Jáchymov

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Jáchymov
Wappen von Jáchymov
Jáchymov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Karlovy Vary
Fläche: 5110,4001[1] ha
Geographische Lage: 50° 22′ N, 12° 55′ OKoordinaten: 50° 21′ 58″ N, 12° 55′ 24″ O
Höhe: 672 m n.m.
Einwohner: 2.549 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 362 51–363 01
Kfz-Kennzeichen: K
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 5
Verwaltung
Bürgermeister: Bronislav Grulich (Stand: 2008)
Adresse: nám. Republiky 1
362 51 Jáchymov
Gemeindenummer: 555215
Website: www.mestojachymov.cz
Lage von Jáchymov im Bezirk Karlovy Vary
Karte

Jáchymov (deutsch Sankt Joachimsthal) ist eine Stadt in der Karlsbader Region in Tschechien.

Die alte Bergstadt entwickelte sich nach dem Fund beträchtlicher Silbervorkommen im Jahr 1516 sprunghaft aus einer vordem am Ort bestehenden bergmännischen Ansiedlung und stieg im 16. Jahrhundert zur bedeutendsten Bergstadt im gesamten Erzgebirge auf. Die hohen Profite aus dem Silberbergbau trugen dazu bei, dass sich in der Hochzeit des Bergbaus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein bedeutender Komplex einer im spätgotischen und Renaissancestil gehaltenen Stadtarchitektur herausbildete, der größtenteils bis in die Gegenwart erhalten ist.

In der Umgebung von Jáchymov existieren zudem Sachzeugen des Bergbau- und Hüttenwesens aus der Zeit des Silber- und Buntmetallbergbaus vom 16. bis ins 19. Jahrhundert sowie des Uranbergbaus im 20. Jahrhundert. Diese Sachzeugen sowie die 1992 erklärte städtische Denkmalschutzzone sind ausgewählte Bestandteile der „Montanen Kulturlandschaft Jáchymov“ für die vorgesehene Kandidatur zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge des Bergbaus entdeckte, radonhaltige Quellen begründeten einen bis in die Gegenwart bedeutenden Kurbetrieb sowie den Status der Stadt als ältestes Radiumsol-Heilbad der Welt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Westböhmen am steilabfallenden Südhang des Erzgebirges, an der Staatsstraße Silnice I/25 vom Grenzübergang OberwiesenthalBoží Dar (Gottesgab) nach Karlsbad. Der Stadtkern erstreckt sich im tief eingeschnittenen Tal des Jáchymovský potok (Weseritz), wobei der nördliche Ortseingang auf etwa 775 m n.m. liegt, der Kurpark im Süden auf lediglich 600 m n.m.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Jáchymov besteht aus den Ortsteilen Jáchymov (Sankt Joachimsthal), Mariánská (Mariasorg), Nové Město (Neustadt), Suchá (Dürnberg) und Vršek (Werlsberg).[3] Grundsiedlungseinheiten sind Jáchymov-Radium Palace, Jánský vrch, Klínovec (Elbecken), Mariánská, Můstek (Rauschererb), Nové Město, Panorama, Popov (Pfaffengrün), Suchá, Svornost (Einigkeit) und Vršek.[4]

Das Stadtgebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Jáchymov und Popov u Jáchymova.[5]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boží Dar (Gottesgab) Oberwiesenthal
Abertamy (Abertham) Nachbargemeinden Loučná pod Klínovcem (Böhmisch Wiesenthal)
Merklín (Merkelsgrün) Ostrov (Schlackenwerth) Krásný Les (Schönwald)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über den südlichen Teil des historischen Stadtkerns
Blick über den nördlichen Teil des historischen Stadtkerns
Kirche St. Joachim und St. Anna, erste lutherische Kirche Böhmens
Denkmal für die Opfer der Zwangsarbeit Kreuzweg zur Freiheit

16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1516 wurden beim Ort Conradsgrün, wo ein unbedeutender Bergbau betrieben wurde, große Silbervorkommen entdeckt. Bevor ist um dieses Thal große Wildnis gewesen, darin die Meißner und Schlackenwerther gebaut. An dem Platze, wo jetzt der Predigtstuhl stehet, war ein Wiesenfleck, wo mancher Bär erschossen worden - Am Brodmarkte eine Mühle und wo die beiden Wasser zusammenfließen ein Hammer(-werk). Die Gegend der Wiese hieß Konradsgrün.[6] Daraufhin wurde der Ort 1517 in Anlehnung an die Bergstadt Sankt Annaberg in „Sankt Joachimsthal“ umbenannt. 1518 erschien in Leipzig die erste gedruckte eigene Bergordnung für Sankt Joachimsthal. 1520 erhielten die Grafen Schlick, deren Pfandbesitz Joachimsthal war, das Münzprivileg und Joachimsthal wurde vom böhmischen König Ludwig II. zur freien Bergstadt erhoben. Über der Stadt lag Burg Freudenstein. Die vermutlich erstmals bereits 1519 geschlagenen Joachimstaler gaben später dem Taler und dem Dollar ihren Namen.

Die reiche Ausbeute machte die Grafen Schlick zu einem der reichsten Adelsgeschlechter Böhmens. Seit 1517 hatte Graf Stefan Schlick mit seinen Brüdern das Oberregiment über das „Thal“. Er war, seit der Schlacht von Mohács 1526 vermisst, nominell bis 1528 Herr von Joachimsthal. Nach Stephans Todeserklärung bewirkte der habsburgische neue böhmische König Ferdinand die Rücknahme des unter Vorbehalt des königlichen Regals gewährten Münzprivilegs. Die Schlicks münzten in der Folge nur noch als Verweser im Namen des Königs, der Joachimstaler wurde nach 1528 nicht mehr geprägt.

1533 erreichte der Silberbergbau mit 241.875 Talern seine größte Ausbeute, im folgenden Jahr hatte die Stadt 18.200 Einwohner in 1200 Wohnhäusern und über 900 Bergwerke mit ca. 100 zugehörigen Gebäuden, in denen 9200 Bergleute arbeiteten. Im Zuge dieses schnellen Wachstums war es wiederholt zu Aufständen der Bergleute gekommen, so bereits – mit friedlichem Ausgang – 1517. Ein weiterer folgte 1523. Als es 1525 zu schweren Plünderungen kam, boten die Schlicks 2500 Bewaffnete auf, um die Ordnung wiederherzustellen.

Seit 1523 hatten die Schlicks in Joachimsthal die Reformation eingeführt. Auch im Schmalkaldischen Krieg 1546–1547 standen sie daher auf protestantischer Seite gegen Habsburg, Joachimsthal war zeitweilig von verbündeten sächsischen Truppen besetzt. Nach der kriegsentscheidenden Schlacht bei Mühlberg verloren die Schlicks Joachimsthal an Habsburg.

Für das Jahr 1563 sind die stattlichen Zahlen von 109 Eheschließungen und 396 Kindertaufen vermerkt[7], dann begann mit der zunehmenden Erschöpfung der Silbervorkommen ein Niedergang der Stadt: 1584 waren schließlich nur noch 200 Bergleute im Silberbergbau beschäftigt, die Ausbeute hatte 1579 nur noch 6450 Taler betragen.

17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1621 an erfolgte die Rekatholisierung der Stadt, viele protestantische Bürger und Bergleute wanderten deshalb in das nahegelegene Kurfürstentum Sachsen aus.[8]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert war die Stadt Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und einer Berg- und Hüttenverwaltung. Der hiesige Bergbau wurde teils von staatseigenen, teils von privaten Firmen betrieben. Man gewann neben Silber (1885: 227 Zentner), auch Nickel, Wismut und Pechblende.

Die Förderungen abbauwürdiger Erze waren jedoch rückläufig. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Oberste Montanverwaltung in Wien die Absicht, Gruben und das zugehörige Hüttenwerk im Ort auch weiterhin in Betrieb zu halten, um der hiesigen Bevölkerung Verdienstmöglichkeiten zu sichern. Die Bestrebungen gingen dahin, eine Verwertungsmöglichkeit für die bis dahin nur begleitend abgebaute/anfallende Pechblende zu finden. Im Jahr 1852 wurde der Chemiker und Montanwissenschaftler Adolf Patera beauftragt, Versuche zur Verbesserung bestehender Methoden zur Erzaufbereitung anzustellen und neue Verfahren zu entwickeln. Ein Ergebnis davon war die Möglichkeit der Gewinnung von Uranfarben aus Pechblende.[9]

Patera erkannte, dass Uranverbindungen in der Glas- und Porzellanindustrie finanziell gewinnbringend verwendbar waren. Die Verbesserung des Herstellungsverfahrens durch seine Versuchsergebnisse leitete eine Wende ein und bereits 1853 begann in der Grube Einigkeit der planmäßige Abbau von Uranerz für die Farbenherstellung.[10]

Im Jahr 1856 wurde daraufhin im Hüttenwerk eine Uranfarbenfabrik eingerichtet, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges der staatlichen Montanverwaltung in Wien unterstand. Diese versorgte die weltweite Glas- und Keramikindustrie mit zur Glasfärbung bzw. Bemalung und Beschriftung notwendigen braunschwarzfärbenden Uranverbindungen. Ab dem Jahr 1907 wurden hier aus anfallenden, praktisch uranfreien Laugerzrückständen Radiumverbindungen für wissenschaftliche und medizinische Zwecke hergestellt.[9]

In der k.k. Tabakfabrik waren 1.000 Arbeiterinnen beschäftigt. Daneben gab es Handschuhmacherei, Korkstöpselfabrikation sowie Spitzenklöppelei. Am 31. März 1873 brannte die Stadt fast gänzlich ab.

Am 4. September 1898 gestattete der Kaiser von Österreich der Stadt Joachimsthal, den Titel „Kaiserliche königliche freie Bergstadt Sanct Joachimsthal“ amtlich zu gebrauchen und zu führen, was der Statthalter Karl Graf Coudenhove am 23. September 1898 bekannt gab.[11]

Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte Marie Curie im Joachimsthaler Uranerz das Element Radium, wofür sie später den Nobelpreis erhielt.[12]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Joachimsthal 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens kam Joachimsthal 1938 zusammen mit dem Sudetenland an das Deutsche Reich und gehörte unter dem amtlichen Titel Radiumbad St. Joachimsthal bis 1945 zum Landkreis Sankt Joachimsthal, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

Am 1. Dezember 1930 hatte die Stadt Sankt Joachimsthal 7316 Einwohner (davon 445 Tschechen)[13], am 17. Mai 1939 noch 6388 und am 22. Mai 1947 waren es 6806 Bewohner.

Vertreibung

1945 erfolgte die Vertreibung (Odsun) der Deutschböhmen aus Joachimsthal. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Kirchen enteignet.

Zwangsarbeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das tschechische Bergbauunternehmen Jáchymovské Doly (JD) mit der Erkundung und dem Abbau von Uranerzen in Jáchymov und Umgebung. Zweck war der Urangewinnung für das sowjetische Atombombenprojekt und die entstehende sowjetische Atomindustrie. Als Arbeitskräfte dienten Zwangsarbeiter. Zunächst waren dies deutsche Kriegsgefangene und nichtvertriebene Einwohner, nach dem Februarumsturz von 1948 politische Häftlinge, inhaftiert durch das Regime der KP der Tschechoslowakei, sowie zwangsverpflichtete Zivilarbeiter. Zur Unterbringung dieser Arbeiter wurden im Gebiet mehrere „tschechoslowakische Gulag“.[14] errichtet. Mit knapp 50.000, darunter über 10.000 politischen Häftlingen, erreichten die 18 Lager um 1955 ihre höchste Belegungszahl. Insgesamt durchliefen die Lager rund 100.000 politische Häftlinge und über 250.000 Zwangsverpflichtete. Vermutlich hat etwa die Hälfte von ihnen die Bergarbeit nicht überlebt.[15] 1964 wurde der Uranabbau eingestellt.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgewählte Sachzeugen des Bergbau- und Hüttenwesens im Stadtgebiet und der Umgebung sowie die 1992 erklärte städtische Denkmalschutzzone sind ausgewählte Bestandteile für die vorgesehene Kandidatur zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Sankt Joachimsthal überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1520 05000 [16]
1526 15000 [16]
1533 18000 [16]
1600 03000 [16]
1783 0 k. A. 617 Häuser[17]
1830 04371 in 576 Häusern[18]
1846 04740 deutsche Einwohner in 582 Häusern[19]
1857 05641 am 31. Oktober[20]
1890 07046 in 762 Häusern, davon 7025 Einwohner mit deutscher und zwölf mit tschechischer Umgangssprache (7014 Katholiken, 22 Evangelische, acht Israeliten und zwei Sonstige)[21]
1900 05953 als Gemeinde 7358 deutsche Einwohner.[22]
1913 07545 in 866 Häusern, davon 7463 Einwohner mit deutscher und vier mit tschechischer Umgangssprache[21]
1921 07092 davon 6821 (97 %) Deutsche[23]
1930 07216 davon 445 (6 %) Tschechen[13]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[24]
Jahr 20041 20071 20111 20141
Einwohner 3001 2964 2891 2734
1 1. Januar

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen vor 1564 Wappen der Stadt Jáchymov
Wappen vor 1564
Wappen der Stadt Jáchymov

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtwappen wurde verliehen zu Regensburg von Kaiser Ferdinand am 15. Juli 1546.

„Ein Schild in 4 gleiche Teile geteilt; der obere linke und untere rechte diagonal in 2 Teile geteilt, die unteren gelb oder gold und die oberen rot oder rubin Farb, darinnen erscheint ein Löwe mit doppelter Schwanz und roten ausgeschlagenen Zungen, habend auf seinem Kopf eine gelbe oder goldfarbene königliche Krone. In den zwei anderen Teilen des Schild ganz flab oder Lazurfarb, zwei gespitzte Berg oder Felsen, inzwischen erscheinend eine gelbe Göpel mit einem gespitzen Dach. Im Kreuz des quartierten Schilds des Haus Österreich Schild, im ganzen Schild kreuzweisse 2 Berghammer. Hinter dem Schild, mit ihren Händen haltend, St.Joachim und St.Anna-Bildniss in ihrer Kleidung.“[25]

Heilbad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolorierte Ansicht des Kurbades um die Wende zum 20. Jahrhundert.
Kurhotel Radium Palace

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei der Behandlung von Hautkrankheiten erfolgreich angewandte radioaktive Präparate, führten seitens der Medizin zu einem starken Interesse für Radium, was wiederum verstärktes Interesse an Untersuchungen zur Radioaktivität von Erdboden, Luft, Regen und insbesondere Grund- und Oberflächenwasser nach sich zog. So führte die Erkenntnis, dass der Kurort Bad Gastein stark radioaktives Wasser besitzt, zu einem regelrechten Boom in der Suche nach diesen Wässern. Der Nutzen radioaktiver Bäder verstärkte in der Öffentlichkeit den Glauben an Radium als Rettung von jeglicher Krankheit. Auch die westböhmischen Kurorte, gelegen in einem Gebiet mit starker terrestrischer Strahlung, rückten in den Fokus. Zu Beginn des Januars 1905 wurden die Grubenwässer in Joachimsthal untersucht.[26]

Im März 1906 besuchte der Joachimsthaler Bezirksarzt Gottlieb mit einer Delegation der Stadtverwaltung das zuständige Ackerbau-Ministerium in Wien und trug dort die Forderung nach einer weiterhin kostenlosen Bereitstellung von Grubenwasser für die von ihm angebotenen Bäder vor. Außerdem wurden noch nicht eindeutige Überlegungen über eine Badeeinrichtung, zu realisieren aus seinen eigenen sowie Mitteln der Stadtverwaltung, vorgetragen. Zudem gab es einen weiteren privaten Interessenten der eine Kurbadeanstalt errichten wollte und auch seitens des Ministeriums selbst gab es Überlegungen dazu.[27] Der Kurbetrieb begann schließlich 1906 mit ersten privaten Anstalten, später übernahme der Staat die Hauptrolle.[28]

Es werden hauptsächlich entzündliche Krankheiten des Bewegungsapparates sowie Krankheiten des peripheren Nervensystems behandelt. Dazu gehören u. a.: rheumatische Arthritis, Reiterkrankheit, degenerative Zustände nach Entzündungskrankheiten der Gliedmaßen, Weichteilrheumatismus, Neuralgien und Neuritiden bei rheumatischen Erkrankungen.

Als Heilmittel dienen radonhaltige Grubenwässer aus dem ehemaligen Uranerzbergwerk Důl Svornost (Grube Einigkeit), Naturgas und Moor. Um den Therapieeffekt zu optimieren, werden bestimmte Heilverfahren angewendet: Thermalbäder mit Radongehalt, Curie-Therapie (sog. Joachimsthaler Schachteln), Röntgentherapie, Krankengymnastik, Hydro- und Physiotherapie, Akupunktur und Akupressur.

Für Personen mit akuten Infektionen, Herz- und Atembeschwerden sowie schwer einstellbarem Diabetes mellitus, für schwangere Frauen sowie Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren ist diese Form der Therapie ungeeignet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhaltener Batterieturm (Schlickturm) und Mauerrest der Burg Freudenstein

Der historische Kern Jáchymovs wurde 1992 zur Denkmalschutzzone erklärt. Zu den wertvollsten Baudenkmälern gehören die Allerheiligenkirche aus dem Jahr 1516, die Kirche St. Joachim und St. Anna, die in den Jahren 1534 bis 1540 als erste protestantische Kirche Böhmens errichtet wurde, die Königliche Münze, das 1782–1784 errichtete Rathaus sowie eine Reihe imposanter Bürgerhäuser. Ein Kreuzweg zur Freiheit (Jáchymov) erinnert an die Opfer des kommunistischen Terrors. Hier beginnt ein gut erschlossener 8,5 km langer Lehrpfad mit 12 Stationen zur Geschichte des Uranbergbaus zwischen 1949 und 1964. Westlich des oberen Stadtkerns zeugen noch zwei erhaltene Türme von der Burg Freudenstein, ehemals Residenz- und Verwaltungssitzes der Grafen Schlick.

Ebenfalls westlich des oberen Stadtkerns befindet sich das aufgelassene Silber- und Uranerzbergwerk Grube Einigkeit (tschechisch Důl Svornost). Die Kurbetriebsgesellschaft als Eigentümer und Betreiber ermöglicht in unregelmäßigen Abständen eine Besichtigung.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Joachimsthal (1896)

Von 1896 bis 1957 besaß die Stadt durch die Lokalbahn Schlackenwerth–Joachimsthal einen Bahnanschluss.

Aus dem Weseritztal führt ein Sessellift zum 1244 m hohen Klínovec (Keilberg) hinauf. Außerdem betreibt MHD Jáchymov mit Minibussen den Stadtverkehr.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fiedler, Hornátová, Ježek, Borši u. a.: Jáchymov: město stříbra, rádia a léčivé vody (Jáchymov - Stadt des Silbers, des Radiums und der Heilquellen). Atypo, Praha 2011, ISBN 978-80-902378-1-0 (tschechisch).
  • Jiří Majer: Dolování v Jáchymově 1516–1966 (Der Bergbau in Sankt Joachimsthal von 1516 bis 1966). Národní technické Muzeum, Prag, 1967 (tschechisch).
  • Johannes Mathesius: Sarepta oder Bergpostill/ Sampt der Joachimßthalischen kurtzen Chroniken […]. Nürnberg 1564 (auch Nürnberg 1562 und verschiedene spätere Auflagen); darin ab Bl. LI: Chronika der Keyserlichen freyen Bergkstadt Sanct Joachimsthal der (so!) zuvor die Conradsgrün genent war / MDLXII; Die detaillierte Chronik wurde in einer der zahlreichen späteren erweiterten Auflagen der Sarepta (z. B. Leipzig 1618 und 1621) bis an die Schwelle des Dreißigjährigen Krieges weitergeführt! (Digitalisat Nürnberg 1562).
  • Karl Anton Rösler, Johann Mayer: Bergmännische Nachrichten über die Gebirge und den Bergbau zu Joachimsthal: Nebst einigen Nachrichten über die Gebirge auf der Straße von Prag bis Joachimsthal. Walther, Dresden 1792 (Digitalisat)
  • Hanns Rudthart: Vonn dem Weytberuffenem Berckwerg Sanct Joachimsthall. Leipzig 1523 (Digitalisat).
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jáchymov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/555215/Jachymov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/555215/Obec-Jachymov
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/555215/Obec-Jachymov
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/555215/Obec-Jachymov
  6. Bericht des Pastors Johannes Mathesius (1504-1565) in Umrisse einer Geschichte der böhmischen Bergwerke, Kaspar Maria Graf v. Sternberg, Verlag Haase, Prag 1837, S. 317
  7. Johannes Mathesius: Berg-Postilla oder Sarepta darinnen von allerley Bergwerk und Metallen/ … sampt dem Chronico der Freyen Bergstadt in S. Joachimsthal/ … (Jahr 1548). Zacharias Beckern, Freyberg 1679 (slub-dresden.de).
  8. Lukáš M. Vytlačil: Příběh renesančního Jáchymova [The Story of renaissance Jáchymov]; Evangelicus 2017, Praha 2016, s. 42-45. (on-line)
  9. a b Ernest A. Kolbe: Adolf Patera und seine Arbeiten, betreffend die werksmäßige Gewinnung von Uranverbindungen aus Pechblende in St. Joachimsthal im böhmischen Erzgebirge vor 100 Jahren. In: Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien – Forschungsinstitut für Technikgeschichte (Hrsg.): Blätter für Technikgeschichte. Neunzehntes Heft. Springer Verlag, Wien 1957, S. 73–76 (Digitalisat [abgerufen am 19. Juli 2018]).
  10. Irena Seidlerová, Jan Seidler: Jáchymover Uranerz und Radioaktivitätsforschung um die Wende des 19./20. Jahrhunderts. Hrsg.: Rudolf Holze. Universitätsverlag Chemnitz, Chemnitz 2010, ISBN 978-3-941003-22-4, S. 13–14, urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa-62259.
  11. Landes-Gesetzblatt für das Königreich Böhmen 1898, S. 100
  12. Joseph Braunbeck, Der strahlende Doppeladler: Nukleares aus Österreich-Ungarn
  13. a b Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 386. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  14. Rainer Karlsch, Zbyněk A. Zeman: Urangeheimnisse. Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933–1960, Links, Berlin 2002, S. 119 ISBN 978-3-86153-276-7.
  15. Schätzung, vgl. Otfrid Pustejovsky: Stalins Bombe und die „Hölle von Joachimsthal“. Uranbergbau und Zwangsarbeit in der Tschechoslowakei nach 1945 (= Geschichte; Bd. 87), LIT Verlag, Berlin, Münster, Wien, Zürich, London 2009, S. 442 ISBN 978-3-8258-1766-4
  16. a b c d Beschreibung der Stadt Sankt Joachimsthal. Abgerufen am 14. März 2018.
  17. Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 2: Ellbogner Kreis, Prag 1785, S. 81–92.
  18. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831,S. 199, Ziffer 2).
  19. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis, Prag 1847, S. 111.
  20. Statistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 40, linke Spalte.
  21. a b Genealogie-Netz Sudetenland
  22. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 10, Leipzig und Wien 1907, S. 258, Ziffer 1).
  23. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Seite 497. Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. ISBN 3-925362-47-9
  24. Počty obyvatel v obcích (2001–2013). Ministerstvo vnitra České republiky, 2015, abgerufen am 8. Januar 2016 (tschechisch).
  25. Dorothea Selig: Beschreibung der Stadt Sankt Joachimsthal (č. Jáchymov). Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher e.V., abgerufen am 15. April 2015.
  26. Irena Seidlerová, Jan Seidler: Jáchymover Uranerz und Radioaktivitätsforschung um die Wende des 19./20. Jahrhunderts. .. Hrsg.: Rudolf Holze. S. 76–77, 100.
  27. Irena Seidlerová, Jan Seidler: Jáchymover Uranerz und Radioaktivitätsforschung um die Wende des 19./20. Jahrhunderts. .. Hrsg.: Rudolf Holze. S. 110–112.
  28. Léčebné lázně Jáchymov a.s.: Die Geschichte des Bades Joachimsthal, abgerufen am 3. April 2016.