Iveco LMV

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Iveco LMV der italienischen Armee

Iveco Light Multirole Vehicle (LMV) (it. Veicolo Leggero Multiruolo (VLM); dt. Leichtes Mehrzweckfahrzeug) ist ein seit 2004 vom italienischen Hersteller Iveco angebotenes Militärfahrzeug. Es wurde ausschließlich für militärische Zwecke konzipiert und ist bei etlichen Streitkräften im Einsatz. Äußerlich ähnelt das LMV dem US-amerikanischen HMMWV. In Deutschland wird es in Kooperation mit Rheinmetall als Caracal angeboten.

Technische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iveco LMV in offener Version des italienischen Zivilschutzes

IVECO bietet das LMV in zwei Versionen an: eine 4,97 m langen Transportausführung (Radstand 3,5 m) und eine 4,67 m langen Aufklärungsversion (3,2 m). Die Spurweite beträgt in beiden Fällen 1,72 m (Breite 2 m), die Bodenfreiheit 0,493 m, die Höhe 1,95 m. Diese Abmessungen und ein Leergewicht von etwa 6,5 Tonnen erlauben den Lufttransport in einer CH-47 Chinook, im neuen AgustaWestland AW101 oder auch in einer Alenia C-27. Dank eines speziellen Verfahrens kann das LMV auch per Fallschirm abgesetzt werden.

Das Fahrzeug ist in besonderer Weise gegen Landminen geschützt: die in diesem Zusammenhang gefährdetsten Fahrzeugteile wurden so konzipiert und eingebaut, dass sie bei einem entsprechenden Treffer abgesprengt werden, ohne die in der Regel fünfköpfige Besatzung in größere Gefahr zu bringen. Neben diesem Basisschutz gibt es einen leichten Rüstsatz gegen Beschuss aus Infanteriewaffen bis zum Kaliber 7,62 mm und schwere Rüstsätze für den Schutz gegen Panzerminen mit bis zu 6 kg Sprengstoff und Beschuss aus Waffen bis zum Kaliber 12,7 mm. Die speziellen Fahrzeugsitze kommen aus dem Luftfahrtbereich und geben einen zusätzlichen Schutz vor Explosionen. Die Reifen haben Notlaufeigenschaften.

Aus dem Bereich des Panzerbaus wurden verschiedene Lösungen übernommen, um die thermische Sichtbarkeit und die Reflexion von Radarstrahlen zu verringern. Der Fahrzeuglack hat radarstrahlenabsorbierende Eigenschaften.

Das LMV wird angetrieben von einem schallgedämpften IVECO F1D-Turbodieselmotor mit 136 kW (185 PS) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 130 km/h. Die erreichbare Wattiefe liegt ohne Vorbereitung bei 0,7 m, mit Modifikationen bei 1,20 m.

Die längere Transportversion kann als Sanitätsfahrzeug, Kommando- und Funkfahrzeug, ABC-Spürfahrzeug, Zugfahrzeug für eine leichte Feldhaubitzen und auch als Waffenträger verwendet werden, insbesondere von Panzer- und leichten Flugabwehrraketen MANPADS.

Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nutzerländer des Iveco LMV (2015)

Belgien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die belgische Regierung bestellte 440 LMV für ihr Heer als Light Armoured Tactical Vehicles (LATV), hält eine Option für weitere 400 und hat außerdem 120 Panzerungsrüstsätze bestellt [1].

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das italienische Heer hat 2004 bzw. 2005 zunächst 1150 Fahrzeuge bestellt, möchte jedoch in den kommenden Jahren insgesamt 7700 Exemplare beschaffen. Ausgerüstet werden sollen damit vor allem Alpini-, Fallschirmjäger- und Pionierverbände. In der italienischen Armee wird das LMV Veicolo Tattico Leggero Multiruolo (VTLM) „Lince“ („Luchs“) genannt.

Kroatien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kroatischen Streitkräfte haben 96 LMV bestellt, die Auslieferung erfolgt bis 2010.

Libanon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die libanesischen Streitkräfte haben 80 Fahrzeuge erworben.

Norwegen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iveco LMV der norwegischen Armee

Norwegen gehörte mit zu den ersten Kunden und verfügt heute über 60 Fahrzeuge, für 47 weitere besteht eine Option.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iveco LMV der österreichischen Armee

Das Österreichische Bundesheer hat 150 Stück als Geschützte Mehrzweckfahrzeuge erworben.[2] In der österreichischen Armee wird das Fahrzeug als „Husar“ bezeichnet.[3]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Russische Heer wurde das LMV M65 als Führungs- und Aufklärungsfahrzeug beschafft. Die Komponenten kamen aus Italien, der Zusammenbau erfolgte in Russland. Anfang Mai 2017 befinden sich mindestens 224 Iveco LMV im regulären Dienst der russischen Armee. [4][5] Anfangs waren 1775 Einheiten geplant, deren Produktion auf Eis gelegt wurde[6]. Einige Fahrzeuge wurden der 130-Brigade der Militärpolizei übergeben[7].[8] Wie in Italien wird der Wagen unter dem Namen „Рысь“ („Luchs“) geführt.

Slowakei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Slowakische Armee hat 10 Fahrzeuge erhalten, insgesamt 40 bestellt.

Spanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das spanische Heer hat 135 Fahrzeuge als Vehículo Ligero Multipropósito „Lince“ in Dienst gestellt, um in Krisengebieten die gegen Landminen größtenteils ungeschützten URO VAMTACs und Santana Aníbal zu ersetzen. Geplant ist aber der Erwerb von 275 weiteren bis 2010.[9]

Tschechien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Streitkräfte des Landes haben 19 Fahrzeuge erworben.

Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Streitkräfte der Ukraine haben 90 Fahrzeuge erworben.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panther CLV der britischen Armee

Das Fahrzeug wird in Großbritannien von BAE Systems (Land Systems, früher Alvis) für die British Army und für das RAF-Regiment in Lizenz gefertigt, wo es Command and Liaison Vehicle (CLV) „Panther“ genannt wird. Derzeit sind 401 CLV im Dienst, für weitere 400 besteht eine Option.

Andere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etliche Streitkräfte prüfen derzeit die Beschaffung des Iveco LMV.

Die Bundeswehr testete so im Auswahlverfahren „Geschützte Führungs- und Funktionsfahrzeuge“ in der Klasse 2 unter der Bezeichnung Caracal Geschütztes Fahrzeug (benannt nach der Wildkatze Karakal) das Militärfahrzeug, entschied sich allerdings im Dezember 2007 den Mowag Eagle IV zu beschaffen.[10]

Das Fahrzeug wird auch von zivilen Stellen verwendet.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das italienische VTLM erhielt kurze Zeit nach seiner Einführung den Namen Lince (Luchs). Dieser war bereits für einen von 1943 bis 1945 gebauten Panzerspähwagen verwendet worden, welcher dem britischen Daimler Dingo entsprach (erbeutete Fahrzeuge dienten als Vorlage). Die Firma Lancia baute 263 Fahrzeuge, Ansaldo 129. In der letzten Phase des Krieges nutzten vor allem die deutsche Wehrmacht und faschistische italienische Truppen diese Panzerspähwagen. Nach dem Krieg wurden sie vom Reggimento “Lancieri di Aosta” (6º) und von den Carabinieri übernommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Iveco LMV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.army-technology.com/contractors/vehicles/iveco/press1.html
  2. http://www.heer.at/cms/artikel.php?ID=4413
  3. Geschütztes Mehrzweckfahrzeug „Husar“. In: bundesheer.at. Abgerufen am 2. November 2015.
  4. (übersetzt) Zum Durchbruch hinter dem "Armata" (...200 Einheiten des (Iveco LMV) alias "Рысь" aktuell im Einsatz des russischen Heeres); army-news.ru. Abgerufen am 23. September 2016.
  5. (übersetzt) Luftlandetruppen aus Iwanowo werden bis Ende April 40 gepanzerte (Iveco LMV) "Рысь" zur Verfügung haben (u.a zusätzlich 24 Einheiten; von 40 Einheiten, die verfügbar stehen werden, sind bereits 16 im Einsatz); lenta.ru. Abgerufen am 20. April 2017.
  6. Минобороны не планирует новые контракты на закупку бронемашин в Италии | РИА Новости. Archiviert vom Original am 2. Februar 2013. Abgerufen am 26. Januar 2013.
  7. Началось формирование первой бригады военной полиции
  8. Началось формирование первой бригады военной полиции
  9. www.mde.es
  10. http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/070/1607094.pdf