jö Bonus Club

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Unser Ö-Bonus Club GmbH

Logo
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Gründung 2019
Sitz Wiener Neudorf, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung
  • Ulrike Kittinger
  • Mario Günther Rauch
Branche Kundenbindungsprogramme
Website www.joe-club.at

Der jö Bonus Club (auch kurz Jö Club oder Ö-Bonus Club genannt) ist ein österreichisches Kundenbindungsprogramm.[1] Es wurde im Jahr 2019 von der REWE, OMV und anderen ins Leben gerufen.[2] Bei jedem Einkauf bei Partnerunternehmen werden Punkte gesammelt, die in verschiedene Prämien umgewandelt oder gespendet werden können.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmeldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Teilnahme am jö Bonus Club ist kostenlos. Zur Anmeldung sind alle natürlichen Personen ab einem Alter von 16 Jahren berechtigt. Voraussetzung ist ein Hauptwohnsitz in einem Land des Europäischen Wirtschaftsraums oder in der Schweiz. Die Registrierung kann über digitale Stationen in ausgewählten Filialen, auf der Website des Programms oder in der jö-App auf dem Smartphone oder Tablet erfolgen.[3]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jö Bonus Club ist mit anderen Kundenbindungsprogrammen wie Payback vergleichbar:[4] Durch das Vorzeigen der jö-Karte oder jö-App bei Einkäufen in teilnehmenden Geschäften werden Punkte („Ös“) gesammelt, die Kunden später in Prämien desselben oder eines anderen beteiligten Partnerunternehmens umwandeln können.[2]

Derzeit sind 100 Punkte an der Kassa einen Euro wert. Zu den Prämien zählen ferner verschiedene „Vorteile und Aktionen“,[2] etwa Rabatte auf ausgewählte Produkte oder andere Vergünstigungen in der sogenannten „Bonuswelt“. Außerdem können Konsumenten ihre gesammelten Punkte an karitative Organisationen spenden.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer repräsentativen Untersuchung stellte REWE International fest, dass Österreicher im Durchschnitt mehr als ein Dutzend Kundenkarten besitzen.[6][7] Dies betraf auch die historisch gewachsenen Angebote von REWE-Vertriebslinien wie Adeg, Billa, Bipa, Merkur und Penny, die untereinander nicht kompatibel waren.[8][9] Um das Angebot zu vereinfachen und Rabatte zu kanalisieren,[10] kündigte REWE im Februar 2019 die Gründung eines gemeinsamen Systems namens jö Bonus Club an.[11] Dies wurde als Angriff auf Payback eingestuft.[12][13]

Start des Klubs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der offizielle Start des Kundenbindungsprogramms erfolgte im Mai 2019.[14] Es war von Beginn an offen für weitere Partner. Neben teilnehmenden Kaufleuten der REWE-Vertriebslinien zählten dazu auch die Einzelhandelsunternehmen Libro und Pagro Diskont sowie die BAWAG P.S.K., das Möbelhaus Interio und die OMV-Tankstellen.[15] Später kamen unter anderem die Zgonc-Fachmärkte hinzu. Innerhalb eines Monats registrierten sich zwei Millionen Nutzer,[16] nach vier Monaten war die Marke von drei Millionen Mitgliedern überschritten.[5] Die parallel zur Kundenkarte eingeführte Smartphone-App hat etwa jedes zweite Mitglied installiert.[17]

Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtsform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der jö Bonus Club wird von der „Unser Ö-Bonus Club GmbH“ mit Sitz in Wiener Neudorf betrieben. Diese wurde bereits 2017 ins Leben gerufen.[18] Es handelt sich um ein selbstständiges Unternehmen in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Ihr Gegenstand umfasst den Betrieb und die Durchführung eines Multipartner-Kundenbindungsprogramms.

Gesellschafter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammkapital beträgt derzeit 40.000 Euro. Es wurde vollständig von einer Tochtergesellschaft der REWE International übernommen. Das Unternehmen befindet sich daher mittelbar im Besitz der Kölner REWE Group und wird im Konzernabschluss konsolidiert.

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschäftsführung haben Ulrike Kittinger und Mario Günther Rauch übernommen.[19] Sie vertreten die Gesellschaft gemeinschaftlich.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Start des jö Bonus Club regte sich Kritik.[20] Es wurde insbesondere vor einer leichtfertigen Weitergabe von Daten gewarnt.[4] Die versprochenen Rabatte stünden in keinem sinnvollen Verhältnis zur Preisgabe des Einkaufsverhaltens.[21] Konsumentenschützer sahen die Vorteile stattdessen eher aufseiten der beteiligten Handelsunternehmen,[22] die ihre Kunden so besser kennenlernen und entsprechende Angebote entwickeln können.[23]

2019 erhielt der jö Bonus Club den Big Brother Award in der Kategorie „Kommunikation und Marketing“.[24] Nach Ansicht der Jury ermögliche die Zusammenführung aller Einkäufe ein weitreichendes Profiling.[25] Für Kunden werde es schwieriger, bei einem Handelsunternehmen einzukaufen, das nicht am Programm beteiligt sei.[26] Kurz nach der Verleihung des Negativpreises riet der Verein für Konsumenteninformation (VKI) zur Abmeldung vom jö Bonus Club.[27] Der Verein hatte zahlreiche Beschwerden verärgerter Mitglieder erhalten.[28][29]

Als Reaktion argumentierten Vertreter des jö Bonus Club, die Entscheidung über den Einsatz der Kundenkarte ermögliche eine aktive Kontrolle der Weitergabe von Daten.[30] Ferner können Kunden jederzeit selbst einstellen, ob sie dem Profiling zustimmen oder nicht.[31] Nach Ansicht von Branchenexperten ist die Sammlung von Daten nicht mit dem Verhalten US-amerikanischer Technologiekonzerne vergleichbar.[7]

Lieferanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik am jö Bonus Club kam auch aus der Industrie.[32] Lieferanten befürchteten eine schlechtere Behandlung, wenn sie sich im Unterschied zu Konkurrenten nicht an der Finanzierung des Kundenbindungsprogramms beteiligen, etwa durch den Kauf aggregierter Daten für Marktforschung und Kundenbindung.[33] Mehrere Verbände sahen dadurch das Vertrauensverhältnis zu REWE ernsthaft gestört.[34] Vertreter des Unternehmens wiesen die Vorwürfe zurück und erklärten, man habe auch bei Kooperationen mit Lieferanten das Wohl der Kunden im Blick.[35]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Neuer Bonus-Club im Handel. In: Kronen Zeitung. 1. Februar 2019, S. 4.
  2. a b c REWE, OMV und Co. starten „jö Bonus Club“. In: Der Standard. 1. Februar 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  3. Fragen und Antworten zur Neuanmeldung. jö Bonus Club, abgerufen am 23. Januar 2020.
  4. a b Bettina Pfluger: Verführung à la card. In: Der Standard. 5. Februar 2019, S. 15.
  5. a b Jö, so viel Interesse! In: Vorarlberger Nachrichten. 25. Juli 2019.
  6. Regina Reitsamer, Helmut Kretzl: Das große Sammeln. In: Salzburger Nachrichten. 2. Februar 2019, S. 15.
  7. a b Regina Reitsamer: Nicht ohne meine Kundenkarte. In: Salzburger Nachrichten. 3. August 2019, S. 33.
  8. Simone Hoepke: Billa-Mutter mischt die Karten neu. In: Kurier. 2. Mai 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  9. Billa-Gruppe startet neue Kundenkarte. In: Kronen Zeitung. 2. Mai 2019, S. 4.
  10. Eine Karte für alle, alle für eine Karte. In: Kurier. 9. Februar 2019, S. 32.
  11. REWE startet einen neuen Kundenklub. In: Kleine Zeitung. 2. Februar 2019, S. 31.
  12. „jö Bonus Club“ greift Payback an. In: Tiroler Tageszeitung. 2. Februar 2019, S. 23.
  13. Hannes Gaisch-Faustmann: Das Duell um treue Kunden spitzt sich zu. In: Kleine Zeitung. 2. Februar 2019, S. 22/23.
  14. Start für den jö Bonus Club von REWE & Partnern. In: Handelszeitung. 2. Mai 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  15. Nataša Nikolić: REWE startet neuen „jö Bonus Club“. In: Cash. 1. Februar 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  16. REWE-Bonusclub „Jö“ vermeldet zwei Millionen Anmeldungen. In: Horizont. 21. Mai 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  17. Shoppen mit dem Handy. In: Kronen Zeitung. 21. September 2019, S. 49.
  18. REWE gründet eigene Gesellschaft für Analytik & CRM. In: Handelszeitung. 27. November 2017, abgerufen am 23. Januar 2020.
  19. Neuer Kundenclub für die REWE Group. In: Horizont. 1. Februar 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  20. jö Bonus Club: Verärgerte Kunden, massive Datenschutzbedenken, und doch sind alle dabei. In: Der Standard. 14. Oktober 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  21. Beate Troger: Karten durchleuchten Kunden. In: Tiroler Tageszeitung. 24. Mai 2019, S. 27.
  22. Verena Kainrath: Bonus ohne Malus? In: Der Standard. 3. Mai 2019, S. 20.
  23. Regina Bruckner: Die Mühen der digitalen Ebene. In: Der Standard. 25. Mai 2019, S. 28.
  24. Jö und Post erhielten Big Brother Awards. ORF, 25. Oktober 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  25. Barbara Wimmer: Big Brother Awards an jö Bonus Club und die Post. In: futurezone. 25. Oktober 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  26. Datensammelwahn: jö Bonus Club erhält Negativpreis Big Brother Award. In: Der Standard. 26. Oktober 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  27. jö Bonus Club jetzt kündigen, raten Konsumentenschützer. In: futurezone. 16. September 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  28. Paul Urban Blaha: Ärger bei Jö-Bonus-Club-Mitgliedern. ORF, 23. Oktober 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.
  29. Big Brother Award an jö Bonus Club. In: Kurier. 26. Oktober 2019, S. 38.
  30. Kundenkarten als Datensammler. In: YouTube. ORF, 23. Mai 2019, abgerufen am 29. Januar 2020.
  31. Datenschutzerklärung. jö Bonus Club, abgerufen am 23. Januar 2020.
  32. Kritik an Jö-Kundenkarte. In: Oberösterreichisches Volksblatt. 31. Juli 2019.
  33. Lukas Matzinger: Wem bietet der jö Bonus Club unsere Daten an, Frau Schurin? In: Falter. 31. Juli 2019, S. 10.
  34. „Jö“-Karte empört Lieferanten. In: Tiroler Tageszeitung. 31. Juli 2019, S. 19.
  35. Nataša Nikolić: „Wir sind kein Pricing-Tool.“ In: Cash. 11. Juni 2019, abgerufen am 23. Januar 2020.