Jürgen Renn (Historiker)

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Jürgen Renn (* 11. Juli 1956 in Moers) ist ein deutscher Wissenschaftshistoriker und seit 1994 Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Adolfinum in Moers studierte Renn Physik an der Freien Universität Berlin (FU) und der La Sapienza (Rom) und promovierte 1987 in mathematischer Physik an der TU Berlin.[1] Zwischen 1986 und 1992 war er als Mitherausgeber der „Collected Papers of Albert Einstein“[2] an der Boston University affiliiert. 1991 bis 1996 leitete er mit Peter Damerow die Arbeitsstelle Albert Einstein am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. 1993/94 war er Gastprofessor an der Universität Tel Aviv und der ETH Zürich. Seit 1994 ist Renn Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG). Renn hat eine Honorarprofessur für Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Freien Universität Berlin inne. Außerdem ist er Adjunct Professor für Philosophie und Physik an der Boston University. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 2003)[3] und der International Academy for the History of Science, Vorstandsmitglied des Berliner Exzellenzclusters Topoi[4] und des Berliner Antike-Kollegs, sowie Fellow der American Association for the Advancement of Science (seit 2018).[5]

Renn war maßgeblich an der Erarbeitung des Konzepts für das neue Max-Planck-Institut für Geoanthropologie beteiligt, dessen Direktor er werden soll; nach dem Beschluss des Senats der Max-Planck-Gesellschaft vom Juni 2022 wird es als Weiterentwicklung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena entstehen.[6]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschung

Renns Forschungsprojekte befassen sich mit langfristigen Entwicklungen von Wissen und nehmen Globalisierungsprozesse in den Blick. Er forscht beispielsweise zur historischen Entwicklung der Mechanik von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. In diesem Zusammenhang hat er sich auch mit den Ursprüngen der Mechanik in China beschäftigt, sowie mit der Transformation antiken Wissens und dem Wissensaustausch zwischen Europa und China in der Frühen Neuzeit. In jüngerer Zeit setzt sich Renn insbesondere mit der Herausforderung des Anthropozäns für die Geschichte des Wissens und der Wissenschaft auseinander.[7][8][9] Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Geschichte der modernen Physik, insbesondere die Entstehung und Entwicklung der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Quantentheorie.

Digitalisierung und Open Access

Renn hat sich seit der Entstehung des Webs für den offenen Zugang zu historischen Quellen eingesetzt.[10] 1992 hat er zusammen mit Peter Damerow und Paolo Galluzzi das Projekt eines „Galileo-Einstein Electronic Archives“ initiiert. Später hat er mit Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft die ECHO-Initiative (European Cultural Heritage Online) begründet.[11] Renn ist Mit-Initiator der Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen[12] und startete mit Kollegen die Plattform Edition Open Access.[13]

Ausstellungen

Renn organisierte zahlreiche Ausstellungen im Bereich der Wissenschafts-, Technik- und Kulturgeschichte. Er wirkte unter anderem bei folgenden Ausstellungen mit:

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien und Sammelbände (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005 (Hrsg.): Albert Einstein – Ingenieur des Universums. Wiley-VCH Berlin, ISBN 978-3-52740-579-4 (Essayband mit 100 Beiträgen anlässlich des 100. Jubiläums des "Einsteinschen Wunderjahres 1905")
  • 2007, mit Kostas Gavroglu: Positioning the History of Science. Boston Studies in the Philosophie of Science, Bd. 248,[23] Springer Dordrecht
    • The Genesis of General Relativity. Vier Bände, Boston Studies in the Philosophy of Science, Bd. 250:[24]
      • Bd. 1 und 2: Einstein’s Zurich Notebooks
      • Bd. 3: Gravitation in the twilight of classical physics – between mechanics, field theory and astronomy
      • Bd. 4: Gravitation in the twilight of classical physics – the promise of mathematics
    • Boltzmann und das Ende des mechanistischen Weltbildes. Wiener Vorlesungen Band 130. Picus Verlag Wien, ISBN 978-3-85452-530-1
  • 2012 (Hrsg.): The Globalization of Knowledge in History. Edition Open Access Berlin; ISBN 978-3-945561-23-2,[25]
    • Mit Peter Damerow: The Equilibrium Controversy. Guidobaldo Del Monte´s Critical Notes on the Mechanics of Jordanus and Benedetti and Their Historical and Conceptual Background. Wie vor[26]
  • 2013, mit Horst Kant: Eine utopische Episode – Carl Friedrich von Weizsäcker in den Netzwerken der Max-Planck Gesellschaft.[27] Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin
  • 2014, mit Wilhelm Osthues, Hermann Schlimme: Wissensgeschichte der Architektur.
    • Bd. 1: Vom Neolithikum bis zum Alten Orient.[28]
    • Bd. 2: Vom Alten Ägypten bis zum Antiken Rom.[29]
    • Bd. 3: Vom Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit.[30]
      • Studies 3, 4, 5: Max Planck Research Library in the History and Development of Knowledge. Berlin, Edition Open Access
  • 2015, mit Hanoch Gutfreund: The Road to Relativity: The History and Meaning of Einstein’s „The Foundation of General Relativity“.[31] Princeton University Press, ISBN 978-1-4008-6576-5
    • wie vor: Relativity: the Special and the General Theory, 100th Anniversary Edition. Princeton: Princeton University Press,[32] ISBN 978-0-691-16633-9
  • 2018, mit Fynn Ole Engler: Gespaltene Vernunft. Vom Ende eines Dialogs zwischen Wissenschaft und Philosophie. Berlin: Matthes & Seitz, ISBN 978-3-95757-342-1
  • 2020: The Evolution of Knowledge - Rethinking Science for the Anthropocene. Princeton University Press, ISBN 978-0-691-17198-2

Zeitschriftenbeiträge und Sammelbandbeiträge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die massive Sinus-Gordon Gleichung in der konstruktiven Quantenfeldtheorie und klassischen statistischen Mechanik: einige rigorose Ergebnisse
  2. http://www.einstein.caltech.edu/
  3. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Jürgen Renn (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 19. Juli 2016.
  4. https://www.topoi.org/person/renn-juergen/
  5. Andrea Korte: AAAS Honors Accomplished Scientists as 2018 Elected Fellows. American Association for the Advancement of Science, 27. November 2018, abgerufen am 28. November 2018 (englisch).
  6. Stephan Krauß: Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena wird neu ausgerichtet und erweitert. In: wirtschaft.thueringen.de. 23. Juni 2022, abgerufen am 6. Juli 2022.
  7. Siehe etwa den podcast eines Vortrags auf dem Anthropocene Campus
  8. Jürgen Renn: Was die Wissenschaft leisten muss. Den Menschen helfen, zur Vernunft zu kommen. In: Tagesspiegel Online. Verlag Der Tagesspiegel GmbH, 16. Oktober 2019, abgerufen am 19. November 2019.
  9. Christian Schwägerl: Die neue Welt im Anthropozän. Der Ego-Trip des Menschen und die Suche nach dem Wir-Gefühl. FAZ.net, 26. September 2022 (zuletzt aufgerufen am 26. September 2022)
  10. https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/en/research/projects/DEPT1_10_20Buettner-OpenAccess und zusammenfassend Jürgen Renn, „Beyond editions: historical sources in the digital age“, in Internationalität und Interdisziplinarität der Editionswissenschaft, hg. v. M. Stolz, & Y.-C. Chen, Berlin: De Gruyter 2014, S. 9–28.
  11. https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/en/research/projects/DEPT1_10_13Rieger-ECHO
  12. Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities, 2003 (Memento vom 12. Mai 2011)
  13. http://www.edition-open-access.de/
  14. http://einstein-virtuell.mpiwg-berlin.mpg.de/
  15. http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article175255/Technikmuseum-wuerdigt-Max-Planck.html
  16. http://www.weltwissen-berlin.de/index.php/katalog-249.html
  17. http://www.museicapitolini.org/mostre_ed_eventi/mostre/archimede_arte_e_scienza_dell_invenzione
  18. Claudia Tamiro, „Anassilaos, cultura d’esportazione“, in Il Quotidiano 13. November 2011, unter http://www.mpiwg-berlin.mpg.de/Presse-PDF/2011-11-13_IlQuotidianoAnassilaos.pdf
  19. Archivierte Kopie (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive)
  20. Archivierte Kopie (Memento vom 9. September 2015 im Internet Archive)
  21. Max-Planck-Communitas-Preis. Abgerufen am 1. Oktober 2022.
  22. Gustav Neuenschwander prize – regulations until 2020 – European Society for the History of Science. Abgerufen am 1. Oktober 2022 (amerikanisches Englisch).
  23. doi:10.1007/1-4020-5420-3
  24. doi:10.1007/978-1-4020-4000-9
  25. doi:10.34663/9783945561232-00
  26. Kant, Horst, Renn, Jürgen: Eine utopische Episode – Carl Friedrich von Weizsäcker in den Netzwerken der Max-Planck-Gesellschaft. 2013 (mpg.de [abgerufen am 1. Oktober 2022]).
  27. Jürgen Renn, Wilhelm Osthues, Hermann Schlimme: Wissensgeschichte der Architektur. 2. Dezember 2014 (mpg.de [abgerufen am 30. September 2022]).
  28. Jürgen Renn, Wilhelm Osthues, Hermann Schlimme: Wissensgeschichte der Architektur. 2. Dezember 2014 (mpg.de [abgerufen am 30. September 2022]).
  29. Jürgen Renn, Wilhelm Osthues, Hermann Schlimme: Wissensgeschichte der Architektur. 2. Dezember 2014 (mpg.de [abgerufen am 30. September 2022]).
  30. The Road to Relativity. 2015, ISBN 978-0-691-16253-9 (princeton.edu [abgerufen am 30. September 2022]).
  31. Relativity. 2015, ISBN 978-0-691-16633-9 (princeton.edu [abgerufen am 30. September 2022]).
  32. doi:10.1017/CCO9781139024525
  33. doi:10.12946/rg22/052-060
  34. Jürgen Renn: From the History of Science to the History of Knowledge – and Back. In: Centaurus. Band 57, Nr. 1, Februar 2015, ISSN 0008-8994, S. 37–53, doi:10.1111/1600-0498.12075, PMID 25684777, PMC 4320774 (freier Volltext) – (wiley.com [abgerufen am 1. Oktober 2022]).