JŽ-Baureihe 740

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JŽ 740
740.108
740.108
Nummerierung: JŽ 740 001–015, 101–125
Anzahl: 40
Hersteller: Đuro Đaković
Baujahr(e): 1968–1972
Achsformel: B’B’
Spurweite: 760 mm (Bosnische Spur)
Länge über Puffer: 11.600 mm
Höhe: 3.350 mm
Breite: 2.400 mm
Drehzapfenabstand: 5.400 mm
Drehgestellachsstand: 2.200 mm
Gesamtradstand: 7.600 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 50 m
Dienstmasse: 32 t
Reibungsmasse: 32 t
Radsatzfahrmasse: 8 t
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Installierte Leistung: 441 kW (600 PS)
Anfahrzugkraft: 110 kN
Treibraddurchmesser: 850 mm
Motorentyp: V 124 (Lizenz von SACM)
Motorbauart: Dieselmotor
Nenndrehzahl: 1.500/min
Leistungsübertragung: hydrodynamisch
Tankinhalt: 1.200 l
Bremse: Westinghouse-Bremse
Saugluftbremse
Handbremse

Die JŽ-Baureihe 740 sind Diesellokomotiven, die für die auf der Spurweite von 760 mm betrieben Schmalspurbahnen in Jugoslawien beschafft wurden und dort die zahlreichen überalterten Dampflokomotiven ablösen sollten. Aufgrund der Einstellung der Schmalspurbahnen waren sie nur etwa zehn Jahre dort im Einsatz. Einige von ihnen wurden an private Betreiber im In- und Ausland verkauft und sind heute noch im Einsatz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

740-107 mit Produktionszug auf der Kohlenbahn Banovići, 2016

In den 1960er-Jahren besaß das Streckennetz der jugoslawischen Schmalspurbahnen noch eine Ausdehnung von etwa 3000 km. Es stammte größtenteils noch aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und wurde in der Zwischenkriegszeit weiter ausgebaut. Auf diesen Strecken waren zahlreiche Dampflokomotiven eingesetzt. Zur Rationalisierung des Betriebes nahmen die ein umfangreiches Verdieselungsprogramm in Angriff. Anfang der 1970er-Jahre sollten die neuen Lokomotiven sämtliche Dampflokomotiven auf den Schmalspurstrecken ablösen. Mit dem Ersatz der Bosnabahn und der Narentabahn durch normalspurige Neubaustrecken bzw. Umspurung schmalspuriger Abschnitte war das zusammenhängende Streckennetz zerfallen, es verblieben Stichbahnen von weitestgehend regionaler Bedeutung. Eine komplette Einstellung war aber zunächst nicht vorgesehen.

So entstand 1968 die erste Diesellokomotive mit der Bezeichnung JŽ 740 001, die umfangreichen Erprobungen auf der Bosnischen Ostbahn unterzogen wurde. Daraufhin bestellten die JŽ einschließlich der Versuchslokomotive insgesamt 40 Diesellokomotiven bei Đuro Đaković in Slavonski Brod, mit denen vor allem der Güterverkehr verdieselt werden sollte. Für den hochwertigen Reisezugverkehr wurde gleichzeitig die Triebwagenreihe 802 in Dienst gestellt.

Die Bestellung teilte sich auf in:

  • 740 001–015 ohne Heizeinrichtung
  • 740 101–125 (mit Heizkessel)[1]

Die Lokomotiven wurden bis Anfang 1972 an die Staatsbahn, besonders in die Eisenbahndirektion Sarajevo, ausgeliefert. Mit ihnen konnte der Dampfbetrieb auf den Schmalspurbahnen weitgehend abgelöst werden. Besonders hervorgehoben wurde der Einsatz der Lokomotiven auf den langen Steigungsstrecken des Praca-Tales, den Kehrschleifen des Sargan-Passes bei der Bosnischen Ostbahn sowie auf den Strecken der ehemaligen Steinbeisbahn erwähnt. Auf der Bahnstrecke Lašva-Donji Vakuf-Gornji Vakuf/Jajce über den Komarsattel wurden die Lokomotiven auf der Zahnradbahn eingesetzt und konnten hier im reinen Adhäsionsbetrieb die Dampflokomotiven ersetzen.[1] Auch auf den dalmatinischen Schmalspurbahnen, die durch eine sehr wasserarme Region führten, war die Ablöse der Dampftraktion äußerst willkommen.

Ein radikaler Meinungsumschwung im Bereich der Bahndirektion Sarajevo führte in den 1970ern zur kontinuierlichen Einstellung aller Schmalspurstrecken, die 1979 abgeschlossen war. Die systematische Schließung der Schmalspurbahnen durch Umstellung auf Busbetrieb bewirkte, dass die Lokomotiven und Triebwagen nicht einmal ein Alter von zehn Jahren auf ihren angestammten Strecken erreichten.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

D10 der Zillertalbahn, ex. 740-007, im Mayrhofen
VL 22 der StLB in Stadl an der Mur auf der Murtalbahn

In Jugoslawien waren nach 1979 an Schmalspurbahnen nur noch einige kurze Strecken im Bereich der Direktion Belgrad in Serbien verblieben, die noch für einige Jahre im Güterverkehr bedient wurden. An einer Übernahme von Diesellokomotiven war man wegen der sich bereits abzeichnenden Einstellung dieser Strecken dort aber nicht mehr interessiert. Die Suche nach Käufern im Ausland erwies sich als schwierig, da trotz des jungen Alters der Maschinen, vor allem die Motoren bereits stark verschlissen waren. So wurden die verkauften Exemplare bei ihren neuen Besitzern durchwegs mit neuen Motoren ausgestattet.

  • Vier Lokomotiven wurden an die Kohlenbahn Banovići für den Streckendienst verkauft.[2] Von diesen Lokomotiven waren 2016 noch die 740 107 und 740 108 als betriebsfähig, sowie 740 113 als abgestellt bekannt.
  • 740 025 wurde für den Einsatz auf einer Kohlenbahn in Kostolac in Serbien auf eine Spurweite von 900 mm umgespurt.[2] Ein Rückbau auf 760 mm für den Einsatz auf der Šarganska osmica ist angedacht.
  • Eine Lokomotive ist bei der Zillertalbahn im Einsatz. Es war die ehemalige 740 007. Sie trägt heute die Bezeichnung D 10.
  • In Österreich sind zwei weitere Lokomotiven bei den Steiermärkischen Landesbahnen bekannt, es waren die ehemaligen 740 023 und 740 024, die unter den Nummern VL 22 und VL 23 auf der Thörlerbahn und der Feistritztalbahn eingesetzt waren.[3] Hier führten die Fahrzeuge vorrangig Güterzugdienste aus.[4]
  • 740-106 wurde von der Kohlenbahn Banovići 1998 an die StLB verkauft, jedoch dann nicht umgebaut. Sie ist zerlegt in Weiz eingelagert, wegen der Einstellung der Feistritztalbahn ist ihre Aufarbeitung bei der StLB auch nicht mehr vorgesehen.
  • Drei Lokomotiven kamen über ein italienisches Gleisbauunternehmen nach Spanien. Bekannt sind die 740 003, die 740 006 und die 740 020 bei dem Infrastrukturunternehmen COMSA. Die 740 006 wurde für ihren Dienst auf eine Spurweite von 1000 mm umgespurt.[5]
  • Eine nummernmäßig nicht bekannte Lokomotive wurde nach vollständigem Umbau zum Dienst auf der Nonstalbahn abgegeben.[2]

Ein Verkauf mehrerer Lokomotiven an die ÖBB scheiterte an Intervention vonseiten der österreichischen Schienenfahrzeugindustrie.[6] Jene Maschinen, für die sich kein Käufer fand, wurden zum Teil als Ersatzteilspender für ähnlich ausgestattete Normalspurlokomotiven desselben Herstellers verwendet und verschrottet.

Technische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgeführt sind die Lokomotiven als Vorbautenlokomotiven mit einem außermittig angeordneten Führerstand. Im großen Vorbau ist die Maschinen- und Kühlanlage, im kleinen Vorbau die Batterie und bei den Lokomotiven der Untergruppe 740.1 der Heizkessel für die Dampfheizung untergebracht.

Angetrieben werden die Lokomotiven von einem von Đuro Đaković hergestellten schnelllaufenden Dieselmotor vom Typ V 124, der in Lizenz von SACM entstand und in zahlreichen Diesellokomotiven der Normalspur, wie den heutigen HŽ 2041 oder HŽ 2042 Verwendung fand. Das brachte zahlreiche Vorteile bei der Ersatzteilvorhaltung. Der Motor befindet sich in der Mitte des großen Vorbaues. Unmittelbar vor dem Führerstand ist in diesem Vorbau das Strömungsgetriebe, das über eine Gelenkwelle vom Motor angetrieben wird, gelagert. Es ist ein Getriebe von Voith mit der Bezeichnung L 26/ST/V. Von ihm aus werden die vier Achsen der Drehgestelle ebenfalls über Gelenkwellen angetrieben. Der Antrieb der Kühlventilatoren geschieht über ein hydrostatisches Getriebe vom Dieselmotor aus.

Die Lokomotiven sind mit drei Bremssystemen ausgerüstet. Neben der Handbremse besitzen die Lokomotiven eine Druckluftbremse und eine Saugluftbremse, da zur Zeit ihrer Indienststellung auf den Bosnisch-Herzegowinischen Staatsbahnen noch viele Wagen mit dieser Bremse aus kkStB-Zeit existierten.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Keith Chester: The Narrow Gauge Railways of Bosnia-Hercegovina. Stenvalls, Malmö 2006, ISBN 91-7266-166-6.
  • Alfred Horn: Diesellokomotive für die Schmalspurstrecken der JZ, in: "Der Modelleisenbahner" 2/1972
  • Karl Schellauf und Dietmar Zehetner: 100 Jahre Feistritztalbahn, Sutton-Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-839-3
  • Werner Schiendl, Franz Gemeinböck: Die Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina 1918–2016. Edition Bahn im Film, Wien 2017, ISBN 978-3-9503096-7-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schmalspurdiesellokomotiven aus Bosnien-Herzegowina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Alfred Horn: Diesellokomotive für die Schmalspurstrecken der JZ, in: "Der Modelleisenbahner" 2/1972
  2. a b c Internetseite über die Einsätze der Reihe 740 nach der Staatsbahnzeit
  3. Internetseite über die JZ-Reihe 740 bei der Feistritztalbahn
  4. Karl Schellauf und Dietmar Zehetner: 100 Jahre Feistritztalbahn, Sutton-Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-839-3, Seite 65
  5. Internetinformation über die nach Spanien gelangten Lokomotiven
  6. Schiendl, Gemeinböck: Die Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina 1918–2016, S. 286