Irena Sendler

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Irena Sendler (Warschau 2005)

Irena Sendler (in Polen auch unter Irena Sendlerowa bekannt), geb. Krzyżanowska (* 15. Februar 1910 in Warschau; † 12. Mai 2008 ebenda), organisierte die Kinder-Sektion des Rats für die Unterstützung der Juden (Żegota), der 1942 von Polen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Weltanschauungen gegründet wurde, um Juden vor den deutschen Besatzern zu retten.

Leben[Bearbeiten]

Irena Sendlers Beerdigung, Warschau, 15. Mai 2008

Schon vor dem Krieg arbeitete Irena in verschiedenen Abteilungen des Sozialamts Warschau. Nach der Besatzung Warschaus im September 1939 setzte sie ihre Arbeit fort und benutzte diese, um Juden zu helfen. Zusammen mit ihren Kollegen vom Sozialamt fälschte sie hunderte Dokumente: anstelle der Namen von Sozialhilfe erhaltenden Juden trugen sie polnische Namen ein. Als das Warschauer Ghetto am 16. November 1940 zum Sperrgebiet erklärt wurde, besorgte Irena für sich und ihre Helferinnen Dienstausweise der Sanitätskolonne, zu deren Aufgabe die Bekämpfung ansteckender Krankheiten gehörte. Das ermöglichte ihr zusammen mit Helfern, ca. 2500 jüdische Kinder aus dem Ghetto zu schmuggeln, um sie in polnischen Familien, Klöstern und Waisenhäusern unterzubringen. Über Kontakte innerhalb des Wohlfahrtsministeriums erhielten die Kinder falsche Papiere. Auch katholische Pfarrämter halfen: sie besorgten falsche Geburtsurkunden. Ab Oktober 1942 verstärkten die Deutschen ihre Kontrolle. Weitere Hilfe über das Sozialamt war unmöglich geworden. Ab Dezember 1942 arbeitete Irena mit der Untergrundorganisation Żegota zusammen und übernahm dort die Leitung des Kinderreferats. So konnte sie ihre Schützlinge weiter finanziell unterstützen.[1]

Am 20. Oktober 1943 wurde Irena Sendler von der Gestapo verhaftet und zum Tode verurteilt. Unter Folter sollte sie die Namen und Verstecke der geretteten Kinder preisgeben, doch sie verriet nichts.[1] Żegota konnte Irena Sendler durch Zahlung von Bestechungsgeldern freikaufen. Ein SS-Mann schlug sie auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung nieder und ließ sie am Straßenrand liegen. Von ihrer offiziell vollzogenen Hinrichtung las sie in den Bekanntmachungen der Besatzer. Irena Sendler änderte daraufhin ihre Identität und lebte unter falschem Namen bis zum Ende des Krieges im Untergrund.[2]

Um eine spätere Zusammenführung der Kinder mit ihren Eltern zu ermöglichen, hatte Irena Sendler Namenslisten mit ihren verschlüsselten Adressen geführt[1] und in Einmachgläsern unter einem Apfelbaum in einem Garten versteckt.

Im Jahr 1965 wurde Irena Sendler von Yad Vashem mit dem Titel Gerechte unter den Völkern geehrt. Im September 1997 wurde Irena Sendler das Kommandeurskreuz des Ordens der Wiedergeburt Polens verliehen. Am 11. November 2001 wurde sie „in Anerkennung der Verdienste bei der Hilfe für Bedürftige“ mit dem Kommandeurskreuz mit Stern des Ordens der Wiedergeburt Polen ausgezeichnet.[3] Am 10. November 2003 erhielt sie mit dem Weißen Adler für Tapferkeit und großen Mut die höchste Auszeichnung Polens. 2007 wurde sie vom Warschauer Senat geehrt und war eine von 181 Nominierten für den Friedensnobelpreis 2007.[4] Zudem erhielt sie 2007 die internationale Auszeichnung „Kavalier des Ordens des Lächelns“.

2009 entstand der US-amerikanische Fernsehfilm The Courageous Heart of Irena Sendler, in dem die Schauspielerin Anna Paquin die Titelrolle übernahm. Im Mai 2013 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Warschauer Ghettos die Irena-Sendler-Allee eingeweiht.[5]

Skulpturen[Bearbeiten]

Irena-Sendler-Skulptur in der Irena-Sendler-Schule, Hamburg
  • Claudia Guderian verfertigte zwei Bronzeskulpturen von Irena Sendler, eine überlebensgroße und eine 9 cm hohe. Sie sind in der Irena-Sendler-Schule Hamburg ausgestellt.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Anna Mieszkowska: Die Mutter der Holocaust-Kinder.
  2. Bericht auf Spiegel-Online vom 18. März 2007
  3. Anna Mieszkowska: Die Mutter der Holocaust-Kinder. S. 309.
  4. Warschauer Senat ehrt Irena Sendler.
  5. Polskie Radio, Irena-Sendler-Allee in Warschau, 16. Mai 2013
  6. Bronzeporträt von Irena Sendler.