Isao Takahata

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Isao Takahata auf dem Festival d’Animation Annecy 2014

Isao Takahata (jap. 高畑 勲 Takahata Isao; * 29. Oktober 1935 in Ujiyamada, Japan) ist ein japanischer Regisseur und Produzent von Animeserien und -filmen. Er ist Mitbegründer des Studio Ghiblis und vor allem durch seine Arbeiten für dieses Produktionsstudio bekannt. Davon abgesehen ist sein bekanntestes Werk in Europa die Fernsehserie Heidi.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isao Takahata wurde am 29. Oktober 1935 als siebtes Kind des Schullehrers Asajirō Takahata (1888–1984) in Ujiyamada geboren.[1] In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1945 überlebte er im Alter von neun Jahren einen schweren Bombenangriff der USAAF mit 138 B-29-Bombern auf Okayama, dessen Erinnerungen ihn in seinen späteren Werken erheblich beeinflussten.[2]

1959 schloss Takahata sein Studium der Französischen Literatur an der Universität Tokio ab und arbeitete daraufhin für das neu gegründete Zeichentrickstudio Tōei Animation. Dort traf er unter anderem auf Hayao Miyazaki, mit dem er sich anfreundete und den er stark beeinflusste. Laut Yasuo Ōtsuka, einem Animator und ehemaligen Kollegen Takahatas, wäre Miyazaki ohne Takahata wahrscheinlich nie als Regisseur aktiv geworden und hätte weiterhin lediglich Mangas gezeichnet, da Miyazaki erst durch seine Werke ein größeres Interesse an Animationsfilmen entwickelt habe. In den 1960ern führte Takahata Regie bei Anime-Produktionen wie Ōkami Shōnen Ken und Taiyō no Ōji: Horus no Daibōken. In den 1970ern arbeitete er bei beinahe allen Serien des World Masterpiece Theaters mit, darunter Heidi und Anne mit den roten Haaren. Er förderte das Talent von Miyazaki und unterstützte diesen bei seinen Werken wie Future Boy Conan und Nausicaä. Der Erfolg von Nausicaä ermöglichte die Gründung des Studio Ghibli, für das er in den folgenden Jahren unter anderem Die letzten Glühwürmchen und Tränen der Erinnerung – Only Yesterday kreierte.

2009 wurde der „Altmeister des japanischen Trickfilms“ auf dem Internationalen Filmfestival von Locarno mit dem Ehrenleoparden für sein Lebenswerk geehrt.[3]

2013, mehr als zehn Jahre nach seinem vorigen Film Meine Nachbarn die Yamadas, kam sein jüngster Film Die Legende der Prinzessin Kaguya in die japanischen Kinos. Dieser wurde u. a. für den Oscar 2015 in der Kategorie „Bester animierter Spielfilm“ nominiert.[4] Daraufhin war er beim 2016 erschienen Film Die rote Schildkröte als Leiter der Animationsabteilung tätig.[5]

Darüber hinaus ist er als Gegner von Premierminister Shinzō Abe politisch aktiv. Takahata steht dessen Plan, Artikel 9 der japanischen Verfassung zu ändern und Japan eine größere militärische Rolle zuzuschreiben, kritisch gegenüber und nimmt regelmäßig an öffentlichen Protesten dagegen teil.[2] Er bekennt sich öffentlich als Befürworter der Kommunistischen Partei Japans und ist der Vorsitzende der Eigajin Kyūjō no Kai (映画人九条の会, dt. etwa Vereinigung von Filmemachern für Artikel 9), welche der Kommunistischen Partei nahe steht.[6]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Isao Takahata – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 岡山県名誉県民 (japanisch), abgerufen am 27. August 2017
  2. a b The Japan Times: Isao Takahata’s stark world of reality (englisch), abgerufen am 27. August 2017
  3. vgl. Kohler, Michael: Meister der Animation. In: Frankfurter Rundschau, 8. August 2009, S. 12
  4. Das sind die Oscar-Nominierungen 2015, abgerufen am 27. August 2017
  5. The Red Turtle (englisch), abgerufen am 27. August 2017
  6. 都議選 “共産党の躍進に期待します” (japanisch), abgerufen am 27. August 2017