Jörg Kukies

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Jörg Kukies (* 21. Februar 1968[1] in Mainz) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und seit Dezember 2021 beamteter Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Zuvor war er von 2018 bis 2021 beamteter Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kukies studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und erlangte, gefördert durch ein Stipendium,[2] 1994 ein Maîtrise-Diplom der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne.[3]

Parallel zu seinem Studium war das SPD-Mitglied Anfang der 1990er Jahre Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der Jusos als Vorgänger von Andrea Nahles.[4]

Mit Unterstützung durch ein McCloy-Stipendium absolvierte er ab 1995 ein postgraduales Studium in Public Policy an der Harvard Kennedy School mit Abschluss Master of Public Administration im Jahr 1997. 2001 promovierte er zum Ph.D. in Finanzwesen an der University of Chicago Graduate School of Business[5] mit den Arbeiten The effects of introducing a new stock exchange on the IPO process and venture capital financing und Stock Markets for High-Technology Firms and Venture Capital Financing: Evidence from Europe.[6]

Seit 2000[7] arbeitete er für Goldman Sachs in London, von 2004 bis 2011 in der Niederlassung Frankfurt am Main. Er verantwortete dort die Bereiche Fixed Income, Equities und Structured Products, zuletzt als Stellvertreter des Leiters Philip Holzer im Aktiengeschäft. 2006 wurde er zum Managing Director ernannt, 2010 zum Partner. Ab 2011 war er wieder in London als Leiter des Geschäftsbereichs EMEA Equity Derivative Sales. Nachdem er schon 2010 zum Partner bei Goldman Sachs aufgestiegen war,[8] übernahm er von Philip Holzer die Leitung des Deutschland-Geschäfts mit Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und Derivaten.[9] Ende desselben Jahres erhielt Kukies zusammen mit Wolfgang Fink den Co-Vorsitz von Goldman Sachs Deutschland und Österreich in der Nachfolge von Alexander Dibelius übertragen.[10]

2018 holte ihn der Bundesfinanzminister im Kabinett Merkel IV, Olaf Scholz, als einen von drei neuen beamteten Staatssekretären in sein Ministerium, wo Kukies für die Themen Europa und Finanzmarkt zuständig ist. Aus den Reihen der Oppositionsparteien Grüne und Linke sowie von der Initiative Lobbycontrol kam Kritik an dieser Berufung.[11]
Laut einem Spiegel-Bericht drängte er zwei Tage vor der Wirecard-Insolvenz in einem Telefonat den KfW IPEX-Bank-Chef Klaus R. Michalak, Wirecard einen neuen Kredit zu gewähren.[12]

Mit dem Amtsantritt von Olaf Scholz als Bundeskanzler am 8. Dezember wurde Kukies beamteter Staatssekretär im Bundeskanzleramt.[13] Er ist der Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Klimapolitik sowie der Abteilung Europapolitik vorgesetzt und zudem deutscher Sherpa der G7- und G20-Gipfel.

Kukies ist Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz 2022 in Washington, D.C.[14]

Weitere wesentliche Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Quelle:[15])

Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert Kukies sich nach eigenen Angaben für Projekte zur Integration von Migranten und Flüchtlingen in Deutschland.[16] Privat ist er Fan des 1. FSV Mainz 05 und Marathonläufer.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. HRB 91313 Goldman Sachs AG, Handelsregistereintrag. 360kompany GmbH, 5. August 2014, archiviert vom Original am 20. März 2018; abgerufen am 20. März 2018.
  2. Katharina Slodczyk: Goldman-Banker Jörg Kukies – ein echter Branchenkenner für das Finanzministerium. In: handelsblatt.com. 19. März 2018, abgerufen am 20. März 2018.
  3. Florian Hamann: Liste der Investmentbanker: Wo die Frankfurter Goldmänner studiert haben. (Nicht mehr online verfügbar.) eFinancialCareers, 17. November 2016, archiviert vom Original am 20. März 2018; abgerufen am 20. März 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/news.efinancialcareers.com
  4. Jörg Kukies: Roter Goldman-Chef. manager magazin 12/2014, abgerufen am 20. März 2018.
    Olaf Scholz holt Goldman-Sachs-Chef und einen Bahn-Vorstand ins Finanzministerium. In: handelsblatt.com. 19. März 2018, abgerufen am 20. März 2018.
  5. Dr. Jörg Kukies. CFA Society Germany, 2014, abgerufen am 20. März 2018 (englisch).
  6. Doctoral Dissertations Accepted, 2000–2001. In: The University of Chicago Press (Hrsg.): The Journal of Business Band 75, Nr. 1 (Januar 2002), S. 203–210.
  7. Dr. Jörg Kukies. eurofinancetech.com, November 2017, abgerufen am 20. März 2018 (englisch).
  8. Seitenwechsel mit Fragezeichen. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  9. Neuer Aktien-Chef für Goldman Sachs kommt aus London. (Nicht mehr online verfügbar.) Reuters, 18. März 2014, archiviert vom Original am 20. März 2018; abgerufen am 20. März 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.reuters.com
  10. Executive Profile Jörg Kukies. bloomberg.com, 20. März 2018, abgerufen am 20. März 2018 (englisch).
  11. Kritik an neuem Finanzstaatssekretär: „Scholz macht die Brandstifter zur Feuerwehr“. In: Spiegel Online. 19. März 2018, abgerufen am 20. März 2018.
    Edward Taylor, John O’Donnell: Analysis: Germany’s Goldman hire prompts fear of banks’ renewed influence. Reuters-Artikel auf business-standard.com, 19. März 2018, abgerufen am 20. März 2018 (englisch).
  12. https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/wirecard-staatssekretaer-joerg-kukies-schlug-noch-kurz-vor-insolvenz-kredit-der-kfw-tochter-ipex-vor-a-9e917a6b-0980-4808-9efb-9f11aae22618
  13. Michael Bröcker, Gordon Repinski: Das System Scholz. Das Hauptstadt Briefing, 7. Dezember 2021, abgerufen am 7. Dezember 2021.
  14. Participants 2022. Abgerufen am 3. Juni 2022.
  15. Einladung zur Hauptversammlung 2020 der Deutsche Post DHL Group, abgerufen am 10. August 2020.
  16. Homepage-Alumni mit ausführlichen Texten. McCloys, abgerufen am 20. März 2018.
  17. Der Mann hinter der Corona-„Bazooka“. Abgerufen am 16. Juni 2020.