Jürgen Schieferdecker

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Jürgen Schieferdecker (* 23. November 1937 in Meerane) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Objektkünstler sowie Architekt und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätte für Professoren der TU Dresden auf dem Alten Annenfriedhof (1983)
Die Ulbrichtsche Kugel (1984)

Schieferdecker studierte von 1955 bis 1962 unter anderem bei Karl-Heinz Adler und Georg Nerlich Architektur an der Technischen Hochschule Dresden und war anschließend dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Architekt Bernhard Klemm tätig. Er wurde 1975 Assistent an der Sektion Architektur der TU Dresden und übernahm 1993 die außerplanmäßige Professur für Bildnerische Lehre am Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung an der Fakultät der TU Dresden. Er stand dem künstlerischen Beirat der Universität vor und wurde 1994 Vorsitzender des Künstlerbundes Dresden sowie 2001 Kultursenator des Freistaates Sachsen. Der TU Dresden ist Schieferdecker auch künstlerisch verbunden. Er entwarf das Logo der TU Dresden,[1] die Ulbrichtsche Kugel auf dem Campus der Universität und eine Gedenkstele der Universität. Auf ihn geht zudem die Gestaltung der TU-Gedenkstätte auf dem Alten Annenfriedhof zurück.

Bereits in den 1960er-Jahren schuf Schieferdecker politische Grafiken, Assemblagen und Collagen, die unter anderem in Havanna und Tokio ausgestellt wurden. Seine Arbeiten zeigten „die Deformation marxistischen Denkens und die gleichzeitige Verunglimpfung alternativer Ansätze“ und widmeten sich dem Überwachungsstaat DDR, wobei seine Werke „an Deutlichkeit nichts zu wünschen [übrig] ließen.“[2] Neben politisch kritischen Werken setzte er sich auch mit der künstlerischen Moderne des 20. Jahrhunderts auseinander. Vielfach wurde er international ausgezeichnet, was ihm nicht zuletzt auch Schutz vor den Partei- und Kulturfunktionären in der DDR gewährte.

Im Jahr 1983 kaufte das Kupferstichkabinett Dresden sein bis dahin entstandenes druckgrafisches Gesamtwerk auf.[3] Umfangreiche Sammlungen von Werken Schieferdeckers befinden sich im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, des Museums Meerane, der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz und der Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus.

Jürgen Schieferdecker ist verheiratet mit Marita Schieferdecker-Adolph, der ehemaligen Ausländerbeauftragten der Stadt Dresden.

Werk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur und Gebrauchsgrafik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der TU Dresden nach einem Entwurf von Jürgen Schieferdecker (1990)
  • 1967–1968: Krematorium Schmalkalden (mit Bernhard Klemm)
  • 1968–1975: Internat Vogtshof in Görlitz (mit Bernhard Klemm)
  • 1983: Gedenkstätte der TU Dresden auf dem Alten Annenfriedhof
  • 1990: Entwurf des Logos der TU Dresden

(Objekt-)Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1965: „Die Lust zu reisen“
  • 1965: „Die Stunde des Minotaurus“
  • 1965: „Flüchtige Vision des Friedens am Abend“
  • 1966: „Das Tausendjährige Reich oder Die Hühner und das Ei“
  • 1966/1967: „Das Leben der Philosophen oder Auswanderung eines Heiligen“
  • 1967: „Suliko oder Der Diktator am Abend“
  • 1967?: „Das Lächeln der Mona Lisa oder Kann Hoffnung scheitern?“ Kunstsammlungen Cottbus
  • 1978: „Beuys macht Licht“ (Foto-Lithografie)
  • 1983: Assemblage „Dresdner Menetekel“, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister
  • 1984: Die Ulbrichtsche Kugel (Metallplastik), große Version der Miniatur „Elefant Celebes“
  • 1987: „Die Heimkehr des Elefanten Celebes (für Max Ernst)“, Assemblage, Staatliche Kunstsammlungen Dresden[4] nach Max Ernsts Gemälde „Celebes
  • 1989: TU-Stele (Metallplastik und Mobile)
  • 1996/1997: Möllner Brett (Raum-Installation)
  • 1999: Ruhekissen (Raum-Installation)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979: Preis des Museums of Modern Art Tokyo für die Foto-Lithografie „Beuys macht Licht“
  • 1981: Förderpreis der II. Europäischen Biennale Baden-Baden
  • 1986: Medaille „Künstler gegen den Krieg“ der erster Triennale Lublin/Majdanek

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schieferdecker, Jürgen. In: Dorit Petschel (Bearb.): Die Professoren der TU Dresden 1828–2003. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 832–833.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Logo? Wohl doch nicht so logisch auf tu-dresden.de
  2. Jürgen Schieferdecker: Fortgesetzte Einmischung. Bilder zur Zeitgeschichte. Foyerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig 2008.
  3. Zeichen in die Zeit hinein. Dresdner Universitätsjournal, 13. Jg., Nr. 20, 2002, S. 9.
  4. Die Heimkehr des Elefanten Celebes (für Max Ernst), Staatliche Kunstsammlungen Dresden, abgerufen am 24. April 2012