Islam in Bosnien und Herzegowina

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Die Moschee von hadži Ahmet Dukatar in Livno

Der Islam ist in Bosnien und Herzegowina neben dem Christentum eine der beiden dominierenden Religionen. Die Zahl der Muslime Bosnien und Herzegowina beträgt etwa zwei Millionen, die einer Schätzung von 2012 nach damit 50,7[1][2] Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen und die größte Glaubensgemeinschaft des Landes stellen.[3][4] Die Muslime in Bosnien sind nahezu ausschließlich Bosniaken, deren Vorfahren hauptsächlich im 14., 15. und 16. Jahrhundert zum Islam konvertierten (siehe auch Slawische Muslime). Im Land leben kleinere Minderheiten von eingewanderten muslimischen Albanern, Mazedoniern und Türken. Die allgemeine Religiosität steigt.[5][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bosnienkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Massakers von Ahmići (1993) zerstörte Moschee

Im Bosnienkrieg wurde der Großteil der Moscheen, und nahezu alle historisch wichtigen, gezielt zerstört, zumeist wurden kleine und unwichtige Moscheen verschont. Es war das Ziel, die islamische Kultur aus dem Stadtbild zu entfernen. Im Zuge dieser Politik fanden auch Ethnische Säuberungen und die gezielte Zerstörung von Archiven, Museen und Bibliotheken statt (beispielsweise der Nationalbibliothek durch serbische Truppen).

Zerstörung von islamischen Bauwerken in Bosnien und Herzegowina (1992-1995)[6]
Gebäude Zerstört Beschädigt Insgesamt
von Serben von Kroaten Insgesamt von Serben von Kroaten Insgesamt Insgesamt Vor dem Krieg Anteil
Freitagsmoscheen 249 58 307 540 80 620 927 1.149 81 %
Moscheen 21 20 41 175 43 218 259 557 47 %
Medressen 14 4 18 55 14 69 87 954 9 %
Tekken 4 1 5 3 1 4 9 15 60 %
Türbe 6 1 7 34 3 37 44 90 49 %
andere Waqufs Bauten 125 24 149 345 60 405 554 1.425 39 %
Total 419 108 527 1.152 201 1.353 1.880 4.190 45 %

Religiöse Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge der muslimischen Bosniaken, welche innerhalb oder außerhalb jeder Moschee zu finden ist.

In Bosnien beobachtet man besonders bei der Jugend eine nationale und religiöse Erweckung im Zuge einer gesteigerten Identifizierung mit dem ethnischen Erbe, zum großen Teil infolge des Bosnienkrieges.[7] Begünstigt wird diese Entwicklung durch millionenschwere Investitionen einiger Golfstaaten wie Saudi-Arabien, die vor allem eine streng konservative bzw. fundamentalistische Islamauslegung fördern, die den traditionell eher toleranten bosnischen Islam zunehmend verdrängt.[8]

Zahlreiche muslimische Frauen befolgen inzwischen – besonders in den Städten – die islamische Kleiderordnung, die vor dem Krieg zumeist keine Beachtung fand. Andererseits genießt die Religion die größte Unterstützung aus den ländlichen Gebieten Bosnien und Herzegowinas, und geringeren Zuspruch in urbanen Zentren wie der Hauptstadt Sarajevo oder Banja Luka.[7]

Islamische Glaubensgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Bosnienkrieg stand 19 Jahre lang Mustafa Cerić an der Spitze der Islamischen Glaubensgemeinschaft Bosnien Herzegowina (Islamska zajednica, IZ BiH). Cerić wurde in dieser Funktion als Reisu-l-ulema (Großmufti) von Bosnien und Herzegowina im November 2012 von Husein Kavazović, vormals Mufti von Tuzla, abgelöst.[9] Sejad Mekić, der eine Ausbildung zunächst an der Elči-Ibrahim-Pascha-Medresa[10] in Travnik absolviert hat, war 2008 einer der muslimischen Delegationsteilnehmer des 2. Seminars des Katholisch-Muslimischen Forums in Rom.[11]

Islamische Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bosnien und Herzegowina gibt es über tausend Moscheen, viele gehören zu den ältesten Europas.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Popis 2013 u BiH. In: www.statistika.ba. Abgerufen am 1. August 2016.
  2. Rezultati popisa: U BiH živi 3.531.159 stanovnika. 29. Juni 2016, abgerufen am 1. August 2016.
  3. a b USA Department of State: International Religious Freedom Report 2007 - Bosnien und Herzegowina
  4. U BiH sanjaju islamsku Bosnu
  5. Die Regierung Census Bureau sammelt keine Daten über die Religionszugehörigkeit. Die Prozentangaben beziehen sich auf die Schätzungen in den UN Development Program's Human Development Report 2002 zitiert vom US Department of State
  6. Maya Shatzmiller: Islam and Bosnia: Conflict Resolution and Foreign Policy in Multi-Ethnic States. Queens University School of Policy, 2002, S. 100.
  7. a b "Bosnien und Herzegowina: International Religious Freedom Report 2006". US Department of State-Büros für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit, 15. September 2006, abgerufen am 4. Januar 2011.
  8. Islamisierung in Sarajevo: Metropole der Minarette von Walter Mayr, Spiegel, 24. Dezember 2009
  9. Neuer religiöser Führer für Muslime in Bosnien Zoran Arbutina, Deutsche Welle, 19. Oktober 2012
  10. siehe auch rijaset.ba (Islamske zajednice u Bosni i Hercegovini)
  11. acommonword.com: Delegations to the 'Second Catholic-Muslim Forum' (Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch)