Istanbul-Kanal

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Geplanter Verlauf des Istanbul-Kanals westlich des Bosporus.
Istanbul-Kanal (geplant) (Türkei)
Istanbul-Kanal (geplant)
Istanbul-Kanal (geplant)
Lage des Istanbul-Kanals

Der Istanbul-Kanal (türkisch Kanal İstanbul) ist ein von der türkischen Regierung für die Schifffahrt geplanter Kanal, der parallel zum Bosporus verlaufen und das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbinden soll.[1] Der Kanal soll im westlichen Teil von Istanbul verlaufen und im Jahr 2023Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren zum hundertsten Jahrestag der Gründung der Türkei fertiggestellt sein.[2][3]

Historische Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Vergangenheit hatten verschiedene Herrscher und Politiker die Idee, eine Wasserstraße parallel zum Bosporus zu schaffen. Sowohl zur Zeit des Osmanischen Reiches als auch zuletzt von Bülent Ecevit im Jahr 1994 wurden derartige Überlegungen bekannt.[4]

Begründung und Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während noch 1936 durchschnittlich 13 Schiffe pro Tag den Bosporus durchquerten, ist diese Zahl für das Jahr 2012 auf durchschnittlich 255 Schiffe pro Tag gestiegen.[5] Die Größe der Schiffe und damit die beförderte Ladungsmenge hat in dieser Zeit drastisch zugenommen, ebenso die Einwohnerzahl von Istanbul (von 750.000 auf 13,9 Mio. Einwohner).

Auf dem Bosporus haben sich viele größere Schiffsunglücke ereignet. Einige davon waren:[6]

  • Am 14. Dezember 1960 kollidierten die Öltanker Peter Verovitz (Jugoslawien) und World Harmony (Griechenland) miteinander. Es gab 20 Tote und große Mengen an Öl liefen aus.
  • Am 1. März 1966 kollidierten zwei sowjetische Öltanker (Lutsk und Kransky). Große Mengen an Öl liefen aus und verursachten den Brand der Fähre Kadıköy und des Kadıköy-Piers, des wichtigsten Piers im asiatischen Teil von Istanbul.
  • Am 1. Juli 1970 kollidierte der italienische Öltanker Ancona mit einem Gebäude an der Küste. Dabei kamen fünf Personen ums Leben.
  • Am 7. April 2018 kollidierte der Frachter Vitaspirit mit dem Ufer und verursachte schwere Schäden an der historischen Holzvilla Hekimbasi Salih Efendi.[7]

Spätestens nach dem Öltankerunglück der Independenta am 15. November 1979 war klar geworden, dass das hohe Schiffsverkehrsaufkommen und die daraus resultierenden Gefahren für Istanbul kaum noch zu tragen sind. Nach diesem Unfall brannten der Tanker und der Ölteppich vor dem Bahnhof Haydarpaşa knapp einen Monat weiter, es gab 51 Tote. Das Fahrwasser durch den Bosporus war zunächst gesperrt und später durch das Wrack jahrelang behindert.

Darüber hinaus ereignen sich jährlich viele kleinere Schiffsunglücke am Bosporus.[8]

Am 27. April 2011 verkündete Premierminister Recep Tayyip Erdoğan die Absicht, das Schwarze Meer und das Marmarameer mittels eines parallel zum Bosporus verlaufenden Schifffahrtskanals zu verbinden.[9][10] Der neue Kanal soll ungefähr 40 bis 50 km lang werden.[11] Die Breite von 150 m und Tiefe von 25 m soll sämtlichen Schiffen die Durchfahrt ermöglichen.[12][13] Bei Karaburun soll die Wasserstraße ins Schwarze Meer münden.[10]

Die Vor- und Machbarkeitsstudien begannen im April 2011.[2][9][14]

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kosten für das Projekt wurden auf acht bis zehn Milliarden US-Dollar geschätzt, inzwischen ist von bis zu 14 Milliarden Euro die Rede.[15][16][17] Für die Realisierung des Projekts ist eine öffentlich-private Partnerschaft im Gespräch. Ein ungenanntes russisches Unternehmen könnte den Bau finanzieren und dafür die Passagegebühren für einen bestimmten Zeitraum erhalten.[18]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik kommt einerseits von Umweltschützern und andererseits von Politikern, die eine zu starke Kontrolle der Schifffahrt durch die Türkei befürchten. Türkische Behörden könnten Schlupflöcher des Vertrags von Montreux nutzen, um die Schifffahrt zur Nutzung des neuen, kostenpflichtigen Kanals zu zwingen.[18][19] Weiterhin kann nicht ausgeschlossen werden, dass mit dem Kanalneubau der unter anderem durch den Vertrag von Montreux geschaffene Status quo hinsichtlich des Transits von Militärgut und Kriegsschiffen in der gesamten Schwarzmeer- und der angrenzenden Kaukasus-Region geändert wird.[20][21]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. euronews: Türkei plant Mega-Kanal am Bosporus. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  2. a b Süddeutsche: Zweiter Bosporus für Schiffe. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  3. Berliner Zeitung: Ein zweiter Bosporus. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  4. derStandard: Der „wahnwitzige“ Plan mit dem Kanal. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  5. Boğazlardan geçen gemi sayısı azaldı, taşınan yük arttı. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 16. Februar 2013; abgerufen am 7. August 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zaman.com.tr (türkisch).
  6. İstanbul ve Çanakkale Boğazlarında Meydana Gelmiş En Büyük Deniz Kazaları (Die größten Schiffsunglücke auf dem Bosporus und den Dardanellen) (Memento vom 14. März 2016 im Internet Archive)
  7. ZDF: Kollision am Bosporus – Frachtschiff kracht in Gebäude. Abgerufen am 16. Juni 2018.
  8. Schiffsunglückstatistiken des Ministeriums. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 8. August 2013; abgerufen am 7. August 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.denizcilik.gov.tr (türkisch).
  9. a b n-tv: Erdogan plant zweiten Bosporus. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  10. a b Tagesschau: Berlin patzt, Istanbul protzt. Archiviert vom Original am 26. Januar 2013; abgerufen am 24. Januar 2013.
  11. T-Online: Türkei will für Schiffe zweiten Bosporus graben. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  12. Handelsblatt: Erdogan will für Schiffe zweiten Bosporus graben. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  13. RiaNovosti: Mega-Projekt: Türkei plant zweiten Bosporus. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  14. ANSAmed: Works on Bosphorous mega-canal go ahead from April. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  15. dpcmagazine.com: Turkey mulls fee rise for Bosporus. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  16. treehugger.com: Turkish Prime Minister Erdogan’s ’Crazy Project’ for Istanbul: Building a Second Strait. Abgerufen am 24. Januar 2013.
  17. spiegel.de: Erdogan wirbt für eigenen „Panama-Kanal“. Abgerufen am 16. Juni 2018.
  18. a b todayszaman.com: İstanbul Canal project to open debate on Montreux Convention. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 30. April 2011; abgerufen am 24. Januar 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.todayszaman.com
  19. hurriyetdailynews.com: russia-urges-turkey-to-preserve-montreux-treaty. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 2. Januar 2016; abgerufen am 2. Januar 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hurriyetdailynews.com
  20. US Navy Thesis (Adam J. Kruppa): Stability in the Black Sea Littoral Region; Focus on the Montreux Convention. Abgerufen am 3. Januar 2016.
  21. Gheorgita Vlad, Romanian Army: Geopolitical Interests in the Black Sea / Caspian Region. Abgerufen am 3. Januar 2016.