Jütland

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Jütland
Lage von Jütland (grün) in Dänemark
Lage von Jütland (grün) in Dänemark
Gewässer 1 Nordsee, Skagerrak
Gewässer 2 Kattegat, Beltsee

Geographische Lage

55° 37′ 46″ N, 9° 12′ 4″ O55.6294444444449.2011111111111Koordinaten: 55° 37′ 46″ N, 9° 12′ 4″ O
Fläche 29.775 km² in Dänemarkdep1 w3

Jütland (dänisch Jylland [ˈjylanʔ]; Adjektiv: „jütisch“ oder „jütländisch“, dänisch jysk) ist nach heutiger deutscher Definition zumeist der westliche Teil Dänemarks. Es liegt auf der Kimbrischen Halbinsel und erstreckt sich von der deutsch-dänischen Grenze bis zur Landspitze Grenen nördlich von Skagen. Damit wird das gesamte dänische Festland von Jütland gebildet, während die anderen Teile Dänemarks sich über Inseln erstrecken.

Nach der dänischen Definition verlief die Südgrenze Jütlands an der so genannten Eidergrenze,[1][2] indem das ehemalige Herzogtum Schleswig, als deutsches Lehen über Jahrhunderte an Dänemark gebunden, als Sønderjylland/Süderjütland bezeichnet wurde. Heute, fast hundert Jahre nach der Rückgabe von Nordschleswig/Nordslesvig an Dänemark, wird Südschleswig aber kaum noch als Bestandteil Jütlands aufgefasst, sondern eben als Sydslesvig.

Nach beiden Definitionen werden die vorgelagerten kleinen Inseln wie Rømø, Fænø, Læsø, Anholt[3], Samsø, Endelave oder Als Jütland zugerechnet.

Die natürlichen Grenzen Jütlands bilden im Uhrzeigersinn die Seegebiete:

Geschichte[Bearbeiten]

Gebiete auf der Kimbrischen (Jütischen) Halbinsel mit englischen Bezeichnungen.

Jütland hat seinen Namen von den Jüten, einem germanischen Volksstamm, der wohl ursprünglich eine westgermanische Sprache gesprochen hat.[4] Ein Teil des Stammes scheint zusammen mit den Sueben nach Süden abgewandert zu sein. Ein erheblicher Teil wanderte im 5. Jahrhundert mit den Angeln und Sachsen nach England (an den Medway) aus. Der zurückgebliebene größere Teil wurde von den nordgermanischen Dänen assimiliert, die ihre Heimat im heutigen Südschweden (Schonen) hatten und Jütland von den Dänischen Inseln aus besiedelten. Aus dieser Periode stammt der Siedlungsplatz Hvolris bei Viborg. Die Jüten/Dänen stießen südwärts bis an die Eider vor, wo sie auf Sachsen und Slawen stießen. Der Fluss sollte ab 811 über ein Jahrtausend die dänische Südgrenze bilden, wobei diese Aussage wiederum von Definitionen abhängig ist, da sich um 1200 aus den drei jütländischen Sysseln nördlich der Eider das Herzogtum Schleswig (Sønderjylland) bildete, das als Lehen des Königreiches Dänemark diesem nur noch mittelbar unterstand. Die meiste Zeit nahm der dänische König in Personalunion jedoch auch die Funktion des Herzogs von Schleswig wahr und war ab 1460 zusätzlich Graf, ab 1474 Herzog des angrenzenden zum Heiligen Römischen Reich gehörenden Herzogtums Holstein.

Die Bezeichnung der Halbinsel als Kimbrische Halbinsel geht auf die Kimbern zurück, einen germanischen Volksstamm, der um das 1. Jahrhundert v. Chr. mit den Teutonen in die heutige Schweiz und dann − aufgespalten − durchs Rhônetal nach Frankreich oder über den Brennerpass nach Italien zog.

Seit im 9. Jahrhundert im Süden der jütischen Halbinsel das dänische Königreich und das Frankenreich aneinanderstießen, war die Südgrenze Jütlands politisch-rechtlich zu definieren und hat sich demzufolge mehrmals zwischen Schlei und Eider (Dänische Mark) verschoben. Im Mittelalter bestanden jeweils in Nørrejylland (Norderjütland) und Sønderjylland (Süderjütland) regionale Landstinge.

1240 wurde Jütland namengebend für das Jütische Low (Jütische Recht). Es galt auf der Halbinsel von Skagen im Norden bis an die Kieler Förde-Levensau-Eider-Linie im Süden einschließlich angrenzender Inseln sowie Fünen, Fehmarn und Helgoland. Damit gehörte das Herzogtum Schleswig zu Jütland, solange es unter dänischer Hoheit stand, also bis zur Übernahme der Hoheit durch den Deutschen Bund im Jahre 1866. Mit der Abtretung Nordschleswigs vom Deutschen Reich 1920 liegt die Grenze im Bereich des sprachlichen Übergangs zwischen Sønderjysk und Standarddänisch (Rigsdansk) im Norden und dem Schleswigschen Plattdeutsch und Neuhochdeutsch im Süden.

Während des Ersten Weltkrieges fand am Nordende der Halbinsel die Schlacht von Jütland oder Skagerrakschlacht statt. Sie war eine der größten Schlachten in der Geschichte des Seekrieges. Sie wurde ausgefochten zwischen der Royal Navy und der kaiserlichen deutschen Marine und führte zu schweren Verlusten auf beiden Seiten.

Geographie[Bearbeiten]

Im dänischen Jütland setzt sich das schleswig-holsteinische Landschaftsbild nach Norden fort, mit Marschen an der Nordseeküste im Westen, einem Endmoränenrücken (Geest) in der Mitte und lehmigem Hügelland, das aus den Grundmoränen der Eiszeit besteht, im Osten. Die Küstenstreifen der Nordosthälfte sind dabei vergleichsweise jung, da sich Jütland aufgrund der postglazialen Landhebung entlang einer Diagonalen immer noch 10 mm im Jahr hebt und im Südwesten senkt.

Nördlich von Esbjerg findet sich im Westen eine Ausgleichsküste mit hohen Sanddünen. Vom Limfjord wird Jütland in ost-westlicher Richtung durchschnitten. Mitten durch Jütland verläuft in nord-südlicher Richtung die Wasserscheide des Jütischen Höhenrückens, bei Dollerup beginnend und über die Hüttener Berge sich fortsetzend bis nach Holstein. Auf ihm bildete sich wohl schon in der Steinzeit die Hauptverkehrsader in Nord-Süd-Richtung heraus, der Ochsenweg (dän. Hærvejen).

Höchste Erhebung Jütlands (und mit 171,86 m über NN auch die höchste Erhebung Dänemarks) ist der Møllehøj in unmittelbarer Nähe zum Ejer Bavnehøj und unweit des Yding Skovhøj, die alle im Höhenzug Ejer Bjerge zwischen Skanderborg und Horsens liegen.[5] Längster Fluss und auch längster Fluss Dänemarks ist die Gudenå mit 173 km Länge.

Himmelsrichtungen[Bearbeiten]

Jütland wird in geografisch in nicht immer exakt definierte Gebiete unterteilt. Dabei finden topografische Gegebenheiten, Unterschiede der jütischen Dialekte, die Mentalität der Bevölkerung, wirtschaftliche Struktur und tradierte Verwaltungsgrenzen gleichermaßen Berücksichtigung. Die Abgrenzungen in Nord – Mitte – Süd überschneiden sich dabei mit der Teilung in West – Ost, so dass Regionen je nach Betrachtungsweise zwei verschiedenen Himmelsrichtungen zugeordnet werden können.

Die Unterteilung in Westjütland/Vestjylland und Ostjütland/Østjylland folgt in etwa dem jütischen Höhenrücken. Er markiert auch ungefähr die Dialektgrenze zwischen West- und Ostjütisch. Historisch betrachtet war Westjütland eine von Armut geprägte Region, deren Landwirtschaft aber auf Freibauerntum fußte, während der wohlhabende Ostteil von Gutswirtschaft und städtischem Handel geprägt war. Bei Jens Peter Trap wurde zur Abgrenzung die Linie DollerupPadborg vorgeschlagen.[6]

Bei der Unterteilung in Nord-Süd-Richtung ist zunächst die historische Aufteilung in Norderjütland/Nørrejylland und Süderjütland/Sønderjylland entlang der Königsau zu beachten. Norderjütland besteht nun aus Nordjütland, Mitteljütland und Südjütland.

Übersicht nach Kommunen[Bearbeiten]

Die 2007 gebildeten dänischen Kommunen lassen sich annäherungsweise zuordnen. In der Übersichtstabelle sind Doppelnennungen möglich. Nebenhimmelsrichtungen gehören immer beiden Himmelsrichtungen an.

Himmelsrichtung dänisch Kommune Anmerkungen
Nordjütland Nordjylland Aalborg
Nordjütland Nordjylland Brønderslev
Nordjütland Nordjylland Frederikshavn
Nordjütland Nordjylland Hjørring
Nordjütland Nordjylland Jammerbugt
Nordjütland Nordjylland Læsø
Nordjütland Nordjylland Mariagerfjord Mariagerfjord Kommune südlich des Mariager-Fjords zu Ostjütland
Nordjütland Nordjylland Rebild
Nordjütland Nordjylland Vesthimmerland
Nordwestjütland Nordvestjylland Morsø
Nordwestjütland Nordvestjylland Skive
Nordwestjütland Nordvestjylland Thisted
Westjütland Vestjylland Lemvig
Westjütland Vestjylland Struer
Westjütland Vestjylland Herning Orte im Osten der Kommune meist als mitteljütisch identifiziert
Westjütland Vestjylland Holstebro
Westjütland Vestjylland Ringkøbing-Skjern
Südwestjütland Sydvestjylland Billund
Südwestjütland Sydvestjylland Varde
Südwestjütland Sydvestjylland Esbjerg
Südwestjütland Sydvestjylland Vejen Südteil zu Süderjütland
Südwestjütland Sydvestjylland Fanø
Süderjütland Sønderjylland Haderslev
Süderjütland Sønderjylland Tønder
Süderjütland Sønderjylland Aabenraa
Süderjütland Sønderjylland Sønderborg
Südostjütland Sydøstjylland Vejle
Südostjütland Sydøstjylland Fredericia
Südostjütland Sydøstjylland Kolding Südteil zu Süderjütland
Südjütland Sydjylland ( ... ) besteht aus Südost- und Südwestjütland
Ostjütland Østjylland Randers
Ostjütland Østjylland Norddjurs
Ostjütland Østjylland Favrskov
Ostjütland Østjylland Syddjurs
Ostjütland Østjylland Aarhus
Ostjütland Østjylland Skanderborg
Ostjütland Østjylland Silkeborg
Ostjütland Østjylland Odder
Ostjütland Østjylland Horsens
Ostjütland Østjylland Samsø
Ostjütland Østjylland Hedensted
Mitteljütland Midtjylland Viborg
Mitteljütland Midtjylland Silkeborg
Mitteljütland Midtjylland Ikast-Brande
Mitteljütland Midtjylland Randers
Mitteljütland Midtjylland Norddjurs
Mitteljütland Midtjylland Favrskov
Mitteljütland Midtjylland Syddjurs
Mitteljütland Midtjylland Aarhus
Mitteljütland Midtjylland Skanderborg
Mitteljütland Midtjylland Odder
Mitteljütland Midtjylland Horsens
Mitteljütland Midtjylland Samsø
Mitteljütland Midtjylland Hedensted
Mitteljütland Midtjylland Lemvig
Mitteljütland Midtjylland Struer
Mitteljütland Midtjylland Herning
Mitteljütland Midtjylland Holstebro
Mitteljütland Midtjylland Ringkøbing-Skjern

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Jütland bildet keine eigene Verwaltungseinheit. Es umfasst seit der Kommunalreform von 2007 die dänischen Verwaltungsregionen Region Nordjylland, Region Midtjylland sowie den größten Teil der Region Syddanmark.

Jütland bildet jedoch einen Obergerichtsbezirk, für den das Westliche Landesgericht (Vestre Landsret) mit Sitz in Viborg zuständig ist. Bis zur Anpassung des Wahlgesetzes infolge der Kommunalreform bildete ganz Jütland einen von drei Oberwahlbezirken in Abgrenzung zu Hovedstaden (Kopenhagen und Frederiksberg) und Øerne (die Inseln Fünen, Seeland, Lolland, Falster u. a.). Das Dänische Amt für Statistik erhält eine doppelte Gebietsunterteilung aufrecht, wodurch statistische Informationen sowohl unter den Verwaltungseinheiten (Regionen, Kommunen) als auch unter geographischen Gesichtspunkten abrufbar sind.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die weltbekannte Firma Lego hat ihren Sitz in Billund. Bedeutende Wirtschaftszweige sind unter anderem der Tourismus, vor allem an der Nordseeküste, sowie die Fischerei und Nahrungsmittelproduktion. Wichtige Industrie- und Hafenstädte wie Kolding, Horsens oder Aarhus sind besonders an der Ostsee oder an Fjorden zu finden. In Esbjerg, der fünftgrößten Stadt Dänemarks, befindet sich der bedeutendste Nordseehafen des Landes mit einer mehrmals wöchentlich nach Harwich (Großbritannien) verkehrenden Auto- und Personenfähre.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kultur. Svend Wiig Hansen: Menschen am Meer, Esbjerg
Geschichte. Unesco-Weltkulturerbe in Jelling

Neben seinen Naturschönheiten hat Jütland zahllose Zeugnisse der Erd- und Frühgeschichte zu bieten. Megalithanlagen, aufgelassene Klöster, Museen, Schlösser und Herrenhäuser, hunderte Dorfkirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert lohnen einen Besuch.

Legt man die veraltende dänische Definition von Jütland zu Grunde, kommen im Landesteil Schleswig zahlreiche Sehenswürdigkeiten hinzu, zum Beispiel:

Städte[Bearbeiten]

Die wichtigsten Städte in Jütland[Bearbeiten]

Deutsche Städte im Geltungsbereich des Jütischen Rechts[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jutland – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
 Wiktionary: Jütland – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Jütland – Reiseführer

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Troels Fink: Geschichte des schleswigschen Grenzlandes. Munksgaard, København 1958. S. 23.
  2. Vgl. Jens Peter Trap: Danmark, 5. Ausgabe, Bd. 6,1 Hjørring amt, Kopenhagen 1961.
  3. Anholt gehörte im Mittelalter zur Landschaft Halland.
  4. Günter Neumann, Martin Eggeler: Jüten. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 16. de Gruyter, Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-016782-4, S. 91ff.
  5. Kort & Matrikelstyrelsen: Nyt højeste punkt i Danmark vom 28. Februar 2005, abgerufen am 28. Oktober 2011 (dänisch)
  6. Jens Peter Trap: Danmark, 5. Ausgabe, Bd. 6,1 Hjørring amt, Kopenhagen 1961.
  7. Siehe auch: Fredslet