Isaurier

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Die Isaurier (auch Isaurer geschrieben) waren ein antiker Volksstamm im Süden Kleinasiens. Ihre Heimat Isaurien liegt am nördlichen Abhang des Taurusgebirges am Rande Lykaoniens. Diese Region zwischen dem antiken Kilikien und Pisidien gehörte zur römischen Provinz Isauria, teilweise auch zu Cilicia.[1]

Eine ethnische Identität der Isaurier wird oft bezweifelt; andere Historiker tendieren zur Annahme einer ethnischen Identität ohne festen Kern[2] oder bringen sie mit den luwisch sprechenden anatolischen Völkern in Verbindung. Frühere Autoren betrachteten sie als (eventuell semitische?) Solymer, die aus dem griechischen Bellerophon-Mythos bekannt waren.[3] In manchen antiken Quellen werden alle Bewohner des Taurusgebirges als Isaurier angesprochen, während in anderen Quellen die Isaurier Kilikier genannt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Isaurier waren in der Antike als Räuber, Seeräuber, Sklavenhändler und Krieger gefürchtet (siehe z. B. Lydius). Ihre Hauptstadt war Isaura (heute Bozkır), ein anderer wichtiger Ort war Lystra. Die Isaurier wurden 78/77 v. Chr. durch Publius Servilius Vatia unterworfen, ihre Hauptstadt wurde zerstört. 12 Kilometer entfernt von den Ruinen erbaute der König Amyntas von Galatien um 40 v. Chr. Neu-Isaura (griech. Isaura Nea, lat. Isaura Nova beim heutigen Aydoğmuş). Isaura Nova wurde im 3. Jahrhundert Sitz des Gegenkaisers Trebellianus. Nach dessen Niederlage im Jahr 268 wurde es erneut zerstört. Die Isaurier galten als „innere Barbaren“ des Reichs. Dauerhaft wurde Isaurien erst im Jahr 279 von Kaiser Probus in das Reich integriert; die Isaurier erhielten das Bürgerrecht.[4]

Ab dem späten 5. Jahrhundert machten die Isaurier in der oströmischen Armee Karriere als Soldaten und wurden von Kaiser Leo I. als Gegengewicht zu den gotischen Truppenteilen herangezogen. Der hohe Stellenwert der isaurischen Truppen zeigte sich darin, dass einer der Stammeshäuptlinge von Leo protegiert und 474 unter dem Namen Zenon zum Kaiser erhoben wurde. Unter Kaiser Anastasios I. wurden sie endgültig als Machtfaktor ausgeschaltet.

Der Volksstamm ist nicht zu verwechseln mit der von Kaiser Leo III. begründeten syrischen Dynastie, die oft (falsch) als Isaurische Dynastie bezeichnet wird und von 717 bis 802 das Byzantinische Reich regierte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugh Elton: The Nature of the Sixth-century Isaurians. In: Geoffrey Greatrex, Stephen Mitchell (Hrsg.): Ethnicity and culture in Late Antiquity. Duckworth u. a., London 2000, ISBN 0-7156-3043-1, S. 293–307.
  • Karl Feld: Barbarische Bürger. Die Isaurier und das Römische Reich. de Gruyter, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-11-018899-6 (Millennium-Studien. Bd. 8), (zugleich Berlin, Freie Univ., Diss., 2004). Neuauflage 2012.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Felix John: Der Galaterbrief im Kontext historischer Lebenswelten im antiken Kleinasien. Göttingen 2016, S. 50 f.
  2. Feld 2012, S. 41 ff.
  3. Feld 2012, S. 39.
  4. Isaurien, in: Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 77. Online