Jānis Kalnbērziņš

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Jānis Kalnbērziņš (russisch Ян Эдуа́рдович Калнбе́рзинь (Калнберзиньш), Jan Eduardowitsch Kalnbersin (Kalnbersinsch) * 17. September 1893 in Katlakalns; † 4. Februar 1986 in Riga) war ein lettischer kommunistischer Politiker. Von 1940 bis 1959 war er Erster Sekretär des Zentralkomitees der Lettischen Kommunistischen Partei.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jānis Kalnbērziņš wurde in der Gemeinde Katlakalns südlich von Riga geboren. Seit 1917 Mitglied der Bolschewistischen Partei, war er im russischen Bürgerkrieg bei Kämpfen in Lettland und später Südrussland im Rahmen der Roten Lettischen Schützen eingesetzt. In der Sowjetunion machte er in der Partei Karriere und war unter anderem 1935 in der Kommunistischen Internationale vertreten.

Mehrmals wurde er als Untergrundagent der dort verbotenen LKP zu längeren Einsätzen in die Republik Lettland geschickt. Seine Frau wurde 1937 während der Lettischen Operation des NKWD verhaftet und die Kinder in Waisenhäuser eingewiesen.[1] Kalnbērziņš überlebte wahrscheinlich, weil er während eines Auslandsaufenthalts einem Befehl zur Rückkehr in die Sowjetunion nicht Folge leistete und 1939 dann in Riga zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wurde.[2]

Nach der Okkupation Lettlands 1940 wurde Kalnbērziņš aus dem Gefängnis entlassen und zum Generalsekretär des Zentralkomitees der LKP gemacht. In dieser Funktion war er einer der Hauptverantwortlichen für die stalinistischen Massenrepressionen, Deportationen und Erschießungen seiner Landsleute. Im deutsch-sowjetischen Krieg war Kalnbērziņš als Politkommissar bei der Nordwestfront der Roten Armee tätig. 1944 konnte er auf seinen Partei-Posten zurückkehren und war so faktisch der mächtigste Mann auf dem Gebiet der Lettischen SSR. 1959 bekam er das Amt des Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets der Lettischen SRR zugewiesen, das er bis zu seiner Pensionierung 1970 innehatte. Die Abschiebung auf diesen weniger wichtigen Posten kam einer Kaltstellung im Rahmen der Säuberungen von sogenannten Nationalbolschewisten gleich. In den folgenden Zeiten wurden Schlüsselpositionen in Partei und Verwaltung dann weitgehend mit ethnischen Russen besetzt, sowie auch die Einwanderung verstärkt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Romuald J. Misiunas, Rein Taagepera: The Baltic States: Years of Dependence, 1940-80, ISBN 978-052-0046-252.
  • Jānis Kalnbērziņš: Atmiņas Liesma, Rīga 1983.
  • Janis Liepiņš: Es sadarbojos ar KGB un CIP dubultaģentu Imantu Lešinski Riga 2003, ISBN 9984-9685-0-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lettische Historikerkommission: 'OKUPĀCIJAS REŽĪMI BALTIJAS VALSTĪS 1940 – 1991', Riga 2009, ISBN 978-9984-824-15-4, Seite 28 (Die Ehefrau kam während der Haft um oder wurde erschossen, Kalnbērziņšs poststalinistischen Bemühungen die anonym in ein Waisenhaus bei Woronesh eingewiesenen Kinder ausfindig zu machen sollen vergeblich gewesen sein, siehe auch bei Liepiņš Seite 148)
  2. Janis Liepiņš: Es sadarbojos ar KGB un CIP dubultaģentu Imantu Lešinski Seite 148