Isis

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Dieser Artikel behandelt die ägyptische Gottheit; zu anderen Bedeutungen siehe Isis (Begriffsklärung)
Isis in Hieroglyphen
1. Schreibweise
st t B1

Aset
3s.t
2. Schreibweise
st t
H8

Aset
3s.t
Paris 698.jpg
Trauernde Isis (Ptolemäerzeit, Terracotta, Louvre (Paris)).

Isis (von ägypt. Aset) ist eine Göttin der ägyptischen Mythologie. Sie war die Göttin der Geburt, der Wiedergeburt und der Magie, aber auch Totengöttin. Sie erscheint erstmals in Inschriften des Alten Reiches. Popularität und Ansehen erlangte sie, gemeinsam mit ihrem Gemahl Osiris und ihrer Zwillingsschwester Nephthys, durch den sogenannten Osiris-Mythos und den Isis-Hymnus. Isis wurde noch von den in Ägypten lebenden Griechen und Römern bis in die christliche Zeit hinein verehrt.

Identität

Darstellungen

Die häufigste und traditionellste Darstellungsform der Isis war die einer zierlichen, aufrecht stehenden oder knieenden Frau mit Thronsitz auf dem Kopf. Sie hielt oft ein Papyrus-Zepter und/oder ein Anchkreuz in der Hand, in späterer Zeit manchmal auch ein Sistrum oder ein Menit. Wird sie knieend dargestellt, hält sie häufig einen Schen-Ring oder auch das Zeichen für Ewigkeit. Bereits ab dem späten Alten Reich konnte sie auch mit Kuhhörnern und Sonnenscheibe auf dem Kopf erscheinen und ähnelte so der kuhköpfigen, und ebenfalls stets Hörner tragenden, Göttin Hathor. Beide Göttinnen sind einzig durch die Inschrift neben der Darstellung zu unterscheiden. Isis konnte aber auch als Schwarzmilan dargestellt werden, in späterer Zeit auch mit Menschenkopf. Sie stellte nun einen sogenannten „Klagevogel“ dar, der um den verstorbenen Gott Osiris trauert und schützend seine Schwingen über dem Leichnam ausbreitet.

Ab dem Mittleren Reich sind Figurinen bekannt, die Isis mit dem kleinen Horusknaben zeigen. Horus sitzt auf Isis' Schoß und wird von ihr gestillt. Es wird angenommen, dass diese figürliche Darstellung das spätere Christentum zu zahlreichen, bekannten Madonnenbildnissen inspirierte.

In der griechisch-römischen Epoche wurden Isis-Darstellungen dem eigenen Kunststil angepasst. Isisstatuen in typisch hellenistischer Gestaltung zeigen die Göttin mit Tunika und geknotetem Umhang, in den Händen Sistrum und Weinkanne haltend.

Zum Namen

Der Name Isis (ägypt. Aset) wurde allgemein in zwei Arten geschrieben: Die erste alte Form wurde mit den Symbolen eines Thronsitzes (as oder auch is gelesen), einem Brotlaib (t oder et) und dem Determinativ für eine sitzende Frau (unausgesprochen) gebildet. Die zweite alte Version begann ebenfalls mit dem Thronsitz und dem Brotlaib, endete jedoch mit einem Ei-Symbol ("set", aber auch hier unausgesprochen). Das Thronsitz-Symbol war immer auch als Kopfschmuck über der (meist aufrecht stehenden) Figur der Isis zu sehen. Das machte sie leicht identifizierbar. Die symbolische und metaphorische Bedeutung des Namens Isis (d.h. Aset) bleibt unklar und umstritten. Das Thronsitz-Symbol könnte auf ihre Rolle als Königtum-Gottheit verweisen, als Göttin des Königsthrons. Ihr Name würde daher „Die von dem Thron des Königs“ bedeuten. Aber alle anderen Namen diverser Gottheiten verweisen auf kosmische und naturelementare Bedeutungen, die Bezug auf ihre Funktionen und Handlungsbereiche nehmen. Daher sollte auch der Name von Isis nicht auf den irdischen König selbst verweisen. Eine weitere Namensbedeutung in Bezug auf das Thron-Symbol könnte „Thron-Mutter der Götter“ sein, so dass sie die höchste weibliche Göttin vor allen anderen Göttinnen wäre. Doch dies würde eine sehr alte und lange Existenz von Isis voraussetzen, lange vor ihrer frühesten sicheren Erwähnung im Alten Reich. Eine dritte mögliche Bedeutung von Isis könnte in dem Ei-Symbol versteckt sein, das ebenfalls als Namenselemtent verwendet wurde. Das Ei-Symbol bedeutet „Mutterschaft“ und „Mutter“ und könnte auf die Mutter-Sohn-Verbindung zwischen Isis und Horus hinweisen. In diesem Fall würde Isis' Name einfach „Mutter-Göttin“ bedeuten. Das wäre aber auch problematisch, weil die ursprüngliche, mythologische Mutter von Horus eine Göttin namens Hathor war, nicht Isis.[1]

Zum Charakter

Die Göttin Isis wird immer als Schutzherrin, Bewacherin und Betreuerin aller Wesen beschrieben, die leiden und/oder in großer Sorge sind. Aus diesem Grund wurde sie als mütterliche Göttin, als Göttin der Genesung, des Schutzes und der Magie angesehen. Gemäß dem berühmten Osiris-Mythos wurde Isis auch als Totengottheit und als die Göttin der Reanimation verehrt. Dies zeigt sich deutlich in mehreren Sargtexten des Neuen Reiches, in denen der Verstorbene um magische Unterstützung durch Isis bittet, wenn er vor dem Unterweltgericht angeklagt wird. Die Ägypter hatten große Sorge, dass sie beim Betreten der Anderswelt ihre menschlichen Fähigkeiten wie zum Beispiel Sehen, Sprechen, Hören und unabhängiges Denken verlieren könnten. Isis sollte alle Dämonen abwehren, die für das Verlorengehen der menschlichen Fähigkeiten verantwortlich waren.[2]

Aber in erster Linie wurde Isis als himmlische Muttergestalt verehrt. Der Kult von Isis und Osiris beschreibt Isis als Mutter von diversen Gottheiten wie Ihi, Horus und auch als Mutter des verstorbenen Königs. Die Mutterschaftsfunktion der Isis wird unter Anderem eindrucksvoll in dem Papyrus Westcar (13. Dynastie) beschrieben, in dessen Erzählung sie ihre Magie benutzt, um die Geburt von drei künftigen Königen vorauszusagen und zu unterstützen. Isis wurde daher neben Gottheiten wie der Krötengöttin Heqet und dem Zwergengott Bes auch als Gottheit der Geburt verehrt.[3]

Innerhalb der Götterschaft genoss Isis eine ganz besondere Rolle: sie war die einzige Göttin mit magischen Kräften. In Sargtext-Spalte 147-148 fürchtet die schwangere Isis das eifersüchtige und rachsüchtige Verhalten von ihrem (Halb-)Bruder Seth. Als der Schöpfergott Atum sie fragt, warum sie und ihr noch ungeborener Sohn besonderen Schutzes bedürften, ist sie in der Lage, Auskunft über die zukünftige Rolle von Horus zu geben und kann glaubhaft darlegen, warum Seth versuchen könnte, Horus umzubringen. Atum ist verblüfft und fragt Isis, wie sie das wissen könne. Isis erklärt dies mit ihrer magischen Kraft: „Ich bin Isis, der magische Ach und ich habe mehr Weisheit als jeder andere Gott“.[4]

Auf der anderen Seite wurden die Kräfte der Isis und ihr Charakter gleichermaßen gefürchtet. Nach altägyptischem Glauben war es immer möglich, jederzeit in Konflikt mit einem Gott zu geraten. Dies galt auch für Isis. Daher enthielten viele Papyri, die Schutzzauber für die Reise durch die Unterwelt aufzählten, auch Bitten und Gebete an verschiedene Götter, dass sie im Namen des Verstorbenen ein gutes Wort bei Isis einlegen mögen, um sie gnädig zu stimmen. Man glaubte von Isis, dass sie die Verstorbenen durch Versiegelung ihres Gedächtnisses und Verschließen ihres Mundes bestrafte, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten Böses getan hatte und/oder nicht gerechtfertigt verstorben war. Wenn ein Verstorbener nicht fähig war, seinen Namen vor dem Totengericht aufzusagen, war er verloren und wurde verurteilt.[5]

Ursprung und Kultorte der Isis

Überraschenderweise ist die tatsächliche und ursprüngliche Herkunft einer Göttin namens Isis Ägyptologen und Archäologen so gut wie unbekannt. Die früheste, sicher belegte Erwähnung ihres Namens erscheint während der 5. Dynastie im Sonnenheiligtum des Königs Niuserre und innerhalb des Titels eines Priesters der 6. Dynastie: „Pepi-anch, Hohepriester der Isis und der Hathor“. Zu diesem Zeitpunkt wurde Isis bei Qusae und Abydos verehrt, in Qusae zusammen mit Hathor, in Abydos zusammen mit Osiris und Anubis. Die Belege aus der 5. und 6. Dynastie könnten darauf hinweisen, dass Isis seit längerem bekannt war, allerdings eine eher untergeordnete Rolle spielte und ihr Name deshalb nur selten erwähnt wurde. Siegelabdrücke aus der Zeit des Königs Narmer und Aha (1. Dynastie) erwähnen eine Person namens Sa-Iset, was als „Sohn der Isis“ interpretiert werden könnte, aber das ist höchst spekulativ und der vermeintliche Name dürfte eher als ein Titel („Sohn des Königsthrons“, „Kronprinz“) zu verstehen sein.

Während des Alten Reiches wurde Isis an folgenden Orten verehrt: Qusae, Edfu, Abydos und Achmim. Interessanterweise wird Isis an allen kultischen Orten immer zusammen mit anderen Göttern erwähnt, von denen es heißt, sie sei deren Frau oder deren Mutter. Sie erscheint nie allein. Bei Edfu, zum Beispiel, wird sie „Mutter des Horus-von-Edfu“ genannt, in Abydos wird sie als „Große Gemahlin von Osiris-Chontamenti“ bezeichnet. In Achmim wird sie mit „Große Mutter des Min“ betitelt. In Koptos stand für sie ein Doppeltempel, der ihr in Verbindung mit Hathor, Min und Horus geweiht war.[6] Aus Kerma (im heutigen Sudan) stammt die Statue von Senui, die Frau des Priesters Djefai-Hap (Mittleres Reich), der Verstorbene wird hier als „von Osiris, Ptah-Sokar, Tefnut, Nut und Isis geehrt“ beschrieben.[7]

Verbindungen zwischen Isis und anderen Gottheiten im Alten bis Neuen Reich

Isis (rechts) und ihre Schwester Nephthys (links) mit dem widderköpfigen Sonnengott Re, Grab der Nefertari (19. Dynastie)

Als Göttin der Geburt und Mutterschaft wurde Isis mit anderen Muttergöttinnen wie Hathor, Meschenet, Nut und Nechbet gleichgesetzt. Teilweise scheint es, dass Isis diese Göttinnen tatsächlich ersetzte. Besonders oft wurde Isis zusammen neben Hathor und Nut erwähnt. Gebete und Zaubersprüche wurden während des Alten Reiches an Isis und ihre Begleiterinnen gleichzeitig gerichtet, in späteren Zeiten wurde Isis schnell unabhängig. Dennoch blieb Isis eng mit vielen anderen Gottheiten verbunden, diese Art von Synkretismus war sehr verbreitet und beliebt im alten Ägypten, zumindest seit Beginn des Alten Reiches. Das Problem solcher Synkretismen ist die Veränderung der ursprünglichen Charaktere, Funktionen und Wirkungskreise diverser Gottheiten, die besten Beispiele sind die Gottheiten Seth und Horus.[8]

Isis und Osiris

Isis war die Frau des Gottes Osiris (ägypt. Usir). Ägyptologen und Historiker weisen immer wieder darauf hin, dass Isis und ihr Gatte Osiris fast synchron auftauchten und in beiden Fällen jenes Ersterscheinen recht plötzlich erfolgte. Für Osiris finden sich die frühesten, sicher belegten Namensnennungen im Totentempel des Königs Djedkare-Isesi, möglicherweise wird er bereits indirekt im Sonnenheiligtum des Königs Niuserre erwähnt. Genau wie Isis, so scheint Osiris keinen göttlichen Vorgänger oder eine sicher nachweisbare, länger zurückreichende Vergangenheit zu besitzen. Sogar die Namen sind fast identisch: Osiris' Name setzt sich aus den Hieroglyphen für „Thronsitz“ und „Auge“ zusammen. Und wie bei Isis, so herrscht auch bei Osiris Uneinigkeit bezüglich der möglichen Bedeutung des Namens. „Sitz des Auges“, „Auge des Throns“ und „Thronendes Auge“ sind die geläufigsten Übersetzungen. Unklar bleibt, worauf sich die Bedeutung des Namens bezieht.

Osiris war der Gott der Unterwelt, Vorsitzender des Totengerichts und Herrscher über Tod und Wiedergeburt. Die Rolle als Unterweltherrscher scheint er von Sokar übernommen zu haben, die Aspekte der Todbeherrschung und der Wiedergeburt knüpfen an den Sonnengott Re an, der ebenfalls wiedergeboren wird.

Isis wurde von Anbeginn an als „Große Gemahlin des Osiris“ verehrt. Gemäß dem Isis-Hymnus und der Osiris-Legende zufolge war sie es, die den ermordeten und zerstückelten Osiris gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Nephthys aufspürte, wieder zusammenfügte und durch Zaubersprüche, Gebete, Klagen und Litaneien wieder zum Leben erweckte. Aus diesem Grund wurde Isis auch häufig mit Nephthys und Osiris während des Totengerichts abgebildet.[9]

Isis und Nephthys

Gemäß der ägyptischen Mythologie war Nephthys die Zwillingsschwester von Isis und die Gemahlin des Seth. Ihr ägyptischer Name Nebet-hut bedeutet „Herrin des Hauses“. Seine religiös-symbolische Bedeutung ist genauso unklar wie bei Isis und Osiris. Auch Nephthys war eine Totengöttin, Göttin der Totenklage und der Wiedergeburt, besaß allerdings keine Zauber- und Orakelkräfte wie Isis. Gemäß dem Isis-Hymnus und der Osiris-Legende half Nephthys ihrer Schwester dabei, den zerstückelten Leichnam des Osiris wiederzufinden, mit Mumienbinden zusammenzufügen und durch Gebete, Klagen und Litaneien wieder zum Leben zu erwecken. Obwohl Nephthys große Ähnlichkeiten mit Isis aufweist, scheint Isis sie nie ersetzt oder irgendwelche Fähigkeiten von ihr übernommen zu haben.[10]

Isis und Hathor

Die Göttin Hathor war die „Herrin der Himmelskörper, die Horus und Seth gebar und die die jüngsten Götter in ihrem Schoß verbirgt während der nächtlichen Reise“. Ihr ägyptischer Name Hut-hor (auch: Hat-hor) bedeutet „Haus (Mutterschoß) des Horus“. Sie wurde als eine Frau mit Kuh-Hörnern dargestellt, oft mit einer Sonnenscheibe zwischen den Hörnern. Alternativ wurde Hathor als ruhende oder schreitende Kuh mit einer kahlen Palmenrispe oder Sonnenscheibe zwischen den Hörnern dargestellt. Sie spielte eine wichtige Rolle als beschützende Mutter und eifersüchtige „Gouvernante“. In Anbetracht dieser Rolle ist es keine Überraschung, dass Isis noch im Alten Reich zunächst sehr eng mit Hathor verknüpft wurde und bald -etwa ab dem Mittleren Reich- wurde Hathor durch Isis förmlich ersetzt. Jetzt trennten nur die kultischen Orte die beiden Göttinnen: Hathor hatte ihr wichtigstes Kultzentrum bei Dendera und Isis wurde anderswo verehrt. Isis und Hathor verschmolzen so stark (auch in ihren Darstellungen), dass ergänzende und erklärende Beischriften notwendig wurden, die durch die Erwähnung ihrer Namen und Funktionen Verwechselungen vermeiden sollten.[11]

Griechisch-Römische Epoche

Statue der „Isis-Persephone“ aus Gortyn (röm. Epoche, um 180-190 n.Chr.)

Während der griechisch-römischen Epoche erfuhr Isis eine ungeahnte Popularität. Sie wurde von den Griechen vornehmlich mit der Göttin Demeter gleichgesetzt und besonders in Alexandria verehrt. Ihr ägyptischer Gatte Osiris wurde mit dem Unterwelt-Gott Serapis identifiziert. In der alexandrinischen Vorstadt Eleusis befand sich der Haupttempel. Als sich Ptolemaios I. Soter (323 - 283 v.Chr.) in Alexandria niederließ und sie zu seiner neuen Hauptstadt in Ägypten ernannte, ließ er eigens den angesehenen Priester Timotheus nach Eleusis kommen.[12]

Isis verschmolz aber auch mit anderen Göttinnen, besonders häufig wurde sie - neben Demeter - mit Aphrodite gleichgesetzt. Viele Statuenbildnisse von Isis-Aphrodite zeigen die Göttin, wie sie ihre Hand verhüllend vor ihre Scham hält, wie bei der Aphrodite von Knidos des Künstlers Praxiteles zu sehen ist.[13] Alternativ verknüpfte man sie zum Beispiel mit Hera, Athena und Artemis. In römischer Zeit waren es die entsprechenden Göttinnen Iuno, Diana und Ceres. Ein interessanter Synkretismus ging aus einer Verbindung von Isis mit der ägyptischen Göttin Maat hervor: Dikaiosyne.[14] Dabei wurden Isis unzählige Beinamen und Titel zugesprochen, weshalb sie von den Griechen Myrionýmos (dt. „die mit zehntausend Namen“) genannt wurde. Oder sie wurde Euthenia (dt. „Überfluss“ oder „Üppigkeit“), Lóchia (dt. „Hebamme“) und/oder Outeira (dt. „Retterin“) geheißen. In römischen Widmungen an sie findet sich besonders oft der Beiname Invicta (dt. „die Unbezwingbare“). [15]

Tempel der Isis auf der Insel Delos

In späthellenistischer bis nachchristlicher Zeit gelangte der Isis-Kult über Griechenland bis nach Spanien. Zu dieser Zeit galt Isis als Beschützerin der Seefahrer.[16] Antike Kultorte entstanden in Athen, Samothraki, in Rom und auf der Insel Delos. Die dort tätigen Priester wurden als Pastophóroi (dt. „Schreinträger“) bezeichnet. Aus Pompeji stammen mehrere Mosaike, die Isis in römischer Tracht und mit Geierhaube zeigen. Als der römische Diktator Sulla um 80 v.Chr. auf dem Kapitol einen Isis-Tempel errichten ließ, wurde umgehend ein Kollegium aus Pastophoroi gegründet.[17]

Im Hellenismus setzte man den lebenden König, der mit Horus gleichsetzt wurde, mit Osiris als dem verstorbenen König in Verbindung. So wurde Isis auch mit dem Osirismythos in Beziehung gebracht und dadurch Teil des sogenannten Isis-und-Osiris-Kultes.[18] Der griechische Historiker Plutarch beschrieb die Göttin im 2. Jahrhundert als das weibliche Prinzip in der Natur.

Bei Apuleius von Madaura, einem eklektischen Platoniker, wird Isis zur universellen Allgöttin, die in die Mysterienkulte einweiht. In den von Apuleius verfassten Metamorphosen wird sie als „Himmelskönigin“ angerufen und mit der „allernährenden Ceres“, der „Urmutter der Früchte“, der „himmlischen Venus“, verehrt im „meerumfluteten Heiligtum von Paphos“, der „Schwester des Phoebus“, angebetet im „Tempel von Ephesus“, oder der „dreigestaltigen Proserpina“ gleichgesetzt. Die Göttin stellt sich danach selbst vor, als „die Mutter der Natur (rerum naturae parens), die Herrin aller Elemente, erstgeborenes Kind der Zeit (saeculorum progenies initialis), die Höchste der Gottheiten, Königin der Toten, Erste der Himmlischen, die alle Götter und Göttinnen in einer Erscheinung vereinigt (deorum dearumque facies uniformis), die ich mit meinem Wink über des Himmels lichte Gewölbe, des Meeres heilsame Lüfte und der Unterwelt vielbeweinte Stille gebiete, die alleinige Gottheit, welche unter mannigfacher Gestalt, verschiedenartigen Riten und vielerlei Namen der ganze Erdkreis verehrt, so nennen die Phrygier ... mich Pessinuntia ..., die Athener ... nennen mich kekropische Athena, die Kyprier nennen mich paphische Venus, die Kreter Diktynna, die Sizilianer ortygische Proserpina, die Eleusinier nennen mich Demeter, andere Hera, wieder andere Bellona und Hekate und Rhamnusia. Aber die Äthiopier und die Ägypter, die die ursprüngliche Lehre besitzen, ehren mich mit eigenen Bräuchen und nennen mich mit meinem wahren Namen Königin Isis.“[19]

Der einzige vollständig erhaltene lateinische Roman der Antike, der Goldene Esel des Apuleius, handelt von den Isis-Mysterien. Der Kult breitete sich sogar in den Alpen und nördlich davon aus. Dort gab es beispielsweise Isis-Tempel in Maria Saal, Köln, Mainz und London, wie auch das Presbyterium von Isis in Szombathely.

Isis in nachchristlicher Zeit

Während der Isis-Kult in nachchristlicher Zeit in Ägypten bald nachließ, erfuhr er besonders im Römischen Reich ein wahres Auf- und Ab. So gab es römische Kaiser, die den Isis-Kult zeitweise verboten, aber auch solche (unter Anderem Trajan, Hadrian und Commodus), die sich für die Priesterschaften der Isis (und des Sarapis) einsetzen und Tempeldienste erlaubten. Zu dieser Zeit waren Statuenbildnisse der Isis sehr gefragt, auch kamen unzählige Münzen mit dem Bildnis der Isis in Umlauf. Ab etwa 300 n.Chr. setzte sich das Bild der stehenden Isis mit Knotenpallas, Sistrum und Situla durch. Der Isis-Kult hielt sich bis etwa 500 n.Chr..[20]

Ikonografie

Darstellungen der „Isis mit dem Horusknaben“ aus der Isis-Ikonografie, vor allem die Isis lactans (die „stillende Isis“), erscheinen in Art und Weise verwandt mit späteren Darstellungen Marias, der Mutter Jesu mit dem Jesuskind.

Siehe auch

Literatur

Überblick

  • Hans Bonnet: Isis. In: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6, S. 326-332.
  • Harry Eilenstein: ISIS: Die Geschichte der Göttin von der Steinzeit bis heute. BOD, Norderstedt 2011, ISBN 3-8423-8189-1.
  • Gerhard Krause, Gerhard Müller (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie. (TRE) Bd. 23, Minucius Felix: Name/Namengebung. De Gruyter, Berlin 1994, ISBN 3110138522.
  • Maria Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis: vom Alten Reich bis zum Ende des Neuen Reiches. Mit hieroglyphischem Textanhang (= Münchner ägyptologische Studien, 11. Band). Hessling, Berlin 1968.
  • Richard H. Wilkinson: Die Welt der Götter im alten Ägypten: Glaube, Macht, Mythologie. aus dem Engl. von Thomas Bertram, Theiss, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1819-6, S. 146-149.

Isiskult in der Antike

  • Badisches Landesmuseum: Imperium der Götter: Isis - Mithras - Christus: Kulte und Religionen im Römischen Reich. Theiss, Stuttgart 2013, ISBN 978-3806228717.
  • Thorsten Fleck: Isis, Sarapis, Mithras und die Ausbreitung des Christentums im 3. Jahrhundert. In: K.- P. Johne, T. Gerhardt, U. Hartmann: Deleto paene imperio Romano. Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit. Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08941-1, S. 289–314.
  • Reinhold Merkelbach: Isis regina - Zeus Sarapis: Die griechisch-ägyptische Religion nach den Quellen dargestellt. De Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3110955679.
  • J. F. Quack: „Ich bin Isis, die Herrin der beiden Länder“. Versuch zum demotischen Hintergrund der memphitischen Isisaretalogie. In: S. Meyer (Hg.): Egypt – Temple of the Whole World. Festschrift zum 65. Geburtstag von Jan Assmann, Brill, Leiden 2003, S. 319-365.
  • J. F. Quack: Zum ägyptischen Ritual im Iseum Campense in Rom. In: C. Metzner-Nebelsick (Hg.): Rituale in der Vorgeschichte, Antike und Gegenwart, Studien zur Vorderasiatischen, Prähistorischen und Klassischen Archäologie, Ägyptologie, Alten Geschichte, Theologie und Religionswissenschaft; interdisziplinäre Tagung vom 1. - 2. Februar 2002 an der Freien Universität Berlin (= Internationale Archäologie, Arbeitsgemeinschaft, Symposium, Tagung, Kongress. Bd. 4). Verlag Marie Leidorf (VLM), Rahden (Westf.) 2003, ISBN 3-89646-434-5, S. 57-66.

Weitere Detailfragen

  • Hartwig Altenmüller: Zum Ursprung von Isis und Nephthys. In: Studien zur altägyptischen Kultur. 27, 1999, S. 1-26.
  • Jan Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49707-1.
  • L. V. Žabkar: Hymns to Isis in her temple at Phila. Published for Brandeis University Press by University Press of New England, Hanover NH 1988.

Weblinks

 Commons: Isis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. H. Eilenstein: ISIS: Die Geschichte der Göttin von der Steinzeit bis heute. Norderstedt 2011, S. 9 – 10.
  2. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 190–191.
  3. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 191–192.
  4. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 193–195.
  5. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 196–198.
  6. Dieter Arnold: Temples of the Last Pharaohs. Oxford University Press, New York / Oxford 1999, ISBN 0-19-512633-5.
  7. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 158–164.
  8. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 80 - 86.
  9. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 87 - 89.
  10. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 89 - 90.
  11. M. Münster: Untersuchungen zur Göttin Isis. Berlin 1968, S. 100 - 106.
  12. R. Merkelbach: Isis regina - Zeus Sarapis. Berlin 2001, S. 60-64.
  13. R. Merkelbach: Isis regina - Zeus Sarapis. Berlin 2001, S. 95.
  14. R. Merkelbach: Isis regina - Zeus Sarapis. Berlin 2001, S. 96-97.
  15. R. Merkelbach: Isis regina - Zeus Sarapis. Berlin 2001, S. 98.
  16. G. Krause, G. Müller: TRE. Band 23, Berlin 1994, S. 511.
  17. R. Merkelbach: Isis regina - Zeus Sarapis. Berlin 2001, S. 123-125.
  18. Kathrin Kleibl, Die Wasserkrypten in den hellenistischen und römischen Heiligtümern der ägyptischen Götter im Mittelmeerraum, Wissenschaftliche Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades einer Magistra Artium der Universität Hamburg, 2003 (PDF, 218 Seiten; 7,0 MB).
  19.  Jan Assmann: Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur. 7. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main Dezember 2011, Gegenreligion und religiöse Übersetzbarkeit in der antiken Welt., S. 76/77.
  20. Johannes Eingartner: Isis und ihre Dienerinnen in der Kunst der römischen Kaiserzeit (= Mnemosyne. Supplementum 115). Brill, Leiden u.a. 1991, ISBN 90-04-09312-5, S. 58-59.