen sich nicht länger halten konnten, begab sich dessen Frau Agnes als Unterhändlerin zum Landgrafen. Der gestand ihr zu, dass alle Frauen die Burg verlassen durften mit so viel ihres liebsten Besitzes, wie sie tragen konnten. Agnes trug nun ihren Mann auf dem Rücken zur Burg hinaus. Als der Landgraf ihr dies nun nicht durchgehen lassen wollte, erwiderte sie: Was würde mir Anderes lieb und kostbar sein, wenn ich meinen Herrn hinter mir in Todesgefahr wüßte? Ihr habt mir erlaubt, mitzunehmen, was mir das Liebste sei; darum habe ich meinen theuersten Schatz genommen. Der Landgraf ließ beide ziehen.[12] Diese als Hessische Weibertreu bekannte Sage entspricht damit recht genau der in einer Chronik von 1140 belegten Begebenheit von den Treuen Weibern von Weinsberg.

Die weiße Jungfrau vom Weidelberge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Schäfer hütete seine Tiere am Weidelsberg. Da erschien ihm eine weiß gekleidete Frau und reichte ihm eine weiße Blume. Sie führte ihn in ein Gewölbe unter der Weidelsburg, das voller Gold und Silber war und erlaubte ihm, so viel davon zu nehmen, wie er tragen konnte. Der arme Schäfer konnte sein Glück kaum fassen und raffte so viel von den Schätzen zusammen, wie er konnte. Beim Verlassen des Gewölbes mahnte sie ihn, das Beste nicht zu vergessen. Der Schäfer hörte aber nicht auf sie und vergaß die Blume. Sofort lösten sich alle Schätze in Luft auf.[13]

Schule / Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule
  • Evangelischer Kindergarten

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Reimer (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für Kurhessen (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen). Elwert, Marburg, 1974, S. 264.
  • Lyncker: Geschichte von Wolfhagen in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde; Ergänzungsheft; S. 54 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ippinghausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Ippinghausen, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 9. Juli 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen im Haushaltsplan 2020. In: Webauftritt. Stadt Wolfhagen, abgerufen im September 2020.
  3. Johannes Bolte: Jacob Grimm als Volksliedsammler. In: Jahrbuch für Volksliedforschung. 1. Jahrgang, S. 157.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 149 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Wolfhagen, abgerufen im September 2020.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  8. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 67 (MDZ Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10021517~SZ%3D275~doppelseitig%3D~LT%3DMDZ%20Digitalisat~PUR%3D).
  9. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 72 f.
  10. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 30 und 86;.
  11. Einwohnerzahlen im Haushaltsplan 2015. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Stadt Wolfhagen, archiviert vom Original; abgerufen im Februar 2016.
  12. Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer. Band 2. Kassel 1832, S. 319.
  13. Georg Landau: Die hessischen Ritterburgen und ihre Besitzer. Band 1. Kassel 1832, S. 349.
  14.  Info: Bitte auf Vorlage:HessBib umstellen, um auch nach 2015 erfasste Literatur zu selektieren!