Jörg Bong

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Jörg Bong (* 17. Februar 1966[1] in Bad Godesberg) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Lektor, Verleger, Herausgeber, Autor, Publizist und Fotograf. Zuletzt – bis Juni 2019 – war er Verlegerischer Geschäftsführer der S. Fischer Verlage, zu denen neben dem S. Fischer Verlag zudem der Fischer Taschenbuch Verlag sowie die Verlage Scherz, Krüger, FJB und die Kinder- und Jugendbuchverlage KJB, Duden, Sauerländer und Meyers gehören. Dem Fischer Verlag bleibt er als einer der Kuratoren der S. Fischer Stiftung verbunden. Seit Juli 2019 arbeitet er als freier Autor und Publizist in Frankfurt am Main und in der Bretagne.[2][3][4] Unter dem Künstlernamen Jean-Luc Bannalec verfasst er seit 2012 Kriminalromane um die von ihm erfundene Figur des Kommissar Dupin – für die er mehrere Ehrungen erhielt –, die in der Bretagne spielen, in 14 Sprachen übersetzt und allesamt für die ARD verfilmt wurden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bong studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte und Psychoanalyse an der Universität Bonn und der Universität Frankfurt am Main. Er war studentischer Mitarbeiter bei Norbert Altenhofer, dann wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Volker Bohn und Silvia Bovenschen. Er promovierte in Frankfurt über den Begriff der Phantasie und ästhetische Fragen zwischen Spätaufklärung und Frühromantik, vor allem im Werk von Ludwig Tieck. Von 1992 bis 1996 betreute er die Frankfurter Poetik-Vorlesungen. 1995 und 1996 war Bong Projektleiter des Aufbaustudiengangs Buch- und Medienpraxis der Universität Frankfurt a. M. Ab 1996 war er freier Mitarbeiter des Kritischen Lexikons zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und von text + kritik, herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold.

Über 22 Jahre, seit 1997, war Bong für den S. Fischer Verlag tätig, zunächst als Assistenz der Inhaberin und Verlegerin Monika Schoeller, dann als Lektor für die deutschsprachige Literatur, später Programmleiter. 2002 wurde er Programmgeschäftsführer des S. Fischer Verlages, seit 2008 sämtlicher S. Fischer Verlage. 2014 bis Juni 2019 fungierte er als verlegerischer Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung. Bong war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. In der Zeit von Bongs Programmverantwortung wurden unter anderem die Reihen „Fischer Klassik“, „Fischer Wissenschaft“, „Fischer Geschichte“, „Fischer Jugendbuch“ (FJB) und „Fischer Taschenbibliothek“ gegründet.

In den Jahren 2008 bis 2010 gehörte Bong der Jury der „Kulturstiftung des Bundes“ an.

Vom Oktober bis Dezember 2018 zeigte die Frankfurter Heussenstamm-Galerie in einer Einzelausstellung eine Auswahl von 22 seiner Fotografien.[5] Im Oktober 2019 erscheint ein Fotoband mit 112 Bretagne-Fotografien (Kiepenheuer & Witsch).

Im August 2016 erhielt Bong die Auszeichnung „Mäzen der Bretagne“ – verliehen im Namen des Conseil régional de Bretagne, überreicht von Anne Gallo und gezeichnet von Jean-Yves Le Drian – für seine Verdienste um die Vermittlung der Bretagne: „Le diplôme vise à rendre hommage, à travers le titre de « Mécène de Bretagne », aux femmes et aux hommes qui contribuent dans le cadre de leurs activités au rayonnement culturel, touristique et économique de la Bretagne dans le monde.“[6] Im Dezember 2018 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der Literarischen Akademie der Bretagne und Pays de Loire verliehen („Membre d`honneur de l`Académie littéraire de Bretagne et des Pays de la Loire“). Zudem erhielt er die „médaille de la ville“ de Nantes.[7] Im Juli 2019 wurde er Ehrenmitglied der Assoziation bretonischer Kriminalautoren aus dem Finistère „L'Assassin Habite Dans Le 29“.

Bong lebt in Frankfurt am Main und im südlichen Finistère, Bretagne.

Sein Künstlername Jean-Luc Bannalec[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen Jean-Luc Bannalec veröffentlichte Bong seit 2012 acht Kriminalromane.[8] Im Mittelpunkt der Geschichten steht der aus Paris in die Bretagne strafversetzte Kommissar Georges Dupin.

Sämtliche Bücher standen über viele Monate auf den obersten Plätzen der Bestseller-Liste des Magazins Der Spiegel.[9] Die Auflage seiner Bücher liegt im deutschsprachigen Raum zusammen bei rund 3,5 Millionen Exemplaren. Mittlerweile wurden die Bücher in 14 Sprachen übersetzt. In Frankreich erscheinen die Krimis bei Presses de la Cité und Livre de poche.[10]

Alle Romane wurden für Das Erste (ARD) verfilmt (Produktion Mathias Lösel und Iris Kiefer, filmpool fiction) und im Rahmen der Reihe Donnerstagskrimi unter dem Titel Kommissar Dupin ausgestrahlt.[11] Die Filme erreichten bei ihren jeweiligen Erstausstrahlungen bis zu 5 Mio. Zuschauer und erzielten Marktanteile von bis zu 15 %.[12] In Frankreich wurde die Reihe im Sommer 2018 sonntagabends auf France 3 gezeigt und ebenso ein großer Publikumserfolg – bis zu 3,5 Millionen Zuschauer folgten den jeweiligen Ausstrahlungen, was Marktanteilen von durchschnittlich 15 % entsprach.[13] Die Reihe wurde ebenso mit großem Erfolg in Italien auf RAI 2 ausgestrahlt, sowie in Spanien auf TVE; außerdem in der Schweiz, in Österreich sowie einigen osteuropäischen Ländern. Weitere internationale Ausstrahlungen sind erfolgt oder stehen bevor, u. a. in den USA.

Im Juni 2014 zeigte das ZDF einen Bericht über die Schauplätze der ersten beiden Bände auf den Spuren des Autors Jean-Luc Bannalecs: Küsten, Künstler, Kommissare. Auf den Spuren von Commissaire Dupin im Finistère.[14]

Im Oktober 2017 lief auf ARTE eine Reportage über die Krimireihe: „Mordsidyll – In der Bretagne mit Jean-Luc Bannalec“.[15]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter eigenem Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  •  Mitherausgeber der Kulturzeitschrift „Die Neue Rundschau“, S. Fischer Verlag, 2007 bis 2019, gegründet 1890. ·      
  • Vorwort zu Simenon, Tout Maigret, Tome 9 (Maigret hésite – L’ami d’enfance de Maigret – Maigret et le tueur – Maigret et le marchand de vin und andere). Omnibus, Paris 2019.
  • „90 ans de Maigret“, ein Podiumsgespräch zusammen mit John Simenon und dem Simenon-Lektor Jean-François Merle über Maigret, Espace culturelle de Concarneau 19.7.2019 sowie Teilnahme an der „25e édition du festival du Chien Jaune“.
  • Nachwort zu: Georges Simenon, „Maigret amüsiert sich“, Kampa Verlag 2019.
  • „Das Ende der Welt“ (von Olivier Messiaen). In der Reihe Mein Lieblingsstück der Alten Oper und der Hochschule für Musik und Darstellenden Künste Frankfurt. Publikums-Gespräch mit Prof. Ernst August Klötzke über den 5. Satz („Louange à l`Éternité de Jesus“) des Stückes „Quatuor pour la fin du temps.“ 21. April 2018.
  • Eine starke Waffe für die Demokratie. Artikel über die Bedeutung des Buches in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 2. Januar 2018. Auch: FAZ-Online.
  • Denken als Spiel. Nachruf auf Silvia Bovenschen. In: Die Zeit, Nr. 45/2017, 2 November. Auch: ZEIT-ONLINE.
  • Deutsche Leitkultur – Wir sind viel zu zurückhaltend. Gastbeitrag Spiegel online, Juni 2017.[16]
  • „Schau auf das Meer, es tröstet Dich.“ Über ein Bild Max Beckmanns. In: Das Journal der Villa Grisebach 7/2017, herausgegeben von Florian Illies.
  • Die deutsche „Leitkultur“, das „Deutsche“ und das „Undeutsche“. Ein Plädoyer. In: Neue Rundschau, Frankfurt 2017.
  • Globale Krisen: Die Rettung? Europa! Gastbeitrag Spiegel online.
  • Jörg, hier ist Frohsinn. Nachruf auf Roger Willemsen. In: Die Zeit, Nr. 7/2016.
  • Offensive Philologie. Vorlesung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität im Rahmen einer Ringvorlesung zum 100. Geburtstag der Universität, gehalten am 17. Mai 2014. In: Literaturwissenschaften, Germanistische und romanistische Beiträge zum 100-jährigen Jubiläum der Universität. Hrsg. von Frank Estelmann und Bernd Zegowitz. Göttingen 2016/2017.
  • Die schönsten Orte Hessens. Vier Empfehlungen. In: Zeitmagazin Nr. 23/2015, 24. Juni 2015.
  • Sind wir wirklich Affen? In: Das Lexikon der offenen Fragen. Herausgegeben von Jürgen Kaube und Jörn Laakmann. J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2015.
  • Das Tier, das keines sein will. Gespräch mit dem Anatomen und Evolutionsbiologen Carsten Niemitz. In: Neue Rundschau, 4/2006 (Fischer Verlag).
  • Vorwort und Herausgeberschaft zusammen mit Florian Illies von: Kleines deutsches Wörterbuch. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-10-036800-2.
  • als Hrsg. (und Nachwort): Frankfurt: eine Lese-Verführung (eine Frankfurt-Anthologie). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-596-65001-9.
  • als Hrsg.: Der Rhein - eine Lese-Verführung (eine Rhein-Anthologie). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2009.
  • als Hrsg. mit Roland Spahr, Oliver Vogel: „Aber die Erinnerung davon“: Materialien zum Werk von Marlene Streeruwitz. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-596-16987-0.
  • 1996 – 2002: freier Mitarbeiter des Kritischen Lexikons zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und von text + kritik, herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold.
  •  „Vom absolut Zerstreuten“, Vorwort und Herausgeberschaft zusammen mit Silvia Bovenschen: Rituale des Alltags. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 3-10-003511-9.
  • Texttaumel: poetologische Inversionen von „Spätaufklärung“ und „Frühromantik“ bei Ludwig Tieck. Frankfurter Beiträge zur Germanistik; 35. Winter Verlag, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-1117-1 (zugl. Diss. Frankfurt 1999).
  • als Hrsg. Verwünschungen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-596-14754-9.
  • Die Auflösung der Disharmonien: zur Vermittlung von Gesellschaft, Natur und Ästhetik in den Schriften Karl Philipp Moritz’. Analysen und Dokumente; 32. Lang Verlag, Frankfurt u. a. 1993, ISBN 3-631-46150-X.
  • Das unpersönliche „es“ und die Auflösung des „Ich“ – zu Karl Philipp Moritz. In: Psyche 6 (1994), Stuttgart.
  • mit Martin Spieles: Europa und Europäische Union. Köln 1994.
  •  „Dinge, die an nichts erinnern“. Urs Widmers Phantome eines Textes, der nie kommt. In: Text + Kritik, 1998.
  • „Der Leserschreiber.“ Eine Erzählung Wolfgang Hilbigs. In: Das Paradox, hg. v. Ralph-Rainer Wuthenow. Metzler Verlag, 1999.
  • Lassen wir die Literatur frei. In: Frankfurter Rundschau, 20. Oktober 2000.
  • „Im Traum eines anderen Spiegels“. Das Handwerk des Dichters von Jorge Luis Borges. In: Literaturen, Heft 4/2009.

Unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. Jörg Bong (50), auf buchmarkt.de
  2. Jörg Bong verlässt S. Fischer. buchreport.de. 4. April 2019. Abgerufen am 7. September 2019.
  3. Jan Wiele: Jörg Bong hört auf. faz.net. 4. April 2019. Abgerufen am 7. September 2019.
  4. Jörg Bong hört als Geschäftsführer bei S. Fischer auf. spiegel.de. 4. April 2019. Abgerufen am 7. September 2019.
  5. [_id_inhalt=34593585 Heussenstamm-Galerie zeigt Fotografien des Künstlers Jörg Bong]. rankfurt.de. 25. Oktober 2018. Abgerufen am 7. September 2019.
  6. Un auteur allemand à l'honneur (französisch) bretagne.bzh. 23. August 2016. Abgerufen am 7. September 2019.
  7. Académie littéraire de Bretagne et des Pays de la Loire (französisch) academiedebretagne.com. Abgerufen am 7. September 2019.
  8. Isabelle Calvez: Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec. La Bretagne l'inspire toujours (französisch) letelegramme.fr. 10. April 2017. Abgerufen am 7. September 2019.
  9. Bretonischer Bestseller-Garant. buchreport.de. 6. Juli 2016. Abgerufen am 7. September 2019.
  10. Biographie de Jean-Luc Bannalec (französisch) lisez.com. Abgerufen am 7. September 2019.
  11. Die Filme im Überblick. ARD. Abgerufen am 7. September 2019.
  12. Daempfer fuer die "Gipfelstuermer" - Kommissar Dupin ganz oben. abendblatt.de. 12. April 2019. Abgerufen am 7. September 2019.
  13. Commissaire Dupin (France 3) - Le phénomène Dupin. programme-television.org. 8. Juli 2018. Abgerufen am 7. September 2019.
  14. Küsten, Künstler, Kommissare. zdf.de. 5. Juli 2015. Abgerufen am 7. September 2019.
  15. Mordsidyll – In der Bretagne mit Jean-Luc Bannalec. ARD. Abgerufen am 7. September 2019.
  16. Jörg Bong: Wir sind viel zu zurückhaltend. spiegel.de. 7. Mai 2015. Abgerufen am 7. September 2019.