Isenbüttel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Isenbüttel
Isenbüttel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Isenbüttel hervorgehoben
Koordinaten: 52° 26′ N, 10° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Gifhorn
Samtgemeinde: Isenbüttel
Höhe: 68 m ü. NHN
Fläche: 18,65 km2
Einwohner: 6483 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 348 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38550
Vorwahl: 05374
Kfz-Kennzeichen: GF
Gemeindeschlüssel: 03 1 51 013
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Gutsstr. 11
38550 Isenbüttel
Webpräsenz: www.gemeinde-isenbüttel.de
Bürgermeisterin: Tanja Caesar (IWG)
Lage der Gemeinde Isenbüttel im Landkreis Gifhorn
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Über dieses Bild

Isenbüttel ist eine Gemeinde im niedersächsischen Landkreis Gifhorn sowie Mitgliedsgemeinde und Verwaltungssitz der Samtgemeinde Isenbüttel.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Isenbüttel liegt im Städtedreieck zwischen Wolfsburg (ca. 18 km), Gifhorn (ca. 6 km) und Braunschweig (ca. 20 km) auf der Hochfläche des Papenteich an der Hehlenriede. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Isenbüttel an, die ihren Verwaltungssitz in Isenbüttel hat. Der Bahnhof Isenbüttel Dorf liegt an der Bahnstrecke Braunschweig–Wieren.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus

Isenbüttel besteht aus drei Ortsteilen: dem Kernort, Bornsiek und Tankumsee. Die Ortsteile haben jedoch keinen offiziellen Status, etwa mit Ortsrat oder dergleichen, sondern ergeben sich lediglich aus der geographischen Lage. Bornsiek und Tankumsee liegen als Siedlungen abseits des Kernorts. Tankumsee war ursprünglich als reines Naherholungsgebiet gedacht. Heute stehen dort auch Wohnhäuser.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erwähnt wurde Isenbüttel erstmals 1196/97 und heißt in späteren Urkunden im 14. Jahrhundert Isenbutle. (Isenbüttel ist eines von vielen so genannten „Büttel-Dörfern“, die in der Region in und um den Papenteich herum häufig vorkommen.) Zu dieser Zeit bekam das Kloster Isenhagen vom Landesherren Rechte auf die Siedlung zugesprochen. Das Kloster erhielt auch das Patronat an der Kirche in Isenbüttel. Die Ansiedlung hatte bereits früh den Charakter eines Haufendorfes. Als Sitz des Kirchspiels zog sie neue Bürger an und begründete ihre Funktion als Zentrumsort für die umliegenden Gemeinden.

Bislang ist noch unerforscht, wie weit die Besiedlungsgeschichte des Ortes zurückreicht. Die älteste Spur der Besiedlung ist ein Steinofen aus der jüngeren vorrömischen Eisenzeit (ca. 480 – 30 v. Chr.) am Triftweg nördlich der Hehlenriede.[2] Die Gründungssage des Ortes weist, wie auch viele andere Gründungsmythen, Parallelen zu diversen älteren Sagen auf.[3] So weist er beispielsweise Parallelen zu der Geschichte von Romulus und Remus auf und schafft seine Legitimierung durch Verknüpfung mit der Nibelungensage.[4] Anders als diese, kann der Isenbütteler Gründungsmythos jedoch nicht typisch in der Zeit der Völkerwanderung verortet werden, sondern im ausgehenden 12. Jahrhundert.

Der Legende nach gründeten die Brüder Iso und Kalu jeweils ein Dorf – das etwa 2 Kilometer entfernt liegende Calberlah wurde 1318 als Kaluerlege erstmals urkundlich erwähnt.[5][6] Bereits hier ist der religiös geprägte Dualismus der Erzählung immanent. So wird das Dorf Isos als Sitz des Kirchspiels gottesfürchtig und fromm dargestellt, während das Dorf Kalus im Gegensatz dazu voller Sünde ist.[7] Für seine Unterstützung im Kampf gegen Heinrich den Löwen belohnte der Kaiser Heinrich VI. Iso mit einer goldenen Kette aus dem Nibelungenhort. Kalu beauftragte daraufhin eine Gruppe "Stratekehrer" (Räuber), dem Transport der Kette an einer Brücke aufzulauern. Die Kette ging verloren und infolgedessen erschlägt Iso seinen Bruder im Zorn. Auch hier ist der Bezug zu Romulus und Remus, eindeutig im Motiv des Brudermords zu erkennen. Die Erzählung endet mit Iso, der sich vor Schande in das eigene Schwert stürzt. Viele sehen in einer 1922 gefundenen und aus dem 7. Jht. n. Chr. stammenden Kette eine Verbindung zu der Kette aus der Sage, weshalb eine Brücke Nahe dem Fundort als "Räuberbrücke" bezeichnet wird. Die Goldkette von Isenbüttel kann im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover besichtigt werden und ziert heute das Wappen der Gemeinde.[8]

Im 20. Jahrhundert verdankte der Ort mehreren Faktoren eine Bevölkerungszunahme. Dies waren die Nähe zu Gifhorn, die Lage nahe der Bahnstrecke Berlin–Lehrte und die Ansiedlung von Beschäftigten des Wolfsburger Volkswagenwerkes in den 60er Jahren.

1996 wurde von April bis Oktober 800-jähriges Bestehen des Ortes gefeiert.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Marien-Kirche

Die evangelisch-lutherische St.-Marien-Kirche wurde von 1872 bis 1874 nach Plänen des Architekten Conrad Wilhelm Hase erbaut. Die zu klein gewordene Vorgängerkirche wurde abgerissen. Die Grundsteinlegung fand am 7. Juli 1872 statt, am 22. November 1874 wurde sie geweiht. Der 42,60 m hohe Kirchturm zeigt im Grundriss eine sechsblättrige Rose.[9] Hinter dem neugotischen Orgelprospekt aus dem 19. Jahrhundert verbirgt sich die 1972 von Rudolf Janke erbaute Orgel. Die Kirchengemeinde Isenbüttel gehört zum Kirchenkreis Gifhorn im Sprengel Lüneburg der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.[10] Die katholischen Einwohner Isenbüttels gehören zur Pfarrgemeinde St. Altfrid in Gifhorn.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der letzten Kommunalwahlen am 11. September 2016 ergab sich folgende Zusammensetzung des Gemeinderates (in Klammern die Ergebnisse der Wahl 2011):

  • SPD: 44,42 % (48,11 %), 8 Sitze (9 Sitze)
  • CDU: 26,10 % (26,76 %), 5 Sitze (5 Sitze)
  • GRÜNE: 15,33 % (15,27 %), 3 Sitze (3 Sitze)
  • IWG: 14,15 % (1,34 %), 3 Sitze (0 Sitze)

Die Wahlbeteiligung betrug 58,78 %.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Isenbüttel
Blasonierung: „Das Wappen der Gemeinde Isenbüttel in Blau ein geflochtenes, ringförmig angeordnetes goldenes Band mit drachenähnlichem Kopf und besonders verziertem Schlussglied, in deren Scheitelkämmen rote Steine eingelegt sind.“[11]
Wappenbegründung: Das Wappen zeigt auf blauem Grund die stilisierte Darstellung der Goldkette von Isenbüttel.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1871–1879: Johann Heinrich Ernst Gaus (Ackermann)
  • 1880–1881: Ludwig Behrens (Kotsaß)
  • 1881–1889: Heinrich Rohlf (Kotsaß)
  • 1904–1908: Ernst Lüthge (Ackermann)
  • 1908–1914: Johann H. Deneke (Kotsaß)
  • 1914–1929: Christian Thielhorn (Ackermann)
  • 1929–1945: Heinrich Gaus
  • 1945–1946: Heinrich Zimmermann (DP)
  • 1946–1947: Heinrich Benstem
  • 1947–1947: Kreisangestellter Lührs (Mai–Juli)
  • 1947–1948: Heinrich Benstem
  • 1948–1952: Willi Schulz
  • 1952–1968: August Mohwinkel
  • 1968–1972: Willi Schulz
  • 1972–1973: Ernst-Joachim Schulze (SPD)
  • 1973–1974: Eberhardt von Zitzewitz
  • 1974–1976: Georg Kroll
  • 1976–1978: August Mohwinkel
  • 1978–1981: Johann Metzler (CDU)
  • 1981–1986: Ernst-Joachim Schulze (UWG)
  • 1986–1991: Johann Metzler (CDU)
  • 1991–1996: Ernst-Joachim Schulze (UWG)
  • 1996–2002: Dietmar Rösler (CDU)
  • 2002–2006: Hans Hermann Droßel (CDU)
  • 2006–2016: Peter Zimmermann (SPD)
  • seit 2016: Tanja Caesar (IWG)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Unternehmen innerhalb der Gemeinde sind im Gewerbe- und Industriepark Isenbüttel ansässig, darunter Bereiche wie Messebau, Batteriefertigung und Achsmontage der Volkswagen-Gruppe.

Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hehlenriede am Rathaus

Nördlich des Ortes führt die Bahnstrecke Berlin–Lehrte vorbei. In Isenbüttel, ca. 2 km nordöstlich der geschlossenen Ortschaft liegt das 222 ha große Naherholungsgebiet Tankumsee mit dem 62 ha großen Tankumsee. Östlich des Sees verläuft der Elbe-Seitenkanal, der den Mittellandkanal mit der Elbe verbindet und dahinter liegt das unter Natur- bzw. Landschaftsschutz stehende Feuchtgebiet des Barnbruchs. Der Elbeseitenkanal dient dabei nicht nur dem Schiffsverkehr, sondern kann auch ohne jeglichen Kontakt mit dem Autoverkehr für Fahrradtouren und -reisen genutzt werden. So erreicht man über die Schleuse Uelzen und das eindrucksvolle Schiffshebewerk Scharnebeck Lauenburg an der Elbe und kann von dort Richtung Osten oder gen Hamburg und Nordsee weiterfahren. Ebenso liegt das Dorf am Weser-Harz-Heide-Radfernweg. Dieser führt von Hann. Münden (Weserradweg, Werraradweg und Fuldaradweg) über den Harz nach Lüneburg und damit wiederum zum Elberadweg. In Gifhorn (7 km) von Isenbüttel kreuzt der Weser-Harz-Heide-Radfernweg den Aller-Radweg, der Elbe und Weser verbindet. Somit liegt Isenbüttel mit seiner Lage an Radfernwegen und Elbe-Seiten-Kanal gerade für den aufkommenden sanften Tourismus ideal.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde Isenbüttel finden sich zwei Kindergärten. Der DRK-Kindergarten und die St.-Marien-Kindertagesstätte im Zentrum des Ortes. Im Schulzentrum an der Schulstraße sind die Grundschule Isenbüttel sowie der 5. und 6. Jahrgang der Haupt- und Realschule untergebracht. Seit 2005, im selben Gebäude, befindet sich dort auch die neue Dorfbücherei.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2017 (Hilfe dazu).
  2. Geschichtlicher Wanderweg Isenbüttel – GWI – ZWAR. Abgerufen am 16. August 2018 (deutsch).
  3. Bernsen, Michael; Brüggen, Elke: Gründungsmythen Europas im Mittelalter. V&R unipress, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8470-0075-4, S. 19.
  4. Dörner, Andreas: Politischer Mythos und symbolische Politik. Der Hermann-Mythos. Zur Entstehung des Nationalbewußtseins der Deutschen. Westdeutscher Verlag, Reinbek 1995.
  5. Aus der Geschichte der Gemeinde Calberlah – Website der Samtgemeinde Isenbüttel. Abgerufen am 15. August 2018.
  6. Super User: Historisches Isenbüttel - Fremdenverkehrsverein Tankumsee Samtgemeinde Isenbüttel e. V. Abgerufen am 27. Juli 2018 (deutsch).
  7. Meibeyer, Wolfgang: Siedlungskundliches über den Papenteich : die Besiedlung des alten Nordwaldes zwischen Gifhorn und Braunschweig während des frühen Mittelalters. Hrsg.: Kreisarchiv Gifhorn. Band 22. Gifhorn 2004, ISBN 978-3-929632-70-5.
  8. Goldkette von Isenbüttel. Abgerufen am 27. Juli 2018.
  9. Unsere St. Marien-Kirche. Abgerufen am 15. August 2018.
  10. http://www.kirche-isenbuettel.de/
  11. § 2 Absatz 1 der Hauptsatzung der Gemeinde Isenbüttel vom 20.03.1997, zuletzt geändert am 19.03.2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Isenbüttel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien