Isakas Anolikas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Isakas Anolikas

Isakas Anolikas (1903 in Šiauliai1943 in IX fortas, Kaunas) war ein litauischer Radrennfahrer. Er repräsentierte Litauen bei den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris und den Olympischen Sommerspielen 1928 in Amsterdam. Er war damit der erste litauische Athlet, der zweimal hintereinander an Olympischen Spielen teilnahm. Anolikas wurde vom NS-Regime aus rassistischen Gründen ermordet.[1]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anolikas war dreifacher litauischer Landesmeister und zweifacher Olympiateilnehmer in der Zwischenkriegszeit.

1924 gehörte er der ersten olympischen Delegation Litauens an.[2][3] Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte auf der 115 km langen Strecke von Kaunas nach Marijampolė und zurück. An diesem Rennen nahmen 17 Fahrer teil. Isakas Anolikas war Mitglied vom Sportclub „Makabi Šiauliai“ (ab 1921) und der Vertreter des Landesverbandes der internationalen jüdischen Sportverbandes Makkabi, sein wichtigster Konkurrent Juozas Vilpišauskas trat für den litauischen Radfahrerverband an. 26 Kilometer vor dem Ziel brach der Fahrradsattel von Anolikas. Vilpišauskas hingegen irrte sich betreffend der Ruhezeiten. Weil die stärksten Fahrer Litauens es nicht rechtzeitig ins Ziel geschafft hatten, wurde ein weiteres Qualifikationsrennen veranstaltet, auf Grund dessen beide Bewerber – zusammen mit einer Fußball-Mannschaft – zu den Olympischen Sommerspielen nach Paris geschickt wurden.

Weil Anolikas in Paris sein ganzes Geld für ein neues Fahrrad aufwenden musste, ging er ohne Ersatzteile und ohne Verpflegung ins Olympische Rennen. Bei beiden Olympia-Teilnahmen kam Anolikas aufgrund technischer Defekte seines Rades nicht ins Ziel. Steine hatten sich in den Fahrradreifen gebohrt und es gelang ihm nicht, sich ein anderes Fahrrad von einem Rivalen zu leihen.[1]

Während der deutschen Besatzung Litauens wurden im IX fortas in Kaunas zehntausende jüdische Menschen aus ganz Europa ermordet, darunter 1943 auch Isakas Anolikas.[4] Die meisten von ihnen wurden erschossen.[5][1]

Die litauische Schriftstellerin Rūta Vanagaitė porträtierte mit Unterstützung von Efraim Zuroff in ihrem Buch Musiskiai (Die Unsrigen) über die Beteiligung der litauischen Zivilbevölkerung an der Ermordung der Juden des Landes sowohl litauische Opfer wie auch litauische Täter. Bewusst wurden dabei Fotos von Isakas Anolikas und dem Kommandanten des Lagers, Balys Norvaisa, auf dem Cover des Buches nebeneinander gestellt.[4][6][7][8][9]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1925
  • LitauenLitauen Litauischer Meister – Einzel, 10 km
1926
  • LitauenLitauen Litauischer Meister – Einzel, 10 km
  • LitauenLitauen Litauischer Meister – Team, 70 km

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 28. August 2016 wurde durch den Künstler Gunter Demnig in Kaunas, wo Anolikas für die Olympischen Sommerspiele 1924 trainierte, ein Stolperstein verlegt.[10][11] Der Stolperstein befindet sich an der Straßenecke Laisvės al. 3/Krėvos in Kaunas.[1]
  • Am 6. Mai 2018 wird eine Fahrradtour in Šiauliai zum Gedenken an die Mitglieder der litauischen Olympiamannschaft Isakas Anolikas und Juozas Vilpišauskas stattfinden. Organisiert wird diese Gedenkveranstaltung von der Kommune Šiauliai in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Daumantė Baranauskaitė: ’’Nepriklausomos Lietuvos debiutas olimpinėse žaidynėse: Isako Anoliko istorija (Die Geschichte von Isakas Anolikas)’’, 10. August 2016 (mit einem Porträt des Sportlers) (litauisch)
  2. Steponas Gečas, Arvydas Jakštas: Lietuvos žydų (litvakų) dalyvavimą lietuvos sportiniame sąjūdyje Die Beteiligung litauischer Juden an der Sportbewegung Litauens (litauisch), Internetportal Bernardinai.lt, 18. Juni 2012 (mit Fotos), abgerufen am 3. Mai 2018
  3. Steponas Gečas, Arvydas Jakštas: Lietuvos žydų (litvakų) dalyvavimą lietuvos sportiniame sąjūdyje (Memento vom 12. Februar 2012 im Internet Archive) Die Beteiligung litauischer Juden an der Sportbewegung Litauens (litauisch) (Word-Dokument), abgerufen am 1. Mai 2018
  4. a b Judith Leister: Was die Unsrigen taten NZZ 21. Mai 2016, abgerufen am 2. Mai 2018
  5. Kaunas IX. Fort auf gedenkorte-europa.eu, der Homepage von Gedenkorte Europa 1939–1945, abgerufen am 1. Mai 2018
  6. Rūta Vanagaitė: Mūsiškiai. Alma littera, Vilnius 2016, ISBN 978-609-01-2208-2.
  7. Hillel Kuttler: 80 Years After Hitler’s Berlin Summer Olympics: Athletes Murdered In The Holocaust Are Not Forgotten (International march of living) (22. Juni 2016)
  8. Hillel Kuttler: 80 Years After Hitler’s Berlin Summer Olympics: Athletes Murdered In The Holocaust Are Not Forgotten (B'nai B'rith Magazine) (22. Juni 2016)
  9. Simon-Wiesenthal-Center: Mūsiškiai; Kelionė Su Priešu (Our People; Journey With an Enemy) by Ruta Vanagaite and Dr. Efraim Zuroff (abgerufen am 3. Mai 2018)
  10. Kaunas schließt sich dem größten europäischen Flächendenkmal an (Kaunas prisijungia prie didžiausio Europos memorialo po atviru dangumi) (litauisch) (Info zur Verlegung der Stolpersteine in Kaunas), abgerufen am 2. Mai 2018
  11. Sportas.info: Erinnerung an einen ermordeten Olympioniken - Der Radrennfahrer Isakas Anolikas, der Litauen bei zwei Olympischen Spielen vertreten hat, wird dort geehrt, wo er sich auf die wichtigsten Starts vorbereitet hat. (Įamžino nužudyto olimpiečio atminimą) (litauisch) (30. August 2016)
  12. Gedenkveranstaltung für die Mitglieder der litauischen Olympiamannschaft während der Zwischenkriegszeit Isakas Anolikas und Juozas Vilpišauskas, abgerufen am 2. Mai 2018