Jüdische Allgemeine

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Jüdische Allgemeine
Logo der jüdischen Allgemeine
Beschreibung deutsche Wochenzeitung
Erstausgabe 1946
Erscheinungsweise wöchentlich
Verkaufte Auflage
(IVW 3/2017)
6205 Exemplare
Chefredakteur Detlef David Kauschke
Herausgeber Zentralrat der Juden in Deutschland
Weblink juedische-allgemeine.de
Artikelarchiv Printarchiv (ab 2006)
ISSN (Print) 1618-9698
ISSN (Online) 1618-9701

Die Jüdische Allgemeine ist das bedeutendste und auflagenstärkste Periodikum des deutschen Judentums. Als „Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und jüdisches Leben“ – so ihr Untertitel – sieht sich die Jüdische Allgemeine in der publizistischen Tradition der großen liberalen Blätter des 19. und 20. Jahrhunderts und insbesondere der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, die 1837 gegründet wurde, 1922 in der Publikation CV-Zeitung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens aufging und am 3. November 1938 eingestellt werden musste.[1][2] Die verkaufte Auflage beträgt 6205 Exemplare, ein Minus von 33,2 Prozent seit 1999.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde die Zeitschrift 1946 als Jüdisches Gemeindeblatt für die Nord-Rheinprovinz und Westfalen mit Sitz in Düsseldorf und erhielt noch im selben Jahr den geänderten Titel Jüdisches Gemeindeblatt für die britische Zone. Nach einigen weiteren Namenswechseln hieß die Zeitschrift ab 1973 Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, ab 2002 dann Jüdische Allgemeine. Gründungsherausgeber und erster Chefredakteur war der Journalist Karl Marx, er starb 1966.

Die Redaktion zog 1985 nach Bonn, im Jahr 1999 nach Berlin. Dort befinden sich Verlag und Redaktion in unmittelbarer Nachbarschaft zum Leo-Baeck-Haus, dem Sitz des Zentralrats der Juden in Deutschland.[4]

Die Jüdische Allgemeine erhielt einen European Newspaper Award im März 2003 für die Typografie der Zeitung und im November 2009 in der Kategorie „Titelseite Wochenzeitung“.[2]

Herausgeber und Redaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeber der Jüdischen Allgemeinen ist der Zentralrat der Juden in Deutschland. Er finanziert sie etwa zu einem Drittel, je ein weiteres Drittel tragen Anzeigen und Abonnements bei.[5] Der Rückgang der Anzeigenerlöse in den vergangenen Jahren führte dabei zu einer immer stärkeren Rolle des Zentralrats.[6] Von 2000 bis 2003 war Michel Friedman stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland und übernahm in dieser Zeit die Rolle des Herausgebers der Wochenzeitung.

Die Redaktion der Jüdischen Allgemeinen in Deutschland umfasste 2010 sieben Redakteure und zwei Pauschalisten, dazu Korrespondenten in Israel, den USA sowie freie Mitarbeiter in vielen anderen Ländern.[5]

Zum 30. September 2011 trennte sich Christian Böhme, Chefredakteur seit 2005, einvernehmlich von der Zeitung. Als Grund nannte der Zentralrat in einer Pressemitteilung unterschiedliche Meinungen über die Eingliederung der jüdischen Wochenzeitung in die Strukturen des Zentralrats. Mitarbeiter befürchteten, die Jüdische Allgemeine könnte durch die geplante konzeptionelle Neuausrichtung zur „Verbandspostille“ werden.[6] Nachfolger wurde Detlef David Kauschke.

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jüdische Allgemeine wird über Kioske und Abonnements vertrieben. Konkurrenz bekam die Wochenzeitung in den letzten Jahren von dem explizit Zentralrats-kritischen Monatsblatt Jüdische Zeitung (2005–2014) und dessen russischsprachiger Schwesterpublikation Jewreiskaja Gaseta (2002–2014).[5][7] Dadurch hat sie erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1999 um 33,2 Prozent gesunken.[8] Sie beträgt gegenwärtig 6205 Exemplare.[9] Das entspricht einem Rückgang von 3087 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 51,9 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[10]


Online-Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Herbst 2003 betreibt die Zeitung eine Website. Nach einem Neustart der Druck-Ausgabe und der Website im Frühjahr 2010 sind auf der Website zusätzlich zur gedruckten wöchentlichen Ausgabe tagesaktuelle Texte zu lesen. Für die Nutzer von Smartphones steht auch eine mobile Version der Website zur Verfügung.[11] Die Online-Angebote der Jüdischen Allgemeine nutzen etwa 56.879 Unique User pro Monat (Durchschnitt Januar bis Juli 2013).[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralph Giordano (Hrsg.): Narben, Spuren, Zeugen. 15 Jahre Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland. Verlag der Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland, Düsseldorf 1961, DNB 453533655.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hartmut Walravens (Hrsg.) mit Marieluise Schillig: Newspapers in Central and Eastern Europe. Papers presented at an IFLA conference held in Berlin, August 2003. = Zeitungen in Mittel- und Osteuropa (= IFLA Publications. Nr. 110). K. G. Sauer Verlag, München 2005, ISBN 3-598-21841-9 (Beiträge teilweise deutsch, teilweise englisch).
  2. a b Jüdische Allgemeine, Mediadaten Website der Jüdischen Allgemeinen, abgerufen am 12. Juni 2017.
  3. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  4. Verlag. Website der Jüdischen Allgemeinen, abgerufen am 12. Juni 2017.
  5. a b c Alexia Weiss: Jüdische Medien im deutschsprachigen Raum: Zeitungen und Magazine, nicht nur für Juden geschrieben. Die andere Israel-Berichterstattung. In: Wiener Zeitung. 7. Oktober 2010, abgerufen am 12. Juni 2017.
  6. a b Chef der „Jüdischen Allgemeinen“ geht. In: Der Tagesspiegel. 1. Juli 2011, abgerufen am 12. Juni 2017.
  7. Igal Avidan: Neue jüdische Zeitung hofft auf junge Leser. In: Deutsche Welle. 10. Oktober 2005, abgerufen am 12. Juni 2017.
  8. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  9. laut IVW, drittes Quartal 2017, wöchentlich (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  10. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  11. Die Jüdische Allgemeine. In: zentralratdjuden.de. Zentralrat der Juden in Deutschland, abgerufen am 12. Juni 2017.
  12. Jüdische Allgemeine Preisliste Online. In: juedische-allgemeine.de. Abgerufen am 12. Juni 2017.