Jörn Leonhard

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jörn Leonhard bei den Römerberggesprächen 2014

Jörn Leonhard (* 27. Mai 1967 in Birkenfeld) ist ein deutscher Neuzeithistoriker. Seit 2006 ist er Professor für Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas am Historischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er ist Fellow der Royal Historical Society in London sowie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Für seine Forschungen erhielt er bereits mehrere wichtige Forschungspreise.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leonhard studierte von 1987 bis 1994 als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Geschichte, Politische Wissenschaft und Germanistik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der University of Oxford. Seine Studien beendete er 1992 in Oxford mit dem Master of Studies in Modern History und 1994 mit dem Magister Artium in Heidelberg. Danach war er Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und wurde 1998 bei Volker Sellin in Heidelberg mit der Dissertation Liberalismus. Zur historischen Semantik eines europäischen Deutungsmusters zum Dr. phil. (summa cum laude) promoviert.

Von 1998 bis 2003 war Leonhard Fellow and Tutor in Modern History an Wadham College/Modern History Faculty der University of Oxford und Fachlektor des DAAD für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte, bevor er ein Jahr lang ein Stipendium des Historischen Kollegs München wahrnahm. Im Jahre 2004 habilitierte er sich in Heidelberg zum Thema Bellizismus und Nation. Kriegsdeutung und Nationsbestimmung in Europa und den Vereinigten Staaten 1750–1914 und erhielt die Venia Legendi für Neuere Geschichte.

Anschließend hatte Leonhard bis 2006 die Friedrich-Schiller-Hochschuldozentur (C-2) für Europäische Geschichte am Historischen Institut der Universität Jena inne. Seit 2006 ist er Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neuste Geschichte Westeuropas am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von 2007 bis 2012 leitete er gemeinsam mit Ulrich Herbert die School of History des Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS). Von 2012 bis 2013 übernahm er eine Forschungsprofessur am Minda de Gunzburg Center for European Studies an der Harvard University.

Leonhard ist im wissenschaftlichen Beirat mehrerer Forschungseinrichtungen und Stiftungen u.a. des Deutschen Historischen Instituts Paris, der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und des Frankreich-Zentrums der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie im Editorial Board verschiedener renommierter Fachzeitschriften tätig. Er ist zudem Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes.

In seiner Forschung beschäftigt sich Leonhard mit der Geschichte Europas und der Welt seit dem 18. Jahrhundert in vergleichender Perspektive. Schwerpunkte bilden dabei die Geschichte des Liberalismus und des Nationalismus, die Erforschung multiethnischer Empires sowie die Geschichte von Krieg und Frieden. Leonhards 2014 unter dem Titel "Die Büchse der Pandora" erschienene Geschichte des Ersten Weltkrieges ist nach Ansicht von Michael Epkenhans „das beste Buch, das bisher auf den Markt gekommen ist.“[1] Auch Hans-Ulrich Wehler bezeichnete es als „das wichtigste Buch zum Ersten Weltkrieg“, es sei der „Beginn einer neuen Epoche der Weltkriegsgeschichte“.[2]

2015 erfolgte seine erneute Berufung auf ein einjähriges Stipendium des Historischen Kollegs München. Im akademischen Jahr 2016/17 arbeiter Leonhard dort an seiner neuen Monographie.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften/Arbeitskreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liberalismus. Zur historischen Semantik eines europäischen Deutungsmuster (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. Band 50). Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56533-8.
  • Bellizismus und Nation. Kriegsdeutung und Nationsbestimmung in Europa und den Vereinigten Staaten 1750-1914 (= Ordnungssysteme. Band 25). Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58516-2.
  • Mit Ulrike von Hirschhausen: Empires und Nationalstaaten im 19. Jahrhundert (= FRIAS rote Reihe. Band 1). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-32300-7.
  • Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66191-4 (5. Auflage, 2014).

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Ulrike von Hirschhausen: Nationalismen in Europa. West- und Osteuropa im Vergleich. Wallstein Verlag, Göttingen 2001, ISBN 3-89244-479-X.
  • Mit Lothar Funk: Ten Years of German Reunification. Transfer, Transformation, Incorporation? Birmingham University Press, Birmingham 2002, ISBN 1-902459-12-1.
  • Mit Ulrike von Hirschhausen: Multi-Ethnic Empires and the Military: Conscription in Europe between Integration and Desintegration, 1860-1918 (Journal of Modern European History 5/2). C.H. Beck, München 2007.
  • Mit Rolf G. Renner: Koloniale Vergangenheiten – (post-)imperiale Gegenwart. Vortragreihe im Rahmen des Jubiläums „550 Jahre Albert-Ludwigs-Universität“, Sommersemester 2007 und Wintersemester 2007/08 in Kooperation mit dem Historischen Seminar und dem Romanischen Seminar der Universität (= Studien des Frankreich-Zentrums der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Band 19). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8305-1736-8.
  • Mit Ulrike von Hirschhausen: Comparing Empires. Encounters and Transfers in the Long Nineteenth Century (= Schriftenreihe der FRIAS School of History. Band 1). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-31040-3.
  • Mit Christian Wieland: What Makes the Nobility Noble? Comparative Perspectives from the Sixteenth to Twentieth Century (= Schriftenreihe der FRIAS School of History. Band 2). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-31041-0.
  • Mit Ute Daniel, Martin Löffelholz: Militär und Medien im 20. Jahrhundert (Themenheft der Militärgeschichtlichen Zeitschrift, Vol 70/1). Oldenbourg Wissenschaftsverlag, Potsdam 2011.
  • Mit Kurt Hochstuhl, Christoph Strauß: Menschen im Krieg 1914–1918 am Oberrhein. Kolloquium zur gleichnamigen Ausstellung/Vivre en temps de guerre des deux côtes du Rhin 1914-1918; deutsch/französisch. Kohlhammer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-17-026341-3.
  • Mit Anselm Doering-Manteuffel: Liberalismus im 20. Jahrhundert. Steiner-Verlag, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-515-11072-3.
  • Vergleich und Verflechtung: Deutschland und Frankreich im 20. Jahrhundert. Erich Schmidt, Berlin 2015, ISBN 978-3-503-13790-9.
  • Mit Willibald Steinmetz: Semantiken von Arbeit: Diachrone und vergleichende Perspektiven (=Industrielle Welt. Bd. 91). Böhlau, Köln 2016, ISBN 978-3-412-50280-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stiftung Historisches Kolleg (Hrsg.): Jahrbuch des Historischen Kollegs 2004. R. Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57741-7, S. 153.
  • Jörn Leonhard: Antrittsrede vom 24. Oktober 2015. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 2015, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-8253-6633-9, S. 324–329.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.deutschlandradiokultur.de/erinnerungskultur-mit-einem-attentat-die-welt-entzuenden.1270.de.html?dram:article_id=282664
  2. Hans-Ulrich Wehler: Beginn einer neuen Epoche der Weltkriegsgeschichte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Mai 2014.