Jacob Christian Hansen Ellehammer

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Jacob Ellehammer

Jacob Christian Hansen Ellehammer (* 14. Juni 1871 in Bakkebølle in Sydsjælland, Dänemark; † 20. Mai 1946 in Gentofte) war ein dänischer Luftfahrtpionier. Von väterlicher Seite trug er den Familiennamen Hansen, den er 1901 durch den Namen Ellehammer aus der Familie seiner Mutter ergänzte, weshalb die dänische Schreibweise Jacob Christian Hansen-Ellehammer lautet.

Vielseitige Talente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ellehammer stammte aus einem Elternhaus, wo Erfindungen und Unternehmertum seine Vorbilder waren. Er wuchs in Vålse Vig auf, einem Polder auf der Insel Falster, der durch seinen Vater trockengelegt worden war. Nach einer Uhrmacherlehre und seinem Dienst in der Marine kam er 1893 nach Kopenhagen und arbeitete in verschiedenen Betrieben, in denen elektromechanische Geräte und Schreibmaschinen hergestellt wurden. 1898 gründete er eine eigene Firma unter dem Namen „Ellehammers mekaniske Etablissement“. Zunächst befasste er sich mit der Reparatur von Schreibmaschinen. Dann ließ er ein Gerät mit dem Namen „Kinematograf“ patentieren, ähnlich dem „Kinetoskop“ von Thomas Alva Edison. Wenige Jahre nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen baute er ein Gerät, das im Panoptikum aufgestellt wurde und mit dem die Besucher ihre eigene Hand durchleuchten konnten. Auch einen Musikautomat auf der Basis von Edisons Phonograph produzierte er. Sein Bierschankautomat wurde international verkauft. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts patentierte er mehrere Maschinen zur Automatisierung der Produktion von Zigaretten.

Motorrad als Massenprodukt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1902 begann Ellehammer mit der Entwicklung eines Motorrads, das von 1904 bis 1914 unter dem Namen Elleham produziert wurde.

Flugmaschinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ellehammer Standard 1909. Nachbau aus dem Jahr 1949 im Danmarks Tekniske Museum, Roskilde
Ellehammer Hubschrauber 1914. Pilot war der 60 kg schwere Erik Hildesheim. Ellehammer selbst verursachte die Landung, indem er die Zündung unterbrach.

Er beschäftigte sich anfangs mit dem Bau von Explosionsmotoren und entwickelte 1896 einen Flugmotor. Bereits zu dieser Zeit vertrat er die Meinung, dass nicht Ballons und Luftschiffe, sondern Fluggeräte schwerer als Luft eine Zukunft hätten. 1905 baute er einen Eindecker mit Motor und führte damit Flugversuche durch, jedoch war der 9-PS-Motor zu schwach. Daraufhin konstruierte er einen Motor mit 18 PS. Beide Motoren waren die ersten luftgekühlten Sternmotoren der Welt.

Mit seinem Flugapparat Ellehammer No. 1 und dem vorhin erwähnten 18-PS-Motor gelang ihm auf der kleinen dänischen Insel Lindholm am 12. September 1906 ein Flug mit 42 m Länge und 0,75 m Höhe. Er wurde jedoch nicht anerkannt, da er nicht von der FAI kontrolliert wurde wie der erste Flug von Alberto Santos-Dumont am 23. Oktober 1906.

Ellehammer baute in den Jahren 1907–1916 weitere ähnliche Flugapparate. Am 13. Februar 1908 flog seine neue Flugmaschine rund 300 m.

Am 28. Juni 1908 nahm Ellehammer als einziger Teilnehmer am Preisfliegen mit Flugmaschinen „schwerer als Luft“ des Kieler Verkehrsvereins teil, das anlässlich der Kieler Woche auf dem Nordmarksportfeld veranstaltet wurde. Der gemeldete deutsche Teilnehmer Otto Hermann Fritzsche kam wenige Wochen vor dem Wettbewerb bei einem Autounfall ums Leben. Der Preis von 5000 Goldmark ging daher den einzigen Teilnehmer der Konkurrenz, Jakob Ellehammer, der mit seinem Flugapparat einen Luftsprung von 47 Metern schaffte. Das war der erste öffentliche Motorflug in Deutschland.[1][2]

Im Oktober 1908 flog der deutsche Flugpionier Hans Grade eine Ellehammer IV.

Am 28. September 1912 hob er mit einem selbstgebauten Helikopter kurz ab.

Nach einem Flugunfall 1916 zog er sich aus dem Flugzeugbau zurück. Danach widmete er sich dem Maschinenbau, z. B. dem Motor- und Pumpenbau. Ab 1930 bekam er wieder Interesse am Flugzeugbau, entwickelte aber keine kompletten Flugzeuge mehr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. C. H. Ellehammer: Jeg fløj. Nogle erindringer fra en uforglemmelig tid. (Autobiographie zum 25. Jubiläum seines ersten Flugs, 1931)
  • G. Schmitt, W. Schwipps: Pioniere der frühen Luftfahrt. Gondrom Verlag, Bindlach 1995, ISBN 3-8112-1189-7.
  • Louise Karlskov Skyggebjerg: Multiopfinderen J.C.H. Ellehammer. Herausgegeben von Klassisk Bil & MC. 1. Auflage. 2006, ISBN 87-988456-7-5. (dänisch, mit 13 Seiten englischer Zusammenfassung)
  • Jochen Reiss: 111 Orte in Kiel, die man gesehen haben muss. Emons, Köln 2016, ISBN 978-3-86358-930-1.
  • Joachim Wachtel: Die Aviatiker. Mosaik Verlag, München 1978, ISBN 3-570-00837-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jacob Ellehammer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wachtel, Die Aviatiker, Seiten 83,84
  2. Reiss, 111 Orte in Kiel, Ort 74 Das Nordmarksportfeld