Ironiezeichen

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Ironiezeichen in einer französischen Enzyklopädie von 1905[1]

Das Ironiezeichen ist ein vorgeschlagenes, aber kaum verwendetes Satzzeichen, mit dem die ironische Bedeutung eines Satzes oder Satzteiles hervorgehoben werden kann. Es wird meist durch ein spiegelverkehrtes Fragezeichen (U+2E2E) dargestellt.

Folgender Satz verwendet das Ironiezeichen, um auszudrücken, dass es keineswegs als erfreulich empfunden wird, sich auf den Finger zu schlagen:

„Jeden zweiten Tag schlage ich mir für ein schlechtes Gehalt mit dem Hammer auf den Finger. Ei! So liebe ich meine Arbeit⸮“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ironiezeichen wurde 1899 von dem französischen Dichter Alcanter de Brahm (Pseudonym von Marcel Bernhardt) vorgeschlagen.[2][3] Da es in seiner Originalgestaltung nicht in Unicode verfügbar ist (Stand 2018), kann es mit dem grob ähnlichen Zeichen U+2E2E reversed question mark (gespiegeltes Fragezeichen) aus dem Unicodeblock Zusätzliche Interpunktion ersatzdargestellt werden, das in Unicode als punctus percontativus (Satzzeichen für rhetorische Fragen in einigen frühneuzeitlichen Drucken) aufgenommen wurde.[4]

Der Vorschlag eines Ironiezeichens wurde etwa siebzig Jahre später im Jahre 1966 von Hervé Bazin in seinem Buch Plumons l’oiseau (dt.: Rupfen wir den Vogel) wieder aufgegriffen, allerdings verwendete er eine andere Form ähnlich dem griechischen Buchstaben Ψ (Point d'ironie (Hervé Bazin).svg). Gleichzeitig schlug er fünf weitere Interpunktionszeichen vor: für Zweifel (Point de doute (Hervé Bazin).svg), Überzeugtheit (Point de conviction (Hervé Bazin).svg), Zustimmung (Point d'acclamation (Hervé Bazin).svg), Autorität (Point d'autorité (Hervé Bazin).svg) und Liebe (Point d'amour (Hervé Bazin).svg).[5][6]

Ein anderes Zeichen (), das Ironie in Schriftstücken zum Ausdruck bringen sollte, wurde Anfang 2007 von der niederländischen Stiftung CPNB (Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek) vorgeschlagen.[7][8]

Verwendung und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglich erdachte Verwendung in Drucksachen geschieht kaum. Dennoch wurde und wird auf das Zeichen immer wieder auch von namhaften Autoren Bezug genommen. So schrieb Kurt Tucholsky unter dem Pseudonym „Peter Panter“ 1925 in der „Vossischen Zeitung“:

„Ein Franzose hat einmal ein neues Interpunktionszeichen vorgeschlagen: den point d’ironie.“[9]

Christoph Markschies, damaliger Präsident der Berliner Humboldt-Universität, sagte anlässlich der Ehrenpromotion von Marcel Reich-Ranicki:

„Ich muß freilich heute das von Jean Paul und Heinrich Heine geforderte Ausrufzeichen zur Markierung von ironischen Wendungen nicht setzen; Peter Wapnewski, der uns dankenswerterweise die Laudatio halten wird, und Marcel Reich-Ranicki selbst sind solche Meister der Ironie, sind ein Gestalt gewordener point d’ironie.“[10]

Weitere Referenzen auf Ironiezeichen sind in Jean Mérons Aufsatz über Typographie En question: la grammaire typographique. Étude critique (1998) zusammengestellt.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisiert wird, dass die Verwendung von Ironiezeichen dem Ironischen gerade die Ironie entziehe, die ja darin läge, die wahre Bedeutung der Aussage offen zu lassen. Das Ironiezeichen löse die Dissonanz zwischen Aussage und Bedeutung vorzeitig auf und konterkariere dadurch den spöttelnden Aspekt.[11][12] Zudem wird kritisiert, dass auch die Verwendung von Ironiezeichen zu Missverständnissen führen kann, insbesondere, wenn diese inflationär erfolgt und unterschiedlich gebraucht wird.[13]

Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere Ironiekennzeichnungen werden nahezu ausschließlich im Internet, in Foren und Chats, verwendet. Teils wird das ironisch Gemeinte von zwei Zeichen, sogenannten Ironie-Tags, <ironie> und </ironie> (angelehnt an den SGML-Stil), umschlossen, teils schließt man es mit einem Emoticon, etwa einem zwinkernden Smiley ;-), ab. In einigen Foren ist auch die Verwendung von Ironiebuttons [o] üblich. In deutschsprachigen Untertiteln englischsprachiger Filme findet sich seit 2006 gelegentlich das in Klammern gesetzte Ausrufezeichen als Ironiekennzeichnung. So findet sich in den Untertiteln der Serie Danger Man beispielsweise der Satz „Da bin ich aber froh(!)“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nouveau Larousse illustré, Paris 1897–1905, Band 5, Seite 329, Stichwort Ironie
  2. Alcanter de Brahm: L’Ostensoir des Ironies. Neudruck 1996 mit einer Einleitung Le Point sur l’Ironie von Pierre Schoentjes, ISBN 2-903974-91-8
  3. a b Jean Méron: En question: La Grammaire typographique. Étude critique. (PDF; 4,3 MB) November 1998, S. 21 ff., abgerufen am 5. August 2018 (französisch).
  4. Michael Everson et al.: Proposal to add Medievalist and Iranianist punctuation characters to the UCS (UTC Document L2/07-004, ISO/IEC JTC1/SC2/WG2 Document N3193). (PDF) Unicode Technical Committee, 9. Januar 2007, S. 3, 24, abgerufen am 25. April 2017. – U+2E2E reversed question mark ist dort auf Position U+2E34 vorgeschlagen.
  5. Hervé Bazin: Plumons l’oiseau. Editions Bernard Grasset, Paris 1966, u. a. S. 142.
  6. Mykyta Yevstifeyev et al.: Revised preliminary proposal to encode six punctuation characters introduced by Hervé Bazin in the UCS. (PDF; 706 kB) ISO/IEC JTC1/SC2/WG2, 28. Februar 2012, abgerufen am 28. Juli 2012 (englisch).
  7. Nieuw: een leesteken voor ironie. Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek (CPNB), 13. März 2007, archiviert vom Original am 3. Oktober 2008; abgerufen am 15. September 2012 (niederländisch).
  8. Leesteken moet ironie verduidelijken. Nieuwsblad.be, 15. März 2007, abgerufen am 15. September 2012 (niederländisch).
  9. Peter Panter: Die Apachen. In: Vossische Zeitung, 1. Februar 1925.
    Auch: Kurt Tucholsky, Mary Gerold-Tucholsky (Hrsg.): Gesammelte Werke in 10 Bänden. Rowohlt, Hamburg, Bd. 4, S. 30. ISBN 349929012X.
  10. Rede von HU-Präsident Markschies anläßlich der Ehrenpromotion von Marcel Reich-Ranicki. Humboldt-Universität zu Berlin, 27. November 2006, abgerufen am 5. August 2018.
  11. Diskussion auf der Website GERASPORA, zuletzt abgerufen am 5. August 2018.
  12. Ein kleiner Exkurs in die opaken Untiefen des Ironismus, Artikel auf Philosophische Schnipsel – Notizen, Essays & Reflexionen zu Kultur, Medien, Literatur und Gegenwartsphilosophie, zuletzt abgerufen am 5. August 2018.
  13. Aber bitte mit Bildchen von Andreas Frey auf faz.net, zuletzt abgerufen am 5. August 2018.