Itinerar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Itinerar (n., von lateinisch itinerarium, pl. Itineraria bzw. neuer auch Itinerarien, abgeleitet von lat. iter „Weg“) ist allgemein die zusammenfassende Darstellung von Verkehrswegen und Straßen. Gemeint sind aber auch Straßen- und Stationenverzeichnisse, Hotelangaben, Verkehrsmittel, Tickets – also eigentlich alle zu einer Reise gehörenden Informationen – für Reisende, Wanderer, Kaufleute oder Pilger. Auch Reisebeschreibungen und protokollarische Zusammenstellungen von Reisen bekannter und wichtiger Personen werden so bezeichnet. Gelegentlich wird auch ein kleiner Altar, der auf Reisen mitgenommen wurde, als Itinerar bezeichnet.

Alter Orient[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als früheste Itinerare werden mesopotamische Texte mit Reisebeschreibungen angesehen.

Römische Kaiserzeit / Spätantike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der römischen Kaiserzeit und der Spätantike sind erhalten:

Beim häufig so genannten Itinerarium Egeriae, auch als Peregrinatio Aetheriae bezeichnet, ein von der Pilgerin Egeria verfasster Bericht über ihre Reise im späten 4. Jahrhundert ins Heilige Land, handelt es sich nicht um einen Itinerar, sondern um einen Briefbericht.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformationszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Raißbüchlin Jörg Gails

Aus der Zeit der Reformation ist ein umfangreiches Itinerar aus der Feder des Augsburger Predigers Wolfgang Musculus (1497–1563) erhalten, das den Reiseweg von Augsburg nach Wittenberg dokumentiert.[2] Von Bedeutung über die Reformationszeit hinaus war das Raißbüchlin Jörg Gails. Es erschien 1563 in Augsburg und verzeichnete Strecken in ganz Europa.

Geschichtswissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Fachsprache der Geschichtswissenschaft versteht man unter Itinerar die „Reiseroute“ von Herrschern bzw. deren wissenschaftliche Dokumentation auf der Grundlage der Ausstellungsdaten und -orte von Urkunden sowie Angaben in der Geschichtsschreibung. Besonders sinnvoll ist die Rekonstruktion von Aufenthalten und Wegen bei früh- und hochmittelalterlichen Herrschern, da diese in der Regel noch keine Residenzherrschaft ausübten, sondern als Reisekönige von einer Pfalz zur nächsten unterwegs waren (Königsitinerar). Das Ergebnis, auch als Karte darstellbar, ist hilfreich für die historische Arbeit; unechte Urkunden können nun auch dadurch erkannt werden, dass der Ausstellungsort völlig aus dem aus dem Itinerar zu rekonstruierenden Aufenthaltsbereich herausfällt. Es zeigt auch, welche Orte und Regionen für den Herrscher und seine Herrschaftspraxis wichtig waren.[3]

Ein neueres, prominentes Beispiel der Neuzeithistorie ist das in jahrzehntelanger Arbeit erstellte Hitler-Itinerar von Harald Sandner.[4]

Geistliche Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der geistlichen Literatur kann Itinerar auch eine Wegleitung bedeuten, die zu rechter Lebensführung hinführen soll, bis hin zur Vollkommenheit. Bekanntestes Beispiel ist Bonaventuras Itinerarium mentis in Deum (1259).[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Itinerar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gundolf Keil, Marianne Wlodarczyk: Münzer, Hieronymus. In: Verfasserlexikon. 2. Aufl., Band 6, 1987, Sp. 800–804; hier: Sp. 801 f.
  2. Henning Reinhardt: Das Itinerar des Wolfgang Musculus. In: Archiv für Reformationsgeschichte 97, 2006, S. 28–82. Vgl. auch Herbert Krüger: Das älteste deutsche Routenhandbuch. Jörg Gails „Raißbüchlin“ (von 1563). Mit 6 Routenkarten und 272 Originalseiten in Faksimile. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1974.
  3. Vgl. als Beispiel: Günther/Krüger/Zorawaska-Wilkowska: Die Reisen und Aufenthalte des Königs August II. (von Polen = August der Starke, Kurfürst von Sachsen), in: Unter einer Krone. Leipzig 1997, S. 49–53, sowie ebenda Die Reisen und Aufenthalte des Königs August III. (von Polen = Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen), S. 58–63.
  4. Hitler – Das Itinerar. Aufenthaltsorte und Reisen von 1889 bis 1945, 4 Bände, 2432 Seiten, 2211 Abbildungen, Berlin 2016
  5. Bonaventura, Itinerarium mentis in Deum: online lateinisch