JFK – Tatort Dallas

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Filmdaten
Deutscher Titel JFK – Tatort Dallas
Originaltitel JFK
Produktionsland Vereinigte Staaten, Frankreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1991
Länge Kinofassung: 189 Minuten
Director’s Cut: 206 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Oliver Stone
Drehbuch Oliver Stone,
Zachary Sklar
Produktion A. Kitman Ho,
Oliver Stone
Musik John Williams
Kamera Robert Richardson
Schnitt Joe Hutshing,
Pietro Scalia
Besetzung
Synchronisation

JFK – Tatort Dallas (Originaltitel JFK) ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1991 des Regisseurs Oliver Stone. Erzählt wird der Versuch des Staatsanwalts Jim Garrison, gespielt von Kevin Costner, die genauen Umstände der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963 aufzudecken. Dabei stützt sich der Film auf die Bücher von Jim Garrison und Jim Marrs, nach denen Lee Harvey Oswald kein Einzeltäter war, sondern nur das Rädchen einer weitverzweigten Verschwörung des tiefen Staats gegenüber dem Präsidenten.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zuschauer befindet sich im Jahr 1963 am Tag des Attentats auf John F. Kennedy. Zunächst folgt ein kurzer Rückblick auf die Jahre, bevor Kennedy Präsident wurde. Dann ist der auf Super 8 gedrehte Zapruder-Film zu sehen, der als einziger Film die Ermordung Kennedys aus nur etwas über 20 m Entfernung[1] zeigt. Als die Schüsse gefallen sind, wechselt der Handlungsort nach New Orleans, wo Jim Garrison (Kevin Costner) Bezirksstaatsanwalt ist. Zunächst werden sämtliche Kontakte Oswalds in New Orleans überprüft und schließlich wird die Untersuchung eingestellt.

Drei Jahre später, im Jahr 1966, rollt Garrison den Fall mit seinen Ermittlern wieder auf. Detailgenau geht Garrison zahlreichen Hinweisen nach, deren Aufklärung einerseits das Puzzle zu vervollständigen scheinen, andererseits etliche neue Fragen aufwerfen. Doch man bekommt ein wesentlich besseres Bild von dem, was damals geschehen ist, und warum. „Wer hat Kennedy getötet? Wer profitierte davon? Wer hat die Macht, ein solches Verbrechen zu decken? Wer?“; „Oswald, Ruby, Kuba, die Mafia, damit sind die Leute beschäftigt, und niemand kommt mehr auf die Idee, zu fragen wieso!“ Außerdem werden Unternehmen und ihre wirtschaftlichen Hintergründe infrage gestellt und Bezüge zum Vietnamkrieg hergestellt. Entscheidend ist eine längere Sequenz, bei der „Mr. X“ Garrison unter anderem Folgendes sagt:

„Wie sieht der Verteidigungsetat aus, seitdem der Krieg begonnen hat? 75 Milliarden Dollar (1966), demnächst werden es 100 Milliarden sein – bis der Krieg zu Ende ist, werden es fast 200 Milliarden sein; 1949 waren es 10 Milliarden. Gibt’s keinen Krieg, gibt’s kein Geld.

Das organisierende Prinzip einer jeden Gesellschaft, Mr. Garrison, heißt, man führt Krieg. Die Autorität eines Staates über seine Bürger liegt in seiner Macht, Krieg zu führen.“

Am Ende des Films führt Garrison einen Strafprozess gegen Clay Shaw/Clay Bertrand (Tommy Lee Jones) mit der Anklage wegen Verschwörung zur Ermordung des Präsidenten. Er illustriert dabei, wie unwahrscheinlich der Weg der „Magischen Kugel“ war, und zeigt der Öffentlichkeit erstmals den Film von Abraham Zapruder, der bis dato im TimeLife-Gebäude in New York lag. Man erfährt viele Details und Garrison stellt alles in einen sinnvollen Zusammenhang, abgeschlossen von einem allerdings weitschweifenden Plädoyer über politische Moral. Am Ende gelingt es ihm nicht, die Geschworenen von Shaws Schuld zu überzeugen, und dieser wird freigesprochen.

Hintergründe und Verschwörungstheorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oliver Stones Film steht in der Tradition zahlreicher unterschiedlichster Theorien, die von einer Verschwörung hinter der Ermordung des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy ausgehen, von denen die ersten bereits wenige Stunden nach der Tat als natürliche Reaktion auf dieses für viele Menschen erschütternde Ereignis aufgekommen waren und noch mehr nach der Ermordung Lee Harvey Oswalds durch Jack Ruby.

Dazu trug sicherlich der Vorwurf einer nur oberflächlich erfolgten offiziellen Untersuchung des Mordes durch die Warren-Commission bei, welche im Ergebnis die Alleintäterschaft Oswalds feststellte, aber anderen Theorien kaum nachging. Möglicher Grund dafür war die Sorge, bei einer tiefer gehenden Untersuchung eine Beteiligung der kubanischen Regierung oder des Sowjetischen Geheimdienstes aufzudecken, welche einen neuen Weltkrieg hätte zur Folge haben können. So befand sich die Sowjetunion bereits kurz nach dem Attentat in erhöhter Alarmbereitschaft, da man dort befürchtete, für das Attentat verantwortlich gemacht zu werden. [2]

Der Film selbst behandelt die Ermittlungen des New Orleanser Staatsanwalts Jim Garrison zum Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy, der im März 1967 aufgrund von Unstimmigkeiten im offiziellen Bericht der Warren-Kommission eine erneute gerichtliche Untersuchung durchgesetzt hatte, mit der er beweisen wollte, dass Präsident Kennedy einer Verschwörung zum Opfer gefallen sei, in die neben anderen der Pilot David Ferrie und der Geschäftsmann Clay Shaw verwickelt gewesen seien.

Dies stellt eine von vielen Verschwörungstheorien zur Ermordung John F. Kennedys dar, in der unter anderem die CIA für diese verantwortlich gemacht wird. Dazu kommen nicht minder populäre Theorien, in denen der sowjetische Geheimdienst, Fidel Castro, Lyndon B. Johnson, Exil-Kubaner, politische rechte Gruppen oder die US-amerikanische Mafia, die von Kennedy stark bekämpft wurde, und mit der Familienmitglieder des mutmaßlichen Attentäters Lee Harvey Oswald und dieser selbst in Teilen Kontakt hatten, [3] den Mord veranlasst haben sollen.

Kritik um Thesen und Theoriefindung Stones[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Kritiker des Filmes werfen Stone vor, Theorienfindung betrieben zu haben, in dem er bereits mit der These einer politischen Verschwörung an den Film heranging, und dann aus den Fakten zu Gunsten möglichst hoher Suspense seine Geschichte eines Mordkomplotts aufbaute, anstatt neutral und unvoreingenommen an die Faktenlage heran zu gehen und mögliche persönliche Gründe Oswalds für die Tat zu berücksichtigen.

So konnte tatsächlich bis heute trotz unzähliger neu aufgelegter, sowohl staatlicher als auch privater Untersuchungen die Alleintäter-These um Oswald weder entkräftet noch die Beteiligung irgendeiner Interessengruppe nach vor Gericht geltenden Standards bewiesen werden.

Unter anderem wird in dem Film die sogenannte „Single bullet theory“ infrage gestellt, nach der Präsident Kennedy und Gouverneur John Connally von einer einzigen Kugel getroffen wurden, ebenso wie die offizielle Ansicht, dass auch der dritte und letztendlich tödliche Kopfschuss auf den Präsidenten von hinten aus Richtung des Dallas School Book Depository abgefeuert worden sei. Stattdessen soll dieser dritte Schuss von vorne aus Richtung des bei Verschwörungstheoretiker als Grassy Knoll bezeichneten Hügels gekommen sein, was unter anderem der auf dem Abraham Zapruder Film zu sehende „Head Snap“ (in etwa: "Kopfruckler") beweisen soll. Dabei handelt es sich um den Umstand, dass Präsident Kennedys Kopf nach dem in Folge tödlichen Treffer nicht wie vielleicht zu erwarten nach vorne, sondern nach hinten links geworfen wurde und dass sein Kopf, am oberen Ende der Stirn, also vorne, entgegen der Richtung des School Book Depository aufplatzte. Dies soll beweisen, dass der Kopfschuss aus Richtung des Grassy Knoll gekommen sein müsse.

Diese These widerspricht jedoch festen ballistischen Grundsätzen, wie unter anderem der angesehene Ballistiker Lucien Haag Ende September 2013 auf der Jahrestagung der National Association of Forensic Scientists darlegte. [4]

Zunächst zeigt die Tatsache, dass Kennedys Kopf an seiner Vorderseite aufplatzte, dass der Schuss von hinten kam, da eine Austritts- immer größer als eine Eintrittswunde ist. [5][6] Demnach zeigt das Platzen der Stirn auf der Vorderseite, etwa über dem rechten Ohr, wie das Projektil den Schädel wieder verlässt. Außerdem beruht die These um den Head Snap auf der falschen Grundannahme, dass beim Auftreffen einer Kugel aus einer Feuerwaffe auf ein Objekt dieses nach dem Prinzip des Impulserhaltungssatz beim Aufschlag stark zurückgeworfen werde. Dass von einer Kugel getroffene Personen umgeworfen oder sogar durch die Luft fliegen, ist jedoch ein weit verbreiteter Irrglaube, der durch entsprechende Darstellungen in etlichen Actionfilmen suggeriert wird. Tatsächlich kann ein bewegter Körper, wenn er auf einen anderen ruhenden trifft, diesen in Bewegung versetzen, allerdings nur, wenn beide eine einigermaßen gleich große Masse besitzen, wie z. B. beim Kugelstoßpendel. Dies gilt allerdings nicht, wenn ein wenige Gramm schweres Projektil auf den Körper eines Menschen oder auch nur dessen immer noch viel zu schweren Kopf trifft. Demnach soll die während des letzten dritten Schusses stattfindende Beschleunigung des Wagens und die abschüssig nach links verlaufende Straße sowie die bereits nach links zu seiner Frau geneigte Körperhaltung des Präsidenten für die Fallrichtung des Kopfes nach hinten, entgegen der Fahrrichtung, gemäß dem Trägheitsprinzip verantwortlich sein, oder ein letztes Aufbäumen der Muskeln im Körper, in Form eines plötzlichen Reflexes, in dem sich der gekrümmte Rücken des Präsidenten wieder durchstreckte, wodurch im gleichen Zuge der schlaffe Kopf nach hinten fiel.

Des Weiteren zeigen die digitalisierten, hoch aufgelösten Fassungen des Orville-Nix-Films[7] sowie des Marie-Muchmore-Films[8], welche das Attentat von hinten, mit Blick auf den Grassy Knoll zeigen, wie sich beim tödlichen Kopfschuss ein feiner, roter Nebel, vermutlich bestehend aus Blut, Gehirnmasse und Teilen der Schädeldecke von der Stirn des Präsidenten nach vorn in Fahrtrichtung schiebt, im selben Moment vom Wagen eingeholt wird und schließlich auf dem Heck des Wagens niedergeht, woraufhin Jackie Kennedy auf dieses klettert, um unter Schock die Teile vom Kopf ihres Mannes einzusammeln.[9][10] Auch auf den im Film verwendeten Abraham-Zapruder-Aufnahmen (zwischen den Frames 310 und 313) ist die trichterförmige Ausrichtung dieses Nebels nach vorn zu erkennen.

Zudem merkte der Experte für Schusswaffenverletzungen Larry Sturdivan bei einer Rekonstruktion des Attentats im Jahr 2011 für den Sender National Geographic an, dass bei einem Schuss aus Richtung des Grassy Knoll auf den Kopf des Präsidenten, Jackie Kennedy, die links neben den Präsidenten saß (demnach in Schusslinie), von Schrapnellen hätte verwundet oder zumindest der Wagen an dieser Stelle leichte Beschädigungen aufweisen müsse.[11][10] Außerdem wurde die Windschutzscheibe des Wagens von innen beschädigt, was nur erklärt werden kann, wenn die Schüsse von hinten abgefeuert wurden.[12] Dies spricht ebenfalls dagegen, dass der letzte Schuss den Präsidenten von vorn traf.

Außerdem entspricht die im Film geäußerte Behauptung Lee Harvey Oswald, der im Sommer 1963 bereits ein gescheitertes Attentat auf den ehemaligen US-General und Rechtsradikalen Edwin Anderson Walker mit demselben Gewehr, mit dem er im November auf Präsidenten Kennedy schoss, verübt hatte,[13][14][15] sei ein miserabler Schütze gewesen, nicht den Tatsachen. Bei seiner Grundausbildung in der US-Armee verfehlte er mit der M1 Grand nur knapp die erforderliche Schießleistung, die ihn als „Sharpshooter“ (die zweitbeste von insgesamt drei Stufen im amerikanischen System für qualifizierte Schützen) eingestuft hätte. Drei Jahre später kam er jedoch bei einer weiteren Überprüfung auf ein schlechteres Ergebnis, das eines „Marksman“ (eine Stufe unter Sharpshooter). Diese Ergebnisse weisen ihn jedoch immer noch als überdurchschnittlichen Schützen aus. [16]

In dem Film werden des Weiteren die berühmten Backyard-Bilder thematisiert, auf denen Oswald im Garten seines Hauses mit seinem Gewehr in der Hand und einer Pistole sowie mit kommunistischen Zeitungen posiert und unterstellt, dabei handele es sich um Fälschungen. Tatsächlich hat Oswalds Witwe, Mariana Oswald, mehrmals ausgesagt [17], sie habe selbst die Bilder aufgenommen. Zudem kam der US-amerikanische Professor für Informatik Hany Farid 2009 bei seiner Untersuchung der Bilder zu dem Ergebnis, es sei „in hohem Maße unwahrscheinlich, dass irgendjemand eine so perfekte Fälschung mit der Technologie habe bewerkstelligen können, die 1963 zur Verfügung stand“. [18][19]

Des Weiteren wird in dem Film der Carcano-Karabiner, den Oswald für das Attentat gebrauchte, als billiges Gewehr bezeichnet, womit suggeriert wird, es sei für die Ausübung des Attentats zu unpräzise gewesen. Tatsächlich hatte Oswald das Gewehr für einen niedrigen Preis erworben [14], da die Nachfrage für italienische Gewehre nach dem Krieg sehr gering war, dennoch handelt es sich bei dem Mannlicher Carcano um ein durchschnittliches Gewehr, das in verschiedenen Ausführungen von der italienischen Armee über 40 Jahre, während des Ersten und Zweiten Weltkrieges gebraucht und auch von Scharfschützen verwendet wurde. [20]

In dem Film wird außerdem, wie in der Realität einst von Garrison, die These aufgestellt, es hätte sechs Schüsse auf den Präsidenten gegeben. Selbst die meisten Anhänger einer Verschwörung gehen von lediglich drei Schüssen aus. Nebenbei gibt es noch eine Kontroverse um die DictaBelt-Tonaufnahme, auf welcher ein vierter Schuss zuhören sein soll. Des Weiteren werden Aussagen von Zeugen aufgegriffen, die angaben, sie hätten Schüsse aus Richtung des Grassy Knoll gehört. Schließlich sind Aussagen eingeflossen, nach denen auf dem Grassy Knoll Pulverdampf aufgestiegen sei oder Männer mit Gewehren weggelaufen seien. Die Richtigkeit dieser Aussagen konnte jedoch trotz vieler Fotografien und Filmaufnahmen, die während des Attentats gemacht worden sind, oder anhand anderer Beweise nie nachgewiesen oder bestätigt werden. Stattdessen werden diese Beobachtung mit dem Phänomen der Aufmerksamkeitsblindheit erklärt, demnach das Gehirn auf Grund einer Reizüberflutung in äußerst stressigen und chaotischen Situation Kleinigkeiten fehl- oder überinterpretiert. So sind selbst erfahrene Schützen nicht immer in der Lage, unter Stress die Anzahl von Schüssen oder die Schussrichtung korrekt wiederzugeben. [21]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Matthias Müntefering unter der Dialogregie von Michael Richter im Auftrag der Berliner Synchron AG.[22]

Rolle Darsteller Deutscher Sprecher[22]
Prologsprecher Kurt Goldstein
Jim Garrison Kevin Costner Frank Glaubrecht
Willie O'Keefe Kevin Bacon Patrick Winczewski
Clay Shaw / Clay Bertrand Tommy Lee Jones Jürgen Thormann
Susie Cox Laurie Metcalf Heike Schroetter
Lee Harvey Oswald Gary Oldman Thomas Petruo
Jack Ruby Brian Doyle-Murray Friedrich Georg Beckhaus
Bill Broussard Michael Rooker Jürgen Heinrich
Lou Ivon Jay O. Sanders Manfred Lehmann
Numa Bertel Wayne Knight Helmut Gauß
Bill Newman Vincent D'Onofrio Stefan Fredrich
Lee Bowers Pruitt Taylor Vince Tom Deininger
Rose Cheramie Sally Kirkland Marianne Lutz
Guy Bannister Edward Asner Heinz Theo Branding
Jack Martin Jack Lemmon Georg Thomalla
Wilfried Herbst
David Ferrie Joe Pesci Mogens von Gadow
Senator Long Walter Matthau Wolfgang Völz
Dean Andrews John Candy Andreas Mannkopff
Earl Warren Jim Garrison Heinz Palm
Beverly Oliver Lolita Davidovich Daniela Hoffmann
Carlos Bringuier Tony Plana Christian Rode
Leopoldo Tomás Milián Christian Rode
Al Oser Gary Grubbs Hubertus Bengsch
X Donald Sutherland Rolf Schult

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes
Kritiker [23]
Publikum [23]
Metacritic
Kritiker [24]
Publikum [24]
IMDb [25]

„28 Jahre nach dem Attentat an Präsident John F. Kennedy rührt Oliver Stone (‚Platoon‘) am kollektiven Gewissen einer Nation, die sich vom Schock der Ermordung nie mehr ganz erholt hat. In monatelanger Recherchearbeit trug er Beweise zusammen, um in einer dreistündigen Tour de Force seine Version der Ereignisse vorzulegen. Mit einem furiosen Feuerwerk an Schnitten und der Montage von authentischem und eigenem Filmmaterial (zwei Oscars waren der Lohn) sorgt Stone in diesem Politthriller par excellence für Hochspannung pur. Superstar Kevin Costner steht an der Spitze einer Besetzung, die ihresgleichen sucht. 2,9 Millionen Kinozuschauer ließen sich von der Bilderflut mitreißen.“

VideoWoche

„Der Film ist eine engagierte und involvierende Kombination aus Dokumentation und Dramatisierung, die Zweifel an den offiziellen Untersuchungsergebnissen und an der Integrität der damit beauftragten Staatsorgane erhärtet, selbst wenn man den Schlüssen, die er daraus ableitet, nicht immer folgen will. Auch für nichtamerikanische Zuschauer ein ebenso aufregender Film wie eine frustrierende historische Lektion.“

Lexikon des internationalen Films (CD-ROM-Ausgabe, Systhema, München 1997)

„[…] während der authentische Garrison bei Stone wie eine erfundene Figur erscheint, wirken die fiktiven, mit einem Kennedy-Double gedrehten Bilder des Attentats auf verstörende Weise „echt“: grobkörnige, unscharfe, sekundenkurze Scheindokumente, Wahrheitsfiktionen, die den Unterschied zwischen Realität und Inszenierung virtuos und skrupellos verwischen.“

„Oliver Stones Film ist ein Tier mit drei Köpfen. Da er auf das Gewicht echter Namen und beglaubigter Fakten nicht verzichten will, fehlt ihm die geschlossene Spannung, die spielerische, bösartige Brillanz von Verneuils Kennedy-Thriller "I wie Ikarus". Für ein Dokudrama andererseits ist die Beweislage nach wie vor dünn.“

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden verlieh der Produktion das Prädikat „besonders wertvoll“.

Anekdoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kritiker warfen dem Regisseur vor, durch Vermengung von geschichtlichen Fakten und fiktionalen Ereignissen zu polemisieren und den Zuschauer zu manipulieren. Stone veröffentlichte daraufhin eine Version des Drehbuches mit Quellenverweisen, um der Kritik zu begegnen.
  • Jim Garrison hat im Film einen Gastauftritt: Er spielt Earl Warren, der einst Vorsitzender der Warren-Kommission war, die zur Aufklärung des Attentates auf John F. Kennedy ins Leben gerufen wurde. In diesem Cameo-Auftritt zitiert er Earl Warren, dass es keinerlei Hinweise darauf gebe, dass das Ergebnis der Warren-Kommission widerlegt werden könne und dass Oswald der alleinige Attentäter auf John F. Kennedy war – und „widerspricht“ sich somit 24 Jahre später.

Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen seiner umfangreichen Verpflichtungen für Steven Spielbergs Hook, der im gleichen Zeitraum wie JFK – Tatort Dallas entstand, konnte der Komponist John Williams aus Zeitgründen nicht wie üblich die Filmmusik für den gesamten Film komponieren. Stattdessen komponierte er sechs Musiksequenzen, bevor er überhaupt den Film in voller Länge gesehen hatte. Kurz nach der Einspielung und Aufnahme dieser Sequenzen reiste er an den Drehort New Orleans, wo der Regisseur Oliver Stone noch an der Fertigstellung des Films arbeitete. Williams sah sich dort ungefähr eine Stunde des bereits gedrehten Materials an, um einen ersten eigenen Eindruck von der Atmosphäre des Films zu gewinnen. Nachdem Williams zusätzlich zu den bereits zuvor eingespielten Sequenzen weitere Teile der Filmmusik komponiert und aufgenommen hatte, schnitten Stone und sein Team dann den Film tatsächlich so, dass er zu der Musik passte.[28]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Academy Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 gewann der Film zwei Oscars.

Weitere Oscar-Nominierungen:

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Bester Nebendarsteller (Tommy Lee Jones)
  • Beste Filmmusik
  • Bester Ton

Oliver Stone wurde in drei Kategorien gleichzeitig nominiert, gewann aber keine Auszeichnung.

Golden Globe Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oliver Stone wurde für seine Einzelleistung als Regisseur mit dem Globe in der Kategorie Beste Regie ausgezeichnet.

Weitere Golden-Globe-Nominierungen:

  • Bester Film/Drama
  • Bester Hauptdarsteller/Drama (Kevin Costner)
  • Bestes Filmdrehbuch

Oliver Stone war, wie auch bei den Oscars, in drei Kategorien gleichzeitig nominiert.

Japanese Academy Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 gewann der Film den Japanese Academy Award als bester ausländischer Film. Nach Platoon war J.F.K. bereits der zweite Film von Oliver Stone, der diese Auszeichnung gewann.

British Academy Film Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tommy Lee Jones wurde als bester Nebendarsteller nominiert.

Weitere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde 1991 für drei Political Film Society Awards nominiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jim Garrison: Wer erschoss John F. Kennedy? Auf der Spur der Mörder von Dallas. Das Buch zum Film (Originaltitel: On the trail of the assassins). Deutsch von Uwe Anton, bearbeitet von Heike Rosbach. Bastei-Verlag Lübbe, Bergisch Gladbach 1992, 411 S., ISBN 3-404-13412-5
  • Jim Marrs: Crossfire: The Plot That Killed Kennedy

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://jfkassassination.net/russ/infojfk/jfk6/traj.htm
  2. arte - Der JFK Mord, wiederaufgerollt
  3. Mafia. Schattengeschichte der USA. 1989, 21. und 22. Kapitel
  4. Das Kennedy-Attentat. Das Ende der Verschwörungstheorien. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Oktober 2013, abgerufen am 26. März 2016.
  5. CSI - Forensik für Dummies
  6. Präklinische Traumatologie. Seite 24
  7. JFK Assasination - The complete Orville Nix film. In: Youtube vom 17. April 2010, abgerufen am 25. Juni 2017.
  8. JFK Assasination - Marie Muchmore film. In: Youtube vom 13. Oktober 2013, abgerufen am 25. Juni 2017.
  9. Larry J. Sabato: The Kennedy Half-Century. The Presidency, Assassination, and Lasting Legacy of John F. Kennedy. Bloomsbury, New York 2013, S. 209.
  10. a b JFK – Das Geheimnis der dritten Kugel. Dokumentation von National Geographic
  11. Dale K. Myers: The Shot That Missed JFK: A New Forensic Study. 5. Mai 2015, abgerufen am 26. März 2016 (englisch).
  12. John K. Lattimer: Lincoln and Kennedy. Medical and Ballistic Comparisons of Their Assassinations. Harcourt Brace Jovanovich, San Diego 1980, S. 217 ff.
  13. Alan Peppard: Before gunning for JFK Oswald targeted ex-gen. Edwin A. Walker and missed. In: dallasnews.com 12. Mai 2013, abgerufen am 26. März 2016 (englisch).
  14. a b William Cran, Ben Loeterman: Who Was Lee Harvey Oswals? In: Frontline, abgerufen am 26. März 2016 (englisch).
  15. Dorian Hayes: Oswald, Lee Harvey. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara/ Denver/ London 2003, Band 2, S. 566; Vincent Bugliosi: Four Days in November. The Assassination of President John F. Kennedy. W. W. Norton, New York 2007, S. 286 f.
  16. Warren Commission Report, Chapter 4: The Assassin, Oswald’s Marine Training, abgerufen am 26. März 2016.
  17. Gerald Posner: Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK. Random House, New York 1993, S. 107–109.
  18. Dartmouth Professor finds that iconic Oswald photo was not faked. Presseerklärung des Dartmouth College vom 5. November 2009, abgerufen am 26. März 2016.
  19. Christopher Schrader: Der menschliche Makel. In: Süddeutsche Zeitung vom 13. November 2009.
  20. American Rifleman TV: I Have This Old Gun—Italian Carcano Rifle
  21. Vincent Bugliosi: Four Days in November. The Assassination of President John F. Kennedy. W. W. Norton, New York 2007, S. 121–143 und 162–171
  22. a b JFK – Tatort Dallas. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 1. Mai 2016.
  23. a b JFK (1991). Rotten Tomatoes, abgerufen am 1. Mai 2016.
  24. a b The Invisible Woman. Metacritic, abgerufen am 1. Mai 2016.
  25. JFK - Tatort Dallas (1991). IMDb, abgerufen am 1. Mai 2016.
  26. Andreas Kilb: Abrahams Wahrheit, in: Die Zeit vom 24. Januar 1992, online abgerufen am 12. November 2013
  27. Matthias Matussek: Die Spur der Königsmörder, in: Der Spiegel Nr. 51/1991, online abgerufen am 12. November 2013
  28. ‘Hook,’ ‘JFK’ are Latest Hits with the John Williams Touch (1992). In: The Boston Globe, 19. Januar 1992. Abgerufen am 14. Oktober 2013 (englisch).