Jacob Klein (Philosoph)

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Jacob Klein (* 3. März 1899 in Liepāja, Russisches Kaiserreich, heute Lettland; † 16. Juli 1978 in Annapolis, Maryland, Vereinigte Staaten) war ein deutsch-amerikanischer Philosoph und Mathematiker jüdischer Abstammung.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klein wuchs in Russland (wozu Litauen damals gehörte), Belgien und Deutschland auf. Er studierte ab 1917 drei Jahre Mathematik und Physik in Berlin und wollte dann bei Edmund Husserl in Freiburg Philosophie studieren (und er war stark von diesem beeinflusst), dieser riet ihm aber in Marburg Philosophie zu studieren. 1922 promovierte er bei Nicolai Hartmann mit einer Dissertation über das Verhältnis von logischen und historischen Überlegungen bei Hegel. Danach studierte er bei Martin Heidegger und war auch als theoretischer Physiker an der Berliner Universität. Danach war er Privatdozent in Marburg, ging nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 nach Prag und ging dann über Berlin und England in die USA. Ab 1937 lehrte er am St. John’s College in Annapolis, Maryland. Hier hatte er in den Jahren von 1949 bis 1958 die Position des Dekans inne. Seine Lehrtätigkeit an diesem College (ein Liberal Arts College dass sich dem „Great Book“ Programm angeschlossen hatte) währte bis zu seinem Tode. Von besonderer Bedeutung ist seine enge Freundschaft mit dem Philosophen Leo Strauss.

Jacob Kleins wohl wichtigstes Werk ist die Studie: Die griechische Logistik und die Entstehung der Algebra (Greek Mathematical Thought and the Origin of Algebra), in der er die Entwicklung von der antiken Mathematik hin zur modernen untersucht, mit besonderer Beachtung des jeweiligen Verständnisses der Zahl. Die zentrale These ist, dass das moderne Verständnis von Mathematik sich auf eine symbolische Interpretation des griechischen Zahlenkonzepts (arithmos) stützt. Er kritisiert darin auch Husserls Zahlkonzept (Hopkins), insbesondere aber die damals gängige, in Büchern von Otto Neugebauer und Bartel Leendert van der Waerden verbreitete Lehre (die auf Hieronymus Zeuthen zurückgeht), dass die Griechen eine geometrische Form der Algebra verwendeten und dabei ihre algebraischen Konzepte von den Babyloniern übernommen hätten, nach Entdeckung der Irrationalität durch die Pythagoräer diese aber in geometrische Form gebracht hätten. Klein's Zugang erfolgte stattdessen über die griechische Philosophie, und seine Kritik wurde später von anderen wieder aufgenommen (Árpád Szabó, Sabetai Unguru), die das Konzept einer griechischen geometrischen Algebra, das von mathematisch geschulten Mathematikhistorikern stammte, für unhistorisch hielten. Nach Klein war dagegen die Darstellung von Zahlen etwa in Euklids Elementen immer mit konkreten Objekten verbunden und die Abstraktion des Zahlbegriffs zur Algebra vollzog sich in der platonischen und neuplatonischen Philosophie (Theoretische Logistik bei Plato als Abstraktion des Zahlbegriffs des Zählens, im Vergleich zur Arithmetik, die die Verhältnisse von Zahlen untereinander betrachtet), über diese bei Diophant (den Klein als Repräsentant der theoretischen Logistik deutet) und von Diophant aus auf die Weiterentwicklung der Algebra bei den Arabern und Francois Viète.

Außerdem veröffentlichte er Kommentare und Studien zu verschiedenen platonischen Dialogen und anderen Themen der antiken Philosophie.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die griechische Logistik und die Entstehung der Algebra. In: Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik, Astronomie und Physik. Abteilung B: Studien. Band 3, Erstes Heft, Berlin 1934, S. 18–105 und Zweites Heft, Berlin 1936, S. 122–235. Wiederveröffentlicht in englischer Sprache unter dem Titel: Greek Mathematical Thought and the Origin of Algebra. Cambridge, Mass. 1968, ISBN 0-486-27289-3.
  • Phenomenology and Science. In: Philosophical Essays in Memory of Edmund Husserl. Cambridge, Mass. 1940, ISBN 0-8371-0071-2.
  • A Commentary on Plato's Meno. Chapel Hill 1965, ISBN 0-226-43959-3.
  • Plato's Trilogy. Theaetetus, the Sophist and the Statesman. Chicago 1977, ISBN 0-226-43951-8.
  • Lectures and Essays. Annapolis, Maryland 1985, ISBN 0-9603690-2-3.
  • Korrespondenz zwischen Jacob Klein und Leo Strauss in: Leo Strauss: Gesammelte Schriften. Band 3: Hobbes´ politische Wissenschaft und zugehörige Schriften – Briefe. Hrsg. Heinrich Meier. Stuttgart, Weimar 2001, S. 455–605, ISBN 3-476-01213-1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burt C. Hopkins: The Origin of the Logic of Symbolic Mathematics: Edmund Husserl and Jacob Klein, Indiana University Press, 2011, ISBN 978-0-253-35671-0.
  • Burt C. Hopkins: The philosophical achievement of Jacob Klein, in: New Yearbook of Phenomenology and Phenomenological Philosophy, Band 11, 2011, S. 282-296
  • Philipp Lenhard: Eine griechische Jeschiwa an der Chesapeake Bay: Leo Strauss, Jacob Klein und das Ideal der Freundschaft. In: Münchner Beiträge zur Jüdischen Geschichte und Kultur. 2/2015. S. 28–41.
  • Martina Schneider: Contextualizing Unguru´s 1975 attack on the historiography of ancient greek mathematics, in: Volker Remmert, Martina Schneider, Henrik Kragh Sörensen (Hrsg.), Historiography of Mathematics in the 19th and 20th centuries, Birkhäuser 2016 S. 251f

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]