Jürgen Becker (Kabarettist)

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Jürgen Becker 2019
Jürgen Becker (2009)
Jürgen Becker (2007)
Am 9. Juli 2011 in Wolfenbüttel
Am 9. Juli 2011 in Wolfenbüttel

Jürgen Becker (* 27. August 1959 in Köln) ist ein deutscher Kabarettist, Autor und Fernsehmoderator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Becker blieb als Schüler zweimal sitzen. Nach dem Realschulabschluss machte er eine Ausbildung als grafischer Zeichner bei 4711, anschließend absolvierte er über den Zweiten Bildungsweg ein Fachhochschulstudium der Sozialarbeit. Während des Studiums lebte er fast zwei Jahre in einer Bauwagensiedlung und finanzierte sein Studium unter anderem als LKW- und Traktorfahrer. Danach arbeitete er in einem Druckereibetrieb, den Freunde von ihm gegründet hatten.[1]

Becker hat eine Tochter.[1]

Karneval und Kabarett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er gehörte 1983 zu den Gründern der Kölner Stunksitzung, deren „Präsident“ er von 1984 bis 1995 war. Nachdem er 1985 das Programm von Hanns Dieter Hüsch Und sie bewegt mich doch gleich mehrmals besucht hatte, wollte er ebenfalls etwas in dieser Art machen. Darüber soll er nach einer Vorstellung auch mit Hüsch gesprochen haben. 1989 gründete Becker zusammen mit Heiner Kämmer und Wolfgang Nitschke das Kölner Kabaretttrio 3Gestirn Köln 1. 1990 verließ Becker das Trio, für ihn kam Wilfried Schmickler.[2]

Seit 1991 ist Becker als Solokabarettist in Deutschland unterwegs. Unter seinen Soloprogrammen ist vor allem das Biotop für Bekloppte erwähnenswert, das die 2000-jährige Kölner Stadtgeschichte auf ganz eigene Art nacherzählt.

Ab 1992 moderierte er die Kabarettsendung Mitternachtsspitzen mit seinen Kollegen Wilfried Schmickler und Uwe Lyko, die achtmal jährlich im WDR-Fernsehen gesendet wird. Am 19. Dezember 2020 übergab Jürgen Becker gemeinsam mit Uwe Lyko und Wilfried Schmickler die von Requisiteuren verknotete Fernbedienung an Christoph Sieber, den neuen Gastgeber der Mitternachtsspitzen. Von 1994 bis 1997 trat er gemeinsam mit Rüdiger Hoffmann mit dem Programm Es ist furchtbar, aber es geht. Ein nordrhein-westfälischer Heimatabend bundesweit auf. Zwischen 2008 und 2018[3][4] war er als „Professor Becker“ in der Sendung Der dritte Bildungsweg im WDR zu sehen. Von 2011 bis 2015 moderierte Becker im WDR-Fernsehen die Baustelle Deutschland.[5] Im November 2014 hatte er einen Gastauftritt in der Kabarettsendung Die Anstalt. 2020 übernahm Becker eine Gastrolle in der letzten Episode der Krimiserie Professor T. als obdachloser Zeuge.

Ein langes Engagement verbindet Becker mit dem Sender WDR 2. Seit dem 9. November 1990 wird freitags um 10:50 Uhr als Radio-Comedy eine „Frühstückspause“ – später als „Becker & Jünemann“ gesendet.[6] Unter diesem Label werden innerhalb des nur wenige Minuten langen Beitrages – überwiegend tagesaktuelle – politische Themen angesprochen und als Zwiegespräch zwischen Jürgen Becker und Didi Jünemann inszeniert. Von 2003 bis 2006 waren sie mit dem gleichnamigen Bühnenprogramm auf Tour.

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühnenprogramme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vor 1994: Biotop für Bekloppte
  • 1994–1998: Es ist furchtbar, aber es geht. Ein nordrhein-westfälischer Heimatabend (gemeinsam mit Rüdiger Hoffmann)
  • 1998–2003: Da wissen Sie mehr als ich! (Soloprogramm zum Mysterium des Rheinischen Kapitalismus)
  • 2003–2006: Frühstückspause! (mit Didi Jünemann, live on tour in Nordrhein-Westfalen)
  • 2006–2011: Ja, was glauben Sie denn? (Soloprogramm – eine kabarettistische Götterspeise)[8]
  • 2009–2011: Der 3. Bildungsweg (mit Dietmar Jacobs und Martin Stankowski)
  • 2011–2016: Der Künstler ist anwesend – Kabarett wie gemalt
  • seit 2016: Volksbegehren – Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung
  • 2021: Kirche, Pest und neue Seuche

Veröffentlichte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Becker: Jürgen Becker darf nicht singen. (CD, 1995)
  • Jürgen Becker und Martin Stankowski: Biotop für Bekloppte. Ein Lesebuch für Immis und Heimathirsche. Kiepenheuer & Witsch, ISBN 3-462-02423-X.
  • Rüdiger Hoffmann und Jürgen Becker Wir in Nordrhein-Westfalen 3. Streng öffentlich: Es ist furchtbar, aber es geht! 2 CDs.
  • Jürgen Becker: Da wissen Sie mehr als ich! Das Mysterium des rheinischen Kapitalismus. Zwei Audio-CDs, Kiepenheuer & Witsch ISBN 3-462-03555-X.
  • Jürgen Becker und Didi Jünemann: Frühstückspause!. Lübbe/KNO ISBN 3-7857-1300-2.
  • Jürgen Becker und Klaus der Geiger mit dem Kunstsalonorchester.
  • Jürgen Becker und Martin Stankowski, …: Unger uns.
  • Wolfgang Jaegers, Jürgen Becker, Nick BerkKölsch auf der Couch, Die rheinische Seele der Korruption. Lesung. Audio-CD, Random House Audio, Köln, März 2005.
  • Jürgen Becker und Norbert Alich: Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin!
  • Mitternachtsspitzen – das Beste von Jürgen Becker, Herbert Knebel und Wilfried Schmickler (DVD, 2007).
  • Jürgen Becker, Dietmar Jacobs, Martin Stankowski: Volksbegehren. Die Geschichte der Fortpflanzung. CD zu Zu dir oder zu mir? Das Mysterium der Fortpflanzung. Köln 2016.

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Becker, Martin Stankowski: Biotop für Bekloppte. Ein Lesebuch für Immis und Heimathirsche. Neufassung, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02423-X.
  • Rüdiger Hoffmann, Jürgen Becker: Es ist furchtbar, aber es geht. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1997, ISBN 3-462-02587-2.
  • In: Reiner Rübhausen, Manfred Linke, Ansgar M. van Treek u. a.: Stunksitzung. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003, ISBN 3-462-03541-X.
  • Jürgen Becker: Da wissen Sie mehr als ich! Das Mysterium des rheinischen Kapitalismus. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2004, ISBN 3-462-03555-X.
  • Jürgen Becker, Dietmar Jacobs: Ja, was glauben Sie denn? Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007, ISBN 978-3-462-03902-3.
  • Jürgen Becker, Franz Meurer, Martin Stankowski: Von wegen nix zu machen. Werkzeugkiste für Weltverbesserer. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2007, ISBN 978-3-462-03795-1; Neufassung 2011, ISBN 978-3-462-04360-0.
  • Jürgen Becker: Religion ist, wenn man trotzdem stirbt. Ein Handbuch für Humor im Himmel. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN 978-3-462-04057-9.
  • Jürgen Becker, Dietmar Jacobs, Martin Stankowski: So was lebt und Goethe musste sterben. Der dritte Bildungsweg. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04166-8.
  • Jürgen Becker: Geld allein macht nicht unglücklich. Mit dem Mysterium des rheinischen Kapitalismus aus der Krise. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04153-8.
  • Jürgen Becker, Dietmar Jacobs, Martin Stankowski: Der dritte Bildungsweg. Halbwissen leicht gemacht. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, ISBN 978-3-462-04324-2.
  • Jürgen Becker, Dietmar Jacobs: Dalí Dalí. Mit Jürgen Becker durch die Kunstgeschichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04505-5.
  • Jürgen Becker, Dietmar Jacobs, Martin Stankowski: Zu dir oder zu mir? Das Mysterium der Fortpflanzung. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016, ISBN 978-3-462-04900-8.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Becker – Fast ein Selbstportrait. Ein Film von Klaus Michael Heinz (WDR Fernsehen, 29. August 2009)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jürgen Becker – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Claudia Deeg: Jürgen Becker (Kabarettist). In: SWR1 Baden-Württemberg. 12. Februar 2013, abgerufen am 26. Juni 2022.
  2. Heiner Kämmer || Vita. Abgerufen am 26. Juni 2022.
  3. Jürgen Becker – Der dritte Bildungsweg: Episodenguide. In: fernsehserien.de. imfernsehen GmbH & Co KG, abgerufen am 26. Juni 2022.
  4. Jürgen Becker: Der dritte Bildungsweg. In: programm.ard.de/. 4. Dezember 2018, abgerufen am 26. Juni 2022.
  5. imfernsehen GmbH & Co KG: Jürgen Becker: Baustelle Deutschland. Abgerufen am 26. Juni 2022.
  6. Frühstückspause auf didijuenemann.de, abgerufen am 11. November 2021.
  7. Redaktion: Irene Franken wird Kölns 4. Alternative Ehrenbürgerin. In: Report-K. 18. November 2016, abgerufen am 26. Juni 2022 (deutsch).
  8. beendet am 17. Juni 2011 – Kölner Stadtanzeiger vom 4./5. Juni 2011 S. 35