Jübar

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Jübar
Jübar
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Jübar hervorgehoben

Koordinaten: 52° 41′ N, 10° 55′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Altmarkkreis Salzwedel
Verbandsgemeinde: Beetzendorf-Diesdorf
Höhe: 75 m ü. NHN
Fläche: 70,89 km2
Einwohner: 1579 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 22 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039003
Kfz-Kennzeichen: SAW, GA, KLZ
Gemeindeschlüssel: 15 0 81 225
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Marschweg 3
38489 Beetzendorf
Website: www.juebar.eu/
Bürgermeister: Carsten Borchert (CDU)
Lage der Gemeinde Jübar im Altmarkkreis Salzwedel
Apenburg-WinterfeldArendsee (Altmark)BeetzendorfDähreDiesdorfGardelegenJübarKalbe (Milde)KlötzeKuhfeldeRohrbergSalzwedelWallstaweKarte
Über dieses Bild

Jübar ist eine Gemeinde im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Jübar liegt 25 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Salzwedel. Östlich des Dorfes fließt der Jübarer Abzugsgraben, der in Lüdelsen in die Hartau mündet. Im Norden liegt der fast 108 Metern hohe Kahnberg, die höchste Erhebung in der Gemeinde Jübar. Im Süden liegt der knapp 94 Meter hohe Bromer Berg.[2]

Der Westen der Gemeinde grenzt an die Landesgrenze zu Niedersachsen, die in diesem Gebiet großenteils entlang der Ohre verläuft.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile der Gemeinde sind Bornsen, Drebenstedt, Gladdenstedt, Hanum, Jübar, Lüdelsen, Nettgau und Wendischbrome. Splittersiedlungen der Gemeinde sind Neuenstall, Klein Wismar und Groß Wismar.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte des Dorfs Jübar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jübar fand als Jubere im Jahr 1240 seine erste urkundliche Erwähnung, als Albertus und Hogerus de Jubere dem Stift Hamersleben eine Hufe in Bergmoor übergaben.[4] Als Dorf (villa) selbst wurde es erstmals 1308 erwähnt.[5]

Die Ortschaft befand sich im 13./14. Jahrhundert in geographischer Grenzlage des deutsch-slawischen Gebiets. Es war weder der eine noch der andere Ursprung nachzuweisen. Der Ortsname wechselte im Laufe der Jahrhunderte oft von Inbere über Jobere und Inber bis Jübar. Die Bezeichnung soll nach Aussagen von Mediävisten auf die „Linde“ hinweisen. In der Tat stehen im Nord- und Südteil des ovalen Rundlings zwei jahrhundertealte – bereits hohle – Linden, die als Naturdenkmal dem Dorf sein eigenes Gepräge geben und im Volksmund die „tausendjährigen Linden“ genannt werden. Deshalb wurde auf Beschluss des Gemeinderates die Linde dem Grafiker als Symbol vorgegeben. Der rote märkische Adler deutet auf die einstige Zugehörigkeit zur Mark Brandenburg hin.

Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 gehörte Jübar dem Kloster Isenhagen. Das Hufenland umfasste 22 Hufen, von denen 14 wüst lagen.[6] Noch im Entstehungsjahr des Urbars ging das Dorf ans Stift Diesdorf über.[7]

Im Mittelalter und darüber hinaus betreute Jübar als Kirchdorf einige umliegende Ortschaften. Dazu zählten das kirchlose Bornsen, vermutlich Lüdelsen und Gladdenstedt (beide mittelalterliche Wüstungen) sowie die Tochterkirchen in Hanum und Mellin.[8] Die historische Bevölkerung des Sprengels von 1674 bis 1814 dokumentierte ein Ortsfamilienbuch.[9]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1991 gehörte Jübar zur Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf,[10] die ab 2005 in der Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf-Diesdorf aufging. Seit dem 1. Januar 2010 gehört Jübar zur Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bornsen (am 25. Mai 2009), Hanum (am 3. Juni 2009), Jübar (am 3. Juni 2009), Lüdelsen (am 13. Mai 2009) und Nettgau (am 4. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Jübar vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[11][12]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 124
1774 218
1789 221
Jahr Einwohner
1798 213
1801 214
1818 270
Jahr Einwohner
1840 385
1864 573
1871 578
Jahr Einwohner
1885 613
1895 684
1905 750
Jahr Einwohner
1925 755
1939 769
1946 1113
Jahr Einwohner
1964 872
1971 869
1981 751
Jahr Einwohner
1993 676
2006 662

Ortsteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
2015 593
2018 545

Quellen:[7][13]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Jübar gehörte zur Pfarrei Jübar[14] und gehört heute zum Pfarrbereich Rohrberg[15] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Im Jahre 1903 gehörten zur Pfarrei Jübar die Kirchengemeinde Jübar, in welche die Dörfer Bornsen, Gladdenstedt, Lüdelsen und Neuenstall eingepfarrt waren, sowie die Kirchengemeinden Hanum und Mellin.[14] Nach Einweihung der Gedächtsniskirche Lüdelsen 1924 entstand dort die Kirchengemeinde Lüdelsen, in die Neuenstall eingekircht wurde.[7] Im Jahr 1973 bilden die Kirchengemeinden Jübar, Lüdelsen und Hanum das Kirchspiel Jübar.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was Wappen wurde am 15. Dezember 1992 durch das Ministerium des Innern genehmigt. Durch die Vereinigung der fünf Gemeinden Bornsen, Hanum, Jübar, Lüdelsen und Nettgau hat die neue Gemeinde Jübar die Weiterführung des Gemeindewappens der alten Gemeinde Jübar beantragt. Diese Weiterführung wurde am 11. Mai 2010 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Silber aus grünem Schildfuß wachsender grüner Lindenbaum mit schwarzem Stamm, rechts oben begleitet von einem schwarz bewehrten roten Adler.“[16]

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Weiß-Grün gestreift und mit dem Gemeindewappen belegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf dem Schulhof Mehmker Weg 1 erinnert ein Gedenkstein an den KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, der im Jahre 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde und dessen Namen diese Schule in der DDR trug.
  • In der Mitte des Dorfes befindet sich eine etwa 1000-jährige Linde, die Naturdenkmal ist und als Wahrzeichen Jübars gilt.[17]

Dorfkirche Jübar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfteich und Turm der Dorfkirche

Die Kirche ist ein mittelalterlicher Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert. Im Jahr 1899 wurde ein neoromanischer Westturm aus Backstein angebaut.[18] Die Orgel der Kirche wurde 1866 vom Orgelbaumeister August Troch aus Neuhaldensleben geschaffen. Das Werk hat acht Register auf einem Manual und Pedal. Die Disposition lautet:

Manual: Principal 8', Gedackt 8', Viola da Gamba 8', Octave 4', Flöte 4', Mixtur (3-4f.?)
Pedal: Subbass 16', Octavbass 8'
Pedalkoppel

Öffentliche Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeindehaus
  • Sporthalle
  • Bibliothek Jübar
  • Grundschule
  • Dorfkirche Jübar

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Jübar wurde mehrfach ausgezeichnet. 1996 und 1999 war Jübar schönstes Dorf des Altmarkkreises Salzwedel, 1997 sowie 2001 siegte es im Regierungsbezirk Magdeburg im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ bzw. „Unser Dorf hat Zukunft“. 2001 gewann Jübar die Bronzeplakette im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.[17]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Arbeitgeber der Gemeinde Jübar ist das Spanplattenwerk der Sonae Arauco Deutschland bei Gladdenstedt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Bock (* 1944), Lehrer, Museologe, Heimatforscher und Ehrenbürger von Jübar

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lieselott Enders: Die Altmark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft in der Frühneuzeit (Ende des 15. bis Anfang des 19. Jahrhunderts) (= Klaus Neitmann [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 56). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1504-3.
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark. Band 1: A–K. In: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII; Klaus Neitmann [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 68; Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt. Reihe A. Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts. Band 23). 2 Bände, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, Jübar wnw Klötze, S. 1089–1093.
  • Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  • Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel. Land und Leute vom Landesausbau bis zur Zeit der Wirren. Dissertation Humboldt-Universität zu Berlin 2003 (= Klaus Neitmann [Hrsg.]: Quellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 17). Peter Lang. Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54808-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jübar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2018 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. Hauptsatzung der Gemeinde Jübar (PDF-Datei; 96 kB)
  4. Walter Zöllner: Die Urkunden und Besitzaufzeichnungen des Stifts Hamersleben (1108–1462). In: Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte. Band 17. St.-Benno-Verlag, Leipzig 1979, S. 166–167.
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 22, 1862, S. 108, XLIII (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001038_00116~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. Equitatura terre Soltowedel foris Portam Buchornighe. Juber, S. 401.
  7. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1089–1093.
  8. Lieselott Enders: Die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1504-3, D. Kultur und Lebensweise in Stadt und Land. I. Kirche, Geistlichkeit und religiöse Gemeinschaften. 1. Kirchen- und Pfarrorganisation. Großparochien, S. 1169–1174, Jübar: S. 1171.
  9. Ulf Queckenstedt: Ortsfamilienbuch Jübar. (online-ofb.de).
  10. Informationsmappe zum Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im Land Sachsen-Anhalt 2017. 2017 (juebar.eu [PDF; abgerufen am 3. März 2018]).
  11. Altmarkkreis Salzwedel (Hrsg.): Amtsblatt Altmarkkreis Salzwedel. 15. Jahrgang, Nr. 7. Salzwedel 29. Juli 2009, S. 180–183 (PDF; 1,8 MB [abgerufen am 3. März 2018]).
  12. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  13. Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf: Einwohner der Ortsteile am 31. Dezember für die Jahre 2015 und 2018. 6. Juni 2019.
  14. a b Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 98 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 3. März 2018]).
  15. Pfarrbereich Rohrberg. Abgerufen am 3. März 2018.
  16. Amtsblatt des Landkreis Nr. 6/2010 Seite 129 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  17. a b Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf - Diesdorf: Jübar
  18. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 215.