Jürgen Osterhammel

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Jürgen Osterhammel (* 1. Juni 1952 in Wipperfürth) ist ein deutscher Historiker und Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz. Er gilt als einer der führenden Vertreter der Globalgeschichte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jürgen Osterhammel besuchte die Hohe Landesschule in Hanau[1] und studierte nach dem Abitur 1970 in Marburg die Fächer Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik sowie auch Philosophie. Von Oktober 1976 bis Juni 1978 absolvierte er ein Postgraduierten-Studium am Department of International History, London School of Economics and Political Science.[2] 1976 legte er das erste, 1981 das zweite Staatsexamen ab. 1980 promovierte er an der Gesamthochschule Kassel.

1982 bis 1986 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut London unter der Leitung von Wolfgang J. Mommsen tätig. 1986 bis 1990 war er Akademischer Rat am Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg im Breisgau. 1990 habilitierte er sich, bis 1996 war er Professor für Außereuropäische Geschichte an der Fernuniversität in Hagen. Von 1996 bis 1997 arbeitete Osterhammel als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, bevor er bis 1999 den Lehrstuhl für Geschichte der internationalen Beziehungen am Institut Universitaire des Hautes Études Internationales in Genf innehatte.

Seit 1999 ist Osterhammel Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz. In seinem 2009 erschienenen Buch Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts versuchte sich Osterhammel an einer Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts. Das Buch wurde in Fachwelt und Öffentlichkeit insgesamt sehr positiv aufgenommen[3] und erhielt den NDR Kultur Sachbuchpreis für das beste Sachbuch des Jahres 2009. 2010 wurde er mit dem Leibnizpreis ausgezeichnet. Seit 2004 ist er ordentliches Mitglied der Academia Europaea.[4] 2012 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt,[5] 2014 zum Mitglied der British Academy.

Arbeitsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Europäische und asiatische Geschichte seit dem 18. Jahrhundert
  • Geschichte der interkulturellen Beziehungen und Wahrnehmungen
  • Ideengeschichte
  • Geschichte und Theorie der Historiographie
  • Weltgeschichtsschreibung (global history) in Theorie und Praxis

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor:

  • Britischer Imperialismus im Fernen Osten. Strukturen der Durchdringung und einheimischer Widerstand auf dem chinesischen Markt 1932–1937 (= Chinathemen. Band 10). Brockmeyer, Bochum 1983, ISBN 3-88339-304-5 (Zugleich: Kassel, Gesamt-Hochschule, Dissertation, 1980: Britische Interessen auf dem chinesischen Markt, (1932–1937).).
  • China und die Weltgesellschaft. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit. Beck, München 1989, ISBN 3-406-34099-7.
  • Kolonialismus. Geschichte – Formen – Folgen (= Beck’sche Reihe 2002 Wissen). Beck, München 1995, ISBN 3-406-63980-1.
  • Shanghai, 30. Mai 1925. Die Chinesische Revolution. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1997, ISBN 3-423-30604-1.
  • Die Entzauberung Asiens. Europa und die asiatischen Reiche im 18. Jahrhundert. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44203-X.
  • Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats. Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisationsvergleich (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 147). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-35162-3.
  • mit Niels P. Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen – Prozesse – Epochen (= Beck’sche Reihe 2320). Beck, München 2003, ISBN 3-406-48020-9.
  • Liberalismus als kulturelle Revolution. Die widersprüchliche Weltwirkung einer europäischen Idee (= Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus. Kleine Reihe. Band 13; = Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung. 2003). Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart 2004, ISBN 3-9807404-7-1.
  • Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58283-7.
  • Dekolonisation: Das Ende der Imperien. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65464-0.
  • Die Flughöhe der Adler. Historische Essays zur globalen Gegenwart. Beck, München 2017, ISBN 978-3406-70484-0.

Als Herausgeber:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Osterhammel: Jürgen Osterhammel. In: Barbara Bingel (Hrsg.): Wir waren Schüler der Hohen Landesschule. Was sie sind, was sie erinnern. Dausien, Hanau 1989, ISBN 3-7684-0915-5, S. 93–95.
  2. Lebenslauf bei der DFG
  3. Vgl. die zahlreichen Rezensionen in Fachzeitschriften und Zeitungen, etwa Jürgen Kocka: Die erste Globalisierung – Ein großer Wurf: Jürgen Osterhammels Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts. In: Die Zeit, Nr. 9/2009; Andreas Fahrmeir: Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt – Das Panoramabild eines Jahrhunderts. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. April 2009, S. 34.
  4. Mitgliederverzeichnis: Jürgen Osterhammel. Academia Europaea, abgerufen am 11. Juli 2017 (englisch).
  5. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Jürgen Osterhammel (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 15. Juli 2016.
  6. Jürgen Osterhammel Named 2017 Toynbee Prize Winner. Website der Toynbee Prize Foundation, 1. August 2016, abgerufen am 2. August 2016.