Irma Stern

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Irma Stern (* 2. Oktober 1894 in Schweizer-Reneke, Südafrika; † 23. August 1966 in Kapstadt) war eine südafrikanische Künstlerin. Sie arbeitete als Malerin und auch als Bildhauerin.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irma Sterns Eltern sind die deutsch-jüdischen Auswanderer Samuel Stern und seine Frau Henny, geb. Fels. Ihr Vater wurde während des Südafrikakrieges von den Briten wegen seiner pro-burischen Gesinnung in einem Konzentrationslager interniert. Irma und ihr jüngerer Bruder Rudi wurden deshalb von ihrer Mutter nach Kapstadt gebracht. Sie kehren von 1901 bis 1909 zurück nach Deutschland und lassen sich in Berlin nieder. In den folgenden Jahren wechselt die Familie ihren Wohnsitz mehrfach zwischen Deutschland und Südafrika: 1909–1911 Rückkehr nach Südafrika, seit Mai 1911 wieder in Deutschland. Seit 1912 besuchte Irma Stern in Berlin die Reimann’sche Kunstschule und seit 1913 gemeinsam mit der Freundin Marianne Brandt die Großherzoglich Sächsischen Kunstakademie zu Weimar. Wegen des Ausbruchs des 1. Weltkriegs und dem Ausscheiden  ihres Lehrers Gari Melchers wechselte sie nach Berlin und studierte bis 1916 bei Martin Brandenburg in den von Arthur Lewin-Funcke  geleiteten „Studien-Ateliers für Malerei und Plastik“.[1]

Ab 1917 pflegte sie eine Künstlerfreundschaft mit Max Pechstein. Wie er wurde sie Mitglied der Novembergruppe und beteiligte sich an deren Ausstellungen. Ihre erste Einzelausstellung hatte Stern 1919 in Berlin (Galerie Fritz Gurlitt). 1920 kehrte Stern mit ihrer Familie nach Kapstadt zurück, hatte dort 1922 ihre erste Einzelausstellung, wurde zunächst als Künstlerin verspottet und abgetan, aber seit Mitte der 1920er Jahre zunehmend anerkannt – nicht zuletzt wegen ihrer Erfolge und Ausstellungen in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich.

1926 heiratete sie ihren ehemaligen Privatlehrer Dr. Johannes Prinz, der seit 1923 Professor für Germanistik an der Universität Kapstadt war. 1934 folgte die Scheidung.

Irma Stern unternahm umfangreiche Reisen in Afrika und nach Europa. Nach 1933 wurden ihre Werke in Deutschland nicht mehr ausgestellt, bis eine große Retrospektive 1996/1997 in der Kunsthalle Bielefeld die Künstlerin und ihr Werk auch hier wieder bekannt machte. Insgesamt hatte sie mehr als 100 Ausstellungen in Südafrika und Europa.[2]

Das Irma Stern Museum im Besitz des Irma Stern Trust wurde 1971 gegründet und untersteht der University of Capetown. Es befindet sich in dem Haus, in dem die Künstlerin fast vier Jahrzehnte lang lebte. Sie zog 1927 in The Firs in Rondebosch ein und lebte dort bis zu ihrem Tod. Ihr Atelier und weitere Räume geben eine Vorstellung davon, wie sie zu Irma Sterns Lebzeiten eingerichtet waren. Zu sehen sind wichtige Werke Irma Sterns sowie – europäische und vor allem afrikanische Kunst aus ihrer umfangreichen Kunstsammlung. Im Obergeschoss finden Wechselausstellungen zeitgenössischer südafrikanischer Künstlerinnen und Künstler statt.

Dass Irma Stern in Südafrika heute verehrt wird, hat auch damit zu tun, dass sie ihre schwarzen Modelle ähnlich respektvoll darstellte wie Weiße. Nach ihrem Tod 1966 wurde Sterns Sammlung zum nationalen Erbe Südafrikas erklärt.

Als das Gemälde „Arab Priest“ bei der Versteigerung in London im Frühjahr 2011 mit über 3 Millionen britische Pfund das Doppelte des Schätzpreises  erzielte und damit weit mehr als wichtige Arbeiten bekannter Avantgardekünstler aus Europa wie Kurt Schwitters, die Brücke-Maler oder ihr Freund und Förderer Max Pechstein, war das eine Sensation. Auch die Versteigerung von Arab in Black, das für 930.000 Euro einen neuen Besitzer fand, war aufsehenerregend – Irma Stern hatte das Gemälde ursprünglich verkauft, um Nelson Mandelas juristische Verteidigung mitzufinanzieren.[3]

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke von Irma Stern befinden sich in Südafrika in jedem größeren Kunstmuseum.

Bedeutende Werke Irma Sterns zeigen folgende Kunstsammlungen:

  • Irma Stern Museum, UCT Collection, Kapstadt, Südafrika
  • Iziko Museums of South Africa, Kapstadt,  Südafrika
  • The Rupert Family Foundation for the Arts, Stellenbosch, Südafrika
  • Musée National d’Art Moderne, Centre Georges Pompidou, Paris
  • Kunsthalle Bielefeld

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • At home with Irma Stern: A guidebook to the UCT Irma Stern Museum. Helene Smuts. ISBN 978-0-620-39702-5
  • Irma Stern. Mit einem Auszug aus dem „Tagebuch einer Malerin“. Max Osborn. Leipzig. Klinkhardt & Biermann, 1927 (Junge Kunst, 51)
  • Irma Stern: The Early Years (1894–1933). Karel Schoeman. ISBN 0-86968-112-5
  • Paradise, the Journal and Letters (1917–1933) of Irma Stern Edited with a Commentary. Neville Dubow. ISBN 1-874812-08-X
  • Irma Stern: A Feast for the Eye. Marion Arnold. ISBN 0-620-19014-0
  • Irma Stern und der Expressionismus. Afrika und Europa. Bilder und Zeichnungen bis 1945. Irene Below, Jutta Hülsewig-Johnen, Ausstellungskatalog, Kunsthalle Bielefeld, Kerber Verlag, 1996
  • Hidden treasures, Irma Stern. Irene Below, Society of Bibliophiles in Cape Town, 2000. ISBN 0-620-26727-5
  • Remembering Irma: Irma Stern: A Memoir with Letters. Mona Berman 2003. ISBN 1-919930-27-2
  • Irma Stern. Afrikanerin in Europa, Europäerin in Afrika. Sean O’Toole. Prestel Verlag, 2020. ISBN 1350187496

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Irma Stern. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  2. Irma Stern. Abgerufen am 11. Januar 2021.
  3. Judith Kessler: „Die Pechstein von Afrika“. 20. Dezember 2020, abgerufen am 11. Januar 2021.