Jörg Alt

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Jörg Alt, um 2010.

Jörg Alt SJ (geboren am 15. Oktober 1961 in Saarbrücken) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler, Sozialethiker und Hochschulseelsorger. Alt wurde bekannt durch seine sozialethischen Forschungsarbeiten und Publikationen sowie durch sein gesellschaftspolitisches Engagement in Kampagnen mit den Themenschwerpunkten Migration, Globalisierung und Armutsbekämpfung.

Pater Alt ist seit 1981 Mitglied des Jesuitenordens und empfing 1993 die Priesterweihe.

Akademische Ausbildung und Tätigkeiten bis 2003[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium in Frankenthal 1981 studierte Alt von 1983 bis 1985 an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München ein Grundstudium der Philosophie, abgeschlossen mit dem Bakkalaureat.[1] Nach Mitarbeit in einer Beratungsstelle für Asylbewerber der Caritas in Würzburg folgte von 1988 bis 1991 ein Grundstudium der Theologie am Heythrop College der Jesuiten an der University of London, abgeschlossen mit dem Bachelor of Divinity (BD). Danach war Alt als Kaplan in Leipzig tätig.

Von 1994 bis 1997 arbeitete er als Koordinator für den Bundesdeutschen Initiativkreis für das Verbot von Landminen, eine Teilgliederung der International Campaign to Ban Landmines. Er beendete diese Tätigkeit nach den ersten wichtigen Durchbrüchen: Dem Verbot von Anti-Personenminen durch die Bundeswehr, der Verbotskonvention von Ottawa[2] und der Vergabe des Friedensnobelpreises 1997 an die International Campaign to Ban Landmines.[3]

Anschließend verfolgte Alt seine Studienziele weiter, zunächst ab 1998 mit dem Hauptstudium der Philosophie, erneut an der Hochschule für Philosophie in München, 2001 abgeschlossen mit dem Magister Artium (M.A.) in Sozialethik. 2003 erfolgte die Promotion im Fachbereich Soziologie an der Berliner Humboldt Universität zum Thema Illegale Einwanderung und illegaler Aufenthalt von Migranten; seine Dissertationsschrift Leben in der Schattenwelt wurde 2004 mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien ausgezeichnet.

Tätigkeiten seit 2003[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004/2005 war Alt Geschäftsführer des Katholischen Forums Leben in der Illegalität in Berlin. Dort koordinierte er das Manifest illegale Zuwanderung,[4] welches von über 400 prominenten Vertretern aus Politik, Justiz, Verbänden und Wissenschaft unterzeichnet wurde und einen neuen Umgang mit dem Tabuthema der aufenthaltsrechtlichen Illegalität in Deutschland forderte. Vera Gaserow bezeichnete dieses breite Bündnis am 3. März 2005 in der Frankfurter Rundschau als „fast ein Wunder“ und „in Deutschland ein historisches Novum“, weil es bisher „selbst bei weniger prekären ausländerpolitischen Themen kaum gelungen (war), so viele prominente Namen zusammenzubringen“.[5]

Nach seiner Rückkehr von einem längeren Auslandsaufenthalt in Belize und den USA ist Alt seit 2009 in Nürnberg als Hochschulseelsorger bei der Katholischen Hochschulgemeinde und als Mitarbeiter der Jesuitenmission tätig. Von dort aus initiierte und koordinierte er die Kampagne „Steuer gegen Armut: Finanztransaktionssteuer“,[6] ein Zusammenschluss aus 101 (Stand August 2017) Banken, kirchlichen, gewerkschaftliche und entwicklungspolitischen Organisationen, Parteien sowie Wissenschaftlern. Die am 6. November 2009 eingereichte Online-Petition beim Deutschen Bundestag[7] wurde innerhalb kurzer Zeit von mehr als 60000 Bürgerinnen und Bürgern mitgezeichnet und verschaffte dem Anliegen bundespolitische Bekanntheit. In Reaktion auf dieses Engagement wurde Alt 2010 in einem Porträt des Tagesspiegel als „einer der erfolgreichsten politischen Aktivisten der Republik“ charakterisiert.[8]

Seit März 2012 arbeitet Alt verstärkt zu den Themenbereichen Globalisierung und Gerechtigkeit, Migration, Afrika sowie Katholische Soziallehre. Von 2013 bis 2016 war sein Arbeitsschwerpunkt die länderübergreifende Studie Tax Justice and Poverty.[9]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wir verschenken Milliarden. Erkenntnisse des Forschungsprojekts „Steuergerechtigkeit und Armut“. Echter Verlag, Würzburg 2016, ISBN 978-3-429-03961-5.
  • als Hrsg. mit Patrick Zoll: Wer hat, dem wird gegeben? Besteuerung von Reichtum: Argumente, Probleme, Alternativen. Echter Verlag, Würzburg 2016, ISBN 978-3-429-03913-4.
  • als Hrsg. mit Klaus Väthröder: Arme Kirche – Kirche für die Armen: Ein Widerspruch? Echter Verlag, Würzburg 2014, ISBN 978-3-429-03685-0.
  • als Hrsg.: Entweltlichung oder Einmischung – wie viel Kirche verträgt Gesellschaft? Echter Verlag, Würzburg 2013, ISBN 978-3-429-03579-2.
  • als Hrsg. mit Samuel Drempetic: Wohlstand anders denken – Lehren aus den aktuellen Weltkrisen. Echter Verlag, Würzburg 2012, ISBN 978-3-429-03473-3.
  • Globalisierung – illegale Migration – Armutsbekämpfung: Analyse eines komplexen Phänomens. Loeper, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-86059-524-4.
  • als Hrsg. mit Michael Bommes: Illegalität: Grenzen und Möglichkeiten der Migrationspolitik. Verlag für Sozialwissenschaft, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14834-6 (Inhaltsverzeichnis (PDF)).
  • Leben in der Schattenwelt – Problemkomplex „illegale“ Migration. Neue Erkenntnisse zur Lebenssituation ‚illegaler‘ Migranten in München und anderen Städten Deutschlands. Loeper, Karlsruhe 2003, ISBN 3-86059-499-0.
  • mit Ralf Fodor: Rechtlos? – Menschen ohne Papiere: Anregungen für eine Positionsbestimmung. Loeper, Karlsruhe 2001, ISBN 3-86059-498-2.
  • Illegal in Deutschland – Forschungsprojekt zur Lebenssituation illegaler Migranten. Loeper, Karlsruhe 1999, ISBN 3-86059-486-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Ausführungen zur Biografie Alts in diesem Artikel folgen den tabellarischen Angaben auf der Webpräsenz des Publizisten: Zur Person; abgerufen 2. August 2017.
  2. Bestimmungen und Ratifizierungsstand der Ottawa-Konvention zum Verbot von Anti-Personenminen; abgerufen 2. August 2017.
  3. nobelprize.org: The Nobel Peace Prize 1997; abgerufen 2. August 2017.
  4. Manifest illegale Zuwanderung (PDF); abgerufen 2. August 2017.
  5. Vera Gaserow: Nur ein kleinster gemeinsamer Nenner (PDF, erreichbar über Webpräsenz Jörg Alt). In: Frankfurter Rundschau, 3. März 2005; abgerufen 2. August 2017.
  6. Steuer gegen Armut: Die Finanztransaktionssteuer (FTS); abgerufen 2. August 2017.
  7. Petition 8236, Steuerpolitik - Einführung einer Finanztransaktionsteuer vom 06.11.2009; abgerufen 2. August 2017.
  8. Harald Schumann: Krumme Wege und gerade Schritte. Der Tagesspiegel 26. März 2010 (PDF, abrufbar über die Webpräsenz der Kath. Hochschulgem. Nürnberg; s. ebenso Webpräsenz Alt); abgerufen 2. August 2017.
  9. Tax Justice and Poverty; abgerufen 2. August 2017.