Iwan Walentinowitsch Golunow

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Iwan Golunow

Iwan Walentinowitsch Golunow (russisch Ива́н Валенти́нович Голуно́в, wiss. Transliteration Ivan Valentinovič Golunov; * 19. Januar 1983 in Moskau) ist ein russischer Journalist. Er gilt als einer der bekanntesten Investigativjournalisten in Russland.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golunow schreibt für die mehrsprachige Internetzeitung Meduza mit Sitz in Riga. Unter anderem recherchierte er über Korruption in Russland, zum Beispiel über das drastisch angewachsene Vermögen des Moskauer Vizebürgermeisters Pjotr Birjukow und seiner Familie.[2] Am 6. Juni 2019 wurde er unter dem Vorwurf des Drogenhandels festgenommen.[3] Kurz darauf wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Anwalt sagte, bei Golunow seien gebrochene Rippen, Prellungen und eine Gehirnerschütterung festgestellt worden.[4]

Golunow vor Gericht (2019)

Nach einer anschließenden Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus wurde Golunow am 8. Juni 2019 einem Richter vorgeführt, der wegen des Vorwurfs des Drogenhandels einen Hausarrest bis mindestens zum 7. August 2019 anordnete.[5]

Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen kritisierte die Verhaftung und hielt den Vorwurf des Drogenhandels für erfunden. Am 10. Juni 2019 erschienen die drei großen russischen Tageszeitungen Kommersant, RBK und Wedomosti mit der Schlagzeile: „Wir sind Iwan Golunow“, um gegen die Verhaftung zu protestieren.[6] Kreml-Sprecher Dmitri Peskow räumte ein, dass das Verfahren eine Reihe von Fragen aufgeworfen habe. Er lehnte es aber ab, basierend auf dem Fall „allgemeine Schlussfolgerungen über das Misstrauen ins gesamte System zu ziehen“.[7]

Am 11. Juni 2019 stellte die russische Justiz ihre Ermittlungen gegen Golunow ein und ließ den Vorwurf des Drogenbesitzes fallen. Nach Mitteilung des Innenministeriums wird auch der Hausarrest gegen Golunow aufgehoben. Zwei Polizisten sollen suspendiert und eine interne Untersuchung soll anberaumt werden.[8] Bei einer nicht genehmigten Solidaritätskundgebung für Golunow nach seiner Freilassung nahm die russische Polizei mehrere Hundert Personen fest, darunter auch Journalisten und den Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.[9]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch andere Journalisten und andere Kritiker der Regierung wurden in der Vergangenheit mit Rauschgiftverfahren überzogen, die als inszeniert gelten. Der letzte bekannte Fall vor Golunow betrifft den Vertreter der Menschenrechtsorganisation Memorial in Tschetschenien, Ojub Titijew. Dieser wurde im März 2019 zu vier Jahren Haft verurteilt und steht im Juni 2019 vor Gericht.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Iwan Walentinowitsch Golunow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christina Hebel: Solidarität mit russischem Journalisten in Hausarrest: „Iwan darf jetzt nicht vergessen werden“, Spiegel Online, 10. Juni 2019.
  2. Christina Hebel: Die Verfolgung des Iwan Golunow, Spiegel Online, 9. Juni 2019.
  3. Mikhail Bushuev: Enthüllungsjournalist in Moskau festgenommen. DW, 7. Juni 2019.
  4. Journalist Golunow in Krankenhaus eingeliefert, Deutsche Welle, 8. Juni 2019.
  5. Detained Russian journalist Ivan Golunov under house arrest. In: Deutsche Welle. 8. Juni 2016, abgerufen am 11. Juni 2019 (englisch).
  6. „Wir sind Iwan Golunow.“ Mediensolidarität mit russischem Reporter. orf.at, 10. Juni 2019.
  7. Kreml zum Verfahren gegen Journalist Iwan Golunow: „Der Fall hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen.“ Spiegel Online, 10. Juni 2019.
  8. Golunow kommt frei, deutschlandfunk.de, erschienen und abgerufen am 11. Juni 2019.
  9. Solidaritätskundgebung für Journalist Golunow. Hunderte Festnahmen in Moskau, Spiegel Online, 12. Juni 2019.
  10. Friedrich Schmidt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich bei meiner Beerdigung dabei sein würde“, FAZ.net, 9. Juni 2019.