Israelisch-Palästinensischer Konflikt

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Das Mandatsgebiet Palästina in den Grenzen von 1920 bis 1923 (einschließlich Transjordanien)
Oktober/November 1948: Arabische Palästinenser flüchten von Galiläa in den Libanon.
Lager für jüdische Flüchtlinge in Bet Lid, Israel 1950

Der Israelisch-Palästinensische Konflikt bildet den Kern des Nahostkonflikts[1] um die Region Palästina, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Juden und Arabern entstand. Es geht um das Land, die Sicherheit von Grenzen und um die Staatlichkeit zweier Nationen.[2]

Entwicklung des Konflikts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Entwicklung des Konflikts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aktuelle Konflikt in der Region geht insbesondere auf die Auseinandersetzungen zwischen arabischen und jüdischen Nationalbewegungen, aber auch schon vor die britische Mandatszeit zurück. Die sich hauptsächlich aufgrund der anhaltenden Verfolgung von Juden konkretisierende zionistische Bewegung verursachte große jüdische Einwanderungswellen (Alija), die zum Ziel hatten, endlich die jahrhundertelange Diaspora in Palästina zu beenden. Dies führte jedoch zu einem immer stärker werdenden Konflikt zwischen Arabern und Juden in der Region, die beide Palästina als ihre rechtmäßige Heimstätte ansahen.

Eckpunkte des Konflikts sind der gescheiterte UN-Teilungsplan von 1947, der Palästinakrieg 1948 und ein sich daraus ergebendes Flüchtlingsproblem sowohl auf arabischer als auch auf jüdischer Seite (vgl. Palästinensisches Flüchtlingsproblem). Rund 750.000 Juden wurden aus arabischen Staaten vertrieben und überwiegend zu israelischen Staatsbürgern, während eine ähnliche Zahl palästinensischer Araber aus Israel / Palästina vertrieben wurde und in umliegende arabische Staaten flüchtete. Ihre mittlerweile ca. 5 Millionen registrierten Nachfahren leben heute größtenteils, da ihnen eine Staatsbürgerschaft verwehrt wird, als Staatenlose in Jordanien, dem Libanon und Syrien, ein Drittel davon in offiziellen Flüchtlingslagern.[3]

Es folgten 1967 der Sechs-Tage-Krieg, 1973 der Jom-Kippur-Krieg, die Herausbildung eines palästinensischen Nationalbewusstseins vor allem durch die Gründung der PLO, die 1974 von den Vereinten Nationen offiziell als „Repräsentantin des palästinensischen Volkes“ anerkannt wurde[4] sowie die Einrichtung der völkerrechtlich bis heute nicht als Staat anerkannten Palästinensischen Autonomiegebiete. Aus dem diplomatischen und bewaffneten Streben der Palästinenser nach einem Nationalstaat, wie er ihnen im UN-Teilungsplan zugesprochen wurde, resultierte der bis heute andauernde Konflikt mit Israel. Dabei streben palästinensische Organisationen unterschiedliche Ziele an. Die Fatah als stärkste Fraktion der PLO strebt eine Zwei-Staaten-Lösung an, radikal-islamische Terror-Organisationen, wie z. B. die Hamas hingegen die Zerstörung Israels und einen palästinensischen oder panarabischen Staat, der sich mindestens über das heutige Israel, den Gazastreifen und das Westjordanland erstrecken soll.

Zu gewaltsamen Konflikten, die zwischen Israel und Palästinenserorganisationen ausgetragen wurden, zählen vor allem die erste und zweite Intifada. Palästinenserorganisationen und die israelische Armee waren zudem vor den Intifadas in verschiedene andere militärische Konflikte und Kriege verwickelt, in denen sie gegeneinander kämpften, insbesondere in den Jahren 1978 und 1982 während des jahrzehntelangen libanesischen Bürgerkriegs. Darüber hinaus ist der gewaltsame Konflikt von anhaltender asymmetrischer Kriegsführung geprägt. Terroristische Übergriffe der Palästinenser auf zivile Ziele, darunter auch Selbstmordanschläge, beantwortete die israelische Armee mit den Militäroperationen Operation Gegossenes Blei 2008 und Operation Protective Edge 2014, die zu zahlreichen zivilen Opfern unter den Palästinensern führten und deshalb umstritten sind bezüglich ihrer Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit.

Lösungsversuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab und gibt viele Versuche, den Konflikt friedlich beizulegen. Große Hoffnungen machte das 1993 geschlossene Oslo-Abkommen, das neben gegenseitiger Anerkennung der PLO und Israels einen Abzug der israelischen Armee aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen sowie eine palästinensische Selbstverwaltung in diesen Gebieten vorsah. Nach einer Übergangszeit sollte ein dauerhafter Status der Gebiete ausgehandelt werden. Dieser „Oslo-Friedensprozess“ geriet jedoch ins Stocken, nachdem bei einem Treffen zwischen dem PLO-Führer Arafat und dem israelischen Premierminister Barak 2000 in Camp David keine Einigung erreicht wurde. Seit dem Ausbruch der zweiten Intifada gilt der Friedensprozess als gescheitert.

Gazastreifen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die israelischen Siedlungen im Gazastreifen wurden im Jahr 2005 von der israelischen Armee geräumt und auch das Militär zog sich aus dem Gebiet vollständig zurück. Israel hält jedoch seit der gewaltsamen Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas 2007 eine Blockade an der Grenze und vor der Küste aufrecht.

Besonders die radikal-islamistische Hamas, die eine vollständige Vernichtung Israels fordert, heizt den Konflikt unter anderem durch regelmäßigen Beschuss Israels mit Kassam-Raketen und durch Terroranschläge an. Sie besteht aus den paramilitärischen Kassam-Brigaden, aber auch einem karitativen Netzwerk und einer politischen Partei, wodurch es schwer ist, sie eindeutig einzuordnen. Sie gehört ebenfalls der Muslimbruderschaft an, der auch der ehemalige ägyptische Präsident Mohammed Mursi, der zuletzt eine Vermittlerrolle einnahm, angehört. International wird die Hamas aber teilweise als terroristische Organisation eingestuft. Seitdem sie 2007 die Macht im Gazastreifen übernahm, richtete die Hamas mehrfach Personen hin, die sie der Kollaboration mit Israel beschuldigte.[5][6][7][8][9][10]

Westjordanland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Westjordanland ist von der israelischen Armee besetzt und von einer Sperranlage umgeben, wovon rund 85 % innerhalb des Westjordanlandes verlaufen und etwa 15 % direkt entlang der Grünen Linie.[11] Dort befinden sich 133 völkerrechtlich umstrittene, von Israel unterstützte jüdische Siedlungen mit 448.672 Einwohnern (Stand 2018)[12].

Palästinenser im Westjordanland beklagen gesellschaftliche und politische Benachteiligungen, die sich aus der Okkupation ergeben, wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit, sowie eine ungleiche Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser,[13][14] während Israel darauf hinweist, dass es das Westjordanland mit weitaus mehr Wasser beliefere als in den Oslo-Verträgen vorgesehen.[15]

In den letzten Jahren fanden islamistische Organisationen wie Hamas Zulauf bei Teilen der palästinensischen Bevölkerung. Diese opponieren gegen die Politik der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Fatah, die aus ihrer Sicht zu gemäßigt sind. Während die Fatah den militärischen Kampf gegen Israel offiziell beendet hat und auf diplomatische Lösungen baut, setzen die Hamas und radikale Splittergruppen den bewaffneten Kampf auch mit terroristischen Mitteln fort.

Todesopfer seit 1948[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In verschiedenen Studien werden unterschiedliche Opferzahlen für den israelisch-palästinensischen Konflikt angegeben. Nach Aussage des Stockholm International Peace Research Institute, wurden 13.000 Israelis und Palästinenser als direkte Folge des Konflikts zwischen 1948 und 1997 getötet.[16] Andere Schätzungen gehen von 14.500 Toten zwischen 1948 und 2009 aus.[16][17]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Israelisch-Palästinensischer Konflikt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Margret Johannsen, 2009: Der Nahost-Konflikt. Elemente der Politik: Lehrbuch, Springer Verlag, ISBN 3-531-16690-5, ISBN 978-3-531-16690-2. S. 11
  2. Dietmar Herz, Christian Jetzlsperger, Kai Ahlborn (Hrsg.) 2003: Der israelisch-palästinensische Konflikt: Hintergründe, Dimensionen und Perspektiven. Band 48 von Historische Mitteilungen – Beihefte Series. Franz Steiner Verlag, ISBN 3-515-08259-X, ISBN 978-3-515-08259-4, S. 8
  3. Palestine refugees. United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East, abgerufen am 16. Oktober 2017 (englisch).
  4. Bernhard Chiari, Dieter H. Kollmer, Martin Rink (Hrsg.): Naher Osten. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Schöningh, Paderborn u. a. 2009, ISBN 978-3-506-76759-2, S. 121.
  5. Khaled Abu Toameh: “Hamas executes former B'tselem field worker”, The Jerusalem Post, 25. Januar 2009.
  6. “Hamas executes two suspected Israeli spies” (Memento vom 12. November 2014 im Internet Archive), Daily News/AP, 15. April 2010.
  7. Hamas executes Palestinians convicted of collaboration”, BBC, 26. Juli 2011.
  8. “World Report 2012: Israel/Occupied Palestinian Territories”, Human Rights Watch.
  9. “Hamas: 3 executed in Gaza, one for ‘collaborating’ with Israel”, CNN, 7. April 2012.
  10. Jodi Rudoren und Fares Akram: “Suspected Collaborator With Israel Killed on Gaza Street”, The New York Times, 16. November 2012.
  11. Tania Krämer: Israel zäunt sich immer weiter ein. In: Deutsche Welle. 30. April 2013, abgerufen am 3. November 2019.
  12. Wachstumsrate von Siedlern kleiner geworden. In: Israelnetz.de. 8. Januar 2019, abgerufen am 19. Januar 2019.
  13. Amnesty International: Israel verweigert Palästinensern Zugang zu Wasser
  14. Klaus Polkehn: Das Wasser und die Palästinafrage
  15. Aus aktuellem Anlass: Erläuterungen zur Wasserfrage im Nahostkonflikt. Botschaft des Staates Israel in Berlin. 13. Februar 2014. Abgerufen am 15. Februar 2014.
  16. a b Twentieth Century Atlas – Death Tolls. RCN D.C. Metro. Dezember 2005.
  17. “All wars in the 20th century.” The Polynational War Memorial.