Jörn Kruse

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Jörn Kruse (2015)

Jörn Kruse (* 18. Oktober 1948 in Eutin) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Politiker (AfD). Er war bis Dezember 2013 Professor für Wirtschaftspolitik an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Von April 2013 bis Oktober 2015 war er Landesvorsitzender der AfD Hamburg. Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2015 wurde er in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt.

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kruse legte sein Abitur 1967 an der Johann-Heinrich-Voß-Schule in Eutin ab und trat zunächst in den Dienst der Landespolizei Schleswig-Holstein. Von 1969 bis 1974 belegte an der Universität Hamburg ein Studium der Fächer Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Psychologie, das er als Diplom-Volkswirt abschloss. 1978 wurde er bei Erhard Kantzenbach am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften mit der Dissertation Informationspolitik für Konsumenten zum Dr. rer. pol. promoviert. Von 1979 bis 1980 war er Gastprofessor (Visiting Associate Professor) am California Institute of Technology in Pasadena. Er habilitierte 1985 mit der Arbeit Ökonomie der Monopolregulierung in Volkswirtschaftslehre am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hamburg.

Von 1985 bis 1989 war er Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Von 1992 bis 1998 war er Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik insbesondere Ordnungs- und Strukturpolitik an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hohenheim. Von 1998 bis 2013 war er Professor für Wirtschaftspolitik an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg.[1][2]

Kruse war Mitarbeiter beim Lenkungsausschuss Mobilfunk beim Bundesministerium für Post und Telekommunikation und von 1991 bis 1994 Mitglied der Academic Advisory Group for Mergers bei der Europäischen Kommission. Von 1998 bis 2002 war er Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des Wissenschaftlichen Instituts für Kommunikationsdienste, und von 2001 bis 2002 gehörte er dem Economic Advisory Council on Telecommunications Competition Policy der Europäischen Kommission an.

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kruse war von 1968 bis zu seinem Austritt 1993 Mitglied der SPD. Er war einer der 68 Hauptzeichner der Wahlalternative 2013.[3] 2012 trat er in die Partei Freie Wähler ein, wo er Mitglied des Landesvorstandes wurde. 2013 trat er der AfD bei und wurde dort im April 2013 zum Vorsitzenden des Hamburger Landesverbands gewählt. Nach dem Bundesparteitag im Juli 2015 trat Kruse von seinen Posten als Landesvorsitzender und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats und der Programmkommission der Bundespartei zurück, blieb aber bis zur Wahl seines Nachfolgers Bernd Baumann im Oktober 2015 kommissarischer Landesvorsitzender.[4][5]

Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2015 wurde Kruse in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt, wo er Vorsitzender der AfD-Bürgerschaftsfraktion ist.

In einer Rede in der Bürgerschaft zum Thema Christenverfolgung am 13. April 2016 äußerte er sich zu dem Antrag der CDU-Fraktion „Christen und andere Minderheiten unter den Flüchtlingen besser schützenislamkritisch: Deutschland und damit auch Hamburg sei gegenwärtig mit einer Migration konfrontiert, die von nicht gut ausgebildeten, muslimisch sozialisierten jungen Männern getragen werde. Die Meisten kämen aus Regionen, die geprägt seien von gewaltsam ausgetragenen religiösen Konflikten und Diskriminierung oder Unterdrückung von Christen und anderen religiösen Minderheiten. Gegenüber der WELT äußerte er sich am 3. Mai wie folgt gegenüber dem Islam: „Deskriptiv gehört der Islam zu Deutschland, denn es gibt hier Menschen, die den Islam praktizieren. Bleibt die normative Frage, ob der Islam dazu gehören sollte. Und da muss man differenzieren: Es wäre Quatsch zu sagen, wir wollen hier keinen Islam haben, denn als Religion ist er in Ordnung. Der Islam als eine politische totalitäre Ideologie ist hingegen ein Problem.“ Das im Mai 2016 in Stuttgart beschlossene Parteiprogramm kritisierte Kruse unter anderem mit den Worten: „Alles, was da über Familie und Kinder drin steht, finde ich unsäglich und vorgestrig und frauenfeindlich. Und ich schäme mich dafür.“[6] Hierfür wurde er durch den AfD-Landesvorstand gerügt.[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Informationspolitik für Konsumenten (= Wirtschaftspolitische Studien, Studie 52). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979, ISBN 3-525-12252-7. (zugl. Dissertation)
  • Ökonomie der Monopolregulierung (= Wirtschaftspolitische Studien, Studie 70). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985, ISBN 3-525-12271-3. (zugl. Habilitation)
  • mit Erhard Kantzenbach: Kollektive Marktbeherrschung (= Wirtschaftspolitische Studien, Studie 75). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, ISBN 3-525-12277-2.
  • Wirtschaftliche Wirkungen einer unentgeltlichen Sport-Kurzberichterstattung im Fernsehen (= Beiträge zum Rundfunkrecht, Band 44). Nomos, Baden-Baden 1991, ISBN 3-7890-2204-7.
  • Lizenzierung und Wettbewerb im Mobilfunk (= Schriftenreihe des Wissenschaftlichen Instituts für Kommunikationsdienste, Band 15). Springer, Berlin u.a. 1993, ISBN 3-540-56591-4.
  • Ökonomische Perspektiven des Fernsehens in Deutschland (= Hamburger Forum Medienökonomie, Band 1). Fischer, München 2000, ISBN 3-88927-266-5.
  • Multimedia mobil. Dienste und Inhalte über mobile Plattformen (= Hamburger Forum Medienökonomie, Band 5). Fischer, München 2003, ISBN 3-88927-336-X.
  • mit Justus Haucap, Ralf Dewenter: Wettbewerb im Mobilfunk in Österreich (= Law and economics of international telecommunications, Vol. 52). Nomos, Baden-Baden 2004, ISBN 3-8329-0688-6.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • hrsg.: Zellularer Mobilfunk. Neue Märkte mit neuen Netzen für das Funktelefon (= net-Buch Telekommunikation). v. Decker, Heidelberg 1992, ISBN 3-7685-2191-5.
  • hrsg. mit Otto G. Mayer: Aktuelle Probleme der Wettbewerbs- und Wirtschaftspolitik. Erhard Kantzenbach zum 65. Geburtstag (= Veröffentlichungen des HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung, Band 23). Nomos, Baden-Baden 1996, ISBN 3-7890-4171-8.
  • hrsg. mit Kurt Stockmann, Lothar Vollmer: Wettbewerbspolitik im Spannungsfeld nationaler und internationaler Kartellrechtsordnungen. Festschrift für Ingo Schmidt zum 65. Geburtstag (= Wirtschaftsrecht und Wirtschaftspolitik, Band 150). Nomos, Baden-Baden 1997, ISBN 3-7890-4805-4.
  • hrsg. mit Justus Haucap: Mobilfunk zwischen Wettbewerb und Regulierung (= Hamburger Forum Medienökonomie, Band 6). R. Fischer, München 2004, ISBN 3-88927-337-8.
  • hrsg. mit Ralf Dewenter: Wettbewerbsprobleme im Internet (= Hamburger Forum Medienökonomie, Band 9). Nomos, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-8329-5024-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralf Dewenter, Justus Haucap, Christiane Kehder (Hrsg.): Wettbewerb und Regulierung in Medien, Politik und Märkten. Festschrift für Jörn Kruse zum 65. Geburtstag (= Wettbewerb und Regulierung von Märkten und Unternehmen, Band 24). Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-0782-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf auf der Webseite der Helmut-Schmidt-Universität
  2. Politisches Profil und Lebenslauf auf der Webseite der Alternative für Deutschland
  3. Wahlalternative 2013: Gründer und Hauptzeichner. n.d.. Abgerufen am 17. Februar 2015.
  4. Peter Ulrich Meyer: AfD-Chef Kruse legt Posten in Bundespartei nieder. abendblatt.de, 8. Juli 2015.
  5. Die Hamburger AfD hat einen neuen Vorsitzenden, abendblatt.de, 3. Oktober 2015.
  6. https://www.welt.de/regionales/hamburg/article154975084/Hamburgs-AfD-Chef-schaemt-sich-fuer-Familienprogramm.html
  7. http://www.abendblatt.de/hamburg/article207586953/AfD-droht-Hamburger-Fraktionschef-Parteiausschluss-an.html