Jára Cimrman

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Büste des fiktiven Jára Cimrman
Gedenktafel am Haus Nr. 21 in Ferdinandov, wo Cimrman 1914 "letztmals gesichtet werden sollte"

Jára (da) Cimrman ist eine Kunstfigur und als solche Hauptfigur des Theaters Divadlo Járy Cimrmana (Jára-Cimrman-Theater), das sich seinem Leben und Werk widmet.

Über die fiktive Person[Bearbeiten]

Die Figur tauchte das erste Mal im Jahre 1966 in einem Radioprogramm auf und entwickelte sich während des Sozialismus auch zum Objekt stillen Widerstands und einer Projektionsfläche für damals nicht realisierbare Möglichkeiten der freien Gestaltung des eigenen Lebens. Cimerman wurde dadurch zu einem „virtuellen“ Nationalhelden, dessen ebenfalls virtuelle Existenz von zahlreichen Personen und Medien über die Jahre durch Berichte über fiktive Ereignisse aus seinem Leben immer weitergepflegt und -entwickelt wurde.

Hauptautoren und Hauptdarsteller der im Theater aufgeführten Stücke sind Zdeněk Svěrák, Ladislav Smoljak und (in den ersten Jahren) Jiří Šebánek. Sie geben vor, Cimrman wissenschaftlich zu erforschen und ihr Publikum mit ihren jeweiligen neuen Erkenntnissen vertraut zu machen.

Das Theater entstand 1966 aus einem Radioprogramm, der „Alkoholfreien Weinstube zur Spinne“ („Nealkoholická vinárna U Pavouka“, Erstsendung 23. Dezember 1966), der ersten Premiere „Akt“ folgten in den nächsten 30 Jahren 14 weitere Stücke.

Die wichtigsten Charakteristika dieses Theaters sind neben der typischen Form (die Vorstellung ist in ein pseudo-wissenschaftliches Seminar und ein angeblich von Cimrman geschriebenes Stück geteilt) auch der Einsatz von „Nicht-Schauspielern“ und Mystifizierung (Vortäuschung der Existenz Cimrmans). Es zeichnet sich durch stark parodistische Elemente aus.

Alle Vorstellungen haben ein Thema: die Erkundung des Werks Cimrmans. Die Schauspieler geben Wissenschaftler – Cimrmanologen –, die in jedem Stück (im Seminarteil) neue Funde und Entdeckungen präsentieren und im Anschluss ein Stück aus der Hand des „Meisters“ aufführen. Die Vorstellungen sind in der Regel lange vorher ausverkauft. Obwohl den Tschechen durchaus bewusst ist, dass Cimrman nie existiert hat, betreiben sie die Mystifizierung, mit denen die Cimrmanologen begonnen haben, mit sehr viel Elan.

Bedeutung[Bearbeiten]

Cimrmans Denkmal bei der Zughaltestelle Kaproun, als Erinnerung an den Ausschluss des Meisters aus dem Zugverkehr

Als das Tschechische Fernsehen 2005 eine Umfrage „Der größte Tscheche“ in Tschechien organisierte, ging Jára Cimrman möglicherweise sogar in Führung und übertraf somit Persönlichkeiten wie den Heiligen Wenzel, Karl IV., Jan Hus, Comenius oder Václav Havel. Er wurde aber nach einer Besprechung mit dem Lizenz-Eigentümer BBC vom Wettbewerb als fiktive Persönlichkeit ausgeschlossen, was von etlichen Tschechen als empörend empfunden wurde. Die Anzahl der für Cimrman abgegebenen Stimmen wurde nicht veröffentlicht.

Nach Jara Cimrman sind in Tschechien einige Straßen benannt. Außerdem trägt ein 1996 von einem tschechischen Astronomen entdeckter Asteroid den Namen Járacimrman.

Statistik 1967–2007[Bearbeiten]

Zwischen 1967 und 2007 gab es fast 11.000 Aufführungen, dies entspricht durchschnittliche 275 Vorstellungen pro Jahr. Die Vorstellungen sind oft bis zu zwei Monate im Voraus ausverkauft. Außerdem wurden fast eine Million Schallplatten, Audiokassetten und CDs verkauft. [1]

Theaterstücke um Jára Cimrman[Bearbeiten]

(Die offiziell genannten Autoren sind - der fiktive - Jára Cimrman, Zdeněk Svěrák und Ladislav Smoljak)

  1. Akt: Rodinné drama se zpěvy a tanci (Akt: Familiendrama mit Gesang und Tanz; Premiere: 4. Oktober 1967)
  2. Vyšetřování ztráty třídní knihy (Untersuchung über das Verschwinden des Klassenbuches; Premiere: 4. Oktober 1967)
  3. Hospoda na mýtince (Die Gaststätte auf der Lichtung; Premiere: 17. April 1969)
  4. Vražda v salonním coupé (Mord im Salon-Coupé; Premiere: 14. Mai 1970)
  5. Němý Bobeš aneb Český Tarzan (Der stumme Bobeš oder der Tschechische Tarzan; Premiere: 24. November 1971)
  6. Cimrman v říši hudby (Cimrman im Reich der Musik; Premiere: 3. Mai 1973)
  7. Dlouhý, Široký a Krátkozraký: Pohádka, která u dětí propadla (Der Lange, der Breite und der Kurzsichtige: Ein Märchen, das bei den Kindern durchfiel; Premiere: 17. Oktober 1974)
  8. Posel z Liptákova (Der Bote aus Liptákov; Premiere: 20. April 1977)
  9. Lijavec: Hra s opravdovým deštěm (Der Sturzregen: Ein Stück mit echtem Regen; Premiere: 22. Januar 1982)
  10. Dobytí severního pólu Čechem Karlem Němcem 5. dubna 1909 (Die Eroberung des Nordpols durch den Tschechen Karl Deutscher; Premiere: 25. Oktober 1985)
  11. Blaník: Jevištní podoba historického mýtu (Blaník: Die Bühnenform des historischen Mythos; Premiere: 16. Mai 1990)
  12. Záskok: Cimrmanova hra o nešťastné premiéře hry Vlasta (Die Vertretung: Cimrmans Stück über die unglückliche Premiere des Stücks Vlasta; Premiere: 27. März 1994)
  13. Švestka: Jevištní sklerotikon (Der Zwetschgenbaum: Ein Bühnensklerotikon; Premiere: 14. November 1997)
  14. Afrika: Češi mezi lidožravci (Afrika: Tschechen unter Menschenfressern; Premiere: 4. Oktober 2002)
  15. České nebe: Cimrmanův dramatický kšaft (Der Tschechische Himmel 30. Oktober 2008)

Weblinks[Bearbeiten]

  • www.zizkovskedivadlo-jc.cz – Offizielle Seite des Theaters (auf Tschechisch)
  • www.cimrman.at – Cimrmanův zpravodaj (Cimrmans-Nachrichten, auf Tschechisch)
  • [1] - Blogspot (und Buchveröffentlichung) (auf Tschechisch) „Jine pravo“, nach der Cimrman eigentlich eine Frau gewesen sein soll.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiky DJC 1967-2007, in Týden, Heft 40/2007. S. 16