Iranische Musik

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Sassanidischer Silberteller aus dem 7. Jahrhundert British Museum
Musizierende Figuren, Susa, 2. Jahrtausend v. Chr.

Iranische Musik oder Persische Musik ist die Musik des iranischen Kulturraumes, zu dem über Iran/Persien hinaus auch die Länder Afghanistan und Tadschikistan gezählt werden.

Die Wurzeln der musikalischen Tradition Irans reichen bis in die Zeit des elamischen Königreiches zurück. Zu unterscheiden ist die Musiktheorie (Elm-e Musighi), die als Zweig der Mathematik im Iran immer in hohem Ansehen stand, und die praktische Darbietung der Musik (Tarab, Navachteh, Tasnif, Taraneh und neuere Musik), welche immer wieder in gespanntem Verhältnis zur religiösen Autorität und zu streng gläubigen Volksgruppen stand und bis heute steht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harfenistin - Sassanidisches Mosaik aus Bishapur, Louvre
Die Stellung musikalischer Darbietung in der iranischen Kultur

Der zwiespältigen Haltung zur Musik im iranischen Kulturraum liegt eine Kultur zugrunde, die aus dem Widerstreit antiker persischer Bräuche und islamischer Vorschriften entstanden ist. Im antiken Persien konnten Musiker gesellschaftlich angesehene Stellungen bekleiden. Bereits in elamischer und achaimenidischer Zeit war Musik in iranischem Gebiet verbreitet wie Herodot berichtet. Während der Parther-Herrschaft genossen z.B. die Wandersänger große Beliebtheit. Als die Sassaniden ab 224 an der Macht waren, gab es populäre und hochangesehene Musiker, deren Namen bis in die heutige Zeit überliefert sind, und die iranische Musikkultur erlebte ihre wohl bedeutendste Blütezeit. Wie bereits unter den Parthern[1] waren die Musiker meist auch Poeten.[2]

Berühmte sassanidische Musiker
  • Barbad: Barbad der Große war Musiker am Hof der Sassaniden. Er erfand eines der ältesten Systeme der Musiktheorie mit sieben königlichen und 30 abgeleiteten Modi mit 360 Melodien (Dastan), bekannt als königliches Chosravani – gewidmet dem König Chosrou II. Sie entsprechen der Anzahl der Tage in der Woche, im Monate und im Jahr im sassanidischen Kalender.
  • Nakisa: Ebenfalls Hofmusiker der Sassaniden und Mitarbeiter Barbads.
  • Sarkasch: Der Vorgänger des Barbad war ein einflussreicher Hofmusiker.
  • Ramtin
Illustration aus dem Kitāb al-mūsīqī al-kabīr von Abu Nasr Farabi (870–950), ein šāh-rūd genanntes Saiteninstrument

Unter den berühmtesten Musikern, den Meistersängern Barbad, Sarkad, Ramtin und Nakissa, bestand während der Regierungszeit des Chosrou Parwiz (590–628) heftige Rivalität. Nach der Überlieferung erfand Barbad die Laute und begründete die musikalische Tradition des Magham und möglicherweise des Dastgahsystems. Seit dem Arabersturm im 7. Jahrhundert und der Islamisierung des iranischen Kulturraums gewann persische Musik zunächst vor allem von al-Hīra ausgehend[3][4], an Einfluss in der islamischen Welt[5], besonders nachdem 762 die Hauptstadt der bis 1258 herrschenden Abbasiden von Damaskus nach Bagdad verlegt wurde. Am Hof von Hārūn ar-Raschīd gab es zahlreiche musikalische Darbietungen und auch die theoretischen Grundlagen der persisch-arabischen Musik wurden zu dieser Zeit entwickelt. Da keine Notenschrift im heutigen Sinne existierte, erfolgten musikalische Überlieferung und Ausbildung mündlich.[6] Zirdschāb, der 821 nach Spanien geflohen war[7], wird oft genannt als der Künstler mit dem größten Einfluss auf andalusische und spanische Musik. Farabi[8] und Avicenna[9] waren nicht nur Musiktheoretiker, sondern neben dem Ney Meister an der Laute. Fünf Jahrhunderte nach dem Tode Barbads sammelte Farabi Musikstücke seiner Zeit und beschrieb die altertümliche Notation in Persien. So wurden ca. 2000 Werke und Melodien erhalten, die heute noch gespielt werden können.

Musiker der Abbasiden-Zeit
  • Naschit Farsi
  • Manṣūr ibn-Caʾfar Ḍārib Zalzal (gestorben 791)
  • Ibrahim Moussali (Ibrahim al-Mawsili)
  • Ishaq al-Mawsili, Sohn des Ibrahim M.
  • Abu l-Hasan ‘Ali Ibn Nafi‘ (genannt „Zirdschāb“, deutsch: „die Nachtigall“), Schüler des Ishaq
  • Abū l-Faradsch al-Isfahānī (897–967)

Die iranische Musikkultur während der mongolischen Fremdherrschaft von 1219 bis 1381 war wenig ausgeprägt.[10] Während der folgenden Herrschaft der Timuriden existierte sogar ein Gesetz, welches das Musizieren unter Androhung der Todesstrafe gänzlich verbot. Trotz allem kam es im 13. und 14. Jahrhundert zur Entstehung bedeutender musiktheoretischer Abhandlungen.[11] Seit der Islamisierung Irans wurde Musik argwöhnisch betrachtet. Tänze und damit auch Musik wurden und werden von der schiitischen Geistlichkeit für unzüchtig ja teuflisch gehalten. Die persischen Mystiker (Sufis) hingegen verstanden Musik in Verbindung mit lyrischer Dichtung als Mittel transzendenter Erfahrung und hatten großen Einfluss auf die noch heute existierende, auch durch mystisch-religiöse Spiritualität ausgezeichnete, traditionelle persische Kunstmusik.[12] Unter arabisierten Namen wirken die Arbeiten mittelalterlicher persischer Theoretiker und Gelehrter in die islamische Musik bis heute enorm. Einige bekannte Persönlichkeiten sind:

Eine weitere Stagnation der musikalischen Entwicklungen trat insbesondere mit der Etablierung des Schiismus als Staatsreligion unter den bis 1736 herrschenden Safawiden ab 1501 ein.[15]

Musiker unter den Herrschern der Safawiden-Dynastie (1501–1722 und 1729–1736)
  • Ahamad Ghazwini
  • Galalel Bachersi
  • Mosafar Ghomi
  • Haschem Ghaswini
  • Mohammad Kamantschehi
  • Mohammad Momen
  • Schahsawar Tscharhar-tari


Musiker der Kadscharen-Zeit
  • Gholam-Hossein
  • Ali-Akbar Farahani (1821–1857)
  • Hossein-Gholi Farahani (1853–1916)
  • Mirza Abdollah Farahani (1843–1918)
  • Ali-Akbar Schahi (1857–1923)
  • Nayeb Asdollag
  • Gholam-Hossein Darwisch (1872–1926)
  • Hossein Taherzadeh (1882–1955)


Das postsowjetische Regime und die Taliban verboten Instrumentalmusik und öffentliche Darbietungen in Afghanistan. Noch im Jahre 2005 gibt es Stimmen wie die des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad, die alle Arten westlicher Musik verbieten wollen – entgegen der langen iranischen Musiktradition.

Volksmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der iranische Kulturraum ist die Heimat vieler verschiedener Völker wie der Bachtiaren, Belutschen, Kurden und Aseri, die jeweils eigene stilistische Besonderheiten entwickelten. Turkmenen prägten vor allem die Musik in Chorasan.

Kurdische Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kurdische Musik ist für ihren tanzorientierten Charakter bekannt.

Māzandarān[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nordprovinz Māzandarān brachte verschiedene Arten der Volksmusik hervor wie Instrumental- oder rituelle Musik. Einfache Lieder wie Katoli, die in der Gegend um die Stadt Aliabade Katol verbreitet sind, sind durch einfache Rhythmen charakterisiert. Bauern singen dieses Lied, wenn sie eine katholische Kuh auf die Weide treiben. Eine andere Weise wird Leilis Liebhaber genannt. Amiri-Lieder kleiden die Gedichte von Amir Pasvari, einem Poet Masandarans, in Melodien. In ganz Iran populär ist Nadschma; Lieder, die von der Liebe des Prinzen der Provinz Pars und einem Mädchen namens Rana handeln. Des Weiteren zählen die Lieder der alten Händler Tscharvadar zum Volksgut dieser Gegend. Tscharvadarimusik sticht durch ihren für Masandaran eher untypischen Rhythmus hervor, der nach der Legende durch das Singen beim Reiten entstand.

Afghanische Volksmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die afghanische Volksmusik besteht zum Einen aus dem Musizieren der Frauen. Dieses ist wegen der Ächtung durch den Koran in die Eigenheime verbannt. Hochzeiten oder andere Feierlichkeiten werden jedoch traditionell von Musik begleitet. Die lebhaften Hochzeitsfeste sind sogar die Haupteinnahmequelle für professionelle Musiker. Die Männer werden von einem männlichen Sänger, dessen Lyriktexte von Instrumentalmusik begleitet wird, unterhalten, da nach Geschlechtern getrennt gefeiert wird, während die Frauen gewöhnlich tanzend und selbst singend die Nacht verbringen. Auch Dschats, die ein umherziehendes Volk der Roma sind, spielen auf für Nicht-Dschats unantastbaren Instrumenten auf Hochzeiten oder zu anderen Anlässen ihre Lieder. Die Texte der afghanischen Volksmusik erzählen typischerweise von Liebe und gebrauchen in ihrer Sprachsymbolik vor allem die Nachtigall und die Rose. Auch die Geschichte von Leili und Madschnun, die Vergleichbar mit Romeo und Julia ist, wird besungen. Aktuelle Gegenstände finden in der Volksmusik jedoch keinen Platz. Das iranische Neujahr, Nouruz, wird zum Frühlingsäquinoktium auch in Afghanistan gefeiert. Auf den musikalischen Teil der Feier wird in Masar-e Scharif in besonderer Weise Wert gelegt. „Der Löwe der Instrumente“, Rubab, Vorläufer des indischen Sarod, gilt als Nationalinstrument Afghanistans. Dieses dreisaitige Instrument, das Isa Kassemi und Mohammed Rahim Chuschnawas perfekt beherrschen, aus dem Holz des Maulbeerbaums ist ein wichtiger Bestandteil der afghanischen Volksmusik.

Tadschikische Volksmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tadschikische Musik ist stark von usbekischen und anderen zentralasiatischen Musikrichtungen beeinflusst. Bei Hochzeiten und anderen Festen wird in Südtadschikistan eine Volksmusik namens Falak gespielt. Insgesamt kann man Varianten tadschikischer Volksmusik aus drei Gebieten unterscheiden:

Lieder verschiedenster Arten, lyrische oder Instrumentalmusik, werden gesungen. Besonders wichtig ist die epische Musik um die Heldengeschichte Gurugli. Gharibi (Lieder eines Fremden) sind im 20. Jahrhundert erdachte Lieder armer Bauern, die ihr Land verlassen mussten. Gulgardoni oder Boytschetschak sind Lieder, die zu Frühlingsfesten aufgeführt werden. Sajri-Guli-Lola-Musik, für die Feier der Tulpen, wird begleitet von Tanzmusik und Chören. Das berühmteste Lied dieser Feiertage nennt man Naghschi Kalon. Weitere erwähnenswerte Volkslieder heißen Nat und Munodschot, die bei der Geburt eines Jungen gesungen werden. Bei Hochzeiten spielen Sosanda, meist weibliche Musiker, die Mitglieder eines Dastaensembles. Musik aus Badachschan ist bekannt für die spirituellen Gesänge von Lyrik, die Madah genannt und von lauteähnlichen Instrumenten begleitet werden. Bekannte tadschikische Musiker sind Barno Itshakova, Davlatmand Cholov, Daler Nasarow oder Sino.

Traditionelle Frauengesänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese kommen in unterschiedlichen Formen innerhalb der persischen Volksmusik vor. Neben den bereits bei der afghanischen Musik erwähnten Hochzeitsliedern, sind das vor allem Wiegenlieder, Trauergesänge und Arbeiterinnenlieder, wie sie zum Beispiel von Teppichknüpferinnen und Wäscherinnen gesungen wurden, um sich ihre Arbeit angenehmer zu gestalten. Die in Köln lebende iranische Sängerin und Musikerin Maryam Akhondy hat einige dieser Lieder aus unterschiedlichen Musikkulturen des Iran gesammelt und auf der CD Banu - Songs of Persian Women veröffentlicht.

Klassische persische Musik: موسيقى اصيل (Musiqi-e assil)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freske, Tschehel Sotun - Palast (Vierzig Säulen - Palast), Isfahan, Persien.
Wandmalerei mit einem Ensemble Klassischer Persischer Musik des im 17. Jahrhundert errichteten Hascht Behescht Palast - (Acht Paradiese - Palast), Isfahan

Da die klassische persische Musik aus der traditionellen Musik des Perserreiches entstand und sich über alle persischsprachigen Länder verbreitete, wird sie auch Persische Musik genannt. Im Gegensatz zu europäischer Klassischer Musik lässt sich die Persische Kunstmusik nicht streng von Volksmusik, von der sie beeinflusst ist und die sie beeinflusst, abgrenzen.[16] Traditionelle klassisch-persische Musik, die nicht wie die europäischen Musik über Kontrapunktik und akkordische Harmonielehre verfügt[17], hat ihre Ursprünge in den خنياى باستانى ايرانى (Chonjâ-je Bâstâni Irâni), althergebrachten persischen Melodien, woraus sich, unter arabischen und wohl auch indischen und mongolischen Einflüssen[18], das persische Maqam- bzw. Dastgah-System entwickelte[19], welches Grundlage für damit musizierenden Künstler ist, wobei die Improvisation charakteristisch für die Interpretation ist.[20] Barbad war der legendäre Sänger der Sassanidenära. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war klassische Musik weitgehend dem Hof der absolutistischen Monarchen in Isfahan vorbehalten, an dem vor allem 1848 bis 1896 unter Nāser ad-Din Schah die Hofmusik eine eher quantitativ als qualitativ starke Ausprägung erfahren hatte. Herausragende, eine Renaissance der alten iranischen Musiktradition einleitende Musiker waren Ali-Akbar Farahani (1821–1857) und dessen Sohn Mirza Abdollah (1843–1918). Eine „Popularisierung der Musik“ setzte nach der von 1779 bis 1925 währenden Herrschaft der Kadscharen ein.[21] Nur-Ali Borumand war ein bedeutender Musiktheoretiker und Bewahrer der klassischen Musik im 20. Jahrhundert.

In jüngerer Zeit verbreitete sich die klassische persische Musik vor allem durch die Einführung von Kassetten ab 1960 unter dem Volk. Vor 1979 gelang Stars wie dem Sänger Gholam Hossein Banan und Virtuosen an ihren Instrumenten wie Abol Hassan Saba, Ahmad Ebadi und Faramarz Payvar der Durchbruch. Bekannte Interpreten traditioneller Melodien und Lieder sind weiterhin Farid Farjad (Violinist), Javad Maaroufi (Klavier), Pari Zanganeh und Sima Bina (alle Sängerinnen).

Die islamische Revolution 1979 löste in einer Gegenbewegung und Rückbesinnung auf klassische persische Traditionen eine Renaissance der persischen Klassik aus, woran nationale Größen wie Parisa, Parviz Meshkatian, Jamshid Andalibi, Kayhan Kalhor, Mohammad Reza Lotfi, Hossein Alizadeh, Shahram Nazeri, Sima Bina und Mohammad-Reza Shajarian beteiligt waren. Das Verhältnis zwischen Islam und Musik war immer schwierig gewesen. Viele konservative Geistliche sehen selbst einfache Melodien und Texte der persischen Klassik als problematisch an. Musiker wie Parvaz Homay, die klassischer persischer Musik kritische Texte mit aktuellen Bezügen hinzufügen, müssen mit Behinderungen und Auftrittsverboten rechnen. Frauen können sich nur begrenzt musikalisch betätigen, denn Singen ist ihnen nur vor einem ausschließlich weiblichen Publikum erlaubt. Um vor einem gemischten Auditorium auftreten zu können, reisen einige der Sängerinnen regelmäßig zu Konzerten ins Ausland oder leben und arbeiten, wie zum Beispiel Maryam Akhondy dauerhaft außerhalb ihrer Heimat.

Die klassische afghanische Musik ist stark durch indische Einflüsse charakterisiert. Auch Instrumente der indischen Musik wurden in Afghanistan eingeführt. Ghazal besteht aus persischen gereimten Doppelversen, vor allem von Bedil, Sa'adi und Hafez. Ein bekannter Interpret des klassischen afghanischen Gesangs ist Mohamed Hussein Sarahang.

Musikinstrumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saiteninstrumente:

Blasinstrumente:

Schlaginstrumente:

Klassisch europäische Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Radiosender aus Teheran spielen Konzerte im täglichen Programm und einige persische Künstler sind weltweit bekannt wie zum Beispiel Shahrdad Rohani, der Dirigent des LA Symphony Orchestra, oder Lili Afschar, eine Spielerin der klassischen Gitarre und Schülerin von Andrés Segovia. Die Verbindung von europäischer und persischer Musik spiegelt sich in der Volkshymne Ey Iran wider.

Das Teheraner Sinfonieorchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste europäische Orchester bereiste den Persien noch zu Zeiten Naser al-Din Schahs. Im Jahre 1856 brachten zwei französische Musiker die erste militärische Musikkapelle aus dem Westen in den Iran. Zwei Jahre später wird Jean Baptiste Lumierre zum Kapellmeister ernannt. Lumierres Bemühungen um die Verbreitung klassischer Musik gipfelten in der Etablierung einer Musikschule. Im Jahre 1869 gründeten 26 der ersten Absolventen dieser Schule das „Königliche Zahi-Orchester“.

Die Pioniere des Orchesters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu diesen Männern der ersten Stunde zählten Gholamhossein Minbashian und Salar Moazez, der bei so berühmten Lehrern wie Nikolai Rimski-Korsakow und Carl Flesch studiert hatte. Moazez gründete nach seiner Rückkehr in Persien das erste private Konservatorium und stellte mit Musikern aus dieser Schule und dem Stadtrat von Teheran zusammen mit Minbashian 1933 ein 40-köpfiges Sinfonieorchester zusammen. Dieses Orchester wurde der Grundstein des Teheraner Sinfonieorchesters. Mit Hilfe von zehn tschechischen Profi-Musikern, die am Konservatorium unterrichteten, konnte das Niveau bald gesteigert werden. Nach diesen Fortschritten brachten der Zweite Weltkrieg und seine Folgen alles zum Stillstand. Mit dem Einmarsch britischer und sowjetischer Truppen im Zuge der Anglo-sowjetische Invasion Irans verließen nicht nur die tschechischen Musiker das Land.

Die Gründung des Teheraner Symphoniker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Teheraner Symphoniker

Aus dieser Zeit stammt aber auch die Idee, ein richtiges Sinfonieorchester zu gründen. 1943 entstand das „Teheraner Sinfonieorchester“ durch die private Initiative und den Enthusiasmus von Parwiz Mahmud. Nachdem Mahmud 1946 zum Direktor des Konservatoriums ernannt wurde, besetzte er aus Musikern des Schulorchesters des Konservatoriums ein Sinfonieorchester.

Das Anjoman-e Filarmonik-e Tehran (Philharmonische Gesellschaft Teheran) wurde im November 1953 gegründet, getragen von einer gemeinnützigen Organisation. Alle Einnahmen aus Konzerten wurden vollständig für die Förderung der klassischen europäischen Musik verwendet. Ziel war die Heranbildung eines an klassischer Musik interessierten Publikums durch Konzerte, öffentliche Aufführungen, wissenschaftliche Vorträge über die Musikgeschichte und Musiktheorie, Aufbau einer Musikbibliothek und die Herausgabe einer Zeitschrift. Ab 1963 wurden die Aktivitäten des Orchesters mit Unterstützung von Schahbanu Farah Pahlavi ausgeweitet. Sie übernahm die Schirmherrschaft über das Orchester, so dass das Orchester von nun an nicht mehr nur auf die Mitgliedsbeiträge und Einnahmen aus Konzerten angewiesen war, sondern eine großzügige finanzielle Unterstützung durch das Büro von Farah Pahlavi erhielt. Ziel dieser Förderung war es, das Interesse für klassische europäische Musik vor allem in der Jugend und unter den Studenten zu wecken. Die Aktivitäten waren ein voller Erfolg: 1970 bestand die Mehrheit der 1.200 Mitglieder der Förderorganisation des Orchesters aus Studenten. Bereits für einen Jahresbeitrag von umgerechnet 3 Euro (für Studenten 25 Cent) konnte man Mitglied der Förderorganisation des Orchesters werden und die Konzerte des Orchesters besuchen.[22]

Zwischen 1963 und 1972 führte Heshmat Sanjari das Teheraner Sinfonieorchester zu einer ersten Hochblüte. Zu jener Zeit spielte das Orchester mit und unter der Führung von international bekannten Musikern wie Yehudi Menuhin, Zubin Mehta, Isaac Stern oder Herbert von Karajan, und es kam zu einer Trennung von Opernorchester und Sinfonieorchester. Das Orchester gab nicht nur Konzerte in Teheran, sondern auch in Abadan und Schiraz. In den späteren 1960er-Jahren wurden über 700 Konzerte mit ausländischen und iranischen Dirigenten aufgeführt.

Nach der Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Revolution 1978 wurden alle Kunstorganisationen aufgelöst und die Orchester und Musikschulen geschlossen. Die Folge davon war, dass viele Musiker emigrierten. Das Sinfonieorchester überlebte mit zehn Musikern, die es durch ihre Eigeninitiative mit revolutionären Hymnen und Gelegenheitsauftritten am Leben erhielten. Durch ihre Bemühungen blieb der Grundstein des Orchesters bestehen. Von 1991 bis 2005 übernahm Fereydun Naserin die Leitung des Orchesters. In dieser Zeit wurden immer wieder iranische Dirigenten aus dem Ausland als Gastdirigenten engagiert. Am 17. und 18. April 2001 spielte das Kammerorchester Waidhofen/Ybbs unter der Leitung von Wolfgang Sobotka als erstes westliches Orchester seit der Revolution in der ausverkauften Vahdat Concert Hall (früher Rudaki-Halle) Werke von Khohei, Beethoven, Johann Strauß (Sohn) und Nader Mashayekhi. Seit April 2006 hat das Tehran Symphony Orchestra mit Nader Mashayekhi einen neuen ständigen Chefdirigenten.

Nader Maschayekhi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jetzige Dirigent des Teheran Symphonie Orchesters, Nader Mashayekhi, wurde 1958 im Iran geboren und wuchs in einer Teheraner Künstlerfamilie auf. 1978 ging er nach Wien und studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati. Daneben belegte er die Fächer Dirigieren, Tonsatz und elektroakustische Komposition. 1989 gründete Mashayekhi das Ensemble Wien 2001 (heute Ensemble Wien 21. Jahrhundert), dessen Programme in ihrer gezielten Mischung von historischer, traditioneller und zeitgenössischer Musik er maßgeblich mitgestaltet. 1992 leitete er Computermusik-Seminare in Ungarn, 1994 in Japan. 1996 wurde er zu einem Vortrag zum Thema „multikulturelle Aspekte in der zeitgenössischen Musik“ nach Ottawa/Kanada eingeladen. Mashayekhi führte die Ansätze seines Lehrers Roman Haubenstock-Ramati konsequent weiter, was sich vor allem in der Verwendung graphischer Notationsformen und variabler Formen äußert. In seinem Multi-Media-Opernprojekt Malakut (Uraufführung 1997) arbeitete er mit bildenden und Video-Künstlern zusammen; in den letzten Jahren bezieht er häufig persische Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Schauspieler in seine Projekte mit ein.

Persische Popmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hayedeh, Die legendäre persische Diva, Royal Albert Hall, London, 1987
Der Popsänger Ebi in einem Konzert in Montréal, 2007.

Die iranische oder persische Popmusik wurde in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt, indem neue Instrumente wie E-Gitarre eingeführt wurden. Die berühmteste persische Sänger dieser Zeit waren Googoosh, Hayedeh und Vigen. Diese Popmusik währte nicht lange und wurde nach der iranischen Revolution 1979 verboten. Viele der Musiker wanderten aus, vor allem nach Los Angeles. Einige bekannte Interpreten der persische Popmusik sind Dariush Eghbali, Hassan Sattar, Mahasti, Homeira, Andy Madadian, Faramarz Aslani, Moein, Mansour, Sandy, Ebi, Leyla Forouhar, Farschid Amin, Schahrsad Sepanlou, Afshin, Arash, Shadmehr Aghili, Kamran & Hooman, Shahram Solati, Shohreh Solati, Shahrokh etc.

Bandari ist eine Richtung der Popmusik, die ihre Wurzeln in der südiranischen Volksmusik hat. Die durch ihren besonderen Rhythmus sehr tanzbare Musik wird häufig auf Hochzeiten und anderen Feiern gespielt. Besonders kennzeichnend ist der Dudelsack.

Afghanische Popmusik entwickelte sich spät in den 1950er Jahren, da nach der Zerstörung der seit 1925 bestehenden Rundfunkanstalten 1929 Radio Kabul erst wieder 1940 landesweit ausgestrahlt wurde. In der Anfangszeit wurde paschtunisches Liedgut mit Daritexten gesendet. Filme und vor allem Musik wurde zunächst aus Iran, Tadschikistan und auch Pakistan oder Indien eingeführt. Mit der Zeit jedoch gab es auch heimische Künstler. Parwin war 1951 die erste afghanische Frau, die im Radio gespielt wurde. Auch Musiker wie Ahmad Zahir – der afghanische Elvis Presley – oder Biltun wurden bekannt. 1977 sang Mahwasch, die namhafteste afghanische Popsängerin, den Schlager O Batsche. Seitdem der „Krieg wider den Terror“ Afghanistan erreichte und die Taliban gestürzt waren, entstand die afghanische Musikszene neu. Einige Gruppen wie das Kabul Ensemble wurden international zur Kenntnis genommen. Auch die traditionelle Paschtunenmusik aus Südostafghanistan bekam Aufwind.

Siehe auch: Farhad Darya

Rockmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den späten 1990ern blühte nach einer gewissen staatlichen Liberalisierung der Kulturpolitik die Rockmusik und Hardrockmusik. Seitdem entstehen unaufhörlich neue Musikgruppen. Diese Entwicklung unterscheidet sich von der iranischen Popmusik dadurch, dass sie eher eine jüngere Fangemeinde anspricht, die nach der Revolution Geborenen, und im Gegensatz zur Exilmusik aus Los Angeles größtenteils im iranischen Untergrund entsteht. Zu den ersten Rockbands im Iran gehörten Meera und Barad. Nachdem die ersten Bands heimlich auftraten, durften O-Hum, die Lyrik Hafis' zu Rock ’n’ Roll Klängen bieten, sogar Konzerte für christliche Iraner in Teheran geben. Um das Jahr 2000 wurde das Plattenlabel Hermes Records in Teheran gegründet und veröffentlichte die ersten offiziellen Rock-Alben iranischer Bands. Die erste internationale Veröffentlichung war das Debütalbum von Kiosk.

Heutzutage gibt es im Untergrund musikalische Wettbewerbe und Musikkritik. Die iranische Regierung lässt jedoch auch ab und zu einmal Konzerte unter bestimmten Bedingungen zu. Bands wie 127 und The Technicolor Dream haben bereits ihre englischsprachigen Stücke gespielt. Im Iran wird Rockmusik mit Gesangseinlagen von Frauen oder Heavy Metal produziert, ebenso Death Metal, z.B. die Undergroundhelden ArthimotH und SdS aus Isfahan oder Arsames aus Mashhad. Die 70er-Rock-beeinflusste Band Cheshme3 spielt Punkrock.

Im Juli 2005 veröffentlichte die Musikfirma Bamahang Produktions in Kanada zum ersten Mal ein Album der iranischen Rockband Adame Mamuli, das als erstes iranisches Untergrundrockalbum im iTunes Music Store bei Apple heruntergeladen werden kann. Als zweites Album wurde im Dezember 2005 Aloodeh von O-Hum veröffentlicht. Der Sänger, Gitarren- und Setarspieler Mohsen Namjoo verbindet mit seiner Musik traditionelle iranische Musik mit Rock und Jazz. Zuletzt galt der in Teheran geborene und in Portugal lebende Mazgani als Hoffnungsträger des Americana-Rocks in Europa. Der wohl berühmteste Rockmusiker mit iranischen Wurzeln war Freddie Mercury (Faroch Bulsara), Sänger der Band Queen.

Elektronische Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektronische Musik hat eine Sonderposition in Iran. Da sie meist ohne menschlichen Gesang komponiert wird, werden die Stücke nicht in gleicher Weise wie andere Musik westlichen Ursprungs abgelehnt. Viele Exiliraner betätigen sich in diesem Bereich. Die bekannteste Band dieser Stilrichtung ist Deep Dish: Ali „Dubfire“ Shirazi und Shahram Tayebi aus Washington DC. Des Weiteren haben DJ Behrouz, Behrous Nasai, aus San Francisco, Fred Maslaki aus Washington DC und Omid 16b, Omid Nourisadeh aus London einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mehdi Assari: Howiyat-e musighi-ye melli-ye Iran wa Saz-ha. (Die Herkunft der iranischen Musik und ihrer Musikinstrumente), Teheran 2002
  • Arthur Emanuel Christensen: La vie musicale dans la civilisation des Sassanides. In: Bull. de l'association francaise des amis de l'orient, 1936, Nr. 20/21
  • Jean During: La musique iranienne - Tradition et évolution. Edition Recherche sur les Civilisations, Paris 1984
  • Jean During, Zia Mirabdolbaghi, Dariush Safvat: The Art of Persian Music. Mage Publishers, Washington DC 1991
  • Marie-Clément Huart: „Musique Persane“, in: Encyclopédie de la musique, première partie, vol. 5, hrsg. von Lavignac, Peris 1922, S. 3065–3083
  • Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Gardoon Verlag, Berlin 2012
  • Khatschi Khatschi: Der Dastgah. Studien zur neuen persischen Musik. (Phil. Diss., Köln 1960) Bosse-Verlag, Regensburg 1962 (= Kölner Beiträge zur Musikforschung, XIX)
  • Josef Kuckertz, Mohammad-Taqi Massoudieh: Musik in Būšehr, Süd-Iran. (Josef Kuckertz, Walter Salmen, Marius Schneider (Hrsg.): NGOMA. Studien zur Volksmusik und außereuropäischen Kunstmusik. Band 2) 2 Bde. Katzbichler, München/Salzburg 1976
  • Mohammad-Taqi Massoudieh: Avaz-e Shur. Zur Melodiebildung in der persischen Kunstmusik. (Kölner Beiträge zur Musikforschung, Bd. 49) Bosse, Regensburg 1968
  • Lloyd Miller: Music and Song in Persia: The Art of Avaz. University of Utah Press, Salt Lake City 1999
  • Eckhard Neubauer: Musiker am Hofe der früheren ’Abbāssiden. Dissertation, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt/Main 1965
  • Ella Zonis: Classical Persian Music. Harvard University Press, Cambridge/Massachusetts 1973.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mary Boyce: The Parthian Gōsān and Iranian Ministrel. Journal of the Royal Asiatic Society (JRAS, Neue Folge), April 1957, S. 10–45; S. 17–32
  2. Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 51–76
  3. Alec Robertson und Denis Stevens: Geschichte der Musik. (Deutsch von E. Maschata), I-III, Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft, Herrsching 1990 (ISBN 3-88199-711-3), S. 148–153
  4. Henry George Farmer: The Music of Islam. In: Ancient and Oriental Music. Hrsg. von E. Wellesz, Oxford University Press, London 1957, S. 427
  5. Nasser Kanani, a.a.O., S. 76–83
  6. Nasser Kanani, a.a.O., S. 83–118
  7. Nasser Kanani, a.a.O., S. 87–93
  8. Mehdi Barkeschli: Andische-haye Elmi-e Farabi dar bare Musighi. (Die wissenschaftlichen Überlegungen Farabis über Musik), Teheran 1978
  9. Mahmoud El Hefny: Ibn Sina’s Musiklehre, hauptsächlich an seinem Naǧāt erläutert - nebst Übersetzung und Herausgabe des Musikabschnittes des "Nağāt. Philosophische Dissertation, Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, 1931
  10. Bertold Spuler: Die Mongolen in Iran. Politik, Verwaltung und Kultur der Ilchanzeit 1220–1350. Habilitationsschrift, Hinrichs, Leipzig 1939; 4. erweiterte Aufl. Akademie-Verlag, Berlin 1985, S. 323, 354 und 366
  11. Nasser Kanani, a.a.O., S. 105–118
  12. Nasser Kanani, a.a.O., S. 237–246
  13. Nasser Kanani, a.a.O., S. 96–99
  14. Nasser Kanani, a.a.O., S. 99–104
  15. Nasser Kanani, a.a.O., S. 118 f.
  16. Bruno Nettl: The Radif of Persian Music. Studies of Structure and Cultural Context in the Classical Music of Iran. Elephant & Cat, Champaign/Illinois 1987, 2. Aufl. 1992, S. 160
  17. Nasser Kanani: Die persische Kunstmusik. Geschichte, Instrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika (Mussighi'e assil'e irani).. Förderkreis der Freunde Iranischer Kunst und Traditioneller Musik, Berlin 1978, S. 5 f.
  18. Edith Gerson-Kiwi: The Persian Doctrine of Dastga-Composition. A phenomenological study in the musical modes. Israel Music Institute, Tel-Aviv 1963, S. 8
  19. Edith Gerson-Kiwi, a.a.O., S. 8-16
  20. Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 246–249
  21. Nasser Kanani, a.a.O., S. 118-145
  22. Veröffentlichung des Büros Ihrer Hoheit (Farah Pahlavi), 1354 (1975). S. 41ff.