Irrfahrt der St. Louis

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Die St. Louis im Hafen von Hamburg

Die Irrfahrt der St. Louis war eine Reise von 937 nahezu ausnahmslos deutschen Juden auf der St. Louis, einem Passagierschiff der Hamburger Reederei HAPAG, im Mai-Juni 1939 von Hamburg nach Kuba und zurück nach Antwerpen. Die Passagiere wollten, um dem NS-Regime zu entkommen, nach Kuba auswandern, erhielten aber weder dort noch in den USA die Landeerlaubnis. Sie wurden schließlich in Antwerpen von Bord gelassen und auf Belgien, die Niederlande, Frankreich und Großbritannien verteilt.

Die Reise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Passagiere der Fahrt nach Kuba im Frühjahr 1939 waren 937 deutsche Juden, die mit Touristenvisa für Kuba und größtenteils mit gültigen Papieren der US-Einwanderungsbehörde ein halbes Jahr nach den Ausschreitungen in der Reichspogromnacht auswandern wollten.[1] In der Karibik begann die Auswanderung zu scheitern, weil das Schiff nirgends eine Anlegeerlaubnis erhielt. Am 27. Mai 1939 ging die St. Louis in der Bucht von Havanna vor Anker, denn trotz zuvor erfolgter Zusage weigerte sich die kubanische Regierung, das Schiff am Pier anlaufen zu lassen. Die kubanischen Visabestimmungen für Einwanderer waren kurz zuvor geändert worden, und die dortigen Behörden verweigerten den Passagieren mit Touristenvisa die Einreise. Nach Verhandlungen von Kapitän Gustav Schröder durften 29 Passagiere von Bord gehen: 22 deutsche Juden, deren Visa als gültig anerkannt wurden, sowie vier Passagiere mit spanischen und zwei mit kubanischen Pässen und einer, der Suizid versucht hatte. Am 2. Juni 1939 musste das Schiff Kuba verlassen.[1]

Kapitän Schröder und jüdische Organisationen baten dann US-Präsident Franklin Roosevelt persönlich um Hilfe, die jedoch verweigert wurde. Die Odyssee des Schiffs führte zu heftigen Diskussionen in den Vereinigten Staaten, da Präsident Roosevelt zwar anfangs einige der Flüchtlinge aufnehmen wollte, aber sich dem Druck seines Außenministers Cordell Hull und der Demokratischen Partei beugte. Einige Parteimitglieder sollen ihm gedroht haben, die Unterstützung für die Präsidentschaftswahlen 1940 zu versagen. Am 4. Juni 1939 lehnte Roosevelt das Anlegen des Schiffes in den USA ab, das in der Karibischen See zwischen Florida und Kuba wartete.

Das Schiff musste auf Anweisung der Reederei im Juni 1939 nach Europa zurückkehren, woran auch ein Versuch der Passagiere, das Kommando über das Schiff zu übernehmen, nichts änderte. Kapitän Schröder setzte sich weiterhin für die Flüchtlinge ein. Er erwog sogar, eine Havarie vor der britischen Küste vorzutäuschen, damit seine Passagiere dort an Land genommen werden würden.[2] Die belgische Regierung erlaubte schließlich die Landung in Antwerpen. Die Passagiere wurden von Antwerpen aus von Belgien (214), den Niederlanden (181), Frankreich (224) und Großbritannien (254) aufgenommen.[1] Ein Passagier war unterwegs verstorben.

Überlebende und der Holocaust[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als die Wehrmacht im Mai/Juni 1940 Belgien, die Niederlande und Frankreich eroberte, geriet die Mehrzahl der an der Emigration Gehinderten in den Herrschaftsbereich des NS-Regimes. Die von Großbritannien aufgenommenen Emigranten waren in Sicherheit. Nach neueren Forschungen wurden 254 der Passagiere im Holocaust ermordet.[1]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel an den Hamburger St. Pauli-Landungsbrücken
  • Eine im Jahre 2000 angebrachte Gedenktafel in Hamburg auf der rechten Seite des Durchganges zu Brücke 3 der St. Pauli-Landungsbrücken erinnert an das Schicksal der Passagiere der St. Louis.
  • Kapitän Gustav Schröder wurde 1957 „für Verdienste um Volk und Land bei der Rettung von Emigranten“ von der Bundesrepublik Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, vom Staat Israel postum durch die Aufnahme in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ und von der Hansestadt Hamburg im Februar 1990 durch Benennung einer Straße in Hamburg-Langenhorn, den „Kapitän-Schröder-Weg“, geehrt.
  • Das Drama der St. Louis war Gegenstand des 1976 erstaufgeführten amerikanischen Films Reise der Verdammten (Voyage of the Damned).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Louis (ship, 1929) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt, 3. Mai 2014, S. 20 (online).
  2. Martin Keiper: Drama in Havanna. In: Eine Welt. Magazin aus Mission und Ökumene, ISSN 0949-216X, Jg. 2016, Heft 3, S. 39.