Ivan Krastev

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ivan Krastev (2019)

Ivan Jotov Krăstev, bulgarisch Иван Йотов Кръстев[1] (geboren 1965 in Lukowit) ist ein bulgarischer Politologe und Politikberater, außerdem ist er Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ivan Krastev arbeitete nach dem Zerfall des Ostblocks und den Regierungswechseln oder Revolutionen in seinen Mitgliedsländern unter anderem in Budapest an der Central European University. Krastev ist Leiter des 'Centre for Liberal Strategies' in Sofia[2] und Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien, wo er den Schwerpunkt Die Zukunft der Demokratie leitet. Er publiziert für dessen Zeitschrift Transit. Europäische Revue. In Wien ist er auch Mitglied des Kuratoriums der ERSTE Stiftung.

Krastev gehörte zum Gründerkreis der Denkfabrik European Council on Foreign Relations und arbeitete auch bei den Denkfabriken Center for European Policy Analysis und Friends of Europe.

Von 2004 bis 2006 war Krastev Mitglied in der von Giuliano Amato geleiteten Internationalen Balkan-Kommission. Von 2005 bis 2011 war er Mitglied im Beirat des International Institute for Strategic Studies. In den Jahren 2013, 2014 und 2016 war er Fellow bei der Robert Bosch Stiftung in Berlin.

Seit 2015 schreibt er regelmäßig Analysen für die internationale Ausgabe der New York Times.[3]

Im März 2020 wurde bekannt, dass Krastev der Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik 2020 zuerkannt wurde.[4]

After Europe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem politisch-zeitgeschichtlichen Hauptwerk After Europe (2017) schreibt Krastev: „Die Flüchtlingskrise erwies sich als das 9/11 Europas.“ („The refugee crisis turned out to be Europe’s 9/11.“) Die Öffnung der Grenzen insbesondere für arabische und afrikanische Flüchtlinge durch die deutsche Bundesregierung 2015 habe zu einer neuen Ost-West-Spaltung geführt, welche, parallel zur Nord-Süd-Spaltung, den europäischen Kontinent politisch zu zerreißen drohe. Die Verantwortung hierfür weist er einer Elite zu, die sich von den Wünschen und Einstellungen der Mehrheitsgesellschaft – vor allem in Migrationsfragen – abgekoppelt habe. Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft seien aus unterschiedlichen Gründen kaum mehr in der Lage oder willens, einzugestehen, dass unkontrollierte Zuwanderung zu ökonomischen und kulturellen Konflikten führe. Den Deutschen attestiert Krastev das Bedürfnis, sich durch einen vor den Augen der gesamten Welt zur Schau gestellten Kosmopolitismus von den Fesseln der eigenen Vergangenheit lösen zu wollen, wohingegen der Wunsch der meisten Osteuropäer nach nationaler Souveränität und kultureller Homogenität eine Abwehrreaktion auf die von der Sowjetunion betriebene Politik des Internationalismus darstelle. Nur ein Europa der Nationen, kein zentralisiertes europäisches Imperium habe die Möglichkeit auf Bestand.[5]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Shifting Obsessions: Three Essays on the Politics of Anticorruption. CEU Press, Budapest 2004.
  • Mit Alan McPherson (Hrsg.): The Anti-American Century. CEU Press, Budapest 2007.
  • Europe's Democracy Paradox. In: The American Interest, März/April 2012.
  • In Mistrust We Trust: Can Democracy Survive When We Don't Trust Our Leaders? TED books, 2013.
  • Democracy Disrupted. Penn University Press, 2014.
  • After Europe. Penn University Press, 2017.
  • Mit Stephen Holmes: The light that failed. A reckoning. Penguin Books, London 2019, ISBN 978-0-241-34570-2.
  • Ist heute schon morgen? Wie die Pandemie Europa verändert. Aus dem Englischen übersetzt von Karin Schuler. Ullstein, Berlin 2020, ISBN 978-3-550-20126-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ivan Krastev – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Партида на юридическо лице. Abgerufen am 4. Dezember 2019 (bulgarisch).
  2. Centre for Liberal Strategies, Website
  3. nytimes.com
  4. Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik geht 2020 an Ivan Krastev, buchreport.de vom 10. März 2020, abgerufen 24. März 2020
  5. Ivan Krastev, After Europe. Penn University Press, 2017. – Vgl. die Besprechung des Buches durch Anne Applebaum, 'A New European Narrative?' In: The New York Review of Books, 12. Oktober 2017