Istituto Bruno Leoni

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Istituto Bruno Leoni (IBL)
Rechtsform Denkfabrik
Gründung 2003
Gründer Carol Erickson, Franco Forlin, Sergio Leali, Carlo Lottieri, Alberto Mingardi, Carlo Stagnaro, Tito Tettamanti
Sitz Mailand, Piazza Castello 23; Turin, Piazza Cavour 3
Motto Ideen für einen freien Markt
Schwerpunkt Klassischer Liberalismus, Ordoliberalismus, Österreichische Schule
Vorsitz Franco DeBenedetti
Website www.brunoleoni.it

Das Istituto Bruno Leoni (IBL) ist ein italienisches Forschungszentrum und Think-Tank (Denkfabrik), benannt nach dem Anwalt, Politologen und Rechtsphilosophen Bruno Leoni. Gegründet im Jahr 2003, mit Sitzen in Mailand und Turin[1], setzt es sich für klassisch liberale Überzeugungen in Italien und ganz Europa ein.

Das Istituto Bruno Leoni organisiert Seminare und Konferenzen in zahlreichen italienischen sowie europäischen Städten und betätigt sich auf breitem Feld in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Dabei veröffentlicht das Institut jährlich eine große Anzahl von weitreichenden Publikationen, die Bände mit großen Auflagen und Papiere mit dem Fokus auf der Analyse von Staatstätigkeit umfasst.[2] Präsident des Institutes ist das ehemalige Mitglied des Senato della Repubblica und Unternehmer Franco Debenedetti. Generaldirektor des Institutes ist der Journalist und Autor Alberto Mingardi.

Laut dem Global Go To Think Tank Index Report 2017, einem Ranking der Universität von Pennsylvania, kommt das Istituto Bruno Leoni auf Rang 130. aller Think-Tanks weltweit und ist somit das 108. unter den Think-Tanks außerhalb der Vereinigten Staaten und das 72. Think-Tank in Westeuropa.[3]

Entstehung und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Istituto Bruno Leoni wurde im Jahr 2003 von Carol Erickson, Franco Forlin, Sergio Leali, Carlo Lottieri, Alberto Mingardi, Carlo Stagnaro und Tito Tettamanti gegründet, mit dem Ziel sich für freie, marktwirtschaftliche Ideale einzusetzen. Dabei bezieht es sich in erster Linie auf Ökonomen und Philosophen der Österreichischen Schule wie Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises, Joseph Schumpeter, Friedrich von Hayek und Murray Rothbard. Aber auch auf Vertreter anderer Schulen wie beispielsweise Milton Friedman der University of Chicago, James M. Buchanan (Neue Politische Ökonomie), Wilhelm Röpke (Wirtschaftswissenschaftler), als Vertreter des Ordoliberalismus oder Politiker wie Luigi Sturzo, Luigi Einaudi, zweiter Präsident der Italienischen Republik oder Margaret Thatcher, ehemalige Premierministerin des Vereinigtes Königreichs.

Zu den zentralen Zielen des IBL's werden der Einsatz für robuste Eigentumsrechte, gegen Steuerbelastung, für freie marktwirtschaftliche Betätigung und gegen staatliche Eingriffe gezählt. Protektionismus wird abgelehnt, die Dynamiken der Globalisierung werden dagegen befürwortet.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Istituto Bruno Leoni organisiert ganzjährig Veranstaltungen wie Konferenzen, Seminare zu verschiedensten Themen zu denen häufig Autoren, Wissenschaftler oder andere Gäste eingeladen werden, um ihre Projekte vorzustellen.[4] Zu den wichtigsten Veranstaltungen jedes Jahr gehört unter anderem das jährliche Dinner des Institutes, bei welchem gleichzeitig der Bruno Leoni Preis[5] vergeben wird. Zu den Preisträgern zählen der Nobelpreisträger Vernon L. Smith (2008) sowie der US-amerikanische Historiker Richard Pipes (2015).

Veröffentlichungen und Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoren und Mitglieder des IBLs veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Beiträge in bekannten Tageszeitungen, ebenso wie Bücher oder Fachartikel zu sozialwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Themen. Seit 2009 verfügt die Denkfabrik über ein eigenes Verlagshaus (IBL Libri).[6] Des Weiteren besitzt das Institut in Zusammenarbeit mit dem Journalisten des Radiosenders der Tageszeitung Il Sole 24 Ore, Oscar Giannino, einen Blog. Zu wichtigen Projekten des Istituto Bruno Leoni gehören unter anderem der jährliche Liberalisierungsindex (siehe unten) und das Projekt „IBL nelle scuole“ (IBL an Schulen)[7], bei diesem handelt es sich um zwei „erste wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen“ für Schüler der Sekundarstufe in Italien, bei welchen die Schüler, anhand einfacher Erklärungen, einen ersten Überblick über wirtschaftswissenschaftliche Konzepte wie Preis, Produktivität und die Rolle des Staates und der Staatstätigkeit bekommen sollen. Im Februar 2018 wurde im Auftrag des Institutes ein großer „Schuldenzähler“ an den Hauptbahnhöfen von Mailand und Rom angebracht, der die steigenden italienischen Staatsschulden zählte und die vorbeilaufenden Reisende daran erinnern sollte, dass jedes weitere Wahlversprechen gleichzeitig neue Schulden bedeute.[8]

Flat Tax – „25 % per tutti“ („25 % für alle“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine größere Bekanntheit in der italienischen Öffentlichkeit erlangte die Denkfabrik mit dem Projekt „25 % per tutti“, welches 2017 mit der Veröffentlichung des Buches von Nicola Rossi (Autor und Politiker) vorgestellt wurde.[9] Der Vorschlag sieht eine radikale Umstrukturierung des komplexen italienischen Steuer- und Abgabensystems und die Einführung einer einheitlichen flachen Quote (Flat Tax) von 25 % für die wichtigsten Steuern (u. a. Einkommenssteuer, Unternehmenssteuer, Umsatzsteuer) vor.[10][11] Der Entwurf wurde in den Medien und der Öffentlichkeit im Vorfeld der Parlamentswahlen in Italien 2018 breit diskutiert. Sowohl die Forza Italia von Silvio Berlusconi, als auch die Lega Nord von Matteo Salvini nahmen die Idee für die Umsetzung einer Flat Tax von 23 % bzw. 15 % in ihr jeweiliges Wahlprogramm mit auf.[12]

Liberalisierungsindex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2007 veröffentlicht das Istituto Bruno Leoni jährlich einen Liberalisierungsindex, welcher seit dieser Zeit immer umfangreicher wurde und inzwischen alle Mitgliedsstaaten der europäischen Union umfasst. Der „Indice delle Liberalizzazioni“ hat zum Ziel den Grad der wirtschaftlichen Offenheit der Mitgliedsstaaten anzugeben und untersucht dafür zehn unterschiedliche ökonomische Sektoren (Öl- und Benzinhandel, Strom, Gas, Postwesen, Arbeitsmarkt, Telekommunikation, Radio, Lufttransportwesen, Schienentransportwesen und Versicherungen).[13] Der Liberalisierungsindex ist die meistzitierteste Veröffentlichung des Think-Tanks und findet sich regelmäßig in wissenschaftlichen Arbeiten und journalistischen Publikationen wieder.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Contatti. Abgerufen am 20. Februar 2019 (it-it).
  2. Chi Siamo. Abgerufen am 20. Februar 2019 (it-it).
  3. TTCSP Global Go To Think Tank Index Reports | Think Tanks and Civil Societies Program (TTCSP) | University of Pennsylvania. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  4. Eventi. Abgerufen am 21. Februar 2019 (it-it).
  5. Premio Bruno Leoni 2018. Abgerufen am 21. Februar 2019 (it-it).
  6. IBL Libri. Abgerufen am 21. Februar 2019 (it-it).
  7. IBL nelle scuole. Abgerufen am 21. Februar 2019 (it-it).
  8. Il „contatore del debito pubblico“ nelle stazioni di Milano e Roma scorre inesorabile. 13. Februar 2018, abgerufen am 21. Februar 2019 (italienisch).
  9. Una «flat tax» al 25%, via Irap-Imu: fisco più semplice e più equo. Abgerufen am 21. Februar 2019 (italienisch).
  10. #25xtutti - un’iniziativa dell’Istituto Bruno Leoni. Abgerufen am 21. Februar 2019.
  11. La Flat Tax secondo Nicola Rossi: «È l’unica rivoluzione possibile per il fisco italiano». 17. Februar 2018, abgerufen am 21. Februar 2019 (italienisch).
  12. Cos’è la „flat tax“ proposta dal centrodestra. 8. Januar 2018, abgerufen am 21. Februar 2019 (it-IT).
  13. 2017 Index of Liberalisations: a summary. In: EPICENTER. 4. Dezember 2017, abgerufen am 21. Februar 2019 (amerikanisches Englisch).
  14. L'Italia delle liberalizzazioni mancate. Abgerufen am 21. Februar 2019 (italienisch).