Irish Pub

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
O'Donoghue's Pub in Dublin

Ein Irish Pub ist eine Kneipe, wie sie ursprünglich in Irland, als daran angelehntes gastronomisches Konzept aber inzwischen in vielen Teilen der Welt anzutreffen ist. Wie bei Pubs im Vereinigten Königreich leitet sich der Begriff von Public House, einem der Öffentlichkeit zugänglichen Haus, ab. Typisch ist der Ausschank irischer Biersorten wie etwa Stout (z. B. der Marken Guinness, Murphy’s) und dem rötlichen Ale (z. B. der Marke Kilkenny) sowie von Cider (z. B. der Marke Strongbow). Auch typische irische Gerichte und Knabbereien wie Chips (vor allem der Marke Walkers) haben manche Irish Pubs im Angebot.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Pub“ wurde in Irland ab dem frühen 17. Jahrhundert verwendet. Er ist viktorianischen Ursprungs, im englisch regierten Irland waren bis dahin die Bezeichnungen „Taverne“ und „Alehouse“ verbreitet. Im Jahre 1635 gab es allein in Dublin, wo rund 4.000 Familien lebten, 1.180 Public Houses, die meist selbst gebrautes Bier verkauften.[1] Während in England bereits 1603 und 1619 gesetzliche Regelungen zum Ausschank alkoholischer Getränke bestanden, wurde in Irland ein erstes Gesetz zur Regulierung von Menge und Qualität der Public Houses erst 1635 angewandt – ohne großen Erfolg, denn Mitte des Jahrhunderts war die Zahl der Etablissements in Dublin bereits auf über 1.500 gestiegen.[1]

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts führten Pubs kaum noch selbstgebrautes Bier sondern bezogen ihre Getränke von einer wachsenden Zahl kommerzieller Brauereien. In Dublin entwickelte sich rund um die James Street, noch heute Sitz der Guinness-Brauerei, ein Zentrum der Brauindustrie mit dem Sitz der Dubliner Brauergilde, die St. James zu ihrem Schutzpatron wählte.[2]

Englische Beschränkungen der Öffnungszeiten von Pubs, so beispielsweise der Lord's Day Act von 1618, fanden in Irland erst Jahrzehnte später Anwendung, so dass die Regulierungsdichte für deren Betrieb im Vergleich zu England geringer blieb. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden vielerorts prägnante Pub-Namen, oft mit Tier- und Ortsbezeichnungen, verwendet, die sich auch bildlich gut auf Schildern darstellen ließen. Durch die Schilder sollte Analphabeten die Identifizierung des Lokals erleichtert werden. Diese Praxis war in England schon seit dem 14. Jahrhundert verpflichtend vorgeschrieben, in Irland wurde aber auch dieses Gesetz nur verzögert eingesetzt. Ab dem 19. Jahrhundert etablierte sich jedoch die Gepflogenheit, Pubs nach dem Namen ihres Besitzers oder des Lizenzinhabers zu benennen, die bis heute verbreitet ist.[3]

Bis ins 20. Jahrhundert war insbesondere auf dem Land eine Trennung zwischen Pubs und Einzelhandel für Lebensmittel und Haushaltsbedarf unüblich. Der Reiseführer Irish Pubs of Character stellte noch 1969 fest, man könne auf dem Dorf den Eindruck gewinnen, in jedem Geschäft würden auch Drinks ausgeschenkt[4] Einige Wirte kauften auch landwirtschaftliche Erzeugnisse an und betrieben damit Handel bis in die Städte. Mit dem Aufkommen von Supermärkten und Handelsketten nahm diese Funktion von Pubs deutlich ab.[5] In kleinen Dörfern findet man manchmal noch Zapfsäulen für Benzin vor Pubs, die von dort aus betrieben werden,

Maguires Bar in Moville, Co. Donegal mit ausgeschilderter Lounge

Lounge Bar und Public Bar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Verschwinden des Pub-Einzelhandels wurden viele Pubs um Lounge Bars, größere und teils auch abgetrennte Räume mit bequemen Sitzgelegenheiten, mehr Platz, Fensterfläche und einer komfortableren Atmosphäre erweitert. Die musste mit höheren Getränkepreisen in der Lounge erkauft werden. Waren vor den 1960er Jahren die Pubs eine rein männliche Angelegenheit, nutzen mit Aufkommen der Lounges auch Frauen die Pubs, die zuvor, ebenso wie Kinder, vor der Tür auf ihre Männer warten mussten. Umgekehrt war der Zutritt zu Lounges etwa Männern in Arbeitskleidung verwehrt, sie hätten sonst die Einrichtung verschmutzen können und waren im Zugang auf die Public Bar beschränkt. Mit dieser Entwicklung wurden die Pubs insgesamt sauberer und komfortabler in Ausstattung und Atmosphäre, so dass die Trennung zwischen Lounge und Public Bar heute an Bedeutung verloren hat. Mit dem Equal Status Act des Jahres 2000 wurde jede sexuelle Diskriminierung im Zugang zu öffentlichen Einrichtungen untersagt.[6] Die Bezeichnungen Lounge Bar und Public Bar sind an Pub-Fassaden aber noch anzutreffen.

Kultur der Irish Pubs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Kultur der Irish Pubs gehören Musik und Kommunikation. In Irland ist der Pub nicht nur zentraler Treffpunkt zum Reden und Musizieren. Sie sind auch wichtige Orte der Sozialisation, also ganz wesentliche Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens, auch Generationen übergreifend. Zudem wird in aller Regel auch eine Anzahl verschiedener Speisen angeboten („Pub Food“).

In vielen Pubs, auch außerhalb Irlands, gibt es typischerweise Livemusik mit Musikern verschiedener Stilrichtungen (Irish und Scottish Folk, vereinzelt auch Rock, Reggae u. a.) sowie Abende mit offener Bühne („Open Stage“), an denen Gäste ihre Instrumente mitbringen und zusammen musizieren und singen können. Auch Karaoke hat in Irish Pubs Einzug gehalten.

Mit der Auswanderung aus Irland (z. B. während der großen Kartoffelfäule 1845–1848) verbreitete sich die irische Kultur und mit ihr die Irish Pubs. Zu irischen Feiertagen (St. Patrick’s Day, Halloween) wird in Irish Pubs auf der ganzen Welt gefeiert.

Irish Traditional Music Session[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Session (Irish Folk)

Seit den 1950er Jahren hat sich die Trad Session in Irish Pubs so weit verbreitet, dass sie zu einer beherrschenden Form der irischen Musik wurde. Die Pub Session oder Trad Session ist ein Zusammentreffen von Musikern (meist Amateure), die gemeinsam traditionelle irische Musik spielen[7]. Der Ablauf folgt eigenen Regeln. Mehrere Instrumentalstücke, Tunes, werden zu einem Set zusammengefasst. Ein Musiker beginnt ein Set und steuert den weiteren Ablauf, wie die Abfolge der Tunes.[8] Die Kommunikation geschieht dabei oft nur durch Blickkontakt oder kleine Gesten (Kopfbewegung). Die Session kann für einen Außenstehenden wie ein zufälliges Ereignis wirken[7][8].

Bekannte Irish Pubs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margaret Scanlan: Culture and Customs of Ireland. Greenwood Publishing Group 2006, ISBN 0313331626, S. 99-101 (Auszug in der Google-Buchsuche)
  • Cian Molloy: The story of the Irish pub: An intoxicating history of the licensed trade in Ireland. Liffey Press, 2002, ISBN 1904148131.
  • James Fennell, Turtle Bunbury: The Irish Pub. James & Hudson 2008, ISBN 9780500514283.
  • Bill Barich: A Pint of Plain: Tradition, Change and the Fate of the Irish Pub. Bloomsbury Publishing 2009, ISBN 9781408801413.
  • Ashlee D. Russeau-Pletcher, David T. Pletcher: Whiskey in the Jar: Traditional Irish Pubs and Music (PDF; 111 kB). Perspectives, Volume 11, Herbst 2008

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Cian Molloy: The History Of The Irish Pub. liffey press, Dublin 2002, ISBN 1-904148-13-1, S. 28–29.
  2. Molloy, S. 30
  3. Molloy, S. 35
  4. zitiert nach Molloy, S. 78
  5. Malloy, S. 78o
  6. Molloy, S. 80ff
  7. a b Fintan Vallely (Herausgeber): Companion to Irish Traditional Music Second Edition, Cork University Press, ISBN 978-1-85918-450-9, S. 610f
  8. a b Gearóid Ó hAllmhuráin: Pocket Guide to Irish Traditional Music, Third Edition 2008, O'Brien Press Ltd., ISBN 978-0-86278-820-9, S. 188f